Legende oder Wahrheit
Um diesen Mythos über den schwarzen Tee richtig beurteilen zu können, ist es notwendig, sich zunächst einmal näher anzusehen, was bei der Herstellung von Tee überhaupt passiert. Es werden getrocknete Pflanzenteile, in diesem Fall die Blätter für eine gewisse Zeit in heißes Wasser gelegt. Das Wasser alleine würde dabei kaum ausreichen, aber in Kombination mit den hohen Temperaturen, werden aus den Blättern Inhaltsstoffe gelöst und ans Wasser abgegeben. Allein die Farbveränderung machst dies schon deutlich. Bereits beim ersten Kontakt mit den Teeblättern verliert das Wasser sofort seine Klarheit und beginnt einen charakteristischen Farbton anzunehmen. Mit längerer Ziehdauer fällt auf, dass sich der Farbton des Wassers weiter verändert. er wird intensiver, häufig auch dunkler. Dies beweist sehr anschaulich, dass es zum Lösen der Inhaltsstoffe aus den Teeblättern nicht nur Wasser und Temperatur, sondern auch Zeit braucht.Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass je heißer das Wasser ist und je länger Ziehdauer, desto mehr Inhaltsstoffe werden gelöst und befinden sich letzten Endes im Tee. Doch dies ist noch nicht die ganze Wahrheit. Chemische Verbindungen, und nichts anderes sind pflanzliche Inhaltsstoffe, wie Vitamine, Spurenelemente, Aroma- und Gerbstoffe, haben immer auch eine unterschiedliche Löslichkeit im Wasser. Dies bedeutet, dass sich manche von ihnen einfacher und damit schneller in Wasser lösen, als andere. Koffein beispielsweise ist sehr gut wasserlöslich, Gerbstoffe, wie die Tannine lösen sich etwas schlechter im Wasser, brauchen dafür aber schon etwas länger. Und genau da liegt der Grund, warum es sich bei der Aussage, Schwarztee wirkt anregend, wenn er weniger als fünf Minuten und beruhigend, wenn er länger als fünf Minuten zieht, um einen definitiv falschen Mythos handelt. Schwarzer Tee enthält etwa 3 bis 3,5 Prozent Koffein. Diese Menge ist von Natur aus vorgegeben und baut sich durch längere Ziehzeiten nicht plötzlich ab. Da das Koffein außerdem so schnell und leicht in Wasser löslich ist, gehört es mit zu den ersten Substanzen, die von den Blättern in den Tee übergehen. Dagegen benötigt es etwa 2 bis 4 Minuten Ziehzeit, bis die Tannine und andere Gerbstoffe sich lösen. Dies bedeutet in der Konsequenz, dass das Koffein mit längerer Ziehdauer weder weniger oder unwirksam wird. Die Gerbstoffe allerdings nehmen stark zu. Ein schwarzer Tee wirkt also niemals beruhigend, er schmeckt höchstens unangenehm bitter.Fazit
Aber warum taucht dieser Mythos immer wieder auf? Es ist längst bewiesen, dass dieser Aussage keinesfalls zutreffend ist. Wie hoch die Koffeinkonzentration eines schwarzen Tees ist und damit auch wie stark er anregend wirkt, hängt einzige und allein von der jeweiligen Sorte ab und keinesfalls von der Ziehdauer. Weshalb gibt es diese Meinung aber immer noch? Dies ist ein Phänomen, das es auch bei zahlreichen anderen Themen immer wieder gibt. Eine Tatsache ist wissenschaftlich bewiesen oder ein Mythos ist längst widerlegt worden, aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte er sich schon so weit verbreitet und in den Köpfen verankert, dass es schwer ist, ihn völlig auszurotten. Einiges wird oft auch ohne sich groß Gedanken zu machen von einer Generation an die nächste weitergegeben. einfach, weil es "schon immer so war". Neue Erkenntnisse haben es da oft schwer sich durchzusetzten. Aber warum nicht hier einen Anfang machen? Also: eine Tasse Schwarzer Tee wirkt keinesfalls beruhigend, nur weil er länger als 5 Minuten gezogen hat, wie auch beim Kaffee. Die Menge des Koffeins bleibt gleich, nur die Gerbstoffe nehmen zu.Bildnachweis: Die Legende vom beruhigenden schwarzen Tee - © LE image - Fotolia.comWie der Schwarztee entstand: Die Legende aus Fujian
Die Entstehung des Schwarztees ist in Legenden und Geschichte zugleich verwurzelt. Historisch wird die erste Schwarztee-Produktion in der Wuyi-Region in Fujian, China, um das 16. Jahrhundert (Ming-Dynastie) datiert. Die populäre Legende erzählt: Während des Krieges passierten fremde Soldaten (manche Versionen sagen: Soldaten auf dem Durchmarsch) ein Teegut in Fujian und nutzten die Trockenräume als Quartier. Tagelang lagen die frisch gepflückten Teeblätter unbearbeitet und begannen zu oxidieren – sie wurden dunkel und verloren ihren frischen Geruch. Als die Soldaten abzogen, wollten die Bauern den nun dunkel-braun verfärbten Tee wegwerfen. Doch die Not war groß; man verarbeitete ihn weiter, röstete ihn mit Kiefernholz – und entdeckte: Er schmeckte anders als Grüntee, kräftiger, dunkler, wärmer. Dieser erste Schwarztee war der Lapsang Souchong.
Schwarztee im Welthandel: Von Fujian nach Europa
Die europäische Entdeckung des Schwarztees war eine der bedeutendsten Momente der Handelgeschichte. Holländische und portugiesische Händler brachten im 17. Jahrhundert chinesischen Schwarztee nach Europa – unter dem Namen „Bohea" (nach den Wuyi-Bergen). Schwarztee überdauerte die langen Seerouten besser als Grüntee, da die Oxidation ihn stabiler machte. Die britische East India Company begann um 1700, systematisch Schwarztee zu importieren. England wurde zur Schwarztee-Nation, weil Schwarztee mit Milch und Zucker trinkbar ist und zu britischen Frühstücksgewohnheiten passt. Grüntee – in China und Japan Hauptsorte – blieb in Europa bis ins 20. Jahrhundert eine Randerscheinung.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Yan Cha Felsentee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu geraucherten Tee.
Die sechs Tee-Familien und die Besonderheit des Schwarztees
Im chinesischen Tee-Klassifikationssystem ist „Roter Tee" (Hong Cha, 红茶) – was im Westen Schwarztee heißt – eine von sechs Teefamilien. Die Bezeichnung „Schwarztee" kommt von der Farbe des trockenen Blatts (schwarz); der Name „Roter Tee" kommt von der Farbe des Aufgusses (kupferrot). Schwarztee ist vollständig oxidiert (80–100%). Während der Oxidation entstehen Theaflavine und Thearubigine – Polyphenole, die dem Schwarztee seine Farbe, seinen kräftigen Geschmack und seine eigenen gesundheitlichen Eigenschaften verleihen. Schwarztee enthält mehr Koffein als Grüntee (ca. 40–70 mg/Tasse) und hat einen niedrigeren Catechingehalt, aber höheren Theaflavingehalt.
Häufig gestellte Fragen zur Geschichte des Schwarztees
Warum heißt Schwarztee auf Chinesisch „Roter Tee"?
Die chinesische Bezeichnung bezieht sich auf die Farbe des Aufgusses (kupferrot). Der westliche Name kommt von der Farbe des trockenen Blatts (schwarz).
Wann wurde Schwarztee in Europa populär?
Ab dem 17. Jahrhundert durch holländische und britische Händler. Im 18. Jahrhundert wurde England zur Schwarztee-Nation.
Was ist Lapsang Souchong?
Der älteste bekannte Schwarztee, aus der Fujian-Region, über Kiefernholz geräuchert. Gilt als Prototyp des ersten Schwarztees.
Welche Schwarztees gelten als die besten der Welt?
Jin Jun Mei aus Wuyi (China), Darjeeling First Flush (Indien), Ceylon OP (Sri Lanka) und Assam FTGFOP1 (Indien) gelten als Spitzenklasse.
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