Dass in den einzelnen Läden, vor allem, wenn es sich beispielsweise um größere Kaufhausketten handelt, mit so einigen Tricks gearbeitet wird, um die Kunden zum Kaufen anzuregen, ist weithin bekannt. Es gibt sogar eine richtige "Verkaufspsychologie", die sich damit beschäftigt, unter welchen Umständen am meisten gekauft wird. Die Einrichtung und Anordnung der Läden etwa sind keinesfalls dem Zufall überlassen. Mit System und Methodik wird der Kunde ganz bewusst in bestimmte Richtungen gelenkt. Gerne wird dabei zusätzlich zum Beispiel mit Musik, aber auch mit Düften gearbeitet. Vor allem die Düfte erfreuen sich in dem Bereich einer schnell wachsenden Beliebtheit. Das geht sogar so weit, dass sich in der Literatur ganz offizielle Anleitungen zur "neuromanipulativen Methode" finden. Und so viel ist wahrscheinlich schon jedem selbst klar: je angenehmer die Atmosphäre, desto lieber und länger bleibt man. Riecht es in der Obstabteilung angenehm frisch und fruchtig, kann man schon fast gar nicht anders, als Appetit zu bekommen und sich den Einkaufswagen vollzuladen. Diese Taktiken funktionieren allerdings nicht nur bei Lebensmitteln. Kaum jemand bleibt wohl Zeit seines Lebens von der Erfahrung eines Fehlkaufes verschont. Immer wieder einmal passiert es uns, dass wir zu Hause unsere Taschen auspacken und uns im Nachhinein fragen, warum wir das ein oder andere Teil überhaupt gekauft haben. Es gibt inzwischen sogar wissenschaftliche Studien, die untersuchen, welche Düfte das Kaufverhalten besonders anregen oder im Gegenteil vielleicht sogar dämpfen. Das eindeutige Ergebnis: Wohlgeruch alleine reicht noch nicht aus. Wenn ein Duft dann auch noch möglichst einfach ist, sitzt den Kunden das Geld scheinbar wesentlich leichter in der Tasche. Bei komplexeren Düften dagegen, scheint die Mehrzahl eine gut funktionierende Sparbremse zu haben. Aber was hat das alles mit Tee zu tun? Die Washington State University und die Universität St. Gallen haben aktuell eine gemeinsame Duftmarketingstudie durchgeführt, in der sie eindeutig belegen konnten, dass der Duft von Grüntee ganz eindeutig dazu führt, dass die Kunden im Durchschnitt signifikant weniger ausgeben, als beispielsweise Kunden, die im Verkaufsraum etwa Orangenduft in der Nase hatten.

Legende oder Wahrheit?

Das man nicht gerne kauft, wenn es unangenehm riecht, das wird wohl sicher noch jeder so bestätigen. Dass es Düfte gibt, die die Mehrheit als angenehm bzw. als nicht so lecker empfindet, mag auch noch einleuchten. Aber grüner Tee ist inzwischen so beliebt bei uns. Und trotzdem sollen wir plötzlich sparsamer werden, nur weil sein, ja eigentlich doch recht beliebter Duft in der Luft liegt? Schwer vorstellbar. Dennoch sind die Ergebnisse der Studie der beiden Universität eindeutig und auch die Arbeitsmethoden, die zu diesem Ergebnis geführt haben, sind anerkannt und wissenschaftlich wasserdicht. Sicherlich werden wir nicht anfangen und uns Dinge kaufen, die wir weder gebrauchen, noch uns leisten können. Den Verstand vollständig ausschalten werden wir hoffentlich bei einer Kaufentscheidung nie, egal, nach was es gerade duftet. Dennoch müssen wir wohl zugeben und sollten uns bewusst sein, dass wir bis zu einem gewissen Grad vielleicht doch beeinflussbarer sind, als wir bisher gedacht haben. Manipulierbarer wäre ein etwas härteres Wort, wäre aber sicher auch nicht falsch.

Fazit

Nun, jeder geschäftstüchtige Ladeninhaber wird sich angesichts solcher Veröffentlichungen hüten und in seinen Verkaufsräumen Grüntee-Duft versprühen. Als Verbraucher kann man allerdings ebenfalls entsprechende Konsequenzen daraus ziehen. Wer sich vor einem Kaufrausch schützen möchte, könnte sich beispielsweise während seiner Shopping-Tour immer wieder einmal einen grünen Tee genehmigen. Am besten "To Go", dann hat man den Becher immer noch in der Hand und somit den Duft auch noch in der Nase, wenn man schon längst vor den nächsten Regalen steht. Eine Alternative wäre auch ein schönes Parfum. Inzwischen gibt es auch einige Kreationen, bei denen Grüntee mit verarbeitet wurde. Wäre nur schade, wenn genau dieser dann dafür verantwortlich wäre, dass man sich beim Probieren in der Parfümerie dann spontan doch gegen den Kauf entscheidet. Wir sind sicher keinen willenlosen Wesen, die durch verschiedene Düfte, die in den Läden versprüht werden, wie ferngesteuert alles kaufen, was uns in den Blickwinkel kommt. Dennoch ist unsere Stimmung und damit eben auch unsere Kaufhaltung definitiv bis zu einem gewissen Grad beeinflussbar. Wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir aber in Zukunft eventuell doch wieder ein Stück rationeller entscheiden. Und vor größeren Anschaffungen ist es eben doch manchmal besser, erst eine Tasse Tee zu trinken und alles noch einmal zu überdenken. Wenn es dann grüner Tee ist, umso besser. Bildnachweis: Grüner Tee © Thinkstock: iStockphoto

Duftmarketing und die Macht der Aromen

Duftmarketing ist eine gezielte Strategie, bei der Einzelhändler, Hotels und andere Unternehmen bestimmte Aromen einsetzen, um das Kaufverhalten und die Stimmung von Kunden zu beeinflussen. Die Wissenschaft dahinter ist solide: Gerüche sind direkt mit dem limbischen System verbunden (dem emotionalen Zentrum des Gehirns) und können in Millisekunden Stimmungen, Erinnerungen und Kaufentscheidungen beeinflussen. Bäckereien verbreiten künstlich Brotduft; Autowaschanlagen sprühen Zitrusaromen; Kleidungsgeschäfte nutzen Lavendel für ein premiumiges Gefühl. Diese unbewusste Manipulation ist legal, aber ethisch umstritten. Was hat das mit Grüntee zu tun? Grüntee-Aroma wird in einigen Wellness- und Naturkosmetik-Kontexten bewusst eingesetzt, und umgekehrt kann das Wissen um Duftmanipulation den eigenständigen Genuss echten Tees stärken.

Grüntee-Duft als natürliche Alternative

Das natürliche Aroma von Grüntee ist eine der wirksamsten Anti-Duftmarketing-Strategien: Der frische, grasig-blumige Duft frisch aufgebrühten Sencha oder Gyokuro ist nicht manipulativ, sondern einladend. Im Gegensatz zu künstlichen Aromastoffen, die im Gehirn als „unecht" verarbeitet werden können, löst echter Teeduft authentische Reaktionen aus. Forschungen zeigen, dass das Einatmen von Grüntee-Aroma Stresshormone reduziert und Alpha-Gehirnwellen fördert – der Effekt der bewussten Aufmerksamkeit. Wer Grüntee riecht und trinkt, befindet sich in einem durch natürliche Substanzen induzierten Wellness-Zustand, der nicht mit der Manipulation durch kommerzielle Duftmarketing-Produkte vergleichbar ist.

Wie Teekenner Duftmanipulation widerstehen

Die beste Verteidigung gegen Duftmanipulation ist ein geschulter Geruchssinn, der echte von künstlichen Aromen unterscheiden kann. Regelmäßiges Teetrinken – das bewusste Riechen an trockenen Teeblättern vor dem Aufbrühen, das Einatmen des Dampfes beim Aufguss, das Bewerten des Aromas im Tee-Profil – schult die olfaktorische Wahrnehmung. Wer lernt, Longjing von Sencha, Tieguanyin von Da Hong Pao zu unterscheiden, entwickelt einen Geruchssinn, der sich nicht so leicht von künstlichen Düften verführen lässt. Teetrinken ist also auch ein Training in Authentizitätserkennung – eine Fähigkeit, die weit über den Tee hinaus nützlich ist.

Häufig gestellte Fragen zu Grüntee und Duft

Was ist Duftmarketing?
Die gezielte Verwendung von Aromen in Einzelhandel, Hotels und öffentlichen Räumen, um Kunden-Stimmung und Kaufverhalten zu beeinflussen.

Ist es legal, Kunden mit Duft zu manipulieren?
Ja – Duftmarketing ist in den meisten Ländern legal, da es keinen direkten Schaden verursacht. Ethisch ist es umstritten.

Hat das Riechen an Grüntee tatsächlich eine beruhigende Wirkung?
Ja – Studien zeigen, dass Grüntee-Aroma Stresshormone reduziert und entspannende Gehirnwellenmuster fördert.

Kann man Grüntee-Duft als Aromatherapie einsetzen?
Ja – Grüntee-ätherisches Öl oder frisch aufgebrühter Tee als Raum-Duftquelle hat entspannende und konzentrationsfördernde Wirkung.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema: