Cha Ching, das Buch über den Tee von Lu Yu


Im Jahre 780, in der Blütezeit der Tang Dynastie, veröffentlichte der Dichter Lu Yu sein Werk „Cha Ching“, ein Buch über den Tee. Er trug darin alles zusammen, was damals zu diesem Getränk wissenswert war. Er schrieb darin, dass Tee das perfekte Ergebnis aus dem Zusammenspiel der fünf Elemente Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde sei. Tee stelle die absolute Harmonie dar und sei trotzdem bescheiden. Teegenuss habe immer auch etwas mit Einfachheit und Mäßigkeit zu tun. Das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Kräften stehe im Vordergrund. All dies sind Grundsätze und Weisheiten, wie sie bis heute in der chinesischen Teekultur überlebt und in den Teezeremonien regelmäßig angewendet werden.

Cha Ching

Lu Yu führte auch allgemeine Informationen zum Teeanbau, der Verarbeitung und der Zubereitung auf. All dies tat er so exakt und anregend, dass er zu Lebzeiten nicht nur als absoluter Meister des Tees galt, nach seinem Tode wurde ihm von Kaiser sogar der Status eines Teegottes zugestanden. Zur damaligen Zeit war es durchaus üblich, dass der Kaiser verdiente Persönlichkeiten zu Göttern ernannte.

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Das ganze Ausmaß der Bedeutung des Buches „Cha Ching“ wird jedoch erst mit folgender Geschichte deutlich: Der Kaiser sah sich sehr hartnäckigen Aufständen gegenüber. Wenn er eine Chance haben wollte, die Unruhen niederzukämpfen und wieder mit aller Macht herrschen zu können, brauchte er dringend eine möglichst große Zahl an Pferden. Das Fürstentum Huihe wollte ihm zu Hilfe kommen. Sie boten dem Kaiser 1.000 ihrer besten Pferde, als Preis dafür wollten sie aber das Buch von Lu Yu. Leider galt dieses inzwischen als verschollen, da Lu Yu beriets verstorben war.

Die Suche in Shaoxi, das als Entstehungsort galt, war leider erfolglos. Auch in Lu Yus Heimatstadt Jingling fand sich kein Exemplar. Schließlich opferte jedoch Pi Rixiu seinen Band dieses wertvollen Buches und der Tausch kam zustande.

Legende oder Wahrheit?

Die Tang Dynastie gab es, das ist ein geschichtlicher Fakt. Auch Lu Yu lebte und schrieb das Buch über den Tee namens „Cha Ching“. Selbst der rege Handel und die guten Beziehungen zwischen den Kaisern der Tang Dynastie und dem Fürstentum Huihe sind belegt. Trotzdem ist nicht zweifelsfrei bewiesen, dass tatsächlich 1.000 Pferde gegen das berühmte Teebuch getauscht wurden.

Im Grunde ist es auch fast egal, ob diese Legende in allen Einzelheiten der Wahrheit entspricht. Viel bedeutender ist, dass es überhaupt für möglich gehalten wurde, dass ein Buch über Tee stolze 1.000 Pferde wert sein kann. Cha Ching hat auf jeden Fall seinen Weg in Chinas Nordwesten, dem Gebiet des Fürstentums Huihe, gefunden und sein Inhalt war bereits kurz nach seiner Entstehung so bedeutend und wertvoll, dass es sich die Chinesen gut vorstellen konnten, dass es Teil eines bedeutenden Tauschhandels war.

Fazit

Selbst aus geschichtlichen Hintergründen entstehen manchmal Mythen und Legenden, bei denen man sich irgendwann nicht mehr so absolut sicher sein kann, was denn nun eigentlich den Tatsachen entspricht und was im Laufe der Zeit hinzugedichtet wurde. Vor allem, wenn Geschichte über eine lange Zeit hinweg mündlich weitergegeben und erst sehr viel später niedergeschrieben werden, sind häufig Einzelheiten ausgeschmückt oder gar völlig neu hinzugedichtet worden. Fakt ist auf jeden Fall, dass das Buch von Lu Yu in den Jahren nach seiner Entstehung bereits so wertvoll und bedeutend war, dass es sich im ganzen Gebiet des heutigen Chinas ausbreitete.

Es ist sogar bis heute bekannt, es ist in seinen Lehren Teil der chinesischen Teezeremonie und wohl jeder, der sich über Tee und seine Ursprünge ausführlich informieren möchte, stößt früher oder später auf den Namen Lu Yu und sein Cha Ching.

Eine wirklich wunderbare und vielleicht auch unerwartete Tatsache an dieser Legende ist aber, dass es Lu Yus Buch inzwischen aus dem altchinesischen übersetzt und mit wundervollen Illustrationen und Gedichten versehen, zu kaufen gibt. Es erschien bereits 2002 im Verlag Styria in Graz und umfasst 96 Seiten. Für absolute Teefans sicher ein nicht nur informatives, sondern auch unterhaltsames Werk.

So kann sich jeder ganz einfach einen eigenen Eindruck machen und für sich selbst entscheiden, ob ihm dieses Werk ebenfalls 1.000 Pferde wert gewesen wären oder nicht.

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Bildnachweis: Cha Ching © lily – Fotolia.com

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