Inhaltsstoffe
Was die typischen Inhaltsstoffe betrifft, so unterscheidet sich Darjeeling nicht von anderen Sorten schwarzen Tees. Denn weniger die Sorte, vielmehr der Erntezeitpunkt der Teeblätter ist entscheidend für die Konzentrationen einzelner Inhaltsstoffe. So macht sich ein Erntetermin früher oder später im Jahr nicht nur beim Geschmack bemerkbar. Je später die Teeblätter gepflückt werden, desto weniger Gerbstoffe enthalten sie. Ein Second Flush oder gar ein Autumnal, also Tee der erst nach dem Monsunregen im Oktober geerntet wurde, wird selbst bei längerer Ziehdauer nicht so bitter, wie ein First Flush oder ein In-betweens.Anbaugebiete
Der Name des Tees sollte eigentlich auch das Anbaugebiet festlegen. Darjeeling sollte also immer aus der Südhangregion des Himalaya stammen. Theoretisch jedenfalls. Tatsächlich aber ist es so, dass weltweit jährlich rund 40.000 Tonnen Darjeeling Tee auf dem Weltmarkt verkauft werden, während in Darjeeling aber nur zwischen 8.000 und 10.000 produziert werden können. Dies kann nur bedeuten, dass man leider sehr häufig bestenfalls Darfeeling-Mischungen kauft, statt 100 Prozent original Darjeeling. Bei uns ist es in der Tat so, dass Teemischungen, die lediglich noch 51 Prozent Originalware enthalten, trotzdem unter dem Namen Darjeeling verkauft werden dürfen. Möchte man also auf Nummer Sicher gehen, sollte man genau nachlesen, was man sich da gerade kauft. Zudem gibt es seit 1953 in Indien das "Tea Board of India", das Siegel und Lizenznummern vergibt. So erkennt man auf den ersten Blick, dass es sich um reine Ware ohne Verschnitt und Mischungen handelt.Herstellung
Die Herstellung von Darjeeling unterscheidet sich nicht von der anderer Sorten schwarzen Tees. Auch hier sind die einzelnen Arbeitsschritte dank moderner Maschinen heutzutage wesentlich einfacher und auch schneller. So dauert es gerade mal noch maximal einen Tag von der Ernte bis zum fertigen Tee. Bereits nach dem Welken kommen zum Rollen der Teeblätter die ersten Maschinen zum Einsatz. Fermentation und die abschließende Trocknung sind ebenfalls Technikunterstützt. Und selbst zu guter Letzt, wenn die Blätter nach ihrem Qualitätsgrad aussortiert werden, übernimmt dies eine Maschine. Ganze Blätter haben dabei die höchste Güte, gefolgt von Broken-Tea, Fanning, also maximal 1 mm große Bruchstücke, die zu Teebeuteln weiterverarbeitet werden und zu guter Letzt Dust.Fazit
Darjeeling ist und bleibt wohl ein beliebter Klassiker unter den schwarzen Tees. Wohl jeder hat diesen Namen schon mal gehört, wenn nicht sogar auch den dazugehörigen Tee getrunken. Schade nur, dass leider auch erfolgreich versucht wird, mit einem guten Namen Geld zu machen. So werden täglich nicht wenige Verbraucher ge- und sicher auch enttäuscht, weil sie Darjeeling trinken, der gar keiner ist. Bildnachweis: Darjeeling - © darknightsky - Fotolia.comDarjeeling Schwarztee zubereiten: Der Champagner der Tees
Darjeeling Schwarztee verdient bei der Zubereitung besondere Sorgfalt, da sein komplexes Aromaprofil durch falsche Zubereitung leicht zerstört werden kann. Das Wasser sollte auf 90 bis 95 Grad Celsius erhitzt werden – kein vollständiges Kochen. Pro Tasse (250 ml) zwei bis drei Gramm loser Tee verwenden. Die Ziehzeit hängt vom Oxidationsgrad ab: First Flush zwei bis drei Minuten, Second Flush drei bis vier Minuten. Niemals länger ziehen als empfohlen – Darjeeling wird bei zu langer Ziehzeit bitter und adstringent.
Darjeeling pur oder mit einem Hauch Milch – Kenner bevorzugen pur, besonders beim First Flush. Ein Schuss Milch mildert die Adstringenz des kräftigeren Second Flush. Zucker ist optional, aber bei hochwertigem Darjeeling überflüssig, da seine natürliche Süße und Komplexität überwältigt werden. First Flush eignet sich hervorragend als Morgen-Wachtee; Second Flush als Nachmittagstee. Darjeeling ist auch hervorragend als Eistee, besonders wenn er mit einem Hauch Pfirsich oder Zitrone kombiniert wird.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
First Flush vs. Second Flush: Der entscheidende Unterschied
Darjeeling-Tee wird in mehreren Erntedurchgängen (Flushes) gepflückt. Der First Flush (März-April) ist die erste Ernte nach dem Winter. Die Blätter sind zart, hell und aromatisch, der Tee hat eine helle, goldgrüne Farbe und ein intensiv florales, muscatell-artiges Aroma mit einer leichten Adstringenz. First Flush gilt als das Juwel unter den Darjeeling-Tees und erzielt bei Teeauktionen die höchsten Preise.
Der Second Flush (Mai-Juni) ist kräftiger, voller und hat eine ausgeprägtere Farbe (goldbraun bis kupferfarben). Das muscatell-Aroma ist noch ausgeprägter und tiefer als beim First Flush. Second Flush gilt bei vielen Kennern als der charakteristischste Darjeeling-Tee und ist zugänglicher für den täglichen Genuss. Der Monsun-Flush (Juni-September) ist günstiger und weniger komplex; der Herbst-Flush (Oktober-November) hat eigene Qualitäten. Jeder Flush bietet ein anderes Geschmackserlebnis.
Geschichte: Darjeeling und der britische Teehandel
Darjeeling als Tee-Region hat seinen Ursprung in der britischen Kolonialzeit. In den 1840er Jahren begannen britische Botaniker und Verwaltungsbeamte, die Möglichkeiten des Teeanbaus in den kühlen Hügeln Darjeelings zu erkunden. Der Botaniker Archibald Campbell pflanzte 1841 erste Teesamen chinesischer Herkunft in seinem Garten in Darjeeling. Bis 1870 hatte sich Darjeeling zu einem bedeutenden Tee-Anbaugebiet entwickelt.
Der Begriff „Champagner der Tees" wurde von Teeexperten geprägt, die auf Darjeelings einzigartigen, unverwechselbaren Charakter hinweisen wollten – ähnlich wie beim Champagner, der ebenfalls nur aus einer spezifischen Region stammt und seinen unverwechselbaren Charakter aus dem Terroir zieht. 2004 erhielt Darjeeling als erster indischer Tee das Geographical Indication (GI)-Siegel, das ihn vor Nachahmungen schützt.
Häufig gestellte Fragen zu Darjeeling
Warum ist echter Darjeeling so teuer?
Darjeeling-Tee kann nur in der gleichnamigen Region angebaut werden, die geografisch begrenzt ist. Die steilen Hanglagen erfordern Handernte, die Qualitätsstandards sind hoch, und die Nachfrage unter Teeliebhabern weltweit übersteigt das Angebot. Günstiger „Darjeeling" im Handel stammt oft aus anderen Regionen – echtes GI-zertifiziertes Darjeeling ist entsprechend teurer.
Was macht das Muscatel-Aroma aus?
Das muscatell-artige Aroma entsteht durch eine Kombination aus Terroir (Boden, Klima, Höhenlage) und dem Befall der Blätter durch die Blattlaus Empoasca flavescens, die besonders beim Second Flush aktiv ist und durch ihr Saugen an den Blättern bestimmte Aromen-Vorläufer produziert. Ähnlich entsteht das Muskat-Aroma bei Oriental Beauty Oolong aus Taiwan.
Ist Darjeeling für Tee-Einsteiger geeignet?
Ja – Second Flush Darjeeling ist für Einsteiger zugänglich und komplexer als einfacher Schwarztee. First Flush kann für manche etwas zu leicht und zu teuer sein für erste Erfahrungen. Als Einstieg in die Welt der Spezialitäten-Schwarztees ist Darjeeling ideal.
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