Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) ist eine koffeinfreie Kletterpflanze aus den Bergregionen Asiens, die in China als Kraut der Unsterblichkeit gilt. Ihr Aufguss schmeckt mild und erinnert an Lakritz. Bekannt wurde sie vor allem durch die Provinz Guizhou mit ihrem hohen Anteil sehr alter Bewohner. Hier erfahren Sie, woher die Pflanze stammt, was in ihr steckt und wie Sie den Tee richtig aufgießen.

Steckbrief
Pflanze/BasisJiaogulan (Gynostemma pentaphyllum), Kürbisgewächs
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilmild, leicht süßlich, lakritzartig mit feiner Bitternote
Wassertemperaturca. 70-80 °C
Ziehzeit5-7 Minuten
Dosierung1-2 TL getrocknetes Kraut pro Tasse (250 ml)
Aufgüsse2-3 Aufgüsse möglich
Preisspanneca. 4-9 € pro 100 g, Bio-Qualität höher

Was Jiaogulan ist und woher der Name kommt

Jiaogulan ist eine rankende Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse und in China auch als Tausendkraut bekannt. Der klangvolle Beiname Kraut der Unsterblichkeit ist Folklore und sollte nicht wörtlich genommen werden: Die Pflanze ist kein Wundermittel, sondern in erster Linie ein angenehmes Genussgetränk mit langer Tradition in der chinesischen Volksheilkunde.

Pharmakologisch interessant ist die Nähe zum Ginseng. Beide enthalten saponinartige Verbindungen, im Fall von Jiaogulan die sogenannten Gypenoside, von denen über 80 verschiedene beschrieben sind. Wer den Vergleich sucht, findet ihn in unserem Beitrag zum Ginseng-Tee.

Herkunft und Anbaugebiete

Die Heimat des Jiaogulan erstreckt sich über weite Teile Asiens, der überwiegende Teil stammt jedoch aus China. Neben Wildbeständen gibt es längst gezielte Kulturen. Besonders die südchinesische Provinz Guizhou hat sich mit dem Kraut einen Namen gemacht.

Werbewirksam ist der dort überdurchschnittlich hohe Anteil an Bewohnern, die 100 Jahre und älter sind. Weitere bedeutende Anbauprovinzen sind Anhui, Hunan, Sichuan und Jiangsu. Gute Ausgangsqualität verlangt Hochebenen mit feuchtem Klima und sauberer Luft, weshalb Lagen oberhalb von 300 Metern bevorzugt werden.

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Geschmack und Charakter

Jiaogulan-Tee schmeckt mild und leicht süßlich, viele Trinker beschreiben eine deutliche Lakritznote mit feiner Bitterkeit im Abgang. Damit unterscheidet er sich klar von herben Grüntees und wirkt zugänglicher als die meisten reinen Kräutertees.

In unserer Verkostung trat das Süßliche bei kürzerer Ziehzeit stärker hervor, während längeres Ziehen die Bitterkeit betont. Wer das Aroma erweitern möchte, mischt Jiaogulan mit milden Kräutern wie Melisse oder genießt ihn im Sommer kalt, ähnlich wie unseren Sommertee. Mit Honig gesüßt verstärkt sich der lakritzartige Eindruck zusätzlich.

Inhaltsstoffe

Im Mittelpunkt stehen die Gypenoside, eine Gruppe von Saponinen, die strukturell den Ginsenosiden des Ginseng ähneln. Hinzu kommen Flavonoide, Aminosäuren und Polysaccharide. Obwohl Jiaogulan keine Spur von Koffein enthält, beschreiben Trinker den Aufguss oft als belebend und ausgleichend.

In der traditionellen chinesischen Medizin wird Jiaogulan als adaptogene Pflanze eingeordnet, der eine den Organismus ausgleichende Rolle zugeschrieben wird. Belastbare klinische Belege für konkrete Heilwirkungen liegen bislang nur begrenzt vor, weshalb der Tee als Genussmittel und nicht als Arznei betrachtet werden sollte. Ähnlich vorsichtig ordnen wir die Datenlage bei anderen Heilkräutern wie dem Johanniskraut-Tee ein.

Herstellung und Zubereitung

Die Verarbeitung ist wie bei den meisten Kräutertees unaufwendig: Die Blätter werden geerntet, getrocknet und zerkleinert. Manche Anbieter rollen sie vor dem Trocknen zu kleinen Kugeln, was das Dosieren erleichtert und eine gleichmäßige Konzentration sichert.

Für den Aufguss verwenden Sie ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Kraut pro Tasse (250 ml) und übergießen es mit etwa 70 bis 80 Grad heißem Wasser. Fünf bis sieben Minuten Ziehzeit lösen die süßlichen Noten. Das Kraut trägt zwei bis drei Aufgüsse, bevor das Aroma deutlich nachlässt. Wer es kräftiger mag, erhöht die Dosierung statt der Ziehzeit, um Bitterstoffe zu vermeiden.

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Kauf und Lagerung

Im Handel finden Sie Jiaogulan meist als losen Schnitt, seltener als gerollte Kugeln oder im Teebeutel. Gute Ware erkennen Sie an gleichmäßig grünen, trockenen Blättern und einem frischen, leicht heuartigen Duft. Bio-Zertifizierung gibt zusätzliche Sicherheit, da das Kraut zum Teil im Freiland wächst.

Lagern Sie die Blätter trocken, dunkel und luftdicht in einer Dose, abseits von stark riechenden Lebensmitteln. So bleibt das Aroma rund ein Jahr erhalten. Wer es selbst zieht, baut Jiaogulan als mehrjährige Kletterpflanze an einer Rankhilfe im Garten oder Kübel an; in milden Lagen übersteht die Wurzel sogar den Winter. Eine weitere robuste Gartenpflanze für den Teegenuss stellt unser Eichen-Tee vor.

Häufige Fragen

Macht Jiaogulan-Tee wirklich unsterblich?
Nein, der Beiname Kraut der Unsterblichkeit ist Folklore aus China. Jiaogulan ist ein koffeinfreies Genussgetränk mit mildem, lakritzartigem Geschmack und kein Heilmittel oder Wundermittel.

Wie schmeckt Jiaogulan-Tee?
Mild und leicht süßlich mit einer deutlichen Lakritznote und feiner Bitterkeit im Abgang. Bei kurzer Ziehzeit dominiert das Süßliche, längeres Ziehen betont die Bitterstoffe.

Enthält Jiaogulan Koffein?
Nein, Jiaogulan ist vollständig koffeinfrei und eignet sich daher auch für den Abend. Trotzdem beschreiben viele den Aufguss als angenehm belebend.

Woher stammt Jiaogulan?
Die Pflanze wächst in weiten Teilen Asiens, der meiste Tee kommt jedoch aus China. Besonders bekannt ist die Provinz Guizhou, daneben spielen Anhui, Hunan, Sichuan und Jiangsu eine Rolle.

Wie bereite ich Jiaogulan-Tee zu?
Ein bis zwei Teelöffel Kraut pro Tasse mit etwa 70 bis 80 Grad heißem Wasser übergießen und fünf bis sieben Minuten ziehen lassen. Das Kraut lässt sich zwei- bis dreimal aufgießen.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.