Mit knapp 1 Million Tonnen geerntetem Tee, lag Indien im Jahr 2010 direkt hinter China ganz eindeutig auf Platz 2 der weltgrößten Teeproduzenten. Doch das war nicht immer so. Während Tee in China bereits eine Jahrhunderte alte Tradition besitzt, spielt Tee in Indien dagegen erst seit 170 Jahren eine Rolle. Wilder Tee wuchs zwar scheinbar schon immer in den Bergwäldern der Region Assam, war aber bisher noch nicht entdeckt worden. Es waren einige Zufällen und ganz besonders die Briten, denen Indien seine heutige Bedeutung für Tee weltweit zu verdanken hat - besonders dem Schwarztee, Grüntee aber auch weisser Tee. Nachdem die Macht des bisher regierenden Moguln zusammengebrochen war, hatten die Engländer ganz Indien besetzt und als Kronkolonie ins Britische Empire eingegliedert. Bereits zu dieser Zeit gewann Tee in England zunehmend an Beliebtheit. Die Briten hatten mit ihrer East India Company das weltweite Monopol auf Teelieferungen, waren aber allerdings von China, als einzigem Produzenten angewiesen. Dennoch machte sich der renommierte Botaniker Joseph Bank Gedanken über eine mögliche Teeproduktion in Indien.Er war überzeugt davon, dass die klimatischen und geographischen Bedingungen in Indien dafür die besten Voraussetzungen bieten würden. Er ließ sogar Teesamen aus China in den Botanischen Garten Kalkutta schmuggeln, um daraus neue Pflanzen zu ziehen und zu versuchen, diese in Indien zu kultivieren. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden von einem britischen Abendteurer namens Robert Bruce wilde Teepflanzen in den Wäldern Assams entdeckt. Sie unterschieden sich etwas von ihren chinesischen Verwandten, gehörten aber ganz eindeutig zur Spezies der Teesträucher. Somit war der Beweis erbracht, dass Tee auch in Indien gedeihen kann. Mitte des 19. Jahrhunderts dann verlor die East India Company ihr Teehandelsmonopol und musste mit einbrechenden Umsätzen kämpfen. Da nun nicht mehr nur ausschließlich britische Schiffe Tee transportieren durften, beteiligten sich auch andere Nationen, wie etwa Deutschland oder sogar die USA an diesem lukrativen Geschäft. Wollten die Briten weiterhin einen Wettbewerbsvorteil haben, mussten sie eine Möglichkeit finden, den Tee so schnell wie möglich an seinen Bestimmungsort zu bringen. Schneller Schiffe waren eine Option, kürzere Handelswege eine andere. So wurden die Bemühungen Tee in Indien zu kultivieren und zu produzieren plötzlich stark vorangetrieben. 1853 schließlich gelang es, das erste Mal echten indischen Tee zu exportieren. Schnell breiteten sich die Anbaugebiete aus und bis heute sind Ceylon, Assam und Darjeeling sind jedem Teefan bis heute ein Begriff und zeitgleich auch immer noch bedeutende indische Teebaugebiete.

Legende oder Wahrheit?

Dieser Punkt kann in diesem Fall denkbar kurz behandelt werden. Die geschichtlichen Fakten sind zweifelsfrei belegt. In den Details mögen einzelne Berichte voneinander abweichen. Die Tatsache jedoch ist unbestritten. Die Briten haben entscheidend dazu beigetragen, dass Indien zum Teeland wurde und es kann niemand mit Gewissheit sagen, dass dies bei einem anderen Verlauf der Geschichte ebenso oder zumindest so ähnlich gekommen wäre.

Fazit

Der große Erfolg des britischen Empires und die Entwicklungen auf dem Welthandelsmarkt waren ohne Zweifel der Grund, weshalb Indien überhaupt zum Teeproduzenten wurde. Das der Tee aber auch erfolgreich wurde, das konnten die Briten nur bedingt beeinflussen. Was die Züchtung und Herstellung an sich betrifft, da ließen sie sich von Teebauern aus China helfen. Allerdings schmeckt indischer Tee würziger und aromatischer, als vergleichbare Produkte aus anderen Ländern. Diese Eigenschaft ist aber in erster Linie der eigenen Art der Teesträucher und den Anbaubedingungen in Indien zu verdanken. Alles Punkte, die kein Mensch beeinflussen konnte und kann. Den Briten war dieses kräftige Aroma schnell viel lieber als die vergleichsweise zarten und dezenten Tees aus China. Sie wurde bald schon in ganz England ausschließlich indischer schwarzer und grüner Tee getrunken und auch das ist eine Tatsache, die sich bis heute kaum verändert hat. Egal, ob pur, aromatisiert oder in Mischungen verarbeitet. Was Tee betrifft scheinen Großbritannien und Indien bis heute unzertrennlich, verbunden durch den guten Geschmack des Tees. Politisch gesehen ist Indien längst unabhängig, die Zugehörigkeit zum Empire gehört im wahrsten Sinne des Wortes der Geschichte an. Doch der Tee verbindet beide Nationen unverändert und wird dies wohl auch weiterhin tun. Es gäbe wohl wesentlich unangenehmere Erinnerungen an eine ehemalige Besatzung. Sicher war die Zeit als britische Kronkolonie für Indien und seine Bevölkerung nicht nur der wunderbare Weg zu einer großen Teenation. ganz gewiss gab es auch hier Situationen und Bedingungen, unter denen die Inder litten. Allerdings ist der Tee bis heute eine gute Erinnerung daran, dass nicht alles negativ war.Bildnachweis: Tee und Indien © ZINQ Stock - Fotolia.com

Indischen Tee richtig zubereiten: Masala Chai und Assam

Die zwei bekanntesten Zubereitungsarten indischen Tees könnten unterschiedlicher kaum sein. Der klassische Assam-Schwarztee: Wasser sprudelnd kochen (100°C), 3–4 g Tee auf 200 ml Wasser, 4–5 Minuten ziehen lassen, mit oder ohne Milch servieren. Der Assam hat einen kräftigen, malzigen Charakter, der Milch und Zucker verträgt wie kaum ein anderer Tee. Masala Chai hingegen ist eine Komposition: Wasser mit Gewürzen (Kardamom, Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer) aufkochen, Tee zugeben, Milch hinzufügen und gemeinsam aufkochen, abseilen, mit Zucker oder Honig süßen. Diese Art des Kochens – nicht nur Ziehens – ist typisch indisch und ergibt ein vollmundiges, cremiges Heißgetränk.

Gesundheitliche Wirkung des indischen Tees

Assam-Schwarztee enthält hohe Konzentrationen an Theaflavinen und Thearubiginen – Polyphenole, die durch die vollständige Oxidation entstehen. Diese Verbindungen schützen das Herz-Kreislauf-System, wirken antientzündlich und können den LDL-Cholesterinspiegel senken. Mit 50–80 mg Koffein pro Tasse ist Assam einer der koffeinreichsten Tees und ideal für den Morgeneinstieg. Masala Chai verbindet die Vorteile des Schwarztees mit der Heilkraft der Gewürze: Ingwer wirkt verdauungsfördernd und antientzündlich, Kardamom beruhigt den Magen und ist antimikrobiell, Zimt hilft bei der Blutzuckerregulation, Nelken sind stark antioxidativ. Diese Kombination macht Masala Chai zu einem der gesundheitlichsten traditionellen Heißgetränke weltweit.

Die Geschichte: Wie Tee zufällig nach Indien kam

Lange wurde behauptet, Tee sei in Indien eine rein britische Erfindung. Die Wahrheit ist komplizierter: Als Robert Bruce 1823 in der Assam-Region wildwachsende Teepflanzen entdeckte, bemerkte er, dass die lokalen Singpho-Stämme diese seit Generationen nutzten. Es war also kein britischer Triumph, sondern ein „Zufall" der Entdeckung: Die Briten standen tatsächlich auf Tee, der in Indien heimisch war. Das britische Empire etablierte dann die plantagenmäßige Kultivierung der Camellia sinensis var. assamica – einer größblättrigeren, robusteren Varietät als die chinesische Pflanze. Bis 1840 produzierten die Assam Tea Company die ersten kommerziellen Chargen, und bis 1900 hatte Indien China als weltgrößten Teeproduzenten nahezu eingeholt.

FAQ: Wie Tee nach Indien kam

Wann entdeckten die Briten Tee in Indien? Robert Bruce entdeckte 1823 wildwachsende Teepflanzen in Assam. Sein Bruder Charles Alexander Bruce baute die ersten Teeplantagen kommerziell aus.

Welche indische Teesorte ist am bekanntesten? Darjeeling (First und Second Flush) und Assam CTC (Crush, Tear, Curl) sind die international bekanntesten. Darjeeling gilt als „Champagner unter den Tees".

Was bedeutet „CTC" bei indischem Tee? Crush, Tear, Curl – eine Verarbeitungsmethode, bei der Teeblätter durch Metallwalzen gedrückt werden, um kleine Granulatkugeln zu erzeugen. Diese lösen sich schnell auf und ergeben kräftigen, dunklen Tee – ideal für Milchtee.

Wann ist die beste Erntezeit für Darjeeling? Der First Flush (März–April) gilt als der wertvollste – blumig, leicht und frisch. Der Second Flush (Mai–Juni) ist voller und muscatartiger. Monsoon und Autumn Flush haben geringere Komplexität.

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