Die chinesische Teekultur ist die älteste der Welt - und sie hat selbst die Kulturrevolution von 1966 bis 1976 überlebt, als die Teehäuser geschlossen wurden und die Zeremonien nur im Familienkreis weiterlebten. Dieser Artikel zeigt, wie sich die Zubereitung über drei historische Schulen entwickelte, wie eine Gongfu-Cha-Zeremonie abläuft und welche Rolle Tee bei Ehre, Heirat und Gastfreundschaft spielt.
Drei Schulen: vom gesalzenen Pulver zum ganzen Blatt
Die Art der Zubereitung wandelte sich über die Dynastien grundlegend. In der Tang-Zeit (618-907) kochte man pulverisierten Tee mit einer Prise Salz so lange im Wasser, bis es die richtige Farbe annahm - die "Schule des gesalzenen Pulvertees". Aus dieser Epoche stammt auch das erste Teebuch der Welt, das wir im Beitrag zu Lu Yus Cha Ching vorstellen.
Die Song-Dynastie (960-1279) verfeinerte das Verfahren: Der Tee wurde nun mit kochendem Wasser aufgegossen und mit einem Bambusbesen schaumig geschlagen; die besten Teemeister maßen sich darin, wessen Schaum am längsten hielt - die "Schule der geschäumten Jade". Erst die Ming-Zeit (1368-1644) brachte mit der "Schule des duftenden Blattes" ganze Teeblätter in die Kanne, neben Grüntee erstmals auch Oolong. Aus dieser Praxis entstand die bis heute beliebteste Zeremonie: das Gongfu Cha.
Gongfu Cha: der Ablauf der Zeremonie
Zu Beginn spült der Teemeister Kanne und Schälchen mit heißem Wasser aus - das reinigt und wärmt zugleich vor. Dann kommen die Oolong-Blätter in die Kanne. Der erste Aufguss, der "Aufguss des guten Geruchs", wird sofort abgegossen und nicht getrunken: Er öffnet die Blätter und spült einen Teil der Bitterstoffe heraus, damit die folgenden Aufgüsse runder schmecken.
Der zweite Aufguss, der "Aufguss des guten Geschmacks", zieht nur 10 bis 30 Sekunden. Bei entsprechend hoher Blattqualität lässt sich das bis zu 15-mal wiederholen; diese "Aufgüsse der langen Freundschaft" ziehen jeweils 10 Sekunden länger als der vorherige und schmecken jedes Mal anders. Getrunken wird bei der Zeremonie traditionell ungesüßter Tee - meist grüner, in der Gongfu-Variante bevorzugt Oolong.
Regionale Trinksitten: von Jasmintee bis Yak-Butter
Landesweit wird am liebsten grüner Tee getrunken, doch die Regionen pflegen eigene Vorlieben: In Peking serviert man zur Zeremonie gern Jasmintee, in der Provinz Fujian überwiegend schwarzen Tee. Mongolische Hirten im Norden würzen ihren Tee mit Salz und etwas Milch, in Südchina wird er mit Fruchtstücken gekocht, und in Hunan kommen Ingwer, Sesam und Sojabohnen hinein - ist die Tasse leer, isst man die Reste.
Den eigenwilligsten Weg ging Tibet: Dort wird Grüntee zu Pulver vermahlen, mit Reiswasser in Ziegelform gepresst und getrocknet. Dieser Ziegeltee wird in der Kanne aufgekocht und mit einer Prise Salz gewürzt; besonderen Gästen rührt man ein Stück Yak-Butter hinein. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zur tibetischen Teekultur.
Teegeschirr: von der Keramikschale zum Porzellanmonopol
Ursprünglich bestand das Geschirr aus schlichten Schalen, der Tee wurde im Kessel gekocht. Mit der Zeremonie entwickelte sich auch das Gerät weiter: erst Kannen aus rötlicher Keramik, später kunstvolles Porzellan in immer neuen Formen, schließlich mit feinsten Kalligraphien verziert. Als Europa diese Kostbarkeiten entdeckte - nicht zuletzt durch die Berichte Marco Polos -, sicherte sich der Kaiser das Exportmonopol auf Porzellan und füllte damit die Staatskasse.
Die Teekanne wurde dabei zum Statussymbol: Tagelöhner tranken aus Zinnkannen, den höchstgestellten Gästen wurde der Tee in gedeckelten Porzellanschalen serviert. Während der Kulturrevolution galt die kunstvolle Porzellanherstellung dann als reaktionär - das Todesurteil für eine jahrhundertealte Handwerkskunst.
Tee als Zeichen von Ehre und Wertschätzung
Jemandem eine Tasse Tee anzubieten heißt in China, ihm Ehrerbietung zu erweisen - vom Gastgeber gegenüber dem Gast ebenso wie von der jüngeren Generation gegenüber der älteren. Die Fähigkeit, guten Tee zu kochen, war früher sogar ein Heiratskriterium: Eltern wünschten sich ausdrücklich eine Schwiegertochter, die dieses Handwerk beherrschte.
Bei alten Hochzeitsbräuchen spielt Tee bis heute eine Rolle; früher stand die künftige Schwiegertochter am Hochzeitsmorgen besonders früh auf, um den Schwiegereltern Tee zu servieren. Wie stark sich solche Rituale von anderen Traditionen unterscheiden, zeigt der Vergleich mit der streng kodifizierten japanischen Teekultur, die aus den chinesischen Vorbildern eine eigene Kunstform entwickelte.
Unterdrückung und Wiederkehr: die Teekultur heute
Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 wurden die meisten Teehäuser geschlossen, die Zeremonien sollten unterdrückt und ausradiert werden. Doch im familiären Kreis blieben die Riten unverändert erhalten - und genau dort überdauerten sie die zehn Jahre der Verfolgung.
Seither erholt sich die öffentliche Teekultur Schritt für Schritt: Teehäuser öffnen wieder, junge Chinesen entdecken Gongfu Cha neu, und die alten Schulen der Zubereitung werden wieder gelehrt. Wer die historischen Hintergründe des Teelandes vertiefen will, findet im Überblick China und der Tee Zahlen, Anbaugebiete und berühmte Sorten.
Häufige Fragen
Was ist Gongfu Cha?
Die klassische chinesische Teezeremonie aus der Ming-Zeit. Oolong-Blätter werden viele Male kurz aufgegossen: Der erste Aufguss wird weggeschüttet, der zweite zieht 10 bis 30 Sekunden, bis zu 15 Aufgüsse sind möglich.
Warum wird der erste Aufguss beim Gongfu Cha nicht getrunken?
Der "Aufguss des guten Geruchs" öffnet die Blätter und löst bereits einen Teil der Bitterstoffe heraus. Dadurch schmecken die folgenden Aufgüsse deutlich runder und angenehmer.
Welchen Tee trinkt man bei einer chinesischen Teezeremonie?
Traditionell ausschließlich ungesüßten Tee - landesweit meist grünen, beim Gongfu Cha bevorzugt Oolong. In Peking ist Jasmintee üblich, in Fujian eher schwarzer Tee.
Wie hat die Teekultur die Kulturrevolution überstanden?
Zwischen 1966 und 1976 wurden die Teehäuser geschlossen und die Zeremonien öffentlich unterdrückt. In den Familien wurden die Riten jedoch unverändert weitergegeben und leben deshalb bis heute fort.
Warum war die Teekanne in China ein Statussymbol?
Das Material verriet die soziale Schicht: Tagelöhner tranken aus Zinnkannen, hochgestellte Gäste erhielten ihren Tee in gedeckelten Porzellanschalen. Auch gutes Teekochen galt als Auszeichnung, etwa bei der Brautwahl.
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