Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees
Bei einer chinesischen Teezeremonie ist es von großer Bedeutung, dass der Tee bereits entsprechend zubereitet wird. Die Art und Weise war jedoch nicht immer gleich. Zu Beginn der Geschichte der Teekultur, während der sogenannten Tang-Phase, war es üblich mit einer Prise Salz versetzten pulverisierten Tee zu verwenden. Dieser wurde gemeinsam mit dem Wasser so lange aufgekocht, bis das Wasser die passende Farbe angenommen hatte. Diese Zeit wird auch heute noch "Schule des gesalzenen Pulvertees" genannt. Während der anschließenden Song-Dynastie wurden einige Details verändert. So wurde der Tee jetzt mit kochendem Wasser aufgegossen und außerdem von den Teemeistern mit einem Bambusbesen schaumig geschlagen. Den Besten unter ihnen gelang es, einen möglichst haltbaren Schaum zu erzeugen. Diese Phase ging unter dem Namen "Schule der geschäumten Jade" in die Geschichte ein. In der Ming-Phase wurden dann erstmals ganze Teeblätter verwendet, deshalb auch der Name "Schule des duftenden Blattes". Zu dieser Zeit wurde neben grünem Tee auch erstmals Oolong verwendet. Diese eigene chinesische Teezeremonie erhielt den Namen "Gongfu Cha" und ist nach wie vor eine der beliebtesten.Der Ablauf der Teezeremonie
Die chinesische Tezeremonie, auch Gongfu Cha Zeremonie genannt, beginnt zunächst damit, dass der Teemeister die Kanne und auch die Teeschalen mit heißem Wasser ausspült und damit sowohl reinigt, als auch vorwärmt. Dann werden die Oolong-Blätter in die Kanne gegeben und aufgegossen. Dieser erste Aufguss heißt "Aufguss des guten Geruchs" und wird sofort in die Schalen gegossen aber nicht getrunken. Zweck des ersten Aufguss ist es, die Blätter zu öffnen und bereits einen Teil der bitteren Geschmacksstoffe zu lösen. So ist der Geschmack der folgenden Aufgüsse wesentlich angenehmer. Der zweite Aufguss, der "Aufguss des guten Geschmacks" wird nach etwa 10 bis 30 Sekunden in die Schalen gegossen. Insgesamt kann dies bis zu 15 mal wiederholt werden, vorausgesetzt der Tee hat eine entsprechend hohe Qualität. Diese "Aufgüsse der langen Freundschaft" ziehen jeweils 10 Sekunden länger als der Aufguss zuvor und haben auch jedes Mal einen anderen Geschmack. Allgemein wird in China am liebsten grüner Tee getrunken, trotzdem gibt es regionale Unterschiede und spezielle Vorlieben. In Peking zum Beispiel wird zur Teezeremonie meist Jasmintee serviert. Und in der Provinz Fujian wird vorwiegend schwarzer Tee getrunken. In Tibet dagegen wurde ein ganz eigener Tee für die Teezeremonie entwickelt. Dort wird grüner Tee zu Pulver vermahlen, mit Hilfe von Reiswasser in eine Ziegelform gepresst und wieder getrocknet. Dieser "Ziegeltee" wird dann in der Teekanne aufgekocht und mit einer Prise Salz gewürzt. Möchte man seinen Gästen eine besondere Ehre erweisen, wird noch ein Stück Yak-Butter dazugegeben. Im Norden Chinas würzen mongolische Hirten ihren Tee ebenfalls gerne mit Salz und geben meist auch noch etwas Milch dazu. In Südchina dagegen wird der Tee mit Fruchtstücken gekocht. In der Provinz Hunan wiederum ergänzen Ingwer, Sesam und Sojabohnen das Teearoma. Ist der Tee leergetrunken, werden diese Reste gegessen.Teegeschirr und Zubehör
Ursprünglich bestand das Teegeschirr nur aus einfachen Teeschalen, der Tee selbst wurde in Kesseln gekocht. Mit zunehmender Entwicklung der Teezeremonie allerdings wurde auch das Teegeschirr weiter entwickelt und wertvoller. Zunächst aus rötlicher Keramik hergestellt und später dann aus Porzellan, entstanden immer künstlerische Teekannen in den verschiedensten Formen und Größen. Nachdem die Gestalt der Kannen perfektioniert war, wertete man sie zusätzlich auf, indem man begann sie mit den feinsten Kaligraphien zu verzieren. Als der Rest der Welt, unter anderem Dank Marco Polo diese Kostbarkeiten entdeckte, sicherte sich der chinesische Kaiser das Monopol des Porzellan-Exports und füllte damit seine Kassen. Während der Kulturrevolution allerdings wurde die Porzellanherstellung als reaktionär verurteilt, dies war das Todesurteil für eine alte Kunst.Bedeutung der Teezeremonie
Ehre und Wertschätzung sind große Worte. Auch, oder vielleicht sogar besonders, in China. Jemandem eine Tasse Tee anzubieten, ist in dieser Kultur gleichbedeutend damit, ihm eine besondere Ehre teilwerden zu lassen, ihm seine Ehrerbietung zu erweisen. Ganz gleich, ob man einem Gast damit zeigen möchte, dass man ihn schätzt, oder ob die jüngere Generation der älteren damit seine Dankbarkeit und Wertschätzung zum Ausdruck bringen möchte. Dies war in der chinesischen Kultur so stark verwurzelt, dass die Teekanne gleich einem Statussymbol war. Das Material, aus dem die Teekanne war, zeigte deutlich, aus welcher sozialen Schicht man kam. Während Tagelöhner ihren Tee aus einer Zinnkanne trinken mussten, bekamen die am höchsten gestellten Gäste ihren Tee in Porzellanschalen mit Deckeln serviert. Die Fähigkeit wie gut man Tee kochen konnte, war sogar ausschlaggebend dafür, wen man heiraten durfte. Eltern wünschten sich grundsätzlich eine Schwiegertochter mit besonders guten Qualitäten auf diesem Gebiet. Während auch heute noch Tee als Symbolik eine große Rolle bei alten Hochzeits- und Familienbräuchen spielt, war es früher tatsächlich üblich, dass die zukünftigen Schwiegertöchter am Hochzeitsmorgen besonders früh aufstanden und ihren Schwiegereltern Tee servierten.Bildnachweis: Chinesische Teekultur - © lily - Fotolia.comDie Vielfalt der chinesischen Teetraditionen
China ist die Wiege der Teekultur – hier wurde Tee vor mehr als 4000 Jahren entdeckt, hier wurden alle wichtigen Teesorten entwickelt, und hier sind bis heute die reichsten und vielfältigsten Teetraditionen lebendig. Chinesische Teekultur ist keine monolithische Praxis, sondern ein Mosaik regionaler Traditionen: Im südlichen Guangdong und Fujian dominiert die Gongfu-Cha-Praxis mit winzigen Tonkannen und schnellen Aufgüssen. In Yunnan ist die Pu-erh-Tradition zuhause, wo Tee in gepressten Kuchen gereift wird wie Wein. In Suzhou und Hangzhou schätzt man den subtilen Grüntee Longjing (Drachenbrunnen-Tee) mit seiner flachen, gebratenen Blattform. Die Teehauskultur (茶馆, Cháguan) ist in Chengdu und anderen südlichen Städten ein wichtiger Teil des sozialen Lebens – hier verbringt man Stunden mit Freunden, Zeitungen und immer wieder nachgefülltem Tee.
Gongfu-Cha: Die Kunst des chinesischen Teerituals
Gongfu Cha (功夫茶) bedeutet wörtlich „Tee mit Geschick" und bezeichnet eine präzise, kunstvolle Form der Teezubereitung, die besonders in Fujian, Guangdong und Taiwan gepflegt wird. Ausgestattet mit einer Zisha-Tonkanne (Yixing), einer Gaiwan aus Porzellan, kleinen Schalen und einer Tee-Ablaufschale (Cha Pan) werden Oolong- oder Pu-erh-Tees in mehreren kurzen Aufgüssen zubereitet. Das Ritual beinhaltet das Vorwärmen aller Gefäße, das sorgsame Abmessen des Tees, die genaue Kontrolle der Wassertemperatur und die präzise Bestimmung der Ziehzeiten. Jeder Aufguss ergibt ein anderes Geschmackserlebnis. Gongfu Cha ist sowohl Kunstform als auch Meditation – die Aufmerksamkeit gilt vollständig dem Tee, seinem Aroma und der Gesellschaft, mit der man ihn teilt. Für Besucher ist eine Gongfu-Teeeinladung ein Zeichen besonderer Wertschätzung.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Yan Cha Felsentee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu mittelamerikanische Teekultur.
Geschichte der chinesischen Teekultur von der Tang- bis zur Ming-Dynastie
Die chinesische Teekultur hat sich über Jahrtausende in mehreren großen Wandlungen entwickelt. In der Tang-Dynastie (618–907) tranken die Chinesen vor allem Tee-Kuchen (Bing Cha), die geröstet, gemahlen und mit heißem Wasser zu einem Brei vermischt wurden – Lu Yu dokumentierte diese Praxis im Cha Jing. In der Song-Dynastie (960–1279) entwickelte sich das Matcha-ähnliche Tencha-Verfahren: Tee wurde gemahlen und mit einem Bambusbesen (Chasen) aufgeschlagen – diese Methode gelangte nach Japan und lebt dort in der Teezeremonie fort. Die Ming-Dynastie (1368–1644) brachte die revolutionärste Änderung: Kaiser Zhu Yuanzhang verbannte Tee-Kuchen und einführte das Aufbrühen von losen Teeblättern (Sancha). Diese Methode ist bis heute weltweit Standard. Jede Epoche hinterließ ihre Spuren in Keramik, Literatur und Philosophie.
Häufig gestellte Fragen zur chinesischen Teekultur
Was ist Gaiwan und wie benutzt man sie?
Eine Gaiwan (盖碗) ist ein dreiteiliiges Porzellan-Gefäß aus Schale, Untertasse und Deckel. Man hält sie mit drei Fingern, kippt den Deckel leicht an und trinkt durch den Spalt oder gießt damit auf.
Was bedeutet es, jemandem Tee zu servieren?
In China ist Tee servieren ein Zeichen des Respekts und der Gastfreundschaft. Jüngere servieren Älteren zuerst. Den Teebecher mit beiden Händen anbieten ist ein Zeichen der Wertschätzung.
Was sind die sechs Teefamilien Chinas?
Grüntee, Weißtee, Gelbtee, Oolong, Schwarztee (Hong Cha) und Pu-erh (dunkler Tee). Alle stammen von derselben Pflanze, unterscheiden sich durch Verarbeitung.
Was bedeutet „Klopfen auf den Tisch" beim Einschenken?
Das leichte Klopfen mit zwei Fingern auf den Tisch ist ein stiller Dank an die Person, die einschenkt – ein Zeichen höflicher Dankbarkeit ohne Worte.
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