Chinesische Teekultur


Die chinesische Teekultur ist die älteste weltweit. Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 wurden die meisten der Teehäuser geschlossen, die Teezeremonien sollten unterdrückt und am besten ausradiert werden. Doch auch wenn es keine öffentliche Teekultur mehr gab, innerhalb familiärer Kreise blieben die Riten der Teezeremonien unverändert erhalten und leben somit auch heute noch weiter. Die Chinesen trinken bei solch einer Zeremonie übrigens ausschließlich ungesüßten grünen Tee, also kein weißer Tee oder sonstiges. Langsam erholt sich die Teekultur wieder von ihrer Unterdrückung und erfreut sich erneut wachsender Beliebtheit.

Die chinesische Teekultur ist die älteste Teekultur

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

Bei einer chinesischen Teezeremonie ist es von großer Bedeutung, dass der Tee bereits entsprechend zubereitet wird. Die Art und Weise war jedoch nicht immer gleich. Zu Beginn der Geschichte der Teekultur, während der sogenannten Tang-Phase, war es üblich mit einer Prise Salz versetzten pulverisierten Tee zu verwenden. Dieser wurde gemeinsam mit dem Wasser so lange aufgekocht, bis das Wasser die passende Farbe angenommen hatte. Diese Zeit wird auch heute noch „Schule des gesalzenen Pulvertees“ genannt.

Während der anschließenden Song-Dynastie wurden einige Details verändert. So wurde der Tee jetzt mit kochendem Wasser aufgegossen und außerdem von den Teemeistern mit einem Bambusbesen schaumig geschlagen. Den Besten unter ihnen gelang es, einen möglichst haltbaren Schaum zu erzeugen. Diese Phase ging unter dem Namen „Schule der geschäumten Jade“ in die Geschichte ein.

In der Ming-Phase wurden dann erstmals ganze Teeblätter verwendet, deshalb auch der Name „Schule des duftenden Blattes“. Zu dieser Zeit wurde neben grünem Tee auch erstmals Oolong verwendet. Diese eigene chinesische Teezeremonie erhielt den Namen „Gongfu Cha“ und ist nach wie vor eine der beliebtesten.

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Der Ablauf der Teezeremonie

Die chinesische Tezeremonie, auch Gongfu Cha Zeremonie genannt, beginnt zunächst damit, dass der Teemeister die Kanne und auch die Teeschalen mit heißem Wasser ausspült und damit sowohl reinigt, als auch vorwärmt. Dann werden die Oolong-Blätter in die Kanne gegeben und aufgegossen. Dieser erste Aufguss heißt „Aufguss des guten Geruchs“ und wird sofort in die Schalen gegossen aber nicht getrunken. Zweck des ersten Aufguss ist es, die Blätter zu öffnen und bereits einen Teil der bitteren Geschmacksstoffe zu lösen. So ist der Geschmack der folgenden Aufgüsse wesentlich angenehmer.

Der zweite Aufguss, der „Aufguss des guten Geschmacks“ wird nach etwa 10 bis 30 Sekunden in die Schalen gegossen. Insgesamt kann dies bis zu 15 mal wiederholt werden, vorausgesetzt der Tee hat eine entsprechend hohe Qualität. Diese „Aufgüsse der langen Freundschaft“ ziehen jeweils 10 Sekunden länger als der Aufguss zuvor und haben auch jedes Mal einen anderen Geschmack.

Allgemein wird in China am liebsten grüner Tee getrunken, trotzdem gibt es regionale Unterschiede und spezielle Vorlieben. In Peking zum Beispiel wird zur Teezeremonie meist Jasmintee serviert. Und in der Provinz Fujian wird vorwiegend schwarzer Tee getrunken.

In Tibet dagegen wurde ein ganz eigener Tee für die Teezeremonie entwickelt. Dort wird grüner Tee zu Pulver vermahlen, mit Hilfe von Reiswasser in eine Ziegelform gepresst und wieder getrocknet. Dieser „Ziegeltee“ wird dann in der Teekanne aufgekocht und mit einer Prise Salz gewürzt. Möchte man seinen Gästen eine besondere Ehre erweisen, wird noch ein Stück Yak-Butter dazugegeben.

Im Norden Chinas würzen mongolische Hirten ihren Tee ebenfalls gerne mit Salz und geben meist auch noch etwas Milch dazu. In Südchina dagegen wird der Tee mit Fruchtstücken gekocht. In der Provinz Hunan wiederum ergänzen Ingwer, Sesam und Sojabohnen das Teearoma. Ist der Tee leergetrunken, werden diese Reste gegessen.

Teegeschirr und Zubehör

Ursprünglich bestand das Teegeschirr nur aus einfachen Teeschalen, der Tee selbst wurde in Kesseln gekocht. Mit zunehmender Entwicklung der Teezeremonie allerdings wurde auch das Teegeschirr weiter entwickelt und wertvoller. Zunächst aus rötlicher Keramik hergestellt und später dann aus Porzellan, entstanden immer künstlerische Teekannen in den verschiedensten Formen und Größen. Nachdem die Gestalt der Kannen perfektioniert war, wertete man sie zusätzlich auf, indem man begann sie mit den feinsten Kaligraphien zu verzieren.

Als der Rest der Welt, unter anderem Dank Marco Polo diese Kostbarkeiten entdeckte, sicherte sich der chinesische Kaiser das Monopol des Porzellan-Exports und füllte damit seine Kassen. Während der Kulturrevolution allerdings wurde die Porzellanherstellung als reaktionär verurteilt, dies war das Todesurteil für eine alte Kunst.

Bedeutung der Teezeremonie

Ehre und Wertschätzung sind große Worte. Auch, oder vielleicht sogar besonders, in China. Jemandem eine Tasse Tee anzubieten, ist in dieser Kultur gleichbedeutend damit, ihm eine besondere Ehre teilwerden zu lassen, ihm seine Ehrerbietung zu erweisen. Ganz gleich, ob man einem Gast damit zeigen möchte, dass man ihn schätzt, oder ob die jüngere Generation der älteren damit seine Dankbarkeit und Wertschätzung zum Ausdruck bringen möchte.

Dies war in der chinesischen Kultur so stark verwurzelt, dass die Teekanne gleich einem Statussymbol war. Das Material, aus dem die Teekanne war, zeigte deutlich, aus welcher sozialen Schicht man kam. Während Tagelöhner ihren Tee aus einer Zinnkanne trinken mussten, bekamen die am höchsten gestellten Gäste ihren Tee in Porzellanschalen mit Deckeln serviert.

Die Fähigkeit wie gut man Tee kochen konnte, war sogar ausschlaggebend dafür, wen man heiraten durfte. Eltern wünschten sich grundsätzlich eine Schwiegertochter mit besonders guten Qualitäten auf diesem Gebiet. Während auch heute noch Tee als Symbolik eine große Rolle bei alten Hochzeits- und Familienbräuchen spielt, war es früher tatsächlich üblich, dass die zukünftigen Schwiegertöchter am Hochzeitsmorgen besonders früh aufstanden und ihren Schwiegereltern Tee servierten.

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Bildnachweis: Chinesische Teekultur – © lily – Fotolia.com

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