Heutzutage trifft man immer öfter auf Begriffe und Erkrankungen, wie „Burn Out“ und Depressionen. Zum einen liegen die steigenden Zahlen von Betroffenen mit Sicherheit auch an der neuen Offenheit. Gott sei Dank sind diese Beschwerden kein Tabu mehr. Was früher noch mit einem saloppen „Beiß die Zähne zusammen und durch!“ kommentiert wurde, muss heute niemand mehr aus Scham verschweigen. Es mag sicher noch traurige Ausnahmen geben, aber in der Regel sind Depressionen und Co heute als ernst zu nehmende Krankheit anerkannt. Spätestens damit stellt sich aber auch die Frage nach den Ursachen. Denn neue Offenheit hin oder her, viele Experten sind auch überzeugt, dass nicht nur die „zugegebenen“ Fälle von Burn Out und Depressionen steigen, sondern auch die Erkrankungen insgesamt. Irgendetwas an unserem heutigen Lebensstil muss uns also krank machen. Stress, Hektik und Leistungsdruck werden dabei oft als erstes genannt. Dabei spielen häufig auch noch Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung eine Rolle. Letzteres ist dann auch gleich das erste Stichwort, für ein mögliches Entgegenwirken.Das Schokolade angeblich „Glückhormone“ enthält, haben viele schon einmal gehört. Allgemein wird gerne Süßes gegen Frust jeglicher Art gegessen. Und in neuester Zeit werden auch immer mehr Studien durchgeführt, die den Einfluss unserer Ernährung auf unsere Stimmung untersuchen. Und wer einmal ganz bewusst sämtliche Namen in den Teeregalen der Supermärkte liest, wird sicher staunen. Der Teetrinker wird hier zum Beispiel ganz eindeutig aufgefordert. „Freu dich“. „Gute Laune“ ist ein weiteres beliebtes Versprechen, ebenso wie „Zeit für dich“. Selbst „Heiße Liebe“ wird versprochen. Aber heißt das jetzt, dass man einfach nur den richtigen Tee zu trinken braucht und schon sind alle Probleme gelöst? Kein Gefühl der Leere mehr, keine Müdigkeit, kein ausgebrannt sein?

Legende oder Wahrheit?

Sicher ist die Vorstellung wochen- oder gar monatelang Tabletten schlucken zu müssen nicht angenehm. Allerdings würde man auch garantiert einen fatalen Fehler begehen, wenn man der Meinung wäre, man müsse sich nur den richtigen Tee aussuchen und schon wäre eine ernsthafte Depression kein Problem mehr. Damit wäre nicht nur den Betroffenen nicht geholfen, man würde ihre Krankheit auch nicht ausreichend ernst nehmen. Eine Depression ist keine einfache Stimmungsschwankung, nichts dass man unter dem Punkt „Mit dem falschen Fuß aufgestanden“ abhacken und mit einer Tasse Tee wieder gerade biegen könnte. Nichts desto trotz gibt es allerdings auch Studien, die ganz eindeutig belegen, dass bestimmte Aromen tatsächlich in der Lage sind, unsere Stimmung zu beeinflussen. Zum einen, weil sie teilweise positive Erinnerungen, beispielsweise an die Kindheit oder einen schönen Urlaub, wecken, zum anderen aber auch, weil sie tatsächlich gewisse Vorgänge in unserem Gehirn auslösen. Zitrusaromen, Vanille und Zimt etwa, unsere klassischen Weihnachtsdüfte also, erzeugen die gleiche Wirkung, wie Medikamente, die häufig bei Depressionen verschrieben werden. Auch Pfefferminze vermag die Stimmung zu verbessern, ebenso wie Rosmarin. Selbst die Gedächtnisleistung scheint durch bestimmte Aromen verbessert werden zu können, wobei Lavendeltee etwa Cortisol, ein klassisches Stresshormon im Blut senkt und deshalb gleichzeitig entspannend wirkt. Einige bemerken auch eine angenehme Müdigkeit.

Fazit

Ein Burn Out Syndrom oder gar eine Depression sollte man auf jeden Fall ernst nehmen. Jeder, der über einen längeren Zeitraum hinweg das Gefühl hat, in einem grauen Nebel oder gar einem schwarzen Loch gefangen zu sein, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ein Tee kann in solchen Fällen niemals ein Medikament oder gar eine ärztliche Behandlung ersetzen. Wer jedoch einfach hin und wieder trübe Gedanken hat, sich gestresst fühlt und eine bewusste Auszeit schaffen will, der kann uns sollte gerne auf die Kraft der Tees und ihrer Aromen setzten. In diesem Fall handelt es sich bei der negativen Stimmung um schlechte Laune, die wirklich jedem hin und wieder zugestanden sei. Dann geht es aber auch nicht um die eigene Existenz und die langfristige Lebensqualität, sondern schlichtweg darum, ob man nun lieber den ganzen Tag „vor sich hingrummelt“ und jeden an seiner Übellaunigkeit teilhaben lassen möchte, oder ob man bei all dem Stress ganz bewusst in Ruhe eine Tasse Tee genießt und danach wieder strahlen und lächeln kann. Es wäre sicher falsch von Tee Wunder zu erwarten. Trotzdem sollte man ihm zugestehen, dass er eben doch weit mehr kann, als nur Durst stillen, ganz ohne Nebenwirkungen, anders als bei Psychopharmaka. Und auch, wenn Tee bei Depressionen keine Medikamente komplett ersetzten kann, unterstützen kann er sie während einer Therapie allemal. Reichen dann beispielsweise etwas geringere Dosen der Pharmaka aus, ist doch auch schon etwas erreicht.Bildnachweis: Teeblume © Artyom Yefimov - Fotolia.com

Tee für Stimmung und psychische Gesundheit: Praktische Empfehlungen

Verschiedene Tees haben nachgewiesene stimmungsbeeinflussende Eigenschaften, die komplementär zur professionellen Behandlung eingesetzt werden können. Für sanfte Entspannung und Angstreduktion: Passionsblumentee (1–2 Tassen abends, GABA-aktiv), Baldrian-Melissen-Mischung (einschlaffördernd und angstlösend). Für Stimmungsaufhellung: Johanniskrauttee (1–2 Tassen täglich über 4–6 Wochen) – Wirkung vergleichbar mit mildem Antidepressivum in Studien. Achtung: Johanniskraut hat viele Wechselwirkungen mit Medikamenten – Arzt konsultieren. Für fokussierte Energie ohne Anxietät: Grüntee und Matcha (L-Theanin + Koffein). Für beruhigende Wärme: Lavendel-Zitronenmelisse-Mischung. All diese Tees sind Ergänzungen, keine Ersatzmittel für professionelle psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung bei klinischer Depression.

Wie Tee-Inhaltsstoffe die Stimmung beeinflussen

Tee enthält mehrere Verbindungen mit psychoaktiven Eigenschaften. L-Theanin in Grün- und Weißtee erhöht GABA-Aktivität und fördert Alpha-Hirnwellen – der „entspannte Wachheitszustand", der Stress reduziert ohne zu sedieren. Klinische Studien zeigen, dass L-Theanin bei gesunden Erwachsenen subjektiv empfundenen Stress signifikant reduziert. EGCG hemmt die Monoaminoxidase (MAO) leicht – MAO-Hemmer sind eine Klasse von Antidepressiva. Diese schwache Hemmung erklärt, warum regelmäßiger Grünteekonsum in epidemiologischen Studien mit geringerer Depressionsrate assoziiert ist. Johanniskraut (nicht Camellia sinensis, aber ein Tee) hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Dopamin ähnlich wie SSRI-Antidepressiva. Das Ritualartige des Teetrinken selbst hat therapeutische Wirkung: Routine, Wärme, Achtsamkeit – alles Faktoren, die das Wohlbefinden steigern.

Geschichte: Tee als Seelenmedizin

Die Verbindung zwischen Tee und psychischer Gesundheit ist so alt wie die Teekunde selbst. In der Tang-Dynastie lobte Lu Yu im Cha Jing Tees Fähigkeit, „Müdigkeit zu vertreiben, Melancholie zu heben und den Geist zu erheitern". Japanische Zen-Meister beschrieben Matcha als Mittel zur geistigen Klarheit und emotionalen Balance. In der europäischen Volksmedizin galten Kamille, Baldrian und Melisse seit Jahrhunderten als Stimmungsaufheller und Nervenmittel. Die westliche Wissenschaft hat viele dieser Überzeugungen bestätigt: L-Theanin, Hypericin (Johanniskraut) und Passiflorin sind heute pharmakologisch gut verstandene Wirkstoffe. Die Tatsache, dass alle großen Teekulturen der Welt Tee als seelisches Wohlbefindensmittel schätzten, ist eine konsistente Überlieferung mit wissenschaftlichem Fundament.

FAQ: Tee als Antidepressivum

Kann Tee echte Antidepressiva ersetzen? Nein. Bei klinischer Depression ist Tee keine Behandlung, sondern bestenfalls Ergänzung. Das Risiko, eine schwere Depression mit Kräutertee allein behandeln zu wollen und professionelle Hilfe zu verzögern, ist real und gefährlich.

Ist Johanniskraut wirklich so wirksam wie Antidepressiva? Bei leichter bis mittlerer Depression ja – mehrere Metaanalysen bestätigen Wirksamkeit vergleichbar mit SSRIs bei weniger Nebenwirkungen. Bei schwerer Depression weniger wirksam. Immer Arzt konsultieren, da Wechselwirkungen mit vielen Medikamenten bestehen.

Welcher Tee wirkt am schnellsten stimmungsaufhellend? Matcha (L-Theanin + Koffein) zeigt in Studien nach 30–60 Minuten messbare Stimmungsverbesserung. Lavendeltee kann durch Aromatherapie des Dampfes sofort beruhigend wirken.

Wie viele Tassen täglich sind für Stimmungsvorteile nötig? 2–5 Tassen Grüntee täglich sind in epidemiologischen Studien mit niedrigerer Depressionsrate assoziiert. Für Passionsblume/Baldrian: 1–2 Tassen abends. Für Johanniskraut: 3 Tassen täglich über mehrere Wochen.

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