Shincha ist der erste grüne Tee der japanischen Ernte und gilt dort als gefeierte Frühlingsspezialität. Der Name bedeutet wörtlich neuer Tee: Shin steht für neu, Cha für Tee. Aus den jüngsten Blättern gewonnen, schmeckt er besonders frisch und grasig-süß und ist nur wenige Wochen im Jahr erhältlich. Hier lesen Sie alles über Saison, Herkunft und die schonende Zubereitung.

Steckbrief
Pflanze/BasisCamellia sinensis, erste Ernte des Jahres (Japan)
Koffeingehaltca. 20-30 mg pro Tasse
Geschmacksprofilfrisch, grasig-süß, sehr aromatisch
Wassertemperatur60-70 °C
Ziehzeit1-2 Minuten
Dosierung1 TL (ca. 2 g) pro Tasse
Aufgüsse2-3
Preisspanneca. 20-50 € pro 100 g

Was Shincha ist

Shincha bezeichnet die allererste Pflückung des Jahres, auch Ichibancha genannt. Es handelt sich nicht um eine eigene Teesorte, sondern um besonders frischen Sencha aus den jungen, zarten Blättern, die über den Winter Nährstoffe gespeichert haben.

Diese frühen Blätter enthalten besonders viel L-Theanin und Vitamine, dafür vergleichsweise wenig Gerbstoffe. Das ergibt einen milden, süßlich-frischen Geschmack mit lebhafter, jadegrüner Tassenfarbe. In Japan wird der erste Tee des Jahres ähnlich gefeiert wie hierzulande der erste neue Wein.

Saison und Verfügbarkeit

Geerntet wird Shincha je nach Region meist von Ende April bis Anfang Mai. Der Verkauf konzentriert sich auf die sogenannte Golden Week Anfang Mai, eine japanische Feiertagswoche, in der frischer Shincha als Geschenk und Genussmittel sehr gefragt ist.

Schon Ende Mai sind die meisten Bestände vergriffen, weshalb der Tee außerhalb Japans selten und entsprechend teuer ist. Für 100 g hochwertigen Shincha zahlt man oft 20 bis 50 Euro. Wer ihn probieren möchte, sollte im Frühsommer zugreifen.

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Herkunft und Anbau

Die Blätter für Shincha stammen aus denselben Anbaugebieten wie der spätere Gyokuro und Kabusecha, vor allem aus den Regionen Uji bei Kyoto und Kagoshima im Süden. In den wärmeren südlichen Präfekturen beginnt die Ernte einige Wochen früher als im kühleren Zentraljapan.

Abgesehen vom frühen Erntezeitpunkt entspricht die Verarbeitung der eines klassischen Sencha: Die Blätter werden gedämpft, gerollt und getrocknet. Die größte Sorgfalt gilt der Auswahl der zartesten Triebe, die den Unterschied zu späteren Pflückungen ausmachen.

Geschmack und Inhaltsstoffe

Shincha schmeckt ausgesprochen frisch, grasig und leicht süßlich, mit einer kräftigen Umami-Note und kaum spürbarer Bitterkeit. Sein Aroma ist flüchtig und am intensivsten kurz nach der Ernte, weshalb der Tee als saisonaler Hochgenuss gilt.

Durch die jungen Blätter ist der Gehalt an L-Theanin und Vitamin C besonders hoch, während der Koffeingehalt mit rund 20 bis 30 mg pro Tasse dem von normalem Sencha entspricht. Verglichen mit pulverisiertem Matcha bleibt Shincha ein klarer, aufgegossener Blatttee.

Zubereitung Schritt für Schritt

Wegen seiner Feinheit verlangt Shincha besonders niedrige Temperaturen. So gehen Sie vor: 1. Einen Teelöffel (2 g) Blätter pro Tasse abmessen. 2. Das Wasser auf nur 60 bis 70 °C abkühlen lassen. 3. Ein bis zwei Minuten ziehen lassen und vollständig ausgießen.

Zu heißes Wasser überdeckt das zarte Aroma und macht den Tee unnötig herb. Shincha lässt sich zwei- bis dreimal aufgießen, wobei der erste Aufguss am süßesten ausfällt. Ein vorgewärmtes, nicht zu großes Kännchen hilft, die niedrige Temperatur zu halten.

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Kauf und Lagerung

Frischer Shincha ist an seiner leuchtend grünen Farbe und seinem intensiven, fast süßlichen Duft zu erkennen. Achten Sie auf das Erntejahr und ein möglichst aktuelles Abfülldatum, denn der Reiz dieses Tees liegt gerade in seiner Frische.

Da er rasch an Aroma verliert, sollte Shincha kühl, luftdicht und lichtgeschützt gelagert und innerhalb weniger Monate getrunken werden. Eine ungeöffnete Packung hält sich im Kühlschrank am längsten. Wer tiefer in die Saisonkultur eintauchen möchte, findet mehr dazu in unserem Beitrag zur japanischen Teekultur.

Shincha im japanischen Teejahr

Die Wertschätzung für Shincha hängt eng mit dem japanischen Teekalender zusammen. Der achtundachtzigste Tag nach Frühlingsbeginn, Hachijuhachiya genannt und meist um den 1. Mai, gilt traditionell als idealer Erntetag; Tee dieses Tages soll der Überlieferung nach besonders bekömmlich sein.

Aus diesem Brauch erklärt sich die Verbindung von Shincha mit der Golden Week. Frischer Tee wird verschenkt, in Teeläden verkostet und als saisonaler Genuss gefeiert, ähnlich dem ersten Federweißer im deutschen Herbst. Wer Shincha bestellt, bekommt damit nicht nur einen Tee, sondern ein Stück Frühlingsritual aus den Anbauregionen wie Shizuoka und Kagoshima.

Häufige Fragen

Was bedeutet Shincha?
Shincha heißt wörtlich neuer Tee: Shin bedeutet neu, Cha bedeutet Tee. Gemeint ist die erste, besonders frische Grünteeernte des Jahres aus Japan.

Wann gibt es Shincha zu kaufen?
Geerntet wird er meist Ende April bis Anfang Mai, der Verkauf läuft vor allem während der Golden Week Anfang Mai. Bereits Ende Mai sind die meisten Bestände vergriffen.

Warum ist Shincha so teuer?
Er stammt aus der ersten Pflückung der zartesten Triebe, ist nur kurze Zeit verfügbar und außerhalb Japans selten. Für 100 g zahlt man oft 20 bis 50 Euro.

Mit welcher Temperatur bereitet man Shincha zu?
Mit besonders niedrigen 60 bis 70 °C. Höhere Temperaturen überdecken das zarte, süßliche Aroma und machen den Tee unnötig herb.

Worin unterscheidet sich Shincha von Sencha?
Shincha ist keine eigene Sorte, sondern der erste, frischeste Sencha des Jahres. Durch die jungen Blätter schmeckt er süßer und weniger herb als spätere Ernten.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.