Inhaltsstoffe
Für Shincha werden in der Regel Blätter der Teesträucher verwendet, die zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr zu Gyokuro oder Kabusecha verarbeitet werden. So ist die Art der Inhaltsstoffe identisch, Unterschiede gibt es allerdings bei den Konzentrationen. da die Blätter noch so extrem jung sind, enthalten sie nämlich besonders große Mengen an Nährstoffen, so auch an den Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen, die unserem Körper so gut tun. Der Gehalt an Koffein dagegen ist relativ gleich. Schwankungen unter den einzelnen Sorten sind mehr mit der Herstellung und Verarbeitung des Tees, als mit dem Erntezeitpunkt begründet.Anbaugebiete
Da die Teeblätter, die zu einem späteren Zeitpunkt geerntet werden, zu Gyokuro oder Kabusecha weiterverarbeitet werden, sind auch deren Anbaugebiete mit denen des Shincha identisch. Diese Tee-Rarität stammt also in der Regel aus der Region Uji, sowie aus der Region Kagoshima. Auch die für den Shincha verwendeten Blätter werden bereits im Halbschatten kultiviert und verdanken diesen Lichtbedingungen ihren charakteristischen Geschmack.Herstellung
Die Besonderheit in der Herstellung des Shincha liegt allein im Erntezeitpunkt. Nur die frischesten und zartesten Blätter werden für diesen Tee ausgewählt. So kommen die charakteristische jadegrüne Färbung des Aufgusses, sowie das süßliche Aroma zustande. Alle weiteren Produktionsschritte nach der Ernte sind denen, eines klassischen grünen Tees gemeinsam. Größte Sorgfalt und Vorsicht haben dabei immer oberste Priorität.Fazit
Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Abwechslung und Kreativität die japanische Teewelt zu bieten hat. Bei Shincha handelt es sich um eine weitere Besonderheit, die selbst in Japan rar ist und absoluten Kultstatus besitzt. Der erste Tee des Jahres wird dort so gefeiert, wie bei uns zulande etwa der erste Wein. Geerntet wird der Shincha meist Ende April. Der größte Teil wird schon zur Feiertagswoche, der sogenannten Golden Week wenig später Anfang Mai verkauft. Andere Sorten wie der Spätestens Ende Mai sind sämtliche Bestände des Shincha schon wieder vergriffen. Kein Wunder also, dass dieser Tee bei uns kaum zu kriegen ist und wenn, dann zu entsprechenden Preisen. Für 100 g kann man gut und gerne um die 50 Euro ausgeben. Trotzdem sollte man sich keinesfalls eine Gelegenheit entgehen lassen, diesen jungen und frischen Tee zu probieren.Bildnachweis: Shincha - © Maksim Shebeko - Fotolia.comShincha zubereiten: Der erste Aufguss des Jahres in seiner vollen Pracht
Shincha ist ein Tee, der eine besonders behutsame Zubereitung verlangt – und belohnt. Die Wassertemperatur sollte niedrig gehalten werden: 60 bis 70 Grad Celsius sind ideal. Bei höheren Temperaturen verliert Shincha seinen charakteristischen süßen, umami-reichen Geschmack und entwickelt Bitterkeit. Pro 150 ml Wasser (eine kleine Tasse in japanischer Tradition) genügen drei bis vier Gramm Teeblätter. Die Ziehzeit des ersten Aufgusses beträgt nur 45 bis 60 Sekunden – trotzdem entfaltet Shincha bei dieser kurzen Zeit eine erstaunliche Intensität.
Der zweite Aufguss bei Shincha kann nach etwa 20 bis 30 Sekunden abgegossen werden, der dritte nach 15 Sekunden. Hochwertige Shincha-Blätter geben drei bis vier Aufgüsse ab, wobei sich das Geschmacksprofil von süß-umami (erster Aufguss) zu frisch-grasig (zweite Aufguss) und dann mineralisch-herb wandelt. Wer in den vollen Genuss der Shincha-Erfahrung kommen möchte, sollte die aufgebrühten Blätter nach dem letzten Aufguss auch essen – in Japan werden Gyokuro- und Shincha-Blätter traditionell mit Ponzu-Soße oder etwas Salz als Beilage verzehrt.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Fruchtetee.
Was Shincha so besonders macht: Erntezeit und Inhaltsstoffe
Shincha bedeutet wörtlich „neuer Tee" und bezeichnet die allererste Ernte des Jahres – in Japan üblicherweise zwischen Ende April und Anfang Juni. Nach dem Winterschlaf hat die Teepflanze über Monate Energie, Aminosäuren und Nährstoffe in den jungen Knospen und ersten Blättern gespeichert. Das Ergebnis ist ein Tee mit außergewöhnlich hohem L-Theanin-Gehalt und besonders niedrigem Gehalt an bitteren Catechinen – ein Profil, das sich in dem charakteristischen süßen Umami-Geschmack ausdrückt, für den Shincha berühmt ist.
Shincha enthält mehr Chlorophyll, mehr freie Aminosäuren und mehr Vitamin C als spätere Ernten desselben Jahres. Auch der Gehalt an L-Theanin – dem entspannenden Aminosäure-Neurotransmitter, der charakteristisch für japanische Schattentees ist – ist beim Shincha besonders hoch. Diese Kombination aus Koffein und L-Theanin erzeugt den von Teeliebhabern geschätzten Zustand ruhiger, fokussierter Wachheit. Shincha gilt daher nicht nur als Genusserlebnis, sondern auch als natürliches Mittel zur Förderung von Konzentration und geistiger Klarheit.
Geschichte und Kultur: Das Ereignis des ersten Tees
Die erste Teeernte des Jahres hat in Japan eine kulturelle Bedeutung, die weit über das Getränk hinausgeht. Der Begriff „Ichibancha" (erste Ernte) und das Fest „Hachijuhachiya" (der 88. Tag nach dem Frühlingsbeginn, traditionell der Beginn der Teeernte) sind tief in der japanischen Volkskultur verankert. Früher galt es als Glück bringendes Ritual, am Tag des Hachijuhachiya den ersten Shincha-Tee zu trinken – es sollte Gesundheit und Langlebigkeit für das gesamte Jahr bringen.
In der japanischen Teezeremonie (Chanoyu) ist die erste Ernte des Jahres ein besonderes Ereignis, das mit Zeremonien gefeiert wird. Große Teehändler in Kyoto und Shizuoka veranstalten Shincha-Partys, auf denen die erste Tasse des Jahres mit Gästen und Geschäftspartnern geteilt wird. Da Shincha nur für kurze Zeit verfügbar ist und schnell seinen Charakter verliert (er hat nur kurze Haltbarkeit), besitzt er eine vergängliche Qualität – eine Eigenschaft, die in der japanischen Ästhetik des „Mono no Aware" (Schönheit der Vergänglichkeit) besonders geschätzt wird.
Häufig gestellte Fragen zu Shincha
Wie lange ist Shincha haltbar?
Shincha hat eine kürzere Haltbarkeit als andere Grüntees und sollte idealerweise innerhalb von drei bis sechs Monaten nach dem Kauf konsumiert werden. Nach der Ernte beginnt die Oxidation der empfindlichen Inhaltsstoffe. Kühle, dunkle und luftdichte Lagerung – am besten im Kühlschrank – verlängert die Haltbarkeit. Vakuumverpackter Shincha kann länger frisch bleiben.
Was ist der Unterschied zwischen Shincha und Gyokuro?
Gyokuro ist ein Schattentee, der über mehrere Wochen vor der Ernte beschattet wird, was seinen L-Theanin-Gehalt massiv erhöht und ihm seinen unvergleichlichen Umami-Geschmack verleiht. Shincha ist in der Regel Sencha aus der ersten Ernte, ohne spezielle Beschattung – obwohl es auch Shincha aus beschatteten Plantagen gibt. Gyokuro ist generell intensiver und teurer als Shincha.
Warum ist Shincha teurer als normaler Sencha?
Shincha wird aus den allerersten, zartesten Blättern des Jahres geerntet – das sind die wertvollsten und seltensten Blätter. Die Ernte ist aufwendiger, die Verfügbarkeit begrenzt und die Nachfrage unter Teeliebhabern hoch. Entsprechend ist Shincha in der Regel teurer als regulärer Sencha aus späteren Ernten des gleichen Jahres.
Kann man Shincha kalt aufbrühen?
Ja, Shincha eignet sich hervorragend für den Kaltaufguss. Dafür 5 Gramm Shincha in 500 ml kaltem Wasser zwei bis vier Stunden (oder über Nacht) im Kühlschrank stehen lassen. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlich süßer, umami-reicher Kaltaufguss, der die natürlichen Stärken des Shincha – hoher L-Theanin-Gehalt, wenig Bitterstoffe – noch deutlicher zur Geltung bringt.
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