Die goldenen Fäden der Schicksalsfrau


Ein Bauer und seine Frau lebten in sehr ärmlichen Verhältnissen. Obwohl sie Tag und Nacht hart arbeiteten, schafften sie es nur mit Müh und Not über die Runden zu kommen und sich das zu erwirtschaften, was sie dringend zum Leben brauchten. Den Sommer verbrachten beide auf ihren Feldern um einen möglichst großen Ertrag zu erzielen. Im Winter schuftete der Mann täglich im Wald um Brennholz zu produzieren, dass er dann in der Stadt verkaufte.

Die goldenen Fäden der Schicksalsfrau

Eines Tages führte den Bauern sein Weg in eine sehr stattliche und prunkvolle Villa. Der Herr hatte Brennholz bestellt. Der Bauer musste in der Vorhalle einige Zeit auf seine Bezahlung warten und nutzte die Gelegenheit, sich etwas umzusehen. Er war beeindruckt und schockiert zugleich von dem offensichtlichen Wohlstand, der sich ihm überall zeigte. Wertvolle Teppiche, kostbare Lüster mit Edelsteinen… Schnell wurde dem Bauern klar, dass er, selbst wenn er sein Leben lang weiter so hart arbeiten würde, niemals solch einen Reichtum anhäufen könnte und er stellte sich die Frage, wie es nur möglich war, dass jemand solch ein Vermögen verdienen könne.

Schließlich kam ein Diener, führte den Bauern über eine prächtige Marmortreppe nach oben und brachte ihn zu seinem Herrn. Dieser saß auf einem Sofa, rauchte eine Pfeife und trank hin und wieder einen Schluck Tee. Er fragte den Bauern, was er ihm für das Brennholz schuldig war. Der arme Mann konnte in diesem Moment nur „Das und das!“ antworten. Der Herr griff einfach in seinen Geldbeutel, warf dem Bauern ein paar Dukaten vor die Füße und fragte, ob das reiche. Der Bauer bejahte und verließ mit dem Diener wieder das Zimmer.

Auf dem Weg nach draußen fasste sich der Bauer ein Herz und fragte den Diener, was sein Herr den mache, dass er solch ein Vermögen anhäufen könne. Der Diener antworte, sein Herr würden stets auf diesem Sofa sitzen, Pfeife rauchen, seinen Tee trinken und darauf warten, dass ihm seine Schicksalsfrau die goldenen Glücksfäden zuspinnen würde. „Dies würde mir auch gefallen!“, dachte der Bauer bei sich. Und diese Überlegung setzte er tatsächlich in die Tat um. Er kaufte für das ganze Geld, das er von dem Herrn bekommen hatte eine Pfeife samt Tabak, einen ordentlichen Samowar und noch ein bisschen Tee von guter Qualität.

Als der Bauer nach Hause kam, wurde er schon ungeduldig von seiner Frau erwartet. Sie fragte ihn sofort, ob er all das Holz zu einem guten Preis hatte verkaufen können und ob er dafür etwas zu essen gekauft hätte. Der Bauer zählte auf, was er erstanden hatte. Seine Frau wurde kreidebleich und rot vor Wut gleichzeitig. Sie schrie ihn an, er hätte den Verstand verloren, sie hätten nichts zu essen und er würde nur Blödsinn kaufen. Der Bauer blieb bei seiner Meinung, erklärte seiner Frau, dass sie das einfach nicht verstehen würde und er sich jetzt Pfeife rauchend und Tee trinkend auf das Sofa setzten und auf die goldenen Glücksfäden seiner Schicksalsfrau warten würde. Und so tat er es auch.

Während dessen stand der Esel der beiden unbeobachtet vor der Hütte. Der Nachbar, der vorbeikam beschloss, ihn sich auszuleihen, ohne zu fragen. Das Tier sollte für ihn viele schwere Torfsäcke schleppen. Beim Torfstechen jedoch fand der Mann einen riesigen Schatz. Gierig, wie er war, machte er alle Säcke mit den Goldmünzen voll und legte noch etwas Torf obendrauf, damit niemand das Gold sehen konnte. Als alle Säcke voll waren, begann der habsüchtige sich sämtliche Taschen voll zu stopfen. Dabei fiel allerdings das Torfloch in sich zusammen und begrub den Mann unter sich.

Der Esel allerdings lief wieder nach Hause, wo er von seiner Herrin entdeckt wurde. Sie lud die Säcke ab und fand dabei völlig verblüfft den wertvollen Schatz. Auch ihr Mann konnte sich seine Herkunft nicht erklären, war sich aber sicher, dass sein Tee trinken und die Schicksalsfrau dafür verantwortlich waren.

Legende oder Wahrheit?

Diese Geschichte ist ein Märchen, wie es gerne zu gemütlichen Tee-Stunden erzählt wird, hat aber keinerlei wahre Basis.

Fazit

Das ändert aber nichts daran, dass es sich um eine wunderbare Erzählung handelt. Und wenn man daraus etwas lernen will, dann gerne, dass es manchmal auch besser ist den Spruch „Tee trinken und abwarten!“ zu beherzigen. Außerdem ist sie ein schönes Beispiel dafür, wie Tee in einigen Märchen nicht nur eingebunden wird, sondern manchmal sogar eine zentrale Rolle spielt.

 

Bildnachweis: Märchenlandschaft © lassedesignen – Fotolia.com

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