Der Mann, der den berühmten Karawanen-Tee erfand


Die Geschichte des Karawanentees ist, insgesamt betrachtet, bereits mehrere tausend Jahre alt. Doch außerhalb Asiens ist der Tee vergleichsweise noch recht jung. Erst im 17. Jahrhundert, also schätzungsweise rund 3000 Jahre nach seiner Entdeckung in China, eroberte der Karawanentee langsam aber sicher auch Europa und den Rest der Welt. Anfangs hatte er dabei gleich mit mehreren Widerständen zu kämpfen.

Der Mann, der den berühmten Karawanen-Tee erfand

Zum einen waren die Europäer zunächst noch etwas skeptisch dem neuen Getränk gegenüber. Die heftigsten Kritiker vermuteten sogar Gesundheitsschäden durch den Konsum von Tee. Gott sei Dank wissen wir längst, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Doch auch der lange Weg von Asien bis Europa war ein großes Problem. Die Schiffsreise dauerte sehr lange, oft viel zu lange um nach dem damaligen Stand der Verpackungskunst eine gleichbleibende Qualität gewährleisten zu können. Die salzige und vor allem auch feuchte Seeluft tat ihr übriges, um die Ausgangsqualität des Tee stark leiden zu lassen. So kam 1610 das erste Schiff mit Tee beladen in Holland an, doch die Niederländer waren anfangs alles andere als überzeugt, von diesen Blättern, die sie mit heißem Wasser aufgießen sollten. Stellt man sich vor, wie sehr der Tee auf seinem langen Transportweg über See gelitten haben muss, kann man es ihnen kaum verübeln.

Geographisch wesentlich günstiger lag da schon das große russische Reich. So hatte 8 Jahre später, 1618 also, ein Russe eine Idee, die die Welt des Tees verändern sollte. Wassillij Storkow lebte als russischer Gesandter, eine Art Botschafter, in China. Er mochte den Tee der Chinesen und wollte, dass auch sein Volk dieses Getränk kennen lernte. So beschloss er eines Tages, 200 Kisten davon an seinen Zaren zu schicken. Dank der Nachbarschaft von Russland zu China konnte er dafür den Landweg wählen. Diesem Tee blieb also die Qualitätsraubende Prozedur über See erspart.


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Die nur scheinbar einfachere Alternative

Doch der Landweg war nur auf den ersten Blick die einfachere Wahl. Um den Tee von China nach Russland zu bringen, wählte Storkow verständlicher Weise den bereits bestehenden Weg, den zahlreiche Handelskarawanen nutzen um Waren aller Art von China nach Russland, oder umgekehrt, zu transportieren. Sowohl das chinesische, als auch das russische Reich allerdings waren riesig und so war die Strecke, die beim Handel zwischen beiden Staaten zurückgelegt werden musste, ebenfalls sehr, sehr lang.

Heute kennen wir diesen alten Karawanenweg noch als „Seidenstraße“. Doch auch der Begriff „Straße“ vermittelt einen falschen Eindruck. Dieser Weg war keineswegs eine einfache, bequeme Straße, die es lediglich in ihrer gesamten Länge abzuwandern galt. Die Seidenstraße führt durch die komplette Mongolei und ist nicht zuletzt wegen der Gebirgszüge, die überwunden werden müssen, äußerst anspruchsvoll.

So war der Karawanentee auf seinem Weg von China nach Russland zwar keinem feuchtem Seeklima ausgesetzt, er musste aber insgesamt mehrere Kilometer Höhenunterschied überwinden. So hätte man erwarten können, dass auch der Tee, der in Russland ankam, ebenfalls von geringerer Qualität war. Doch genau das Gegenteil schien der Fall gewesen zu sein.

Legende oder Wahrheit

Die Geschichte von Wassilij Storkow und seinen 200 Kisten Tee ist recht genau dokumentiert, daran gibt es also keinen Zweifel. Und der Tee, der auf diesem Weg von China nach Russland kam, wurde schnell „Karawanen-Tee“ genannt und ist Teeliebhabern bis heute ein Begriff.

Er wurde regelrecht zu einer Delikatesse. Bald ging man sogar dazu über, den Tee ganz bewusst über weite Strecken zu transportieren. Dabei wurde auch experimentiert, wie man das Aroma und den Geschmack des Tees weiter positiv beeinflussen könnte. So wurden die Teeblätter durch Gebirgszüge in möglichst große Höhen transportiert. Zum anderen wurde Tee beispielsweise auch unter die Satteltasche der Pferde gelegt. Das Gewicht des Reiters, die Körperwärme des Pferdes und die Reibung dazu ließen so fast schon völlig neue Teesorten entstehen.

Fazit

Den Karawanentee haben wir also der geographischen Lage von Russland zu China zu verdanken. Vergleicht man die Ausgangsqualität des chinesischen Tees, probiert einen Karawanentee und stellt sich dann vor, wie der Tee dagegen geschmeckt haben muss, als er nach einer langen Seereise in salzig-feuchtem Klima auf dem europäischen Festland angekommen sein muss, kann es eigentlich nur verwundern, dass sich der Tee langfristig auch in Europa durchgesetzt hat.

Wassilij Storkow dagegen danke wir dafür, dass er seinem Zaren 200 Kisten Tee geschickt und dafür den beschwerlichen Landweg gewählt hat. Sicher gab es nicht wirklich eine Alternative zur Seidenstraße. Dennoch würde der Teewelt ohne den Karawanentee einfach etwas fehlen.


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Bildnachweis: Karawane ©Thinkstock: iStockphoto

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