Japanische Teekultur


Sicher kommt es auch in Japan vor, dass man sich einfach auf eine Tasse Tee trifft und dabei nett unterhält. Trifft man sich dagegen um eine japanische Teezeremonie abzuhalten, ist der Ablauf durch strenge Regeln genauestens festgelegt. Was dieses Regelwerk und auch die Philosophie, die dem Ganzen zugrunde liegt, betrifft, so ist die Basis des Ganzen der aus China stammende Zen. Dabei handelt es sich um eine Strömung des Buddhismus, deren Mittelpunkt die meditative Versenkung ist.

Japanische Teekultur

Um selbst beim Teetrinken meditieren zu können, werden die Teezeremonien in Japan grundsätzlich in möglichst schlichten Teehäusern abgehalten. Dies lässt vielleicht schon erahnen, wie ernst es den Japanern selbst heute noch mit den Regeln zu ihrer Teekultur ist. Zudem gelten Japaner als hervorragende Gastgeber und servieren neuen Ankömmlingen gerne japanischen Tee, ganz traditionell.

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

Etwa ab dem achten Jahrhundert nach Christus begannen Japaner nach China zu reisen um dort den Buddhismus zu studieren. Dort kamen sie allerdings nicht nur mit den Lehren Buddhas, sondern auch mit Tee in Berührung. Zunächst erfreute sich Tee in Japan jedoch nur mäßiger Beliebtheit. Doch einige hundert Jahre später, hatte sich auch die japanische Oberschicht die Teezeremonie angewöhnt, 1400 nach Christus etwa, war sie schließlich in der gesamten Bevölkerung verbreitet.

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Die Japaner übernahmen dabei die Gewohnheiten für eine Teezeremonie jedoch nicht nur einfach, sie überarbeiteten sie sogar noch und waren letzten Endes noch strenger und konsequenter, als ursprünglich die Chinesen selbst. Es gab jedoch nie nur die eine und einzige Teezeremonie, es existierten immer mehrere sogenannte Schulen nebeneinander. Während die einen besonders prunkvoll waren, legten die anderen besonders großes Augenmerk darauf, so schlicht, wie möglich zu sein.

Auch heute noch gibt es mehrere Teezermonien in Japan, die sich in Details unterscheiden. Das Grundgerüst ist jedoch immer das gleiche. Davon abgesehen ist eine japanische Teezeremonie so umfang- und facettenreicht, dass es in diesem Rahmen ohnehin nur möglich ist, die wichtigsten Punkte aufzulisten und zu erläutern.

Der Ablauf der Teezeremonie

Zunächst warten die Gäste einer Teezeremonie im Garten des Teehauses. Dort wird ihnen in der Tegel bereits ein erster leichter Tee serviert. Schließlich begeben sie sich in eine Art Warteraum, meist ein offener Pavillon. Dort werden sie vom Teemeister begrüßt, ein Wasserbecken aus Stein wird mit frischem Wasser gefüllt. Der Teemeister reinigt sich Mund und Hände und fordert die Gäste auf, dies ebenfalls zu tun.

Nun geht es weiter in das Teehaus selbst. Ein Teehaus ist klassischer Weise möglichst schlicht, besteht aus einem Haupt- und einem Vorbereitungsraum und kann nur durch eine maximal ein Meter große Öffnung betreten werden. Dieses Eintreten auf Knien ist deshalb erwünscht, weil es den Geist möglichst demütig machen soll.

Nun werden den Gästen leichte Speise gereicht, meist auch Suppen und Reiswein. Im Anschluss verlassen sie das Teehaus und begeben sich erneut zum Warteraum. Nachdem ein Gong fünfmal geschlagen wurde, dürfen sie das Teehaus wieder betreten, der letzte Gast hat die spezielle Aufgabe, die Türe zwar leise aber dennoch geräuschvoll zu schließen, damit der Teemeister weiß, dass er nun fortfahren kann.

Er begibt sich zu seinen Gästen und bereitet vor deren Augen alles für die Teezubereitung aus. Dabei und auch bei der anschließenden Zubereitung und dem Servieren des Tees, wird größter Wert auf harmonische, möglichst fließende Bewegungen gelegt.

Während eines Großteils der Zeremonie herrscht Schweigen, erst nachdem ein Tee getrunken wurde, erkundigen sich die Gäste beim Teemeister nach dem Namen des Tees. Kurz vor dem endgültigen Ende findet ebenfalls eine kleine Konversation statt, aber nie über die Themen, die die Welt außerhalb des Teehauses betreffen.

Teegeschirr und Zubehör

Auch in Japan werden für eine Teezeremonie zahlreiche typische Utensilien benötigt. Eine Teeschale, eine Teedose bzw. ein Behälter für die einzelnen Teesorten, ein Frischwassergefäß, ein Wasserkessel, der in der Regel aus Eisen besteht, ein Teebambuslöffel und ein Teebesen um den Tee schaumig schlagen zu können. Zudem ist die Verwendung eines seidenen Tuches üblich. Dieses trägt der Teemeister allerdings stets in seinem sogenanntem „Obi“, dem Gürtel seines Kimonos.

Bedeutung der Teezeremonie

Auf den ersten Blick mag es vielleicht wie ein Widerspruch erscheinen: da soll eine Teezeremonie meditativ sein, soll jedem ermöglichen sich währenddessen völlig in sich selbst zu versenken und dann gilt es ein solch umfangreiches und kompliziertes Regelwerk einzuhalten. Wie soll es gelingen sich nach Innen zu kehren, wenn man an so vieles denken muss?

All diese Regeln haben aber auch ihren Vorteil. Je mehr durch Regeln festgelegt ist, umso weniger muss man jedes Mal neu entscheiden. Es gibt keinerlei Diskussionsbedarf. Alles geschieht immer und immer wieder in genau der gleichen Art und Weise. Ist man gut vorbereitet oder hat gar schon einige Teezeremonien mitgemacht, wird man selbst auch sicherer in Ablauf und Verhalten. Und je automatisierter die Handlungen ablaufen, umso leichter fällt es, mit dem Nachdenken aufzuhören.

In Japan wird auch heute noch mit den Teezeremonien Wert darauf gelegt, dass weniger manchmal mehr ist. Alles ist schlicht, nichts überladen. Und jeder, egal aus welcher Schicht, muss auf Knien ins Teehaus. Eigentlich eine bewundernswerte Einstellung zum Leben. Auch gönnen Japaner ihrem Tee genügend Zeit, denn egal Grüner Tee oder Schwarztee, Tee braucht Zeit und Raum, um ihn zu geniessen. Wir sollten es den Japanern nachmachen und uns ein Beispiel nehmen.

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Bildnachweis: Japanische Teekultur – © Elena Schweitzer – Fotolia.com

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