Irische Teekultur


Das Irland nicht nur die größte Teetrinker-Nation Europas, sondern der ganzen Welt ist, mag viele sicher überraschen. Die Iren haben einen stolzen Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 4,6 kg Tee pro Jahr! Nicht einmal China, immerhin Ursprungsland des Tees, kann da mithalten. Zum Vergleich: in Deutschland werden von jedem Einwohner pro Jahr gerade mal lächerlich wirkende 250 g getrunken.

Das Irland nicht nur die größte Teetrinker-Nation Europas, sondern der ganzen Welt ist, mag viele sicher überraschen. Die Iren haben einen stolzen Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 4,6 kg Tee pro Jahr!

Die Vorliebe der Iren für Tee wird zum einen mit dem stets regnerischen Wetter, aber auch mit der im ganzen Land verbreiteten Geselligkeit begründet. Wohl beides gute Gründe für eine heiße Tasse eines guten Tees.

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

Irland ist erst seit 1924 eine eigene Nation. Davor gehörte der Inselstaat zum Vereinigten Britischen Königreich und selbstverständlich hatten somit auch die Iren Zugang zum Tee. Verständlich also, dass sowohl die Geschichte der Entwicklung der Teekultur, als auch die Art der Zubereitung und Darreichung des Tees, denen der britischen Nachbarn sehr stark gleichen.

Zu den Hochzeiten des britischen Empires lebte eigentlich ganz Irland in Armut. Die Bauern hatten nur ungenügende Erträge, Hungersnöte waren keine Seltenheit. Kein Wunder also, dass viele Iren nach Amerika auswanderten oder sich als Seeleute auf britischen Handelsschiffen ihren notdürftigen Unterhalt verdienten.

Tee galt in dieser Zeit als ganz besonderes Mitbringsel und Geschenk an die Familien zu Hause. Zwar konnte sich kaum ein Ire wirklich qualitativen Tee leisten, aber selbst die wesentlich günstigeren Low Growns konnten mit Sahne und Zucker zu durchaus schmackhaften Getränken aufgewertet werden.

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Wie auch auf der Nachbarinsel in Großbritannien, entstanden schon bald Teehäuser in ganz Irland. Mitte des 19. Jahrhunderts jedoch begannen in den Teehäusern Dublins jedoch Intellektuelle dafür zu kämpfen, das Irland sowohl politisch, als auch kulturell unabhängig wird. Gleichzeitig mit Entstehung der Unabhängigkeitsbewegung stieg auch der Anspruch an den Tee, dessen Qualität wurde zunehmend besser.

Der Ablauf der Teezeremonie

Wie in Großbritannien auch, wird Tee auch heute noch in Irland traditioneller Weise nachmittags zu einer festen Zeit getrunken. Der „Afternoon Tea“ wird grundsätzlich mit Sahne, manchmal auch Milch und Zucker genossen. Mit England gemeinsam ist den Iren auch die Tradition Scones, eine Art Brötchen, mit Butter und Marmelade, zum Tee zu reichen. Als absoluter Hochgenuss gilt auf der grünen Insel Scones mit clotted cream (dicker Rahm) und frischen Erdbeeren.

Auf ein strenges Protokoll zum genauen Ablauf der Teestunde verzichten die meist als locker und leger geltenden Iren gerne. Geselligkeit und Gastfreundschaft stehen beim Teegenuss an erster Stelle. Ziel und Zweck des täglichen Rituals ist eine gemütliche Runde in der anregende Gespräche geführt werden können, eine spirituelle Basis gibt es nicht.

Teegeschirr und Zubehör

Ein spezielles Geschirr oder Zubehör ist in Irland zum Teetrinken nicht notwendig. Anders als in England, wo zunächst nur die obersten Schichten Tee getrunken haben, war Tee in Irland schon immer auch ein Getränk der armen und einfachen Leute. Diese konnten sich kaum den Tee an sich leisten, besondere Utensilien zur Zubereitung also schon gar nicht.

Auch heute liegt der Schwerpunkt des „Afternoon Tea“ in Irland eindeutig auf dem Genuss und nicht auf Ausrüstung und Equipment. Sicher gibt es schön verzierte Kannen und Tassen, im Mittelpunkt stehen sie aber sicher nicht.

Bedeutung der Teezeremonie

Die Iren gelten als besonders gastfreundliches und geselliges Volk. Neu mag für manchen jedoch sein, dass bei den lustigen Runden nicht nur Guinness und Whiskey getrunken werden. Geschmacklich unterscheiden sich die irischen Mischungen von ihren britischen Vorbildern eindeutig. Die Iren mögen es würziger und kreieren Aromen, die vor allem in Verbindung mit Sahne ein empfehlenswertes Erlebnis sind.

So sehr die Iren auch um ihre Unabhängigkeit vom Empire gekämpft haben und so sehr sie auch heute noch die Unterschiede zu den Briten betonen, im Großen und Ganzen gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten, was die Teekultur betrifft. Nur das Gemeinschaftserlebnis bei der Teestunde mag auf der grünen Insel noch mehr im Mittelpunkt stehen, als bei den britischen Nachbarn. Es gibt viele Hersteller von irischer Tee Sorten, ob in Beutel form oder lose. Man sollte nur mal kurz im Web schauen, Rezepte gibt es viele.

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Bildnachweis: Irische Teekultur – © Svenni – Fotolia.com

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