Britische Teekultur


Jedes Jahr verbraucht der durchschnittliche Brite etwa 3,5 kg Tee. Nur die Chinesen und Iren trinken noch mehr. Die „Tea Time“ ist nicht nur wohl bekannt, es werden auch zahlreiche Witze über die teeliebenden Briten gemacht. Sogar bei Asterix und Obelix sind die Briten Thema, die jeden Tag zur selben Zeit ihre Kämpfe unterbrechen, um eine Tasse heißes Wasser zu trinken.

Seit dem 17. Jahrhundert schon wird in Großbritannien Tee getrunken und selbstverständlich hat sich auch hier eine feste Kultur dazu etabliert.

Seit dem 17. Jahrhundert schon wird in Großbritannien Tee getrunken und selbstverständlich hat sich auch hier eine feste Kultur dazu etabliert. Der Tee wird auch auf den Inseln des Vereinigten Königreichs immer auf die gleiche Weise zubereitet und serviert.

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

Zu Beginn der Geschichte des Tees war er so teuer, dass sich ausschließlich die britische Oberschicht seinen Genuss leisten konnte. Zur damaligen Zeit war es üblich, zum Frühstück ein sogenanntes „Warmbier“ zu trinken, Queen Anne dagegen war das neue Getränk namens Tee schnell lieber. So machte sie den heißen Aufguss der Blätter populär und schon bald begannen auch einige Kaffeehäuser Tee auszuschenken.

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Frauen hatten dort allerdings keinen Zutritt. So freuten sie sich besonders, als bald darauf Teegärten entstanden, wo man in Parkanlagen im Freien Tee trinken konnte. Der Tatsache, dass dort sowohl Männer als auch Frauen anwesend waren, ist es zu verdanken, dass in diesen Gärten häufig auch Orchester spielten und somit den Begriff des „Tanztees“ schufen und prägten.

1783 schließlich wurden die hohen Steuern auf Tee gesenkt und endlich konnten sich auch Angestellte und Arbeiter dieses Getränk leisten. Schließlich begann man auch erfolgreich damit, in den eigenen britischen Kolonien Tee anzubauen da der Import aus China auf Dauer einen zu großen Devisenverslust für Großbritannien bedeutete.

Was die Zubereitung betrifft, ähnelt die britische Teezeremonie sehr der ostfriesischen. „At afternoon“ bevorzugen die Engländer auch schwarzen Tee, vor allem aus Ceylon. Zwar ist „Earl Grey“, ein mit Bergamotte aromatisierter schwarzer Tee, nach einem Briten benannt, allerdings werden im Königreich eigentlich nur unaromatisierte Teesorten getrunken. Die Qualität des Tees spielt nur eine untergeordnete Rolle, wichtigstes Kriterium ist, dass der Tee möglichst kräftig ist.

Die Teeblätter werden lose in die Kanne gegeben und mit dem heißen Wasser überbrüht. Da die Blätter für die ganze Dauer des Teetrinkens in der Kanne verbleiben, ändert sich somit der Geschmack. Falls er zu bitter wird, wird einfach nochmals etwas Wasser nachgegossen.

Um den Geschmack etwas abzumildern, trinken die Briten ihren Tee meist mit Milch. Dabei gibt es zwei gespaltene Lager. Die einen bestehen darauf, zuerst die Milch in die Tasse zu geben (Milk in first). Berühmteste Vertreterin der „Tea in first“-Anhänger soll Queen Elisabeth II sein.

Der Ablauf der Teezeremonie

Die Tea Time, auch bekannt unter dem Begriff „Five O’Clock Tea“, den fünf Uhr Tee, wurde zur Zeit Königin Viktorias eingeführt. Eine ihrer Hofdamen, Herzogin Bedford hatte die Idee, den am Nachmittag aufkommenden Hunger und die Wartezeit bis zum Abendessen – dann begleitet von einem „High Tea“ – damit zu überbrücken, einfach täglich zur selben Zeit Tee zu trinken und dazu Gebäck und Sandwiches zu genießen.

Sie lud täglich für diese Teestunde – zum „Afternoon Tea“ ausschließlich Damen der Oberschicht ein und ließ ihnen Tee und kleine Mahlzeiten servieren. Auf die richtige Reihenfolge wird dabei auch heute noch großer Wert gelegt. Gleichzeitig zum Tee werden drei Gänge serviert, die allesamt mit den Fingern gegessen werden. Zunächst gibt es Sandwiches, gefolgt von Scones, Clotted Cream und Marmelade. Dabei handelt es sich um typisch britisches Gebäck, das mit dickem Rahm (Clotted Cream) und Marmelade beschmiert, gegessen wird. Den Abschluss der Teezeremonie bilden Pralinen und Früchte, in der Regel kandiert.

Die unteren Schichten konnten sich nur Brot und Butter leisten. Dennoch erfreuten auch sie sich an der Tea Time. Und auch heute noch ist die Tea Hour eine äußerst beliebte, tägliche kleine Auszeit. Es gibt zahlreiche Teehäuser und auch viele Hotels bieten den Service der Teezeremonie an. In regelmäßigen Bewertungen hoffen sie auf eine Prämierung und versuchen so viele Teefans zu locken.

Teegeschirr und Zubehör

Da die Teezubereitung ohne großen Pomp und Aufwand stattfindet, ist auch das Zubehör dafür relativ beschränkt. Benötigt werden nur heißes Wasser, eine Teekanne und das Teeservice. Der Tee wird sicher in einer Dose oder ähnlichem aufbewahrt, spezielle Löffel wie etwa in Ostfriesland üblich, werden nicht benötigt. Wie exquisit und edel die Tassen und Teller sind, richtete sich sicher nach dem Stand und auch heute noch, wird es einen Unterschied machen, wie offiziell die Runde der Tea Time ist.

Bedeutung der Teezeremonie

Sicher ist die britische Teezeremonie kaum mit einer der ursprünglicheren Versionen aus Asien zu vergleichen, dennoch bedeutet sie für diesen Kulturkreis auch heute noch viel. Abgesehen von der rein praktischen Sache, dass eine kleine Zwischenmahlzeit nachmittags durchaus seine Berechtigung hat, auch die Idee einer Auszeit und Pause vom Alltagsgeschäft hat ihre Vorteile.

Sicher ist eine Teezeremonie in England lange nicht so meditativ wie etwa eine japanische. Allerdings ist sie wesentlich einfacher in den Alltag einzubinden. So ist es möglich, sie auch in unserem westlichen Arbeitsalltag trotz Hektik täglich einzuplanen – zum Wohle der Gesundheit.

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Bildnachweis: Britische Teekultur – © Inna Felker – Fotolia.com

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