Auch in der arabischen Kultur spielt Tee sowohl als Getränk, als auch als Symbol der Gastfreundschaft eine zentrale Bedeutung. Der Stellenwert ist dabei um ein Vielfaches größer, als in der westlichen Kultur da Tee häufig auch zu Anlässen ausgeschenkt wird, zu denen bei uns alkoholische Getränke serviert werden. Alkohol ist aber in der Regel in den arabischen Ländern aus religiösen Gründen verboten und Tee bietet eine gute Alternative.

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

Der Art der Zubereitung des Tees und die jeweiligen Vorlieben, wie er getrunken wird, sind stark regional beeinflusst. Es gibt Gegenden, in denen der Tee in einem sogenannten Çaydanlık gekocht wird. Dabei werden zwei Teekannen übereinander gestellt. Die untere hat keinen Deckel und enthält Wasser, dass, sobald es gekocht hat, heiß gehalten wird. Die obere Kanne wird direkt auf die untere gestellt. In ihr befinden sich Teeblätter, die lediglich angefeuchtet wurden. Durch die Hitze des Wassers in der Kanne darunter, geben die Blätter bereits ihr Aroma frei. Wird der Tee dann schließlich mit dem heißen Wasser aufgegossen, erhält man einen recht starken Tee, der je nach Vorlieben auch noch verdünnt werden kann.So ein Çaydanlık kann grundsätzlich über jeder beliebiger Feuerstelle benutzt werden. Es gibt aber auch Modelle, die dem russischen Samowar noch ähnlicher sind und eine Möglichkeit zum Befeuern und Erhitzen integriert haben. In Oberägypten beispielsweise trinkt man den Tee gerne möglichst dickflüssig und kocht ihn dazu einfach relativ lange in einem einfachen Kessel. Dort werden auch grundsätzlich drei bis vier Löffel Zucker in den Tee gegeben. Im nördlichen Nildelta dagegen, wird etwas dünnerer Tee bevorzugt. Auf Milch wird dagegen einheitlich verzichtet.

Der Ablauf der Teezeremonie

Tee wird in Arabien immer und überall getrunken, es gibt dazu kein festgeschriebenes Ritual. Strenge Zeremonien, wie etwa in Japan, gibt es nicht. Auch ein spiritueller Hintergrund beim Teegenuss ist in der arabischen Teekultur nicht vorhanden. Trotzdem gibt es einige Grundregeln guten Benehmens, an die man sich unbedingt halten sollte, wenn man einmal in einem arabischen Haushalt zu Gast sein sollte. So gilt es als grobe Unhöflichkeit, ein angebotenes Glas Tee abzulehnen. Das Zeichen der Gastfreundschaft auszuschlagen käme einer Ohrfeige gleich. Sicher wäre man in diesem Hause das letzte Mal zu Gast und auch andere Anwesende würden Abstand nehmen. Ein leeres Glas ist zudem mit Abschied gleichzusetzen. So wird grundsätzlich für die gesamte Dauer des Besuches Tee nachgeschenkt, noch bevor das Glas endgültig geleert ist. Wer also nicht viel trinken möchte, aber weiß, dass der Besuch noch einige Zeit dauern wird, sollte lieber entsprechend langsam trinken.

Teegeschirr und Zubehör

Art, Form und Vielfalt des Teegeschirrs ist in Arabien sehr von der jeweiligen Region abhängig. Der größte Unterschied liegt bereits darin, ob der Tee in einem einfachen Kochkessel über dem Feuer, oder in einem Çaydanlık zubereitet wird. Das Trinken aus Gläsern statt aus Tassen ist einheitlich, das Aussehen dieser Gläser dagegen nicht. In Jordanien und im Irak beispielsweise sind die Teegläser mit Kristallschliff und Gold reich verziert. Zudem erinnern sie in ihrer Form einer Sanduhr. Ägyptische Teegläser dagegen sind einfach rund und wesentlich schlichter.

Bedeutung der Teezeremonie

Tee ist im arabischen Kulturkreis das bedeutendste Alltagsgetränk. Trotzdem hat Tee auch gleichzeitig eine ganz besondere Stellung. Tee wird nicht getrunken, um zu meditieren, sich vielleicht innerlich zu reinigen oder aus ähnlich spirituellen Gründen. Tee ist statt dessen das Symbol für Gastfreundschaft. Jeder, der das Haus betritt, egal ob alter Freund oder in diesem Moment noch ein Fremder, bekommt mit dem Tee auch gleichzeitig die Freundschaft seines Gastgebers angeboten. Tee ist sogleich Wärme und Herzlichkeit, um ihn herum versammelt sich die ganze Familie. Als Gast ist man beim Teetrinken Teil dieser Familie. Die Vorstellung selbst als Fremder mit einer schmackhaften warmen Tasse Tee im Kreise einer Familie willkommen geheißen zu werden, ist sehr schön und weckt sicher auch die Lust, diese Kultur einmal selbst kennen zu lernen. Oder man nimmt sich ein gutes Beispiel daran und bietet seinen Gästen selbst hin und wieder wenigstens, gleich zur Begrüßung eine gute Tasse Tee an.  Bildnachweis: Arabische Teekultur - © Jeanette Dietl - Fotolia.com

Arabische Teekultur – Tradition und Ritual

Die arabische Teekultur ist reich an Tradition und Gastfreundschaft und unterscheidet sich deutlich von europäischen Teetraditionen. In vielen arabischen Ländern ist das Servieren von Tee eine wichtige Geste der Gastfreundschaft. In der Golfregion wird traditionell Ghawa (arabischer Kaffee) häufiger als Tee angeboten, während in Marokko, Tunesien, Ägypten und anderen nordafrikanischen Ländern Tee dominiert. Marokkanischer Minztee (Atay) ist das bekannteste Beispiel arabischer Teekultur: Chinesischer Chun-Mee-Grüntee wird mit frischer Minze und viel Zucker stark gesüßt aufgebrüht. Für die Zubereitung werden Teeblätter in einer kleinen Teekanne (Berrad) kurz aufgekocht, dann frische Nana-Minzblätter und Zucker hinzugefügt. Der Tee wird aus großer Höhe in Gläschen gegossen, um einen Schaum zu erzeugen. Drei Glas Tee trinkt man traditionell: das erste wie das Leben (stark und bitter), das zweite wie die Liebe (süß und stark), das dritte wie der Tod (sanft und schwach).

Wirkung und Bedeutung von arabischem Tee

Arabischer Tee, besonders in seiner marokkanischen Form mit Grüntee und Minze, vereint die gesundheitlichen Vorteile beider Hauptzutaten. Grüntee enthält EGCG und andere Catechine mit antioxidativen, krebsvorbeugenden und herzschützenden Eigenschaften. Minze (Nana-Minze) wirkt verdauungsfördernd, erfrischend und leicht krampflösend. Die Kombination aus Koffein des Grüntees und den Menthol-Verbindungen der Minze schafft eine besondere Energie-Erfrischungs-Kombination, die in heißen Klimaten sehr willkommen ist. Der hohe Zuckergehalt des marokkanischen Tees ist ernährungsphysiologisch weniger günstig, liefert aber schnelle Energie. In ägyptischer und levantinischer Teekultur wird Schwarztee bevorzugt, oft mit Salbei (Maramia) oder Kardamom gewürzt. Teetrinken hat in der arabischen Welt eine wichtige soziale Funktion als Ritual der Gastfreundschaft und des Gesprächs.

Geschichte und regionale Unterschiede arabischer Teekultur

Tee kam in die arabische Welt hauptsächlich durch den Handel mit China und Indien im 18. und 19. Jahrhundert. In Marokko wurde Tee durch britische Händler im 18. Jahrhundert eingeführt, die ihren Teeüberschuss in Nordafrika absetzten. Der marokkanische Minztee entwickelte sich als kulturelle Eigenkreation, die heute ein Symbol marokkanischer Identität ist. In Ägypten ist schwarzer Tee (Shai) mit viel Zucker das Nationalgetränk, der in kleinen Gläsern serviert wird. In der Levante (Syrien, Libanon, Jordanien) wird Tee oft mit Salbei, Thymian oder Zimtstange gewürzt. In der Golfregion (Saudi-Arabien, Emirate) ist Karak-Tee (mit Kardamom und Safran gewürzter Schwarztee mit Milch) beliebt. Die arabische Welt hat aus importierten Tees eigene lebendige Teekulturen entwickelt, die heute zu den charakteristischsten der Welt gehören.

Häufige Fragen zur arabischen Teekultur

Wie trinkt man marokkanischen Minztee richtig?
In drei Runden serviert aus Glas-Teegläsern. Aus großer Höhe eingeschenkt erzeugt den charakteristischen Schaum. Das Glas mit beiden Händen halten gilt als respektvolle Geste.

Welcher Tee wird in arabischen Ländern bevorzugt?
Das variiert stark: Nordafrika bevorzugt Grüntee (Chun Mee) mit Minze. Ägypten und Levante bevorzugen Schwarztee. Golfstaaten trinken oft Karak-Tee mit Gewürzen und Milch.

Warum ist arabischer Tee so süß?
Der hohe Zuckergehalt ist historisch durch die Verfügbarkeit von Zucker und die Tradition der Süßspeisen bedingt. In heißen Klimaten liefert Zucker im Tee schnelle Energie und macht das Teetrinken zu einem Hochgenuss.

Was bedeutet Tee in der arabischen Gastfreundschaft?
Tee anzubieten ist in der arabischen Welt eine fundamentale Geste der Gastfreundschaft. Tee abzulehnen kann als unhöflich gelten. Das gemeinsame Teetrinken ist ein wichtiges soziales Ritual.

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