Legende oder Wahrheit?
Auch diese Geschichte und tatsächlicher Teil der Geschichte Chinas. Auch, wenn sich einzelne Jahreszahlen evtl. nicht eindeutig belegen lassen, so ist doch sicher erwiesen, dass Tee in China eine Jahrhunderte alte Tradition hat. Ebenso ist gesichert, dass sich die Gewohnheit des Teetrinkens quasi von oben nach unten auf sämtliche Bevölkerungsschichten ausbreitete. Und die Mönche verbinden bis heute, nachvollziehbarer Weise, ihre langen Meditationen mit einem Teezeremoniell. Dabei war China durchaus nicht die einzige Nation, bei der Tee zunächst ausschließlich ein Getränk bei Hofe und der Oberschicht war. In England beispielsweise ging Tee genau den gleichen Weg. Es ist interessant zu sehen, dass es trotz gravierender Unterschiede, wie etwa ein völlig anderer Kulturkreis und Jahrhunderte später, sich doch solche Parallelen abspielen konnten.Fazit
Tee war im 8. Jahrhundert in China mehr eine Suppe. Wie heute noch beim Matcha wurden damals die Blätter zu Pulver vermahlen und schließlich mit heißem Wasser, teilweise auch mit einer Prise Salz, aufgekocht. Mit der heutigen Vorstellung von Tee hat dies zwar nur recht wenig zu tun, dennoch finden sich bis heute in China einige Nomadenvölker, die ihren Tee unverändert nach dieser Tradition trinken. Doch auch, wenn die Teezubereitung in China und der westlichen Welt heute teilweise recht ähnlich ist, eines war und ist in China bis heute unverändert verpönt. Niemand würde dort wohl auf die Idee kommen, seinen Tee mit Zucker zu süßen. Dennoch ist es faszinierend, welche Gemeinsamkeiten sich bei einem Blick auf die Geschichte teilweise zwischen scheinbar völlig verschiedenen Kulturen finden lassen. So scheinen wir uns alle doch irgendwie viel ähnlicher zu sein, als wir meist denken. So kann es sein, dass manches, was wir heute noch als "typisch ..." bezeichnen, in ein paar Jahrhunderten, oder vielleicht sogar schon Jahrzehnten, unsere eigene Kultur und unsere Traditionen prägen. In den heutigen Zeiten der Globalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Kulturkreisen zunehmend. Anstatt seine Vorurteile zu pflegen, sollte man also vielleicht besser in Ruhe bei einer Tasse Tee darüber nachdenken, dass die Geschichte oft eigenartige, unberechenbare Wege geht. Mit Offenheit und Aufgeschlossenheit kommt man daher oft weiter. Bildnachweis: Bedeutung Tee in China © 77SimonGruber - Fotolia.comTee in der chinesischen Zivilisationsgeschichte
Die Geschichte des Tees in China ist so alt wie die chinesische Zivilisation selbst. Schriftliche Zeugnisse für Teekonsum reichen bis in die Han-Dynastie (206 v.Chr. – 220 n.Chr.) zurück; archäologische Belege deuten auf noch frühere Nutzung hin. Die mythologische Ursprungsgeschichte – Kaiser Shennong entdeckt Tee ca. 2737 v.Chr. beim Kochen von Wasser, als Blätter hineinfallen – ist Legende, aber die symbolische Verbindung des Tees mit dem „Gottkönigsarzt" der Pharmakologie zeigt, wie tief die medizinisch-rituelle Bedeutung in die chinesische Kultur eingeschrieben ist.
In der Tang-Dynastie (618–907 n.Chr.) erlebte Tee seinen ersten großen kulturellen Aufstieg. Lu Yu, Teemeister und Autor des ersten umfassenden Teebuches der Welt – dem „Cha Jing" (茶經, Teekanon, verfasst ca. 760 n.Chr.) – codifizierte Anbau, Ernte, Verarbeitung und Zubereitung von Tee mit solcher Autorität und literarischer Eleganz, dass sein Werk die chinesische Teekultur für Jahrhunderte prägte. Lu Yu erhob Tee von einem medizinischen Trunk zu einem philosophischen Genussgegenstand, vergleichbar mit Wein in Europa. Diese kulturelle Erhebung war entscheidend für Tees spätere Bedeutung.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Tee als politisches und wirtschaftliches Instrument
In der Song-Dynastie (960–1279) wurde Tee zum Staatsmonopol und zum Instrument der Außenpolitik. „Tea Horse Trade" (Cha Ma Hu Yi) – der Handel von chinesischem Tee gegen tibetische Kriegspferde – war für Jahrhunderte ein zentrales Element der chinesischen Sicherheitspolitik. Ohne tibetische Pferde konnte keine Armee aufgestellt werden; ohne chinesischen Tee litt die tibetische Bevölkerung. Dieser gegenseitige Bedarf schuf ein geopolitisches Gleichgewicht, das den Dynastien ermöglichte, Grenzregionen zu stabilisieren. Tee war keine bloße Ware – er war diplomatisches Werkzeug, Währung und Machtinstrument zugleich. Diese Funktion des Tees als Instrument der Macht hat sich in verschiedenen Formen bis in die moderne Zeit fortgesetzt.
FAQ: Wie Tee in China seine Bedeutung erlangte
Was ist das Cha Jing und warum ist es so bedeutsam? Das Cha Jing (Teekanon) von Lu Yu ist das erste vollständige Buch über Tee in der Geschichte der Welt. Es besteht aus drei Bänden und zehn Kapiteln, die Ursprung, Werkzeuge, Verarbeitung, Zubereitung, Ritus und Geschichte des Tees behandeln. Es erhöhte Tee zur Kunst- und Philosophieform; Lu Yu selbst wurde posthum zum „Teegott" (Cha Shen) verehrt. Das Buch ist bis heute in China ein kulturelles Referenzwerk.
Wie hat sich Tee von der Medizin zum Genussgetränk entwickelt? Der Übergang war fließend. In frühen Jahrhunderten war Tee Teil der Kräutermedizin; als Genussgetränk etablierte er sich schrittweise durch Klöster (buddhistische und taoistische Mönche schätzten seine Wachheitsfördernde Wirkung beim Meditieren), dann durch den Adel, der Teezeremonien als kulturellen Ausdruck entwickelte, schließlich durch den Handel, der Tee als begehrte Ware in alle Gesellschaftsschichten trug.
Welche Dynastien waren besonders prägend für die chinesische Teekultur? Tang-Dynastie (Lu Yu, Teekanon, Etablierung als Kulturgetränk); Song-Dynastie (Matcha-Stil als Hofzeremonium, Tee als Staatsmonopol); Ming-Dynastie (Abkehr von Matcha, Einführung des losen Blatt-Tees und des Aufgusses – der Stil, den wir heute kennen); Qing-Dynastie (Gongfu-Cha als hochentwickelte Kennerpraxis, Expansion des Teehandels mit dem Westen).
Ist Teekultur in China heute noch lebendig? Außerordentlich lebendig – und in Transformation. Die junge chinesische Generation verbindet traditionelle Teekultur (Gongfu-Cha, Hochzeits-Teerituale, Teehäuser) mit modernem Lifestyle: hochwertige Teeläden in Shenzhen und Shanghai, Social-Media-Teekultur, Bubble-Tea-Innovation und internationale Teeexports. China trinkt mehr Tee als je zuvor und exportiert gleichzeitig seine Teekultur in die Welt.
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