Wie der Tee in China seine Bedeutung erlangte


Das China eine, wenn nicht sogar die bedeutendste Teekultur ist, ist unbestritten. Doch wie kam es, dass der Tee gerade in dieser Gesellschaft einen so hohen Stellenwert einnehmen konnte? Die Geschichte von Kaiser Shen Nung und der ganz zufälligen Entdeckung des Tee ist bekannt. Doch wie ging es danach weiter? Und wann genau spielte sich das überhaupt alles ab?

Wie der Tee in China seine Bedeutung erlangte

Shen Nung soll seinen folgenreichen Spaziergang im Jahre 2727 v. Chr. gemacht haben. Dies ist jedoch alles andere als bestätigt und erwiesen. Definitiv nachweisen lässt sich allerdings die Tatsache, dass es in China bereits im Jahre 221 v. Chr. eine Teesteuer gab.

Als ebenso gesichert gilt es, das Tee zunächst mehr als Medizin, denn als Getränk verwendet wurde. So waren die Blätter zahlreicher Arzneien und selbst Heilsalben wurden daraus hergestellt. Vor allem Kopfschmerzen und Müdigkeit sollten dadurch gelindert werden. Aber auch die nachlassende Sehkraft sollte sich im Alter dadurch wieder bessern.

Zu dieser Zeit war Tee nicht nur etwas Besonderes, er war auch eine absolute Kostbarkeit. In Teilen Chinas war es sogar üblich, Tee in Tafel zu pressen, die Echtheit mit einem Siegel zu bestätigen und diese versiegelten Teepäckchen als Zahlungsmittel zu verwenden.

Die große Stunde des Tees kam schließlich in Mitten der Tang Dynastie, die etwa von 618 bis 907 dauerte. Im 8. Jahrhundert wurde Tee mehr und mehr zu einem Genussmittel. Zum einen, weil er konsequent am Kaiserhof getrunken wurde. Dies ließ auch die Oberschicht aufmerksam werden. wenn der Kaiser Tee trank, wollten die ihm direkt unterstellten dies auch tun. Schon bald begann die Tradition der „Tribut-Tees“. Die besten Sorten des Landes wurden auserkoren und zum Zeichen der Wertschätzung dem Kaiser an seinen Hof geliefert. Dies war eine große Ehre und Auszeichnung für die jeweiligen Teehersteller.

Zusätzlich begannen buddhistische Mönche während ihrer stundenlangen Meditationen Tee zu trinken. Seine anregende Wirkung half ihnen, dabei wach zu bleiben und schon bald gehörten in den Klöstern Tee und Meditation untrennbar zusammen.

Ab diesem Zeitpunkt begann auch die „normale“ Bevölkerung vermehrt Tee zu trinken, Anbau, Handel und Umsatz spielten zunehmend eine wichtigere Rolle und schon bald war der tägliche Teegenuss aus ganz China nicht mehr wegzudenken.

Legende oder Wahrheit?

Auch diese Geschichte und tatsächlicher Teil der Geschichte Chinas. Auch, wenn sich einzelne Jahreszahlen evtl. nicht eindeutig belegen lassen, so ist doch sicher erwiesen, dass Tee in China eine Jahrhunderte alte Tradition hat. Ebenso ist gesichert, dass sich die Gewohnheit des Teetrinkens quasi von oben nach unten auf sämtliche Bevölkerungsschichten ausbreitete. Und die Mönche verbinden bis heute, nachvollziehbarer Weise, ihre langen Meditationen mit einem Teezeremoniell.

Dabei war China durchaus nicht die einzige Nation, bei der Tee zunächst ausschließlich ein Getränk bei Hofe und der Oberschicht war. In England beispielsweise ging Tee genau den gleichen Weg. Es ist interessant zu sehen, dass es trotz gravierender Unterschiede, wie etwa ein völlig anderer Kulturkreis und Jahrhunderte später, sich doch solche Parallelen abspielen konnten.

Fazit

Tee war im 8. Jahrhundert in China mehr eine Suppe. Wie heute noch beim Matcha wurden damals die Blätter zu Pulver vermahlen und schließlich mit heißem Wasser, teilweise auch mit einer Prise Salz, aufgekocht. Mit der heutigen Vorstellung von Tee hat dies zwar nur recht wenig zu tun, dennoch finden sich bis heute in China einige Nomadenvölker, die ihren Tee unverändert nach dieser Tradition trinken.

Doch auch, wenn die Teezubereitung in China und der westlichen Welt heute teilweise recht ähnlich ist, eines war und ist in China bis heute unverändert verpönt. Niemand würde dort wohl auf die Idee kommen, seinen Tee mit Zucker zu süßen.

Dennoch ist es faszinierend, welche Gemeinsamkeiten sich bei einem Blick auf die Geschichte teilweise zwischen scheinbar völlig verschiedenen Kulturen finden lassen. So scheinen wir uns alle doch irgendwie viel ähnlicher zu sein, als wir meist denken. So kann es sein, dass manches, was wir heute noch als „typisch …“ bezeichnen, in ein paar Jahrhunderten, oder vielleicht sogar schon Jahrzehnten, unsere eigene Kultur und unsere Traditionen prägen. In den heutigen Zeiten der Globalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Kulturkreisen zunehmend.

Anstatt seine Vorurteile zu pflegen, sollte man also vielleicht besser in Ruhe bei einer Tasse Tee darüber nachdenken, dass die Geschichte oft eigenartige, unberechenbare Wege geht. Mit Offenheit und Aufgeschlossenheit kommt man daher oft weiter.

 

Bildnachweis: Bedeutung Tee in China © 77SimonGruber – Fotolia.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.