Die unglückliche Liebe zu Pai Mu Tan


Die Arbeit auf den kaiserlichen Teefeldern Chinas war lang und hart. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang musste unter größter körperlicher Anstrengung geschuftet werden. Der Lohn allerdings reichte oft nur dazu, um sich das notwendigste leisten zu können und nicht zu verhungern. Trotzdem galt es als große Ehre diesen ganz besonderen Tee, den Weißen Tee, der nur dem Kaiser und seiner Familie vorbehalten war, zu produzieren. So war es keine Seltenheit, das ganze Familien auf den Teefeldern des Kaisers Tag ein Tag aus arbeiteten und sich so ihren kargen Lebensunterhalt verdienten.

Die unglückliche Liebe zu Pai Mu Tan

Während der Ming-Dynastie, in der Mitte des 16. Jahrhunderts, gab es ein sehr heftiges und schreckliches Unwetter. Riesige Schlammlavinen überrollten die Felder, auch die Teefelder des Kaisers. Verzweifelt versuchten die Arbeiter schon am Ende ihrer Kräfte mit den bloßen Händen wenigstens ein paar der Teesträucher auszugraben und so zu retten. Der Schaden hatte solch ein enormes Ausmaß, dass sogar der Kaiser selbst vorbeikam, um sich persönlich einen Eindruck zu verschaffen.

Im kaiserlichen Gefolge befand sich auch die jüngste Tochter des Kaisers, seine Lieblingstochter. Sie war ein wunderschönes, zartes Mädchen und trug den Namen Pai Mu Tan, was übersetzt „weiße Pfingstrose“ bedeutet. Als sie die schlammverdreckten Arbeiter auf den Teefeldern beobachtete, entdeckte sie einen schönen Jüngling, der gemeinsam mit seiner Familie versuchte, den kaiserlichen Tee zu retten. Ihre Blicke trafen sich und wie durch einen Zauber verschmolzen sie miteinander. Es war Liebe auf den ersten Blick und tragischer Weise war diese Liebe genauso schnell zum Scheitern verurteilt.

Einige Zeit trafen sich die beiden heimlich. Doch sie wussten, dass ihre Liebe mit den strengen gesellschaftlichen Regeln ihres Landes keine Zukunft hatte. Die Tochter des Kaisers und der Arbeiter aus ärmlichen Verhältnissen, das war ein absolutes Tabu. Die verzweifelten Verliebten sahen ihre einzige Chance in der Flucht. Sie beschlossen, ihre Familien und ihr zu Hause zu verlassen, irgendwo hin zu gehen, wo sie niemand kannte. Um dort neu anfangen zu können, wollten sie etwas von dem Samen des Weißen Tees mitnehmen. Mit dem Verkauf des Tees hofften sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können.

Als dir Flucht der beiden entdeckt wurde, machten sich sofort ganze Heerscharen kaiserlicher Reiter auf die Suche nach den beiden. Die Verliebten versteckten sich in möglichst unwegsamem Gelände, um nicht entdeckt zu werden. Diese Strapazen mussten die beiden verliebten nicht nur Tage, sondern sogar Wochen ertragen. Der Jüngling kam damit einiger Masen zurecht, die Kaiserstochter allerdings war solch eine körperliche Anstrengung nicht gewöhnt. Sie erkrankte schwer und schnell war den beiden klar, dass sie sterben würde.

Der Jüngling flehte seine Geliebte an, sie zurück in den Palast bringen zu dürfen. Dies würde aber auch das Ende ihrer Liebe bedeuten und der Jüngling würde sicher mit dem Tod bestraft werden. Das wollte Pai Mu Tan keinesfalls. Sie rang ihrem Liebsten das Versprechen ab, dass er nicht zurückkehren und stattdessen ihre Teesamen anpflanzen würde.

Der Jüngling trauerte sein Leben lang um seine große Liebe. Jeden Morgen, wenn er seine Teefelder betrat, sah er zum Himmel, grüßte seine Pai Mu Tan und versorgte seinen Tee, den er nach ihr benannt hatte.

Legende oder Wahrheit?

Den Tee dieses Namens gibt es tatsächlich. Der Rest der Geschichte ist allerdings eher fragwürdig. Sicher hätten sich eine Kaiserstochter und ein Arbeiter niemals lieben dürfen. Dennoch spricht beispielsweise die Tatsache, dass der Name des Kaisers selbst nicht genannt wird, eher gegen die historische Korrektheit dieser Legende. Unterm Strich muss man wohl sagen, dass diese traurige Geschichte kaum den Tatsachen entsprechen dürfte.

Fazit

Tragische Liebesgeschichten sind wohl so alt, wie die Menschheit selbst. Die Geschichte über den Pai Mu Tan gehört definitiv zu den ganz traurigen. Dies sollte jedoch kein Grund sein, auf diesen Tee zu verzichten.

Man muss beim Trinken ja nicht an den Tod der Kaiserstochter denken. Stattdessen kann man sich vorstellen, wie wunderschön sie gewesen sein muss und wie stark ihre Liebe zu dem Jüngling war. Vielleicht schmeckt man dann sogar diese Liebe und Kraft ein bisschen heraus.

So oder so, der Pai Mu Tan ist ein ganz besonderer, weißer Tee. Wer die Gelegenheit bekommt, diesen Tee zu probieren, sollte sie auf jedenfalls nutzen. Bis heute sind der Arbeitsaufwand für die Ernte und die Herstellung fast mit den Leiden und Anstrengungen der beiden unglücklich verliebten zu vergleichen. Vielleicht kann dieser Tee aber gerade deswegen sogar etwas über eigenen Liebeskummer hinweg trösten.

 

Bildnachweis: Teeplantage © Thinkstock: Hemera

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