Erst einmal eine Tasse Tee


In einem Kloster lehrte ein bereits sehr alt und damit aber auch weise gewordener Zen-Meister. Viele Schüler kamen nur seinetwegen extra den oft recht langen und beschwerlichen Weg in jenes Kloster gereist. So meldete sich eines Tages erneut ein Zen-Schüler für diesen Meister an den Pforten des Klosters an.

Erst einmal eine Tasse Tee

Er wurde zu ihm vorgelassen und betrat die Zelle, die der Meister bewohnte. „Warst du bereits einmal bei mir?“ wollte der Meister zunächst wissen. Der Schüler verneinte und der hohe Zen-Gelehrte antwortete ihm. „Gut, dann trinke erst einmal eine Tasse Tee.“ Nach der Tasse Tee entließ er den wissbegierigen Schüler jedoch bereits wieder.

Kurz darauf wollte schon der nächste Schüler zu dem Zen-Meister um von seinen Weisheiten zu lernen. Auch dieser wurde zuerst gefragt: „Warst du bereits einmal bei mir?“ „Ja, mein Meister. Vor etwa einem Jahr.“, antwortete der zweite Schüler. „Gut, dann trinke erst einmal eine Tasse Tee.“, war auch für diesen Schüler die Antwort.

Der Klostervorsteher hatte diese beiden Gespräche mitbekommen und sprach den Zen-Meister ganz besorgt darauf an. „Ihr habt beide Schüler gefragt, ob sie schon einmal bei euch waren. Einmal lautete die Antwort nein, einmal ja. Aber eure Antwort war jedes Mal die gleiche! Wie kann das sein, Meister?“

Legende oder Wahrheit?

An dieser Stelle endet die Geschichte, die Reaktion des Zen-Meisters erfährt man nicht mehr. Allerdings findet man genau diese Legende heutzutage beispielsweise in einem Buch des Herder-Verlages mit dem Titel „Gelassen werden“ und genau das ist ein wichtiger und entscheidender Hinweis.

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Im Mittelpunkt der Lehren des Zen stehen immer wieder Schlagwörter, wie Ruhe, Meditation, innere Einkehr, zu sich selbst finden und sprichwörtlich in sich selbst Ruhen. Doch die Zen-Meister genossen zu ihrer Zeit einen so besonderen Ruf, wie er vielleicht nur mit den heutigen Stars aus Film und Musik zu vergleichen ist. Ihnen wurde nachgesagt, auf alle Fragen des Lebens, für alle Probleme eine Lösung zu haben. Da war es sicher keine Seltenheit, dass so mancher Schüler, wenn er denn nun endlich vor seinem Meister stand, viel zu aufgeregt war, um überhaupt einen Weg in die Meditation zu finden. Beim Teetrinken mussten sie sich allerdings gezwungener Masen etwas beruhigen, hinsetzten und ganz sicher wäre es unhöflich gewesen, die Tasse hastig zu leeren. Zudem wirken ja auch zahlreiche Inhaltsstoffe des Tees beruhigend auf den ganzen Organismus.

Es ist also durchaus vorstellbar, dass sich diese Legende so oder so ähnlich nicht nur einmal in einem Zen-Kloster zugetragen hat. Ein typisches Merkmal der Zen-Meister war es auch stets etwas rätselhaft zu sprechen. Sicher hätte der Meister seinen Schülern auch sagen können: „Beruhige dich erst einmal!“, „Komm zur Ruhe!“ oder ähnliches. Sie legten jedoch immer großen Wert, dass ihre Schüler die Antwort auf ihre Fragen möglichst selbst erkannten.

Fazit

Sicher wäre die Aufforderung „Beruhige dich!“ sehr direkt gewesen und jeder Zen-Schüler hätte gewusst, was von ihm verlangt wird. Aber der viel wichtigere Teil dabei, nämlich das Wie, wäre damit immer noch offen geblieben. Durch das Tee trinken alleine wurden die Schüler ruhiger und wenn sie es regelmäßig taten, schließlich sicher auch insgesamt gelassener.

Wenn sie dann die nötige innere Ausgeglichenheit und Ruhe hatten, erkannten sie vielleicht von selbst, dass sie die Lehren des Zen-Meisters erst jetzt aufnehmen und vor allem auch umsetzen konnten. Dieses Verhalten der Zen-Meister passt perfekt zu einem Zitat von Konfuzius: „Erkläre mir und ich werde vergessen, zeige mir und ich werde mich erinnern. Lass es mich tun und ich werde verstehen.“

Und das gilt ohne Zweifel bis in unsere Zeit. Sicher kann man den Menschen empfehlen, sie sollten „Stress meiden“ oder zumindest auf ein verträgliches Maß zu reduzieren. Aber wie macht man das? Wie schafft man sich seine Freiräume für erholsame und Kraft spendende Auszeiten?

Da ist der Rat „erst mal eine Tasse Tee“ zu trinken unverändert einfach wie effektiv. Trinkt man seinen Tee bewusst, ohne Hast und Hektik, kommt man genau in dieser Zeit, angefangen vom Zubereiten des Tees, bis zum Trinken des letzten Schlucks, zu Ruhe. Man Konzentriert sich auf den Tee und sonst nichts. Und von dem Bonus der entspannenden Inhaltsstoffe profitiert man sowieso. Und so entspannt findet man die Lösung für ein Problem manchmal scheinbar ganz von selbst, sozusagen als „Geistesblitz“. Der Zen-Meister mit seiner scheinbar sonderbaren Angewohnheit hat also auch mehrere Hundert, vielleicht sogar tausend Jahre später immer noch recht damit. Welche Sorte von Tee am besten wirkt, muss man selber herausfinden. Aber es sollte eine Sorte Grüntee sein wie z.B. Sencha, Matcha, Gyokuro oder Bancha. Und durch den Effekt der Catechine ist es sogar gesund.

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Bildnachweis: Tasse Tee © lily – Fotolia.com

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