Tee als Kriegsgrund


Eine gute Tasse Tee ist Ruhe und Harmonie pur. Man kann kaum besser entspannen, als Geschmack und Aroma des Tees ganz bewusst wahrzunehmen, zu genießen und dabei seinen Gedanken nachzuhängen oder ein angenehmes Gespräch mit einem lieben Menschen zu führen. Und das ist schließlich keineswegs ein neues Trend. Schon seit jeher wird Tee in seiner Heimat dazu genutzt, um möglichst lange meditieren zu können, um dabei ganz in sich zu kehren und seinen Ruhepol zu finden.

Tee als Kriegsgrund

Es gibt also nichts Friedlicheres und Ruhigeres, als Tee zu trinken. Und dennoch soll Tee der Grund für mindestens einen Tod bringenden Krieg sein? Tee als Politikum, als Macht- und Druckmittel? Tee als Mittelpunkt im Streit um Macht, Einfluss und Geld? Das kann man sich kaum vorstellen.

Legende oder Wahrheit?

Und dennoch ist es wahr! Lange Zeit war China der einzige Teeproduzent, weltweit stieg die Nachfrage jedoch rasant und China nutze seine Monopolstellung bis ins kleinste Detail aus. Sicher würde auch heute noch jedes Unternehmen eine solche Vormachtstellung in der weltweiten Wirtschaft mit möglichst hohen Preisen zu seinen Gunsten nutzen. China jedoch übertrieb es regelrecht. So diktierte das große Teeland nicht nur ständig steigende Preise, die irgendwann die Grenze des Unerschwinglichen erreichten. Das Land bestimmte beispielsweise auch, dass die europäischen Schiffe einzig und allein in einem einzigen Hafen, nämlich dem der Stadt Kanton, anlegen durften. Dort wurde ein regelrechtes Ghetto für die Europäer errichtet, das sie nicht verlassen durften. Zum Verhandeln mit ihren Geschäftspartnern durften sich die Kaufleute nur an Handelsbeamte wenden, die vom kaiserlichen Hof bestellt waren oder die Mitglied einer bestimmten Handelsgilde waren.

Da die Preise immer weiter stiegen, kam es in Europa langsam zu einer Silberverknappung. Der Tee, aber auch Seide aus China mussten mit viel Geld bezahlt werden, dass aber nicht wieder zurückkam. Der Handel mit China war so einseitig, dass es um 1820 für die europäische Seite langsam nicht mehr tragbar war. Ein Tauschhandel, beispielsweite mit Textilien, der diesem Problem hätte entgegenwirken können, wurde von den Chinesen strikt abgelehnt.

Um die europäischen Volkswirtschaften nicht weiter zu gefährden, gab es scheinbar nur eine Lösung: die Europäer mussten auf den liebgewonnenen Tee verzichten. Doch bevor es so weit kam, hatten die Verantwortlichen der East India Company eine andere Idee. Man begann mit der Einfuhr von bengalischem Opium nach China. Schnell wendete sich das Blatt. Nun hatte China eine negative Handelsbilanz und trotz des großen Umsatzes an Tee und Seide, floss das Silber nun scheinbar ungehindert von China nach Europa.

Kaiser Daoguang versuchte jahrelang vergeblich, dem entgegenzuwirken. 1838 schließlich sah er sich gezwungen, Opium beschlagnahmen und die chinesischen Zwischenhändler verhaften zu lassen. Doch der Erfolg war nur kurzfristig. Die East India Company wollte einfach möglichst günstig an Tee kommen, die Tatsache, dass sie so zu Drogenhändler wurden, schien die Verantwortlichen der Handelskompagnie nicht zu stören. Sie ließen weiterhin Opium in Indien produzieren und förderten den illegalen Handel in China.

1839 schließlich eskalierte die Situation. Der Kaiser sah sich gezwungen, Opiumhandel strikt zu verbieten und jeden, auch Ausländer, die damit zu tun hatten, in Internierungslager zu stecken.

Die britische Regierung sprach zwar nie eine ordentliche Kriegserklärung aus, die Verhaftung von britischen Bürgern und die Beschlagnahmung von britischem Eigentum, konnten sie dennoch nicht hinnehmen. Also wurden schließlich im Sommer 1839 16 Kriegsschiffe nach China entsandt. Erst Ende August 1842 sollte nach vielen Kämpfen wieder so etwas wie Frieden herrschen. In der Zwischenzeit hatten die Briten nicht nur Hongkong, sondern auch weitere Regionen sowie bedeutende Wasserwege besetzt. Ein erster Friedensvertrag war von beiden Seiten abgelehnt worden, später wurde ein Verhandlungsangebot Chinas von Großbritannien nicht akzeptiert.

Schließlich endete der Erste Opiumkrieg damit, dass Hongkong an die Briten fiel und China gezwungen war, neben Kanton weitere Häfen für die Europäer zu öffnen. Außerdem musste die chinesische Regierung einen unbeschränkten Handel ihrer Geschäftsleute mit den Europäern akzeptieren und sogar Reparationszahlungen leisten.

Fazit

Der Tee selbst kann sicher nichts für diesen oder andere Kriege. Dennoch ist es fast, als hätte man bei dieser Geschichte so etwas wie „ein zweites Gesicht“ des Tees gesehen. Während Tee für seine Anhänger einfach ein herrliches, köstliches Getränk ist, mit dessen Hilfe es einem sogar gelingen kann, sich selbst besser kennen zu lernen, einen bewussteren Lebensstil einzuschlagen, so gab und gibt es wohl immer noch Menschen, für die Tee in erster Linie ein lukratives Geschäft ist.

 

 

Bildnachweis: verschiedene Teesorten ©Thinkstock: iStockphoto

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