Wermut-Tee wird aus dem Kraut des Wermuts (Artemisia absinthium) aufgegossen, einer der bittersten Heilpflanzen Europas. Traditionell wird er nach schweren, fetten Mahlzeiten bei Verdauungsbeschwerden verwendet — als alkoholfreie Alternative zum Verdauungsschnaps. Wegen des enthaltenen Thujons gilt: niedrig dosieren, kurz ziehen lassen, nur zeitlich begrenzt anwenden. Hier lesen Sie, wie Zubereitung, Dosierung und Risikoabwägung funktionieren.

Steckbrief
Pflanze/BasisWermutkraut (Artemisia absinthium), Korbblütler
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilextrem bitter, herb-würzig, leicht harzig
Wassertemperatur100 °C, sprudelnd kochend aufgießen
Ziehzeit1-2 Minuten, nicht länger (Bitterstoffe)
Dosierungca. 1 g (drei Fingerspitzen bis 1 gestrichener TL) pro Tasse
Aufgüsse1 Aufguss; maximal 2-3 Tassen täglich, nur kurzzeitig
Preisspanneca. 2-4 € pro 100 g, Apothekenware ab ca. 3 €

Die Pflanze: silbergraues Bitterkraut aus Eurasien

Der Wermut ist ein bis zu einem Meter hoher Korbblütler mit silbrig-grau behaartem Laub und gelben Blütenköpfchen. Seine Heimat sind Eurasien und Nordafrika; er bevorzugt trockene, sandig-tonige Böden, wächst gern in der Nähe von Wasserläufen und gedeiht noch in Höhenlagen bis 3.500 Meter. Nach Nordamerika gelangte die Pflanze erst mit europäischen Siedlern, hat dort inzwischen aber stabile Wildbestände gebildet.

Botanisch ist der Wermut der nächste Verwandte des Beifußes (Artemisia vulgaris), der als Küchen- und Teekraut deutlich milder ausfällt — die Unterschiede beider Artemisia-Arten beschreibt unser Artikel über Beifußtee. Geerntet wird das blühende Kraut zwischen Juli und September; für Tee wird es getrocknet und grob geschnitten.

Geschmack: einer der bittersten Aufgüsse überhaupt

Wermut-Tee riecht herb-würzig und schmeckt außerordentlich bitter — der namensgebende Bitterstoff Absinthin zählt zu den intensivsten bekannten Naturbitterstoffen und ist noch in einer Verdünnung von etwa 1:70.000 wahrnehmbar. Ein Genusstee für gemütliche Stunden ist dieser Aufguss daher nicht; er wird traditionell eher wie ein Arzneimittel in kleinen Mengen getrunken.

Wer Bitteres grundsätzlich schätzt, aber etwas Trinkbareres sucht, findet im Gelben Enzian oder im Tausendgüldenkraut klassische Bitterkräuter mit etwas zugänglicherem Profil. Süßen mit Honig mildert die Bitterkeit nur wenig — üblicher ist es, die Ziehzeit konsequent kurz zu halten.

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Zubereitung Schritt für Schritt

1. Etwa 1 g getrocknetes Wermutkraut abmessen — das entspricht ungefähr drei Fingerspitzen oder einem gestrichenen Teelöffel pro Tasse (250 ml). 2. Mit sprudelnd kochendem Wasser übergießen. 3. Nur ein bis zwei Minuten ziehen lassen; schon nach kurzer Zeit ist der Aufguss deutlich bitter, längeres Ziehen macht ihn kaum noch trinkbar. 4. Sorgfältig abseihen und ungesüßt in kleinen Schlucken trinken, traditionell etwa eine halbe Stunde vor oder nach dem Essen.

Mehr als zwei bis drei Tassen täglich sollten es nicht sein, und die Anwendung bleibt auf wenige Wochen begrenzt — Wermut ist kein Dauergetränk. Wer unsicher ist, bespricht Dosierung und Anwendungsdauer am besten in der Apotheke oder ärztlichen Praxis.

Inhaltsstoffe, Thujon und Studienlage

Wermutkraut enthält den Bitterstoff Absinthin und weitere Sesquiterpenlactone, dazu ätherisches Öl mit dem Monoterpen Thujon sowie Flavonoide und Gerbstoffe. Die Kommission E hat Wermutkraut (Absinthii herba) als traditionelles Bittermittel monographiert; verwendet wird es bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden — die Bitterstoffe regen nachweislich die Speichel- und Magensaftproduktion an.

Das Thujon ist zugleich der Grund zur Vorsicht: In höheren Dosen wirkt es auf das Nervensystem und kann Krämpfe auslösen. Die EU begrenzt den Thujongehalt deshalb je nach Lebensmittelkategorie auf festgelegte Höchstmengen, in wermuthaltigen Spirituosen etwa auf 35 mg pro Kilogramm. Ein korrekt dosierter, kurz gezogener Tee bleibt weit darunter — trotzdem gilt: keine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht bei Kindern, nicht bei Epilepsie oder Magen-Darm-Geschwüren, und grundsätzlich nur über wenige Wochen.

Vom Absinth zum Wermutwein: eine wechselvolle Geschichte

Wermut begleitet die Heilkunde seit der Antike; schon ägyptische und griechische Quellen erwähnen das Kraut, und ein alter Volksspruch behauptet kurzerhand: "Wermut ist für alles gut!" Berühmt-berüchtigt wurde die Pflanze jedoch durch den Absinth — eine hochprozentige Spirituose aus Wermut, Anis und weiteren Kräutern, die um 1900 als Modedroge der Pariser Künstlerszene galt. Wegen vermuteter Nervenschäden wurde Absinth ab 1915 in Frankreich und vielen weiteren Ländern verboten; erst Ende der 1990er Jahre wurde er in der EU mit begrenztem Thujongehalt wieder zugelassen.

Auch der Wermutwein — international als Vermouth bekannt, etwa in Aperitifs aus Turin — trägt den Namen der Pflanze: Ihm verleiht das Kraut die charakteristische herbe Note. Beide Getränke zeigen, wie prägend das bittere Aroma des Wermuts seit Jahrhunderten ist.

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Kauf und Lagerung

Geschnittenes Wermutkraut bekommen Sie in Apotheken, im Kräuterfachhandel und online; 100 g kosten etwa 2 bis 4 Euro, geprüfte Apothekenqualität nach Arzneibuch beginnt bei rund 3 Euro. Gute Ware erkennen Sie an graugrünen, ganzen Blattstücken und einem kräftig würzigen, leicht harzigen Geruch — grasig-mattes, stark zerbröseltes Kraut ist überlagert.

Lagern Sie das Kraut luftdicht, dunkel und trocken, etwa in einer Blechdose im Küchenschrank abseits von Herd und Spüle. So bleiben Bitterstoffe und ätherisches Öl 12 bis 18 Monate weitgehend erhalten; danach lässt vor allem das Aroma des ätherischen Öls spürbar nach.

Häufige Fragen

Wie schmeckt Wermut-Tee?
Außerordentlich bitter und herb-würzig. Der Bitterstoff Absinthin gehört zu den intensivsten Naturbitterstoffen und ist noch in starker Verdünnung wahrnehmbar. Kurze Ziehzeiten von ein bis zwei Minuten halten die Bitterkeit im trinkbaren Bereich.

Wie viel Wermut-Tee darf man trinken?
Üblich sind höchstens zwei bis drei Tassen täglich mit je etwa 1 g Kraut, und das nur über wenige Wochen. Wermut ist ein traditionelles Bittermittel, kein Alltagsgetränk.

Warum ist Thujon im Wermut problematisch?
Thujon aus dem ätherischen Öl wirkt in höheren Dosen auf das Nervensystem und kann Krämpfe auslösen. Die EU begrenzt den Gehalt in Lebensmitteln; bei korrekt dosiertem Tee bleibt die Aufnahme gering.

Wer sollte keinen Wermut-Tee trinken?
Schwangere, Stillende und Kinder sowie Menschen mit Epilepsie oder Magen-Darm-Geschwüren. Im Zweifel sollte vor der Anwendung ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Wermut-Tee und Absinth?
Der Tee ist ein alkoholfreier Wasseraufguss des Krauts. Absinth ist eine hochprozentige Spirituose aus Wermut, Anis und weiteren Kräutern, die wegen ihres Thujongehalts zeitweise verboten war und heute Grenzwerten unterliegt.

Quellen

  • Kommission-E-Monographie: Absinthii herba (Wermutkraut)
  • Europäisches Arzneibuch: Monographie Wermutkraut (Absinthii herba)
  • Verordnung (EG) Nr. 1334/2008 über Aromen: Höchstmengen für Thujon in Lebensmitteln

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.