Die Birke galt schon vor Jahrhunderten als heiliger Baum. Der Grund, warum die Bräute bei ihrer Hochzeit ausgerechnet ein weißes Kleid tragen, lag zumindest früher darin begründet, dass weiß die Farbe der Jungfräulichkeit ist. Wegen ihrer weißen Rinde steht die Birke deshalb im Volksglauben für die jungfräuliche Göttin und für Fruchtbarkeit. Diese ursprüngliche, tiefgründige Bedeutung der Rituale ist zwar heute bereits oft in Vergessenheit geraten, dennoch werden bis heute zu zahlreichen Frühlingsfesten die Dörfer und Städte mit Birken geschmückt. Doch auch als Tee leistet uns die Birke gute Dienste. Eine Tatsache, an die sich ebenfalls nicht mehr allzu viele erinnern. Dies lässt sich aber ändern.

Inhaltsstoffe

Die Liste der Inhaltsstoffe der Birke überzeugt durch alte Bekannte, wie ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe, Vitamin C, Harz, Saponine sowie Flavone, weshalb man sie zu den Heilpflanzen zählen kann. Dieser Cocktail macht die Birke in der Naturheilkunde zu einem beliebten Mittel bei Nieren- und Blasen-Leiden. Aber auch Hautkrankheiten und Haare können durchaus davon profitieren. Der Genuss von Birken reinigt unser Blut und wirkt gleichzeitig harntreibend. Rheuma und Gicht können damit ebenso behandelt werden, wie Hautprobleme, Ödeme, Allergien, Flechten und Ekzeme. Auch Husten und vielleicht eher ausgefallenen Indikationen, wie Frühjahrsmüdigkeit gehören zu den Einsatzgebieten des Birkentees. Selbst in leichten Fällen von Diabetes kann Birkentee die klassischen Maßnahmen unterstützen. In diesem Fall aber wirklich nur unterstützen und keinesfalls ersetzen!

Anbaugebiete

Was ihre Wachstumsbedingungen betrifft, zählt die Birke, und das gilt ausnahmslos für jede einzelne der insgesamt etwa 100 verschiedenen Arten, eindeutig zu den anspruchslosen Gewächsen dieser Erde. So finden sich natürlich Birkenbestände nahezu überall auf der Nordhalbkugel. In Europa ebenso wie in Nordamerika, dort speziell an der Ostküste. Das Verbreitungsgebiet der Birkenarten erstreckt sich tatsächlich bis nach Japan. Und dabei ist es völlig egal, ob es sich bei dem Standort um einen nassen oder eher trockenen Boden handelt und welches Klima dort herrscht. Birken gedeihen im Moor nicht besser oder schlechter, als in einem Dünengebiet oder in einer Heideregion.

Herstellung

Für den Tee werden sowohl die zarten Blattknospen, als auch die ausgewachsenen Blätter der Birke verwendet. Die Knospen können bereits im März geerntet werden, während man sich für die Blätter noch bis zu den Monaten Mai und Juni gedulden muss. Wie bei allen anderen Kräutertees auch, werden die gesammelten Birkenblätter gründlich getrocknet, am besten in trockenen Baumwollsäcken aufbewahrt und vor dem Überbrühen, idealerweise mit einem Mörser, zerkleinert und mit zum Aufgiessen mit heissem Wasser übergossen.

Fazit

In unseren modernen Zeiten mag es sicher schwerfallen, sich vorzustellen, dass mit einigen Tassen Kräutertee tatsächlich ernsthafte Krankheiten kuriert werden können. Sicher, bei Erkältungen und Husten greifen wir alle gerne zu einer Tasse Tee, aber was ist beispielsweise bei Nierensteinen? Nicht selten hört man, dass in so einem Fall eine Operation notwendig wird. Sicher mag Birkentee nicht in jedem Fall helfen können und man sollte die ärztliche Behandlung nicht abbrechen. Aber es gibt eindeutige Belege, dass Nierensteine durch drei Tassen Birkentee täglich über mehrere Wochen hinweg getrunken, tatsächlich aufgelöst wurden. Bildnachweis: Birkentee ©Thinkstock: iStockphoto

Birkentee zubereiten – Frühlingsfrische aus dem Wald

Birke (Betula pendula) ist einer der häufigsten Laubbäume Europas und liefert eine der vielseitigsten Heilpflanzen. Für Birkentee werden hauptsächlich die jungen Blätter verwendet, die im Frühling beim Blattaustrieb geerntet werden. In dieser Zeit sind sie reich an ätherischen Ölen, Flavonoiden und anderen Wirkstoffen. Alternativ können Birkenrinde und Birkensaft ebenfalls Verwendung finden.

Für Birkentee sammeln Sie 2 bis 3 Handvoll frischer, junger Birkenblätter (oder verwenden getrocknete Blätter aus dem Kräuterhandel) und übergießen diese mit 500 ml kochendem Wasser. Nach 10 Minuten Ziehzeit abseihen und trinken. Der Tee schmeckt mild, leicht süßlich-grün und angenehm frisch. Getrocknete Blätter ergeben einen intensiveren Tee, der herb-adstringierend schmecken kann.

Zur Kur empfehlen sich 2 bis 3 Tassen täglich über 4 bis 6 Wochen, besonders im Frühjahr als klassische Frühjahrskur zur Entwässerung und Reinigung. Birkentee sollte beim Trinken von ausreichend Wasser begleitet werden (mindestens 2 Liter täglich), da er harntreibend wirkt.

Heilwirkung von Birkentee – Entschlackung und Entwässerung

Birkenblätter enthalten ein vielfältiges Spektrum an Wirkstoffen: Flavonoide (Quercetin, Kämpferol, Hyperoside), Terpene, Gerbstoffe, ätherische Öle, Vitamin C, Saponine und organische Säuren. Diese Inhaltsstoffe verleihen Birkentee seine charakteristischen Heilwirkungen.

Die wichtigste und wissenschaftlich gut belegte Eigenschaft von Birkentee ist seine harntreibende (diuretische) Wirkung. Im Gegensatz zu vielen chemischen Diuretika verliert der Körper beim Trinken von Birkentee keine Mineralstoffe wie Kalium – man spricht von einem „aquaretischen" Effekt. Diese schonende Entwässerung macht Birkentee besonders wertvoll bei der Therapie von Harnwegsinfektionen, Nierengrieß und Wassereinlagerungen.

Die EMA (Europäische Arzneimittelagentur) erkennt Birkenblätter offiziell als pflanzliches Arzneimittel zur Unterstützung der Nierenfunktion und bei leichten Harnwegsinfektionen an. In Deutschland ist Birkentee in verschiedenen apothekenpflichtigen Tees und Extrakten enthalten.

Als Frühlingstee wird Birkentee traditionell zur „Blutreinigung" und Entschlackung eingesetzt. Obwohl der Begriff „Blutreinigung" wissenschaftlich nicht korrekt ist, hat die harntreibende und stoffwechselfördernde Wirkung des Birkentees reale Auswirkungen auf die Ausscheidung von Abbaustoffen.

Geschichte und kulturelle Bedeutung der Birke

Birke ist in der nordeuropäischen und osteuropäischen Folklore ein bedeutsamer Baum mit tiefer symbolischer Bedeutung. In der slawischen und germanischen Tradition galt sie als Baum des Lebens, der Erneuerung und der Weiblichkeit. Im russischen und finnischen Volksglauben ist die Birke Baum der Schutzgöttin und dient in der Banja (russisches Dampfbad) als Badequast (Wenik) – ein Birkenzweigbündel, mit dem man sich abklatschend massiert, um die Durchblutung zu fördern.

In der Volksmedizin Nordeuropas, Russlands und der baltischen Länder hat Birkentee und Birkensaft eine jahrtausendealte Tradition. Im Frühjahr, wenn der Birkensaft aus den aufgeschnittenen Stämmen fließt, wurde dieser als natürliches Heilwasser getrunken – reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Zucker. Birkensaft gilt in diesen Regionen bis heute als wertvolles Nahrungsergänzungsmittel.

Im Mittelalter wurde Birke als Heilpflanze bei Gicht, Rheuma und Gelenkschmerzen eingesetzt. Birkenrinde galt als fiebersenkend und Salicylate enthaltend (ähnlich wie Weidenrinde). Birkenholz-Teer wurde äußerlich bei Hautkrankheiten und Psoriasis verwendet – eine Anwendung, die in modifizierter Form auch in der modernen Dermatologie bekannt ist.

Häufige Fragen zu Birkentee (FAQ)

Wann ist die beste Zeit, Birkenblätter zu sammeln?
Frühling (April/Mai) beim ersten Blattaustrieb. Die jungen, kleinen Blätter sind am wirkstoffreichsten.

Hilft Birkentee bei Wassereinlagerungen?
Ja, die harntreibende Wirkung von Birkentee kann bei milden Wassereinlagerungen (Ödemen) helfen. Bei starken Schwellungen bitte einen Arzt aufsuchen.

Kann Birkentee Nierensteine lösen?
Birkentee kann die Bildung von Nierengrieß hemmen und unterstützt die Ausscheidung kleiner Ablagerungen. Große Nierensteine müssen ärztlich behandelt werden.

Ist Birkentee für Pollenallergiker geeignet?
Vorsicht! Wer gegen Birkenpollen allergisch ist, kann auch auf Birkenblätter-Tee reagieren. Bei Birkenpollenallergie bitte vor dem Konsum Arzt fragen.

Wie lange sollte eine Birkentee-Kur dauern?
Klassisch 4 bis 6 Wochen im Frühjahr. Danach eine Pause einlegen. Nicht über längere Zeit in hohen Mengen konsumieren.

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