Sen no Rikyu


Sengoku-jidai, zu Deutsch die „Zeit der streitenden Reiche“, wird von 1477 bis 1573 datiert und war wohl ganz eindeutig einer der bewegendsten und gleichzeitig Veränderungen mit sich bringende, Epoche in der japanischen Geschichte. Nach ihr kam das sogenannte Zeitalter der „drei Reichseiniger“.

Sen no Rikyu

In der turbulenten Phase des Sengoku lebte Rikyu, ein Nachfahre koreanischer Einwanderer. Sein Vater war der Besitzer eines Lagerhauses, doch Rikyu zeigte schon früh einen ganz besonders feinen Sinn für schlichte Schönheit und Einfachheit. Er wählte das Leben eines Zen Mönches und studierte bei den verschiedensten Lehrern die einzelnen damals üblichen Tee-Zeremonien. Begonnen bei der traditionellen Variante, wie sie in Empfangsräumen üblich war bis hin zu dem etwas neueren und moderneren Stil, wie er in den kleinen Teehäusern mit Strohdach praktiziert wurde.

Rikyu zeigte sich dabei nicht nur, wie für einen Zen-Mönch zu erwarten, besonders kultiviert und auch diszipliniert, er hatte auch eine Vorliebe und einen Blick für die Faszination der Einfachheit. Wo andere versuchten künstlich etwas „aufzubauschen“ oder „großen Tam-Tam“ zu machen, war es Rikyu, der auf den schlichten Weg bestand.

So prägte er die japanische Tee-Zeremonie wohl wie kein zweiter, sein Leben wird „der Teeweg“ genannt und bis heute sind zahlreiche Zitate von ihm überliefert. So soll ihn einer seiner Schüler einmal nach den drei wichtigsten Dingen bei einer Teezusammenkunft gefragt haben. Rikyus Antwort: „Bereite eine köstliche Schale Tee; lege die Holzkohle so dass sie das Wasser erhitzt; arrangiere die Blumen so, wie sie auf dem Feld wachsen; im Sommer erzeuge das Gefühl von Kühle; im Winter, Wärme; tue alles vorzeitig; sei auf Regen vorbereitet; und widme jenen mit denen du dich zusammenfindest dein ganzes Herz.“ Der Schüler war enttäuscht, weil ihm jeder Teil der Antwort selbstverständlich erschien und ihm nichts davon neu war. Der Meister soll daraufhin erwidert haben: „Wenn du also eine Teezusammenkunft leiten kannst, ohne von einer der Regeln die ich nannte abzuweichen, dann werde ich dein Schüler.“

Der Einfluss dieses einfachen Mannes schließt auch Teegeschirr aus Keramik ein, ja sogar die japanische Architektur hat sich mit seinem Leben und seinen Vorstellungen und Ansichten geändert. Doch leider blieben auch in diesem Fall, wie so oft in der Geschichte, die Neider nicht aus. Hideyoshi war zur damaligen Zeit nicht nur ein bedeutender Feldherr, sondern auch ein enger Freund Rikyus. Trotzdem gelang es einigen ihm einzureden, sein Freund und Teemeister wolle ihn vergiften. So verurteilte er seinen jahrelangen Vertrauten zum Tode, überließ ihm allerdings die Gesicht wahrende Variante des Selbstmordes. Nachdem Rikyu sich gerichtet hatte und seine Unschuld bewiesen war, bedauerte sein Freund sein Misstrauen, rückgängig machen, ließ sich der Irrtum freilich nicht mehr.

Legende oder Wahrheit?

Wie bei anderen historischen Personen auch, so dürfte sich wohl im Leben des Sen no Rikyu das meiste so zugetragen haben, wie es überliefert wurde. Sicher wurde im Laufe der Jahre noch einiges ausgeschmückt oder variiert, gerade seine Schriften und Gedichte allerdings sind unumstritten überliefert. Mögliche Abweichungen dürften wohl in erster Linie mit Übersetzungsfehlern begründet sein, machen wohl aber sicher nicht so viel aus, dass dadurch ein ganz anderer Sinn entsteht.

Zudem geht es nicht nur um das Leben und Schaffen eines einzelnen Menschen, egal, wie bedeutend dieser auch sein mag, sondern auch um den Ablauf der japanischen Teezeremonie, wie er bis heute zelebriert wird. Da kann man wohl ziemlich sicher gehen, dass mit größter Mühe und Sorgfalt dokumentiert wurde und wird.

Fazit

„Der Weg des Tees ist nichts als dies: Zuerst kochst Du Wasser, dann machst Du den Tee und trinkst ihn.“ – Aussagen wie diese sind es wohl, die Rikyu so einfach und gleichzeitig so faszinierend machen. Eigentlich sagt er damit nichts Besonderes, nichts, was auf den ersten Blick wie eine großartige, neue Erkenntnis erscheint. Aber genau diese simplen Dinge sind es oft, auf die wir uns auch in der heutigen Zeit, manchmal einfach wieder etwas mehr besinnen müssten und sollten.

Wir sind oft so in Hektik und teilweise fast schon verzweifelt auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, nach der ultimativen Weisheit, nach etwas absolut neuem, das gleichzeitig alles erklärt, dass wir ganz vergessen haben, das manchmal gerade die Einfachheit und Schlichtheit die Antwort auf alle unsere Fragen ist. „Obwohl viele Menschen Tee trinken – wenn Du den Weg des Tees nicht kennst, wird der Tee Dich austrinken.“ – Und das möchte wohl sicher niemand.

 

Bildnachweis: Sen no Rikyu © danielschoenen – Fotolia.com

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