Indischer Mythos zur Entstehung des Tees


Auch in Indien wird eine eigene Legende zur Entstehung des Tees erzählt. Diese zeigt sehr starke Gemeinsamkeiten mit der japanischen Version, ist jedoch bei Weitem nicht so blutig und weicht dann auch doch wieder in entscheidenden Punkten ab.

Indischer Mythos zur Entstehung des Tees

Nach dem indischen Mythos hatte sich ein Mönch namens Darma auf eine sieben Jahre dauernde Pilgerreise nach China begeben. Da er diese Zeit möglichst intensiv und bewusst nutzen wollte, hatte er ein Gelübde abgelegt, jede Nacht statt zu schlafen, zu meditieren. Zunächst viel ihm dies sehr leicht, mit der Zeit wurde er jedoch immer müder, bis er nach fünf Jahren schließlich so erschöpft war, dass er befürchtete, sein eigenes Gelübde nicht einhalten zu können. Da fielen ihm Sträucher am Wegrand auf, deren Blätter er erntete und kaute. Davon war er so erfrischt und sein Geist so geweckt, dass ihm mit Leichtigkeit gelang, zwei weitere Jahre ohne Schlaf auszukommen und stattdessen jede Nacht zu meditieren.

Legende oder Wahrheit

Ebenso wie in der japanischen Geschichte, war es auch in der indischen Version ein indischer Mönch, der nach China ging und dort den Tee entdeckte. Auffällig ist auch die Ähnlichkeit der Namen. Die Japaner erzählen von Bodhidharma, die Inder von Darma, wobei die Existenz des ersteren eindeutig durch historische Dokumente bewiesen und belegt ist. Und in beiden Geschichten geht es darum, dass dieser Mönch meditieren statt schlafen wollte, irgendwann drohte von seiner Müdigkeit übermannt zu werden und es ihm dank der anregenden Wirkung des Tees gelang, durchzuhalten und seinen Vorsatz zu erfüllen.

Es ist belegt, dass Bodhidharma in China blieb und schließlich auch dort starb. der Mönch in der indischen Sage kehrt allerdings in seine Heimat zurück. Außerdem hat er sich aus den Blättern der Sträucher keinen Tee gekocht, sondern diese nur gekaut. Auch dies ist eine Abweichung zum japanischen Mythos, dem zu folge Bodhidharma die Blätter tatsächlich mit heißem Wasser übergossen und das Extrakt getrunken hat.

Nur weil viele das gleich erzählen, wird es deswegen nicht richtiger oder falscher. Wenn aber in zwei verschiedenen Ländern und Kulturkreisen solche derart ähnlichen Versionen weiter gegeben werden, von denen zumindest Teile davon auch noch historisch belegt werden können, lohnt sich auf jeden Fall ein genauer Blick auf die einzelnen Punkte.

Es ist gut möglich, dass ein indischer Mönch eine Pilgerreise nach China unternommen hat, ob er dabei nach einigen Jahren nach Hause zurückkehrte oder bis zu seinem Tod in China blieb ist für die Frage, ob er während seiner Zeit in China den Tee entdeckt hat oder nicht, völlig unerheblich. Außerdem wäre es denkbar, dass der Name einfach ein wenig verändert wurde. Die einen sprechend etwa grundsätzlich den ganzen Namen aus, andere wählen lieber eine Kurzversion und dritte wiederum variieren die Schreibweise etwas. Es ist also durchaus denkbar, dass der indische Darma ein und derselbe Mönch ist, wie der Bodhidharma der japanischen Mythologie.

Dass ein buddhistischer Mönch vor allem auf solch einer Pilgerreise möglichst viel, lange und ausdauernd meditieren will, leuchtet ebenfalls ein. Dass er dabei früher oder später gegen seine eigene Müdigkeit kämpfen muss, kann sicher jeder nachvollziehen. Sicher kann man nicht davon ausgehen, dass Darma tatsächlich über einen so langen Zeitraum hinweg wie fünf Jahre tatsächlich kein einziges Mal geschlafen hat. Jeder, der bereits eigene Erfahrungen mit Meditation hat, hat vielleicht schon einmal erlebt, dass man dabei auch in Trance ähnliche Zustände kommen kann und sich meist nach einer Meditation ausgeruht und erholt fühlt. Möglich also, dass Darma während seiner Meditationen in schlafähnlichen Phasen war, dennoch dürfte dies nicht ausgereicht haben, um richtigen Schlaf für mehrere Jahre zu ersetzten.

Fazit

Dennoch enthält der indische Mythos zur Entstehung des Tees sehr viele schlüssige Punkte. Davon abgesehen werden solche Geschichten grundsätzlich im Laufe der Jahrhunderte ausgeschmückt, verändert, leicht abgewandelt und vor allem auch dem eigenen Kulturkreis angepasst.

 

Bildnachweis: Indischer Mythos zur Entstehung des Tees – © globe-trotter – Fotolia.com

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