Legende oder Wahrheit
Teekennern und vor allem jahrelangen Anhänger der zahlreichen verschiedenen grünen Tees dürfte angesichts solcher Aussagen und Ratschläge ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Und das gleich aus mehrfachem Grund. Es stimmt, dass die Bitterstoffe zu denjenigen gehören, die sich besonders leicht und schnell im Wasser lösen. Allerdings sind auch bereits im ersten Aufguss zahlreiche der gesundheitlich wertvollsten und durchaus auch der schmackhaftesten Inhaltsstoffe des Tees zu finden. Diesen ersten Aufguss zu verwerfen, käme also fast schon einem Frevel gleich.Davon abgesehen lässt sich die Löslichkeit der Bitterstoffe durchaus bis zu einem gewissen Grad durch die entsprechende Zubereitung steuern. Meist wird nämlich schlicht und einfach viel zu heißes Wasser verwendet. Bereits wenige Grad Temperaturunterschied führen dazu, dass überwiegend die Bitterstoffe aus den Teeblättern gewaschen werden und einen eigentlich schmackhaften Tee damit leider ungenießbar machen. Ein weiterer, leider ebenso allzu häufiger Fehler ist die Ziehdauer. Wenn man bisher meist eher ein klassischer Früchtetee-Trinker war und Ziehzeiten von 10 Minuten und mehr gewohnt ist, scheint es schwer vorstellbar, dass bereits nach zwei, drei Minuten tatsächlich nicht nur etwas Farbe, sondern auch ausreichend Geschmack im Teewasser enthalten sein soll. Doch je länger man solch einen grünen Tee ziehen lässt, umso bitterer wird er. Des Weiteren ist es auch absolut Sortenabhängig, wie hoch der maximale Gehalt an Bitterstoffen in grünem Tee ist. Es gibt den Matcha, Bancha, Gyokuro, Sencha und viele andere Arten vom grünen Tee. Mit etwas guter Beratung und Fachkenntnis lassen sich durchaus einige grüne Tees finden, die überaus mild im Geschmack sind und selbst Einsteigern in Sachen grünen Tee Lust auf mehr machen. Empfehlenswert wäre hier beispielsweise ein White Monkey Pekoe oder ein Snow Bud. An Sorten wie etwa Cun Mee dagegen oder auch einen Gunpowder, sollte man sich besser erst heranwagen, wenn man etwas mehr Erfahrungen in Sachen grüner Tee hat und den charakteristischen Geschmack schon etwas gewöhnt ist.Fazit
Sicher ist es wohl etwas günstiger, wenn man sich einfach "mal eben" beim Einkauf im Supermarkt auch noch ein Päckchen grünen Tee mitnimmt. Vor allem diejenigen, die damit in erster Linie ihrer Gesundheit etwas Gutes tun möchten, ansonsten aber noch nicht allzu viel über diese Teeart wissen, werden das ganz selbstverständlich so machen. Doch gerade als Neuling sollte man in diesem Falle nicht die Mühen scheuen und einen Teeladen aufsuchen. Dort sollte man sich ausführlich beraten lassen. Ein guter Teehändler wird dann nicht nur einen Gesundheitsfördernden Tee auswählen, sondern auch Sorten vorschlagen, die im Geschmack möglichst mild sind. Vielleicht führt er sogar einen grünen Tee, dessen Geschmack und Aroma den bisher gerne getrunkenen Tees ähnlich ist. Möglicherweise bietet er sogar eine Verkostung einiger Sorten an. Die Gruppe der grünen Tees hat eine unbeschreibliche Vielfalt zu bieten, die Aromen decken dabei von mild und blumig über süß und fruchtig bis hin zu frisch und würzig alle nur vorstellbaren Nuancen ab. So gesehen gibt es eigentlich für jeden einen grünen Tee, der der absolute Lieblingstee werden könnte. Diesen wird man allerdings nur dann finden, wenn man sich zumindest ein kleinwenig auf diese Teeart einlässt. bereit ist zu lernen und nicht einfach nur eine Packung mit der Aufschrift "Grüner Tee" kauft. Dabei muss die Supermarktware nicht automatisch von schlechter Qualität sein, als Einsteiger wird man allerdings die überwältigende Bandbreite der Geschmackserlebnisse nur dann kennenlernen, wenn man auch nach der ersten Tasse noch Lust auf mehr hat. Bei bitterem Geschmack allerdings schwer vorstellbar. Am besten eignet sich loser Tee, den man online oder in Teehäusern kaufen kann. Grüner Tee regt auch den Stoffwechsel an, hält fit und wird oft als ein essentieller Teil seiner täglichen Ernährung gesehen. Nach der Studie von Stiftung Warentest schneiden die meisten Grüntee Sorten mit guten Ergebnissen ab. Nach dem Skandal über Giftstoffe im Tee, hat sich herausgestellt das es bestimmte Stoffe in der Pflanze gibt die zu unangenehmen Nachwirkungen führen können. Trotzdem sollte man nicht vergessen das Tee dem Körper gut tut und Vitamin enthält. Deswegen sollte man auf die Qualität und die tägliche Verzehrmenge des Tees achten.Bildnachweis:Grüner Tee © slavson - Fotolia.comDen ersten Aufguss verwerfen: Technik und Hintergrund
Die Empfehlung, den ersten Aufguss von Grüntee zu verwerfen, hat in der chinesischen und japanischen Teekunde eine lange Tradition. Technisch gesehen dient der erste kurze Aufguss (10–20 Sekunden bei 70–80°C) dazu, die Blätter zu öffnen, Staubpartikel zu entfernen und besonders bitter schmeckende, hochlösliche Verbindungen zu reduzieren. Dabei werden primär Koffein und Gerbstoffe ausgelöst, die als erste in Lösung gehen. Der zweite und dritte Aufguss enthält dann ein ausgewogeneres Verhältnis von Bitterstoffen, Süße (Theanin und natürliche Aminosäuren) und Umami. Für die Zubereitung: Wasser bei 70–80°C über die Blätter gießen, 15–20 Sekunden warten, dann den „Waschaufguss" wegschütten. Ab jetzt trinken Sie den Tee in seiner besten Form.
Bittere Grüntees: Chemie und Gesundheitsaspekte
Bitterkeit im Grüntee entsteht hauptsächlich durch drei Verbindungsklassen: Catechine (insbesondere EGCG), Koffein und bestimmte Aminosäuren. Interessanterweise sind genau diese Verbindungen auch für einen Großteil der gesundheitlichen Vorteile verantwortlich. EGCG ist das stärkste Antioxidans des Grüntees und schützt Zellen vor oxidativem Stress; Koffein kombiniert mit L-Theanin fördert Fokus und Wachheit. Das „Wegschütten" des ersten Aufgusses bedeutet also, einen Teil dieser Vorteile bewusst zu reduzieren – im Tausch gegen einen angenehmer schmeckenden Tee. Wer auf maximale Gesundheitswirkung setzt, kann auch einfach die Temperatur senken (65–70°C) und die Ziehzeit verkürzen, was die Bitterkeit reduziert ohne Inhaltsstoffe zu verschwenden.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Yan Cha Felsentee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu chinesische Teekultur. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Fruchtetee.
Warum mancher Grüntee besonders bitter ist
Nicht alle Grüntees sind gleich bitter. Die Bitterkeit hängt von mehreren Faktoren ab: Erstens von der Sorte – Matcha, Gyokuro und junger Shincha enthalten durch Beschattung besonders viel L-Theanin und weniger Bitterstoffe; ältere Blattgrade wie Bancha oder Hojicha sind milder. Zweitens von der Ernte – frühe Frühlings-Ersten-Pflückungen (Ichibancha) sind süßer, spätere Ernten bitterer. Drittens von der Verarbeitung – gedämpfte japanische Tees (Steamed Green Tea) entwickeln weniger Bitterkeit als in der Pfanne geröstete chinesische Tees. Und viertens von der Lagerung – falsch gelagerter (feuchter oder alter) Grüntee schmeckt bitter und abgestanden. Die beste Methode gegen Bitterkeit: frischer Tee, niedrige Temperatur, kurze Ziehzeit – vor dem ersten Aufguss wegschütten ist dann oft nicht einmal nötig.
FAQ: Grüntee und Bitterkeit
Muss man den ersten Aufguss immer wegschütten? Nein, das ist Geschmackssache. Wer moderate Bitterkeit mag oder auf maximale Inhaltsstoffe setzt, kann den ersten Aufguss trinken. Das Wegschütten ist eine Methode, keinen Pflicht.
Welche Temperatur verhindert Bitterkeit am besten? 65–75°C ist ideal für die meisten Grüntees. Bei dieser Temperatur lösen sich bevorzugt Umami-Verbindungen (süßlich, aromatisch), während Bittercatechine langsamer in Lösung gehen.
Wie lagert man Grüntee, um Bitterkeit zu vermeiden? Luftdicht, dunkel, kühl (unter 10°C für Langzeitlagerung) und fernab von Gerüchen. Im Kühlschrank in einem gut verschlossenen Behälter hält Grüntee monatelang frisch.
Welcher Grüntee ist am wenigsten bitter? Gyokuro (durch Beschattung besonders süßlich), Kabusecha und junger Shincha gelten als besonders mild und süßlich. Hojicha (geröstet) hat kaum Bitterkeit und ist ideal für Empfindliche.
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