Grüner Tee aus dem Supermarkt schmeckt vielen Einsteigern zu bitter, und prompt kursiert der Rat, den ersten Aufguss wegzuschütten. Angeblich lösen sich dabei vor allem die Bitterstoffe. Stimmt das? Wir prüfen den Mythos, erklären, was beim ersten Aufguss wirklich passiert, und zeigen, wie Temperatur, Ziehzeit und Sortenwahl über Bitterkeit oder Wohlgeschmack entscheiden.
Die Behauptung: ersten Aufguss wegschütten
Der Ratschlag klingt einleuchtend: Weil sich Bitterstoffe besonders leicht im Wasser lösen, soll der erste, kurze Aufguss die Bitterkeit aufnehmen und entsorgt werden; erst der zweite schmecke dann mild. Vor allem unter Grüntee-Neulingen wird dieser Tipp weitergereicht.
Tatsächlich gehören die Bitterstoffe zu den schnell löslichen Bestandteilen. Daraus aber zu folgern, man müsse den ersten Aufguss opfern, greift zu kurz, denn dabei gehen wertvolle Stoffe verloren. Wie unterschiedlich Grüntees überhaupt schmecken können, zeigt der vielseitige Sencha als meistgetrunkene Sorte Japans.
Was beim ersten Aufguss wirklich passiert
Schon im ersten Aufguss lösen sich nicht nur Bitterstoffe, sondern auch die aromatisch und geschmacklich wertvollsten Bestandteile: die Aminosäure L-Theanin für den umami-süßen Charakter, ein großer Teil der Catechine und das anregende Koffein. Diesen Aufguss wegzuschütten bedeutet, gerade das Beste am Tee zu verschenken.
Die Bitterkeit entsteht nicht zwangsläufig, sondern fast immer durch Fehler bei der Zubereitung. Wer sie vermeidet, braucht keinen Aufguss zu opfern. Hochwertige Blätter wie ein beschatteter Gyokuro sind ohnehin auf Mildheit und wenig Bitterkeit gezüchtet.
Warum grüner Tee bitter wird
Die häufigste Ursache ist zu heißes Wasser. Grüner Tee verträgt meist nur 60 bis 80 °C; kochendes Wasser wäscht überwiegend Gerb- und Bitterstoffe aus den Blättern und macht einen eigentlich feinen Tee ungenießbar. Lassen Sie das Wasser nach dem Kochen also einige Minuten abkühlen oder gießen Sie es über eine kalte Tasse vor.
Zweiter Stolperstein ist die Ziehzeit. Wer von Früchtetee Ziehzeiten von zehn Minuten gewohnt ist, überzieht Grüntee leicht; meist genügen zwei bis drei Minuten. Drittens spielt die Dosierung eine Rolle: zu viele Blätter ergeben einen scharfen, bitteren Aufguss. Ob Teewasser überhaupt kochen muss, beleuchtet der Beitrag Teewasser muss kochen, oder doch nicht.
Sortenwahl: milde und kräftige Grüntees
Wie bitter ein Grüntee maximal werden kann, hängt stark von der Sorte ab. Für Einsteiger eignen sich von Natur aus milde, blumige Tees wie ein White Monkey oder ein Snow Bud, die selbst bei kleinen Zubereitungsfehlern verzeihend bleiben. An kräftigere, gerbstoffreiche Sorten tastet man sich besser später heran.
Klassiker wie Gunpowder oder Chun Mee bringen mehr Biss und Bitterkeit mit und verlangen genauere Temperaturkontrolle. Mildere Vertreter wie der White Monkey sind der bessere Start in die Welt des grünen Tees.
Grünen Tee richtig aufgießen
So gelingt ein milder Aufguss ohne Verschwendung: 1. Etwa einen gehäuften Teelöffel Blätter pro Tasse abmessen, nicht mehr. 2. Frisches Wasser aufkochen und auf 60 bis 80 °C abkühlen lassen, je hochwertiger der Tee, desto kühler. 3. Die Blätter übergießen und nur zwei bis drei Minuten ziehen lassen.
Den ersten Aufguss trinken Sie, statt ihn wegzuschütten. Gute Grüntees liefern problemlos einen zweiten und dritten Aufguss, die jeweils mit etwas heißerem Wasser und kürzerer Zeit gelingen. So entfaltet sich die ganze Bandbreite von mild-blumig über süß-fruchtig bis frisch-würzig, die ein Lung Ching beispielhaft zeigt.
Fazit: erster Aufguss bleibt in der Tasse
Den ersten Aufguss zu verwerfen, ist beim grünen Tee unnötig und schadet sogar, weil dabei Aroma, Catechine und Koffein verloren gehen. Die vermeintliche Lösung kuriert nur das Symptom einer falschen Zubereitung. Stellen Sie stattdessen Wassertemperatur, Ziehzeit und Dosierung richtig ein.
Als Einsteiger lohnt der Gang in einen Teeladen mit Beratung, statt blind zur günstigsten Supermarktpackung zu greifen. Supermarktware ist nicht automatisch schlecht, doch die volle Geschmacksvielfalt erschließt sich erst, wenn man Sorte und Zubereitung aufeinander abstimmt.
Häufige Fragen
Sollte man den ersten Aufguss von grünem Tee wegschütten?
Nein. Schon der erste Aufguss enthält die wertvollsten Aroma- und Inhaltsstoffe wie L-Theanin, Catechine und Koffein. Ihn wegzuschütten verschenkt das Beste am Tee, ohne die eigentliche Ursache der Bitterkeit zu beheben.
Warum wird grüner Tee bitter?
Meist durch zu heißes Wasser, zu lange Ziehzeit oder zu viele Blätter. Grüntee verträgt oft nur 60 bis 80 °C und braucht häufig nur zwei bis drei Minuten. Kochendes Wasser wäscht vor allem Bitterstoffe aus.
Welcher grüne Tee ist für Einsteiger mild genug?
Von Natur aus milde, blumige Sorten wie White Monkey oder Snow Bud sind verzeihend. Kräftige, gerbstoffreiche Tees wie Gunpowder oder Chun Mee schmecken schneller bitter und eignen sich eher für Fortgeschrittene.
Wie heiß sollte das Wasser für grünen Tee sein?
In der Regel 60 bis 80 °C. Je hochwertiger der Tee, desto kühler das Wasser. Lassen Sie gekochtes Wasser einige Minuten abkühlen, damit sich nicht überwiegend Bitterstoffe lösen.
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