Als vor einigen Jahren neben dem grünen Tee plötzlich Päckchen mit der Aufschrift „weisser Tee“ bei uns in den Regalen standen, fragten sich viele erst einmal, was sich denn nun genau dahinter verbirgt. Teefans wussten zu diesem Zeitpunkt natürlich längst, dass es sich dabei um den „Champagner unter den Tees“ handelt. Und diese Bezeichnung kann man gleich mehrmals rechtfertigen. Zum einen, wegen der Farbe, zum anderen weil es wirklich sehr feine und edle Teeart ist. Aber auch, weil unsere Gesundheit ebenfalls sehr davon profitieren kann. Wie sehr genau, wird derzeit immer wieder in wissenschaftlichen Studien dokumentiert.

Das kleine Abnehmwunder

Inzwischen ist längst bekannt, dass weißer Tee bei der Gewichtsreduktion helfen kann. Teilweise wird er für diese Eigenschaft sogar so sehr gelobt, dass man meinen könnte, Fettzellen würden in der Anwesenheit von weißem Tee regelrecht dahin schmelzen. Ganz so ist es natürlich nicht, aber mittlerweile ist wissenschaftlich gesichert, dass die Polyphenole, die eben in weißem Tee in besonders hohen Konzentrationen zu finden sind, sowohl die Aufnahme von Fett in unseren Körper erschweren und zum anderen den Abbau von lästigem Depotfett fördern und unterstützen. Vor allem im Bauchbereich kann dadurch der Körperfettanteil erheblich reduziert werden. Eigeninitiative mit ausgewogener Ernährung und Sport natürlich vorausgesetzt.

Eine neue Studie und ein klarer Gewinner

Die Wissenschaftler wollten sich diesen Effekt noch etwas genauer ansehen. In einer aktuellen Studie wurde deshalb in Zellkulturen untersucht, wie sich weisser, grüner und schwarzer Tee auf die Aufnahme von Cholesterin und auch von Zucker, auswirken. Den Zellen wurden dabei in vitro nicht nur definierte Mengen an Cholesterin und Zucker zugemischt, sie wurden zusätzlich jeweils mit Extrakt aus einem der drei verschiedenen Teearten versetzt. Und zur großen Überraschung einiger, stellte sich der leichteste und zarteste Tee von allen, als eindeutiger Gewinner heraus.Kein anderer Tee konnte die Aufnahme von Zucker und Cholesterin in die Zellen so sehr blockieren, wie der weiße. Dabei konnte diese pauschale Antwort auch noch weiter aufgeschlüsselt werden. Bekanntermaßen wird beim Cholesterin zwischen dem „guten“ HDL und dem „schlechten“ oder schlicht ungesundem LDL Cholesterin unterschieden. Auch der weiße Tee scheint diesen Unterschied zu kennen. Denn während er von den drei Teearten die stärkste Bindung an das LDL zeigte und damit dessen Aufnahme verhinderte, verbesserte er gleichzeitig die Aufnahme des HDL und sorgte somit für eine Erhöhung dessen Konzentration in den Zellen. Auch die Enzyme des Triglycerid-Stoffwechsels wurden durch den weißen Tee am stärksten zu unseren Gunsten beeinflusst. Wirft man einmal einen Blick auf die Konzentration der Polyphenole, also der Inhaltsstoffe des Tees, die für diesen gesundheitlichen Effekt verantwortlich sind, so wird einem schnell bewusst, was für eine Sensation dieses Ergebnis ist. Rein auf diese Zahlen fixiert wäre nämlich zu erwarten gewesen, dass der grüne Tee etwas besser abschneidet, als der weiße. Der weiße Tee hat ganz eindeutig in allen Punkten „gewonnen“, obwohl beispielsweise das absolute „Spitzenkatechin“ EGCG im grünen Tee in höheren Dosen vorliegt. Es scheint also nicht nur alleine auf die bloße Menge, sondern auch beispielsweise auf die Kombination bzw. das Verhältnis der Polyphenole zueinander, anzukommen. Der Aufguss des Weißen Tees kann mehrmals verwendet werden. Die Ziehzeit ist auch sehr wichtig, weil durch sie die sog. Catechine aufgenommen werden können.

Fazit

Diese Studie hat sicher viele überrascht und mag den ein oder anderen vielleicht dazu anregen, endlich selbst einmal einen weißen Tee zu probieren. Dennoch sollte man auch hier eines nicht vergessen: wirksam sind Teesorten, wie der grüne und der schwarze Tee in diesem Punkt auch. Alle enthalten eine Art Koffein, trotzdem ist der Weißtee etwas besonderes. Nur eben nicht ganz so stark und effektiv, wie der weiße. Wer also eine der anderen Teearten einfach lieber mag, der soll sie auch weiterhin mit Freuden genießen. Ob es sich nun um die oben genannten Teesorten oder einen Matcha, Chai etc. handelt. Der beste und gesündeste Tee nützt nichts, wenn man ihn nur selten trinkt, weil er einem eigentlich gar nicht schmeckt. Ein Tee dagegen, der vielleicht in seiner Wirkung nicht ganz so stark ist, dafür aber in größeren Mengen und vor allem regelmäßig getrunken wird, kann dieses Defizit so ganz schnell ausgleichen. Auf die Qualitäten sollte trotzdem geachtet werden, ob loser Tee oder Teebeutel bleibt jedem selbst überlassen.Bildquelle: Young beautiful woman with cup of tea in bed/Africa Studio/fotolia.com

Weißer Tee und Herzgesundheit: Die Forschungslage

Weißer Tee ist von allen Teetypen der am wenigsten verarbeitete – nur getrocknet, nicht oxidiert – und behält dadurch die höchsten Konzentrationen an nativen Polyphenolen, besonders Catechinen wie EGCG (Epigallocatechin-Gallat). Diese Verbindungen stehen im Zentrum der Forschung zu Tee und Herzgesundheit. Mehrere Studien zeigen, dass regelmäßiger Konsum von weißem Tee oder seiner Extrakte die Oxidation von LDL-Cholesterin hemmt – ein entscheidender Schritt in der Entstehung von Arteriosklerose. Oxidiertes LDL lagert sich in Gefäßwänden ab und initiiert Entzündungsprozesse, die zur Plaquebildung führen. Catechine verhindern diese Oxidation als Antioxidantien und reduzieren damit das kardiovaskuläre Risiko. Zusätzlich zeigen In-vitro-Studien und einige Tierstudien, dass weißer Teeextrakt die Synthese von LDL in der Leber hemmt und gleichzeitig die Ausscheidung fördern kann.

Für Blutzucker und Insulinresistenz liefert weißer Tee ebenfalls interessante Ergebnisse. EGCG hemmt in Studien Enzyme wie Alpha-Amylase und Alpha-Glucosidase – Verdauungsenzyme, die Kohlenhydrate zu Glukose abbauen. Durch diese Hemmung wird die Glukoseabsorption verlangsamt, was Blutzuckerspitzen nach Mahlzeiten reduziert. Für Menschen mit Prädiabetes oder metabolischem Syndrom kann weißer Tee (2–4 Tassen täglich, zu Mahlzeiten getrunken) eine sinnvolle ergänzende Maßnahme sein – selbstverständlich ohne Ersatz für medizinische Behandlung oder gesunde Ernährung.

Optimale Zubereitung für maximale Wirksamkeit

Die bioaktiven Verbindungen im weißen Tee werden durch die Zubereitung erheblich beeinflusst. Wassertemperatur: Zu heißes Wasser (über 85°C) denaturiert hitzeempfindliche Catechine und zerstört flüchtige Aromaverbindungen. Optimal sind 70–80°C. Ziehzeit: Längere Ziehzeiten (5–10 Minuten) extrahieren mehr Catechine, erhöhen aber auch die Bitterkeit durch Polyphenol-Überextraktion. 3–5 Minuten ist ein guter Kompromiss für Genuss und Wirkstoffgehalt. Mehrfache Aufgüsse: Weißer Tee eignet sich gut für 3–5 Aufgüsse; spätere Aufgüsse enthalten zwar weniger Catechine, aber noch signifikante Mengen L-Theanin und andere Verbindungen. Für maximale Catechin-Extraktion: ersten Aufguss etwas länger ziehen lassen. Milch vermeiden: Milchproteine (Kasein) binden Catechine und reduzieren ihre Bioverfügbarkeit erheblich – weißer Tee sollte ohne Milch getrunken werden, wenn gesundheitliche Wirkungen im Fokus stehen.

FAQ: Weißer Tee, Cholesterin und Blutzucker

Wie viel weißen Tee muss man trinken, um den Cholesterinspiegel zu senken? Die meisten positiven Studien wurden mit 3–5 Tassen täglich oder mit hochkonzentrierten Extrakten (400–800 mg Catechine täglich) durchgeführt. Bei normalem Teeaufguss enthält eine Tasse 30–80 mg Catechine; für signifikante Effekte sind also mehrere Tassen täglich nötig. Als präventive Maßnahme bei leicht erhöhtem Cholesterin ist 2–3 Tassen täglich sinnvoll; bei medizinisch behandeltem Cholesterin in Rücksprache mit dem Arzt.

Ist weißer Tee besser für Cholesterin als grüner Tee? Beide enthalten ähnliche Catechine; weißer Tee hat oft höhere EGCG-Konzentrationen, da er minimal verarbeitet ist. Grüner Tee ist deutlich besser erforscht (mehr klinische Studien); weißer Tee zeigt in frühen Studien vergleichbare oder leicht überlegene Ergebnisse. Für praktische Zwecke: Beide sind wirksam; die Wahl sollte vom persönlichen Geschmack abhängen.

Kann weißer Tee Metformin oder Statine ersetzen? Nein – weißer Tee ist ein unterstützendes Lebensmittel, kein Medikament. Bei diagnostiziertem Diabetes oder klinisch relevant erhöhtem Cholesterin ist medizinische Behandlung notwendig. Tee kann als ergänzende Maßnahme im Rahmen eines gesunden Lebensstils sinnvoll sein, ersetzt aber keine Pharmakotherapie.

Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten? EGCG aus grünem und weißem Tee kann mit Blutverdünnern (Warfarin), bestimmten Statinen und Eisensupplementen interagieren. Bei regelmäßiger Einnahme von Medikamenten und gleichzeitigem hohem Teekonsum (5+ Tassen täglich) immer den behandelnden Arzt konsultieren.

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