Heute gehört Pu Erh Tee neben seinen Wettstreitern wie z.B. dem Oolong Tee, längst unbestritten zu den absoluten Teespezialitäten .. Ein z.B. richtig guter roter Pu Erh von ausgezeichneter Qualität kann selbst für die erfahrensten Teekenner noch ein absolutes Highlight sein. Eine Besonderheit, ein Stück Hochgenuss, das man sich garantiert nicht alle Tage gönnt. Wer sich etwas genauer mit dem Pu Erh befasst, dem fällt schnell auf, dass er sich in seinem Herstellungsverfahren sehr deutlich von anderen Teearten wie dem Oolong Tee unterscheidet. Die Blätter werden nach der Ernte gedämpft und dann bereits zu Fladen oder ähnlichen handlichen Formen gepresst. In diesem Zustand durchlaufen sie einen oft Jahre dauernden Reifeprozess. Duft, Geschmack und Aroma verändern sich unter dem Einfluss zahlreicher Pilze und Bakterien und werden zur Überraschung vieler wesentlich intensiver. Normaler Weise würde man wohl eher erwarten, dass der Tee "ausraucht" und nach so langer Zeit kaum mehr Geschmack besitzt. Pu Erh dagegen reift richtig und gärt stellenweise auch. Von diesen mirkobiologischen Prozessen und Vorgängen profitieren die Teefreunde.Die Wirkungen des Tees liegen auch besonders im Fokus. Die Hersteller legen großen Wert darauf diese Prozedur in richtigen schritten zu durchlaufen. Damit stellt sich dann aber wohl ebenso schnell die Frage, nach der Entdeckung oder der Entstehung des Pu Erh. Hatte irgendein findiger Teebauer die Idee, Tee einfach mal wie Wein reifen und sich entwickeln zu lassen? Wurden Teeblätter aus welchem Grund auch immer vernachlässigt oder gar vergessen und erst Jahre später wieder entdeckt? Und warum beschränkte sich die Herstellung des Pu Erh so lange auch solch ein kleines Gebiet, eine abgelegene Gebirgsregion in Yunnan?Einer Legende nach war es, wie so oft in der Geschichte, auch im Falle des Pu Erh der Zufall, der dem Schicksal auf die Sprünge half. Vom Südwesten Chinas aus führten auf einer historischen Handelsroute mehrere Wege nach Südasien, Vietnam und schließlich auch nach Europa. Auf dieser Strecke wurde Salz, aber auch Tee transportiert. Lange Zeit mit der Hilfe von Pferden, was diesem Handelsweg den Namen "Tea Horse Road" einbrachte. Die Stadt Pu Erh in der chinesischen Provinz Yunnan galt dabei als bedeutender Handelsknotenpunkt. Um den Tee einfacher transportieren zu können, ging man irgendwann dazu über, ihn in Formen zu pressen. Als Fladen etwa, war der Tee wesentlich einfacher zu stapeln, er nahm weniger Platz ein und wollte man unterwegs handeln, war er bereits in einer einheitlichen Form, man wusste genau, wie viel solch ein Fladen wog. Auf seinem langen Weg kam der Tee aber auch durch die verschiedensten Klimazonen. Er musste die unterschiedlichsten Witterungsbedingungen ebenso überstehen, wie diverse Höhenlagen. Irgendwann soll dabei eine Teecharge angefangen haben zu fermentieren und zu oxidieren. Als man erleichtert feststellte, dass der Tee dadurch nicht verdorben, sondern im Gegenteil, sogar noch besser geworden war, war der Pu Erh geboren.

Legende oder Wahrheit?

Pu Erh gibt es ganz ohne Zweifel und ebenso wenig stehen seine Qualität uns seine Besonderheit in Frage. Auch die Existenz der Tea Horse Road ist in zahlreichen Dokumenten eindeutig belegt. Inzwischen gibt es sogar einen beginnenden Trend, dass Teeliebhaber als Touristen zumindest Teile dieser alten Handelsroute bewandern und auf ihrem Weg die verschiedensten Teesorten probieren und neu entdecken. Die Entstehung des Pu Erh könnte sich also tatsächlich so zugetragen haben. Doch auch, wenn vieles dafür spricht, ist die Wahrheit dennoch nicht eindeutig belegt. Es gibt zahlreiche Mythen, die sich um den Pu Erh ranken. Und so sicher sein Alter wohl ist, so unmöglich wird es sein, völlig zweifelsfrei zu belegen, was sich damals zugetragen hat, in der kleinen Stadt am Rande der Handelsroute.

Fazit

Pu Erh wäre wirklich nicht die einzige Teespezialität, die wir dem puren Zufall zu verdanken haben. Und es klingt wirklich schlüssig, dass der erste Pu Erh auf diese Art und Weise entstanden sein könnte. Dennoch liefert diese Legende keine Begründung, warum Pu Erh lange Zeit ausschließlich aus den Bergen rund um die gleichnamige Stadt kam. Außerdem ist wohl auszuschließen, dass der Tee nicht nur lange Jahre reifen durfte, sondern dabei auch noch durch sämtliche Klimazonen entlang der Tea Horse Road transportiert wurde, wie es ja beim ersten Pu Erh der Fall gewesen sein soll. Wie auch immer, meist schmeckt ein Tee ja genau dann umso besser, wenn eben nicht alles zweifelsfrei und wissenschaftlich geprüft, belegt und bewiesen ist. Eine Prise Geheimnis und Mystik hat durchaus ihre Reize und trägt vielleicht auch dazu bei, dass der Tee immer besser wird. Schließlich sind auch im zwischenmenschlichen Bereich die Beziehungen am leidenschaftlichsten, bei denen es noch ein paar Geheimnisse gibt. Man muss ja auch nicht alles wissen.Bildnachweis: Grüner Tee ©Thinkstock: iStockphoto

Die Alte Tee-Pferde-Straße: Historischer Überblick

Die Tea Horse Road (茶马古道, Chá Mǎ Gǔ Dào) ist ein Netzwerk antiker Handelswege, das Teeproduzenten in Yunnan und Sichuan mit Tibet, Nepal und Zentralasien verband. Die Routen waren steil, gefährlich und atemberaubend – durch das Hengduan-Gebirge mit Pässen über 4000 Metern Höhe. Träger und Maultiere transportierten pressierte Pu-erh-Teekuchen (Bing Cha) nach Tibet, wo sie gegen Pferde, Wolle, Moschus und andere Güter getauscht wurden. Diese Tauschhandels-Ökonomie war Jahrhunderte lang die Lebensader sowohl für tibetische Nomaden (die Tee als Nahrungsergänzung brauchten) als auch für chinesische Militärs (die Pferde brauchten). Die Straße war aktiv von der Tang-Dynastie (7. Jahrhundert) bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Warum Pu-erh-Tee auf der Reise besser wurde

Pu-erh-Tee hat eine einzigartige Eigenschaft unter allen Tees: Er verbessert sich mit der Zeit. Dieser Effekt entstand ursprünglich durch Zufall der langen Karawanen-Reisen. Frischer, gepresster Pu-erh-Tee brauchte Monate, manchmal Jahre, um von Yunnan nach Tibet zu gelangen. Während dieser Reise durch wechselnde Temperaturen und Feuchtigkeitsbedingungen fermentierte der Tee langsam weiter – gesteuert durch Mikroorganismen (hauptsächlich Aspergillus niger und andere Schimmelpilze). Der Tee, der in Tibet ankam, war anders als der, der in Yunnan gestartet war: tiefgründiger, weniger herb, mit erdigen und holzigen Noten. Diese Reife-Fermentation machte Pu-erh zum einzigen Tee, der wie Wein gelagert werden kann und an Qualität gewinnt.

Pu-erh heute: Vom Handelsgut zum Sammlerstück

Moderner Pu-erh-Tee wird in zwei Stilen hergestellt: Sheng Pu-erh (roher Pu-erh), der natürlich über Jahre reift, und Shou Pu-erh (reifer Pu-erh), bei dem die Fermentation durch das Wo Dui-Verfahren (Heißkompostierung) beschleunigt wird. Alter Sheng Pu-erh aus berühmten Produktionsjahren und von renommierten Teegütern ist heute ein Sammlerobjekt – ein alter Pu-erh-Kuchen aus den 1970er Jahren kann mehrere tausend Euro kosten. Die Tea Horse Road selbst ist heute ein Touristikpfad und UNESCO-Kulturerbe-Kandidat. In Yunnan kann man Streckenabschnitte wandern und die alten Teegüter, Karawansenserais und Tibetischen Klöster besuchen, die das Leben entlang der Straße einst prägten.

Häufig gestellte Fragen zur Tea Horse Road

Wie lange dauerte eine Reise auf der Tea Horse Road?
Von Yunnan nach Lhasa (Tibet): mehrere Monate bis zu einem Jahr, je nach Route und Jahreszeit. Die Gesamtlänge der Hauptrouten betrug über 5000 Kilometer.

Was ist der Unterschied zwischen Sheng und Shou Pu-erh?
Sheng (roh): natürliche Lagerung und Reifung über Jahre. Shou (reif): schnelle Fermentation durch Heißkompostierung in 45–60 Tagen. Shou ist zugänglicher; Sheng komplexer und sammelwürdiger.

Kann man Pu-erh als Anfänger trinken?
Ja – milder Shou Pu-erh (Ripe Pu-erh) ist ein guter Einstieg: erdiges, süßliches Aroma, wenig Bitterkeit. Qualitäts-Sheng Pu-erh erfordert etwas Eingewöhnungszeit.

Wie bereitet man Pu-erh zu?
Gongfu-Stil: 5–7 Gramm pro 100 ml, 95 °C, erster Aufguss 10 Sekunden (Reinigungsaufguss wegschütten), dann kurze Aufgüsse von 20–40 Sekunden.

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