Legende oder Wahrheit?
Victoria ist eine historische Persönlichkeit, die im Laufe ihrer Regentschaft vieles bewirkt hat. Schon allein wegen der Tatsache, dass sie Königin von Großbritannien war, verlief ihr Leben nicht unbeobachtet. Sie hatte 9 Kinder, sie regierte so lange wie sonst noch nie ein Monarch in Großbritannien, sie war die erste Herrscherin, die den Buckingham Palace zum Hauptsitz machte,… Es gab viele Premieren in der Zeit ihrer Regentschaft und bis heute wird darüber unter der Überschrift „Das Viktorianische Zeitalter“ in den Geschichtsbüchern geschrieben. Trotzdem werden auch oder gerade solch bedeutenden Personen der Geschichte gewisse Sätze oder Redewendungen in den Mund gelegt, ohne dass sie tatsächlich so oder wenigstens so ähnlich von diesen gesagt worden wären. Zu unterscheiden, was nun wahr und was Dichtung ist, ist meist sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Fakt ist definitiv, dass Tee zu Beginn seiner Geschichte in Europa sehr umstritten war. Einige hielten ihn sogar für giftig und nicht wenige hatten Angst davor, wie er sich auf den Körper auswirken würde, wenn man davon trinkt. Es ist also durchaus möglich, dass ihre strenge Gouvernante Victoria den Tee verboten hatte. Victoria kann man aus heutiger Zeit wohl durchaus als so etwas, wie einen „Charakterkopf“ bezeichnen. Einerseits war sie sehr stur und meist unter keinen Umständen bereit, ihre Pläne zu ändern. Andererseits waren ihre Ratgeber in erster Linie Männer, was sie wohl so sehr beeinflusste, dass sie nicht nur die Frauenrechtsbewegung sehr kritisch sah, sondern sogar ihren eigenen Status als Königin als "Anomalie" bezeichnete. Nichtstun war ihr absolut verpönt, so dass selbst ihre Freizeit meist stark geplant und geregelt war. Historisch erwiesen ist jedenfalls auch, dass die Entstehung der britischen Tea Time in die Zeit ihrer Herrschaft fällt. Irgendwie muss Victoria also den Weg zum Tee gefunden haben. Ob sie das allerdings gleich wenige Stunden nach ihrer Krönung tat, wird wohl nicht mehr zweifelsfrei zu belegen sein.Fazit
Irgendwie schon eine etwas amüsante Vorstellung, wie sehr sich die Leute noch vor etwa 150 Jahren vor Tee gefürchtet haben. Und Grund genug, natürlich bei einer Tasse Tee, darüber nachzudenken, wie unser Leben wohl wäre, wenn es dabei geblieben wäre. Wenn es keine Tea Time in Großbritannien gegeben hätte. Würden wir dann umso mehr Kaffee trinken? Oder wäre der auch gleich verbannt worden? Fest steht, dass definitiv einiges fehlen würde, ohne Tee. Es gäbe kein gemütliches und kuscheliges Aufwärmen mit heißem Tee auf dem Sofa nach einem kalten Winterspaziergang. Es gäbe im Sommer keinen erfrischenden Eistee. Es gäbe auch bei uns keine tägliche Auszeit mit Tee zum Entspannen. Aus heutiger Sicht können wir also nur sagen: es würde sehr viel fehlen! Zwar machte man sich früher nicht viel aus der Ziehzeit, Inhaltsstoffen oder der Ernährung, trotzdem genoss man den Moment.Bildnachweis: englischer Tee ©Thinkstock: iStockphotoViktorianischer Tee: Zubereitung wie zu Zeiten der Königin
Queen Victorias England (1837–1901) war die Blütezeit der britischen Teekultur. Der viktorianische Tee wurde stets aus hochwertigem Darjeeling oder Ceylon in silbernen oder feinen Porzellankannen serviert. Für die authentische viktorianische Zubereitung: Porzellan-Teekanne vorwärmen. 1 Teelöffel pro Person plus „einer für die Kanne". Kochendes Wasser (100°C) – nie Wasser, das schon einmal gekocht wurde. Ziehzeit: 4–5 Minuten. Tee durch feines Silbersieb in vorgewärmte Tassen abseihen. Milch (wenn gewünscht) in die Tasse zuerst – das viktorianische Protokoll sah Milch zuerst vor, um das feine Porzellan zu schützen. Zuckerzange für Würfelzucker bereitstellen. Dazu: Finger Sandwiches, Scones mit Clotted Cream und Erdbeerkonfitüre, kleine Kuchen.
Tee und Gesundheit in Victorias England
In der viktorianischen Ära war das Verhältnis zwischen Tee und Gesundheit ambivalent. Auf der einen Seite schätzten Ärzte Tee als Alternative zu alkoholischen Getränken (die öffentliche Gesundheitskrise des 19. Jahrhunderts): Die Temperance-Bewegung propagierte Tee als „zivilisierendes" Getränk. Die Teebewegung half, den Alkoholkonsum in der Arbeiterschicht zu reduzieren. Auf der anderen Seite wurde Tee von konservativen Ärzten als „Nervenstimulans" kritisiert, das zu Hysterie und Nervosität führe – insbesondere bei Frauen. Heute wissen wir: Die im Schwarztee enthaltenen Theaflavine und Thearubigine schützen das Herz, das L-Theanin beruhigt eher als aufzuregen, und Tee war tatsächlich eine gesündere Alternative zu den damals üblichen hochprozentigen Getränken.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Yan Cha Felsentee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Fruchtetee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu chinesische Teekultur.
Queen Victorias Leidenschaft für Tee – und warum sie „verboten" war
Queen Victoria war eine glühende Teeliebhaberin, doch ihre Leidenschaft hatte einen „verbotenen" Aspekt: Als Monarch war sie für den Freihandel-Debatten um Tee, die Opiumkriege (die den Teehandel mit China sichern sollten) und die Teesteuer politisch verantwortlich. Persönlicher Teegenuss und imperialer Machtmissbrauch waren untrennbar verknüpft. Darüber hinaus liebte Victoria besonders Earl Grey – den Tee, der nach dem britischen Premierminister ihrer frühen Regentschaft benannt war. Diese Verbindung zwischen einer persönlichen Teeliebe und komplexen politischen Verstrickungen macht Victorias Teekonsum zu mehr als einer Alltagsgeschichte. Die „verbotene" Liebe war die Unmöglichkeit, Genuss von Imperialismus zu trennen – eine bis heute aktuelle Reflexion über den Ursprung unserer täglichen Konsumgüter.
FAQ: Queen Victoria und der Tee
Welchen Tee trank Queen Victoria am liebsten? Historische Quellen belegen ihre Vorliebe für Earl Grey und starken indischen Tee – nach der Öffnung der Darjeeling-Plantagen war Darjeeling besonders beliebt bei Hofe.
Was hat Queen Victoria mit dem Afternoon Tea zu tun? Anna, Duchess of Bedford (eine enge Vertraute Victorias) soll das Ritual des Afternoon Tea um 1840 eingeführt haben. Victoria übernahm und popularisierte es bei Hofe, was es gesellschaftsfähig machte.
Welche Rolle spielten die Opiumkriege für den britischen Teehandel? Großbritannien importierte massenhaft Tee aus China, bezahlte aber mit Opium (das in Indien produziert und nach China geschmuggelt wurde). Als China den Opiumimport verbot, führte Großbritannien den ersten Opiumkrieg (1839–1842), der dem Empire Teezugang sicherte.
Ist der viktorianische Afternoon Tea noch authentisch? In einigen Grand Hotels (Ritz, Savoy, Dorchester in London) wird er noch authentisch zelebriert. Die Grundstruktur – Sandwiches, Scones, Kuchen, feiner Tee – ist erhalten, auch wenn die Etikette lockerer geworden ist.
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