Legende oder Wahrheit?
Da dies hier bereit der dritte Mythos zum Namen Da Hong Pao ist, erübrigt sich die Frage nach der Wahrheit schon fast. Alle drei Geschichten sind komplett verschieden, mal geht es um eine Frau, die einen alten Mann vor dem Hungerstod rettet, mal wird die schwer kranke Kaiserin wieder gesund und diesmal übersteht ein junger Mann seine Krankheit und wird Bester bei der Beamtenprüfung. Die Krankheiten von Kaiserin und jungem Mann sind die einzigen Gemeinsamkeiten und reichen sicher nicht aus, um einen gemeinsamen Ursprung zu rechtfertigen. Selbst mit all den Abwandlungen und Ausschmückungen, die beim Weitererzählen von Sagen und Legenden im Laufe der Jahre und Jahrhunderte nun einmal vorkommen, kann man keinesfalls behaupten, dass diese Geschichten den gleichen Ursprung haben und sich nur unterschiedlich entwickelten. Es ist wohl eher so gewesen, dass die roten Blätter dieses Teestrauchs die Menschen von jeher fasziniert haben. Diese Sorte fällt sicher auf und es mag wohl auch ein ganz besonderer Anblick sein, wenn im einfallenden Sonnenlicht in den sonst so grünen Teegärten ein roter Schimmer auftaucht. Menschen, die für Mystik und die Kräfte der Natur empfänglich sind, fühlen sich dabei sicher angeregt und inspiriert, zu überlegen, warum dieser Tee so etwas Besonderes ist, woher diese Färbung kommt. So wäre es jedenfalls nachvollziehbar, weshalb es so viele verschiedene Geschichten, zu ein und dem gleichen Thema gibt. Und weshalb keine wirklich zu absolut 100 Prozent unglaubwürdig scheint.Fazit
Selbst, wenn keiner dieser Teemythen wahr ist, wenn sie alle zum großen Teil in das Reich der Märchen gehören, so macht es doch Spaß, sie zu hören oder zu lesen. Nicht ohne Grund, sind diese Legenden bis heute überliefert und werden immer noch aufgeschrieben und weitergegeben. Zu einer guten Tasse Tee gehören manchmal eben auch einfach ein paar gute Geschichten. Bildnachweis: Noch mehr Da Hong Pao © Andre - Fotolia.comTee in Geschichten und Literatur
Tee hat in der Literatur und Kunst über die Jahrhunderte tiefe Spuren hinterlassen. Von den Gedichten der Tang-Dynastie über die britische Literatur des 19. Jahrhunderts bis hin zu modernen Romanen — die Teetasse ist ein wiederkehrendes Symbol für Zivilisation, Kontemplation und menschliche Verbindung.
Lu Yus „Cha Jing" (Das Buch vom Tee), verfasst um 760 n. Chr., gilt als das erste umfassende Werk über Tee und beeinflusst die Teekultur bis heute. Okakura Kakuzos „Das Buch vom Tee" (1906) brachte die japanische Teeästhetik dem westlichen Publikum nahe. Moderne Autoren wie Yoko Ogawa und Thich Nhat Hanh nutzen Tee als Metapher für Achtsamkeit und das Verweilen im Moment.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Yan Cha Felsentee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu chinesische Teekultur. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Mehr Da Hong Pao: Zubereitungsfinessen und Varianten
Da Hong Pao (大红袍, Großer Roter Umhang) ist der König der Wuyi-Oolongs und verdient die sorgfältigste Zubereitungsmethode. Die Gongfu-Methode in einem kleinen Gaiwan (100 ml) ist Pflicht: Erhitzen Sie Wasser auf 95–100°C. Verwenden Sie 8–10 g Tee auf 100 ml. Der erste „Waschaufguss" (5–10 Sekunden) entfernt Staub und öffnet die Blätter. Ab dem zweiten Aufguss beginnt das Verkostungserlebnis: 20 Sekunden für den zweiten, 30 für den dritten, dann progressiv länger. Guter Da Hong Pao verträgt 8–15 Aufgüsse. Zwischen Aufgüssen das Gaiwan kurz offen lassen – der Duft der nassen Blätter (yeди香, nasses Blattatem) ist ein eigenständiges Aroma-Erlebnis. Für den Vergleich: Verschiedene Röstgrade (leicht, mittel, stark geröstet) probieren und die Aromaentwicklung beobachten.
Da Hong Pao und seine gesundheitliche Überlegenheit
Da Hong Pao hat als mehrfach gerösteter Yancha ein einzigartiges biochemisches Profil. Der Röstprozess (mehrere Phasen über Monate) erzeugt stabile Maillard-Produkte und reduziert die Gesamtcatechine, erhöht aber die Konzentration an Theabrowninen und polymerisierten Polyphenolen – Verbindungen mit starker antioxidativer Kapazität. Diese gereifteren Polyphenole sind magenschonender als frische Catechine: Da Hong Pao verursacht selten Magenirritationen, obwohl er kräftig ist. Studien zur Wuyi-Tee-Kategorie zeigen hypolipidämische Effekte (Triglyceridsenkung), antidiabetische Wirkung und metabolische Regulation. Die „Yan Yun" (Felsencharakter) – die mineralische Tiefe des Tees – spiegelt tatsächliche Mineralkonzentrationen wider, die sich positiv auf Knochen und Herzfunktion auswirken.
Die Geschichte des Da Hong Pao weitergedacht
Über Da Hong Pao wurde bereits viel geschrieben – doch die Geschichte endet nicht mit dem Mythos der sechs Mutterpflanzen und dem kaiserlichen Studenten. Im 20. Jahrhundert entwickelte der renommierte Teemeister Chen Shunde eine Methode, Klone der Mutterpflanzen anzulegen, ohne die Genetik zu kompromittieren. Dieser Schritt machte Da Hong Pao für den Markt verfügbar. Heute gibt es „Ben Shan" Da Hong Pao (aus vegetativer Vermehrung der Mutterpflanzen) und „Pinjin" Da Hong Pao (Mischungen aus kompatiblen Wuyi-Oolong-Sorten, die dem Mutterstrauch-Profil nahekommen). Der chinesische Staat schützt die sechs Mutterpflanzen mit einer Versicherungspolice über 30 Millionen Yuan. Ihr letzter Erntesäckel (2006, 20 g) wurde für eine karikative Auktion versteigert.
FAQ: Noch mehr Da Hong Pao
Was sind die vier „Großen Yanchas" neben Da Hong Pao? Die vier edlen Wuyi-Yanchas sind Da Hong Pao (Großer Roter Umhang), Rou Gui (Zimtrinde), Shui Xian (Narzisse) und Tie Luo Han (Eiserner Arhat). Da Hong Pao ist am bekanntesten, Rou Gui und Shui Xian am häufigsten konsumiert.
Wie erkenne ich echten Zheng Yan Da Hong Pao? Herkunftsnachweis vom Händler, Preis (echt Zheng Yan kostet min. 100 Euro per 50 g), deutliche Mineral-Tiefenaromen, langer Abgang und typisches Karamellaroma. Sehr günstige Angebote unter 20 Euro per 100g sind keine Zheng Yan Ware.
Wie lange kann man Da Hong Pao lagern? Gut geröstet und in luftdichter Dose gelagert: 2–3 Jahre problemlos, gut gelagert sogar 5+ Jahre. Mit dem Alter verliert der Röstgeschmack an Schärfe und wird runder – viele Kenner bevorzugen gereiften Da Hong Pao.
Warum wird Da Hong Pao mehrfach geröstet? Die mehrstufige Röstung verfeinert das Aroma, reduziert Bitterkeit und Rohheit, stabilisiert die Polyphenole und verlängert die Haltbarkeit. Traditionell wird alle 1–2 Jahre eine Nachröstung durchgeführt.
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