Um den Namen des berühmten Da Hong Pao, der "Großen Roten Robe", ranken sich gleich mehrere Legenden. Diese dritte Variante handelt von einem jungen Mann auf dem Weg zur kaiserlichen Beamtenprüfung, der im Wuyi-Gebirge schwer erkrankt und in einem Kloster Aufnahme findet. Warum es zu ein und demselben Tee so viele Geschichten gibt und was sie über die Faszination dieses Oolongs verraten, lesen Sie hier.

Der Prüfling, das Kloster und der Tee

Ein junger Mann war auf dem Weg von seinem Heimatdorf zum kaiserlichen Hof, um die Beamtenprüfung abzulegen. Im Gebiet des Wuyi-Gebirges, im Nordwesten der Provinz Fujian, erkrankte er so schwer, dass er in einem Kloster um Hilfe bat. Die Mönche nahmen ihn auf, pflegten ihn und reichten ihm selbstverständlich auch Tee.

Als es ihm wieder besser ging, setzte er seinen Weg fort. Er erreichte die Prüfung nicht nur rechtzeitig, er bestand sie sogar als Bester. Der Tee, den er im Kloster getrunken hatte, blieb ihm in dankbarer Erinnerung. Schauplatz der Legende sind die Wuyi-Felsentees, deren Sträucher in einer schroffen Felslandschaft wachsen.

Die Rote Robe als Zeichen des Danks

Jahre später kehrte der inzwischen hohe Beamte ins Kloster zurück. Er erkundigte sich nach dem Tee, dem er so viel verdankte, und ließ sich sogar die Teesträucher zeigen. Voller Ehrfurcht nahm er seinen roten Mantel ab, der ihn als hohen Beamten kennzeichnete, und legte ihn als Zeichen seiner Dankbarkeit um den Strauch.

Von da an trug der Tee den Namen Da Hong Pao, "Große Rote Robe". Das Motiv der übergeworfenen Robe taucht in der Teefolklore immer wieder auf und verleiht dem Tee bis heute seine besondere Aura. Ähnliche Dankbarkeits- und Ehrungsmotive finden sich auch in anderen Erzählungen, etwa in der Legende um Die eingeladenen Kleider.

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Drei Geschichten, ein Name

Da dies bereits die dritte Legende zum Namen Da Hong Pao ist, erübrigt sich die Frage nach der historischen Wahrheit fast von selbst. Die drei Versionen sind grundverschieden: Mal rettet eine Frau einen alten Mann vor dem Hungertod, mal genest eine schwer kranke Kaiserin, und diesmal übersteht ein junger Mann seine Krankheit und wird Prüfungsbester.

Die einzige Gemeinsamkeit ist das Motiv der Krankheit und Genesung in zwei der drei Fassungen, und das reicht nicht aus, um einen gemeinsamen Ursprung anzunehmen. Selbst mit den Ausschmückungen, die beim Weitererzählen über Jahrhunderte entstehen, lassen sich die Geschichten nicht auf eine Urfassung zurückführen. Wie verzweigt Tee-Mythen sein können, zeigt auch der Beitrag Da Hong Pao - ein ganz besonderer Dank.

Warum gerade dieser Tee Legenden anzieht

Naheliegender ist eine andere Erklärung: Die rötlich schimmernden Blätter dieses Teestrauchs haben die Menschen seit jeher fasziniert. In den sonst durchgehend grünen Teegärten fällt ein roter Schimmer im einfallenden Sonnenlicht besonders auf und wirkt fast magisch.

Wer für Mystik und die Kräfte der Natur empfänglich ist, fragt sich angesichts dieser Färbung leicht, warum dieser Tee so besonders ist und woher der Farbton stammt. So wird verständlich, weshalb sich um ein und dasselbe Thema so viele verschiedene Geschichten gebildet haben und warum keine davon völlig unglaubwürdig wirkt. Den Reiz solcher Ursprungslegenden teilt der Tee mit Erzählungen wie Die 24 Teezeiten des Herrn Xu.

Geschichten gehören zum Tee dazu

Selbst wenn keine dieser Legenden wahr ist und sie alle ins Reich der Märchen gehören, macht es Freude, sie zu hören und zu lesen. Nicht ohne Grund werden sie bis heute überliefert, aufgeschrieben und weitergegeben. Zu einer guten Tasse Tee gehören manchmal eben auch ein paar gute Geschichten.

Beim echten Da Hong Pao, einem teiloxidierten Oolong aus den Wuyi-Bergen, verstärken solche Erzählungen das Erlebnis. Der kräftige, mineralisch-röstige Geschmack und die jahrhundertealte Handwerkskunst gewinnen durch die Legenden eine zusätzliche Dimension, die das langsame, bewusste Verkosten lohnend macht.

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Häufige Fragen

Wovon handelt diese dritte Da-Hong-Pao-Legende?
Von einem jungen Mann, der auf dem Weg zur kaiserlichen Beamtenprüfung im Wuyi-Gebirge erkrankt, in einem Kloster gesund gepflegt wird und dort Tee trinkt. Später legt er dem Strauch aus Dank seine rote Beamtenrobe um.

Was bedeutet der Name Da Hong Pao?
Da Hong Pao heißt übersetzt "Große Rote Robe". Der Name geht auf die Legende zurück, nach der jemand den Teesträuchern aus Dankbarkeit eine rote Robe übergeworfen haben soll.

Warum gibt es mehrere Legenden zum selben Namen?
Die rötlich schimmernden Blätter des Strauchs haben die Menschen seit jeher fasziniert. So bildeten sich über Jahrhunderte mehrere grundverschiedene Geschichten, die sich nicht auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen lassen.

Wo wächst der Da Hong Pao?
Im Wuyi-Gebirge im Nordwesten der Provinz Fujian in China. Dort wächst er als Felsentee in einer schroffen Felslandschaft, die ihm seinen mineralischen Charakter verleiht.

Was für ein Tee ist Da Hong Pao?
Ein teiloxidierter Oolong und einer der berühmten Wuyi-Felsentees. Er schmeckt kräftig und vollmundig mit röstigen, mineralischen Noten und einem langen Nachgeschmack.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.