Legende oder Wahrheit?
Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt lässt sich bei dieser Geschichte recht schnell und einfach beantworten. Es handelt sich hier ausschließlich um historische Personen und auch die Geschehnisse wurden allesamt dokumentiert. Der Mythos um Katharinas Mitgift ist also wohl viel eher eine wahre Geschichte darüber, wie der Tee seinen Weg nach Europa fand.Fazit
Das Leben Katharinas ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sehr es oft viele einzelne Zufälle sind, die unser, zum Teil sogar das Leben einer ganzen Bevölkerungsgruppe, entscheidend beeinflussen und verändern. Hätte sich Katharina ihren Ehemann selbst aussuchen können, wäre sie wohl kaum nach England gegangen. Wäre sie anders erzogen worden, hätte sie sich in England wohler gefühlt, hätte sie sich vielleicht besser integriert und hätte auch lieber Bier statt Tee getrunken. Gut möglich, dass der Tee trotzdem seinen Weg nach Europa gefunden hätte. Dann vielleicht erst einige Jahre später. Vielleicht wäre er von Portugal aus erst nach Spanien Frankreich und von dort nach England gekommen. All diese Spekulationen sind freilich unnötig und sinnlos, weil die Geschichte nun mal eine andere ist. Dennoch kann es sehr anregend und auch unterhaltsam sein, wenn man sich, vielleicht sogar bei einer Tasse Tee, einfach mal Gedanken über so etwas scheinbar Alltägliches macht. Wir kaufen und trinken Tee, ganz normale Handlungen für uns. Wohl kaum jemand denkt in diesem Moment daran, welche Geschichten und auch welche Menschen dahinter stecken. In unserer hektischen Zeit wird es immer wichtiger, sich kleine Inseln zu schaffen, um auszuruhen und Kraft und Freude tanken zu können. Mit Geschichten wie der Katharinas und ihrer Kiste Tee, gelingt es vielleicht, Tee als etwas Besonderes zu sehen, als etwas, das wir definitiv vermissen würden, wenn wir es nicht mehr hätten. Selbst ein "ganz gewöhnlicher" Darjeeling oder Earl Grey kann plötzlich etwas ganz Besonderes sein, wenn wir nur darauf achten. Vielleicht bemerkt man dann ja auch eine ganz feine und zarte Geschmacksnuance, die bisher noch gar nicht aufgefallen ist. Bildnachweis: Mitgift der Katharina von Braganza © dusk - Fotolia.comKatharina von Braganza und die Teestunde Englands
Katharina von Braganza (1638–1705), portugiesische Infantin und spätere Königin von England als Gemahlin Karls II., gilt als die Frau, die den Tee nach England brachte. Als sie 1662 nach London reiste, um König Karl II. zu heiraten, brachte sie als Mitgift unter anderem Bombay (das heutige Mumbai) und Tanger mit – und eine Truhe voll chinesischem Tee. Tee war in Portugal als erste europäische Nation seit den Handelsrouten des 16. Jahrhunderts bekannt und bei der portugiesischen Adelsschicht beliebt. Katharina trank täglich Tee und machte damit den Tee am englischen Hof hoffähig. Was eine Königin trank, wurde schnell zur Mode. Innerhalb weniger Jahrzehnte war Tee das meistkonsumierte Heißgetränk Englands.
Vom Hofgetränk zum nationalen Symbol
Katharinas Einfluss auf die englische Teekultur kann kaum überschätzt werden. Vor ihrem Einzug am Hof wurden in England hauptsächlich Ale und Kaffee getrunken; die ersten Kaffeehäuser hatten sich ab 1650 etabliert. Tee war zwar bekannt, aber exotisch und teuer. Katharinas tägliches Teetrinken vor den Augen des Hofes verlieh dem Getränk gesellschaftliches Prestige. Der Dichter Edmund Waller schrieb 1662 ein Geburtstagsgedicht für Katharina, in dem er Tee und die Königin gleichermaßen feierte – das erste englischsprachige Lobgedicht auf Tee. In den folgenden Jahrzehnten sank der Teepreis (durch steigende Importe der East India Company), und Tee wurde erschwinglich für die Mittelklasse. Die „Afternoon Tea"-Tradition entstand im 19. Jahrhundert unter Herzogin Anna von Bedford – aber das Fundament hatte Katharina gelegt.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Die politische Dimension der Tee-Mitgift
Die Mitgift Katharinas war politisch bedeutsam: Bombay wurde zum Ausgangspunkt des britischen Imperiums in Indien. Von Bombay aus entwickelten sich die Handelsrouten, die später zur Erschließung der Teeplantagen in Assam und darjeeling führten. Die Stadt, die als Teebegleitung in die Ehe mitgebracht wurde, wurde zur Grundlage einer Tee-Zivilisation. Ohne die Mitgift von 1662 hätte die Geschichte des Teehandels, der britischen Kolonialgeschichte und damit der Weltwirtschaft des 18. und 19. Jahrhunderts möglicherweise einen anderen Verlauf genommen. Eine Truhe Tee und eine Stadt veränderten die Welt.
Häufig gestellte Fragen zu Katharina von Braganza und Tee
Hat Katharina wirklich den Tee nach England gebracht?
Sie war maßgeblich dafür verantwortlich, Tee am englischen Hof zu popularisieren. Tee war in kleinen Mengen vor ihr in England bekannt, aber sie machte ihn gesellschaftsfähig.
Was war in Katharinas Mitgift außer Tee?
Bombay, Tanger, Bargeld und weitere Güter. Die Mitgift war eine der wertvollsten in der europäischen Geschichte.
Wann begann die britische Afternoon Tea-Tradition?
Im frühen 19. Jahrhundert, zugeschrieben der Herzogin Anna von Bedford, die eine leichte Mahlzeit mit Tee am Nachmittag zwischen Mittag und Abendessen einführte.
Warum tranken die Portugiesen früher Tee als die Engländer?
Portugal hatte durch seine Seehandelsrouten direkten Zugang zu China und Japan seit dem 16. Jahrhundert – früher als jede andere europäische Nation.
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