Dass England heute eine Teenation ist, verdankt es keiner Handelsflotte, sondern einer Frau: Die portugiesische Infantin Katharina von Braganza heiratete 1662 König Karl II. und brachte in ihrer Mitgift neben Tanger und Bombay auch eine Kiste Tee mit. Hier lesen Sie, wie eine unglücklich verheiratete Königin dem Tee den Weg an den englischen Hof bahnte — und von dort in die ganze Welt.

Eine Prinzessin und eine Kiste Tee

Katharina von Braganza, 1638 im portugiesischen Vila Viçosa geboren, kam 1662 nach England und heiratete dort am 31. Mai in Portsmouth König Karl II. Ihre Mitgift hatte es in sich: Neben den Handelsstützpunkten Tanger in Nordafrika und Bombay in Indien sowie rund zwei Millionen portugiesischen Kronen befand sich darin auch eine Kiste Tee — damals in England noch eine exotische Seltenheit.

Für Katharina selbst war das Blattgut Alltag. Portugal unterhielt seit dem 16. Jahrhundert Handelsposten in Asien, darunter Macau an der chinesischen Küste, und kannte den Tee deshalb früher als die meisten europäischen Länder. Am Lissabonner Hof wurde er längst getrunken, als die Engländer noch warmes Bier zum Frühstück nahmen.

Ein schwerer Stand am englischen Hof

Eine Liebesheirat war die Verbindung nicht, und Katharinas Start in England geriet zur Demütigungskette. Wegen ihres katholischen Glaubens verweigerte ihr das Parlament die Krönung zur Königin, das Volk machte sie für ihre Kinderlosigkeit und später sogar für die Pest verantwortlich. Ihr Mann unterhielt mehrere Mätressen samt unehelicher Kinder und dachte nicht daran, das zu ändern.

Auch die ersten Begegnungen verliefen frostig. Beim Anblick der damaligen portugiesischen Haarmode soll Karl II. gespottet haben, man habe ihm statt einer Frau eine Fledermaus geschickt. Und als Katharina um eine Tasse Tee bat, lautete die überlieferte Antwort: In England trinke man keinen Tee — aber vielleicht reiche ihr ja ein Bier. Dass die junge Königin kaum Englisch oder Französisch sprach, machte ihre Lage nicht leichter.

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Wie der Tee den Hof eroberte

Katharina ließ sich ihre Gewohnheit nicht nehmen — und genau das wurde zum Wendepunkt. Sie trank ihren Tee weiter, und was die Königin tat, ahmte der Hofstaat nach: Binnen weniger Jahre war die tägliche Teestunde bei Hofe fast selbstverständlich, und die East India Company nahm Tee in ihr Sortiment auf; 1664 überreichte sie dem König bereits ein eigenes Tee-Präsent. Aus dem Modegetränk der Adligen wurde über die Kaffeehäuser Londons allmählich ein Getränk für breitere Schichten.

Endgültig unaufhaltsam wurde der Siegeszug unter Queen Anne, die ab 1702 regierte: Sie ersetzte das übliche warme Frühstücksbier kurzerhand durch Tee. Welche Rituale daraus bis heute geworden sind — vom Afternoon Tea bis zur Milchfrage — beschreibt unser Überblick zur britischen Teekultur; und wie eng Englands Geschichte seither am Teeblatt hängt, fragt der Beitrag Was wäre England heute ohne Tee?.

Legende oder Wahrheit?

Bei dieser Geschichte fällt die Antwort leicht: Es handelt sich durchweg um historische Personen, und die Eckdaten — Hochzeit am 31. Mai 1662, die Mitgift mit Tanger und Bombay, Katharinas Teegewohnheit — sind dokumentiert. Der Mythos um die besondere Mitgift ist also eher eine wahre Begebenheit darüber, wie der Tee in England heimisch wurde. Nur die wörtlichen Zitate Karls II. gehören ins Reich der Anekdote.

Katharinas eigenes Leben nahm übrigens noch eine versöhnliche Wendung: Nach dem Tod ihres Mannes 1685 kehrte sie 1692 nach Portugal zurück, führte dort zeitweise als Regentin die Staatsgeschäfte für ihren Bruder Peter II. und starb 1705 in Lissabon — hochgeachtet in ihrer Heimat, die ihr England so lange verweigert hatte.

Eine Königin mit Langzeitwirkung

Wie folgenreich Katharinas Kiste war, zeigt der Blick auf spätere Jahrhunderte: Der Teedurst der Briten wurde so groß, dass Steuerstreitigkeiten um das Blattgut 1773 die Boston Tea Party auslösten und damit die amerikanische Revolution befeuerten. Im 19. Jahrhundert ließ Großbritannien eigene Plantagen in Indien anlegen, und aus dem höfischen Luxus wurde mit Mischungen wie dem English Breakfast ein Alltagsgetränk für Millionen.

Auch das Bild der teetrinkenden Königin hat Tradition: Wie zwei Jahrhunderte später eine andere Monarchin ihre ganz eigene Beziehung zum Tee pflegte, erzählt unser Artikel Queen Victoria und die verbotene Liebe zum Tee. Katharina aber bleibt die Erste — die Frau, die den Engländern den Tee brachte.

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Was uns die Geschichte lehrt

Katharinas Leben zeigt, wie sehr Zufälle Geschichte schreiben. Hätte sie ihren Ehemann wählen dürfen, wäre sie kaum nach England gegangen; hätte sie sich dem Spott gebeugt und Bier getrunken, hätte der Tee seinen Weg auf die Insel womöglich Jahrzehnte später gefunden — vielleicht über Frankreich, vielleicht gar nicht in dieser Form. Stattdessen machte ausgerechnet eine ungeliebte Königin ihr Heimatgetränk zum Nationalgetränk ihrer neuen Heimat.

Beim nächsten Earl Grey oder Darjeeling darf man daran ruhig einmal denken: Hinter dem alltäglichsten Aufguss stecken Menschen und Schicksale. Wer so eine Tasse bewusst genießt, entdeckt womöglich sogar eine Geschmacksnuance, die ihm bisher entgangen ist — Aufmerksamkeit ist beim Tee die halbe Verkostung.

Häufige Fragen

Wer war Katharina von Braganza?
Eine portugiesische Infantin, geboren 1638 in Vila Viçosa, gestorben 1705 in Lissabon. Sie heiratete 1662 den englischen König Karl II. und gilt als die Frau, die den Tee am englischen Hof etablierte.

Was enthielt die Mitgift der Katharina von Braganza?
Neben rund zwei Millionen portugiesischen Kronen die Handelsstützpunkte Tanger und Bombay — und eine Kiste Tee, die in England zum Auslöser einer neuen Trinkkultur wurde.

Warum kannten die Portugiesen den Tee vor den Engländern?
Bereits ab dem 16. Jahrhundert betrieb Portugal Handelsposten in Asien, darunter Macau an der chinesischen Küste. Über diese Routen kam der Tee früh nach Lissabon und an den dortigen Hof.

Ist die Geschichte historisch belegt?
Ja, im Kern: Personen, Hochzeitsdatum 31. Mai 1662 und Mitgift sind dokumentiert. Lediglich die überlieferten Spottzitate Karls II. lassen sich nicht sicher verbürgen.

Wann wurde Tee in England zum Frühstücksgetränk?
Unter Queen Anne, die ab 1702 regierte: Sie trank morgens Tee statt des bis dahin üblichen warmen Biers und machte das Teefrühstück damit hoffähig.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.