Umckaloabo ist vielen als Erkältungspräparat ein Begriff, dahinter steht jedoch eine Pflanze: die Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides) aus dem südlichen Afrika. Verwendet wird ihre Wurzel, traditionell als wässriger Sud. Der Name stammt aus dem Zulu und beschreibt das Anwendungsgebiet. Hier erfahren Sie, woher die Pflanze kommt, was die Wurzel enthält und warum aus dem Tee längst meist Tropfen geworden sind.
| Pflanze/Basis | Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides), Storchschnabelgewächs |
|---|---|
| Verwendeter Teil | getrocknete Wurzel, nicht die Blätter |
| Koffeingehalt | koffeinfrei |
| Geschmacksprofil | herb, erdig, deutlich adstringierend durch Gerbstoffe |
| Wassertemperatur | kochend (100 °C) |
| Ziehzeit | ca. 10 Minuten oder kurz aufkochen |
| Dosierung | 1 TL Wurzelspäne pro Tasse (250 ml) |
| Preisspanne | ca. 4-9 € pro 100 g getrocknete Wurzel |
Herkunft: vom Zulu-Wort zum europäischen Präparat
Pelargonium sidoides wächst in den Grasebenen Südafrikas und Lesothos und ist botanisch keine Geranie im Blumenkasten-Sinn, sondern eine echte Pelargonie mit dunkelroten, fast schwarzen Blüten. Der Name Umckaloabo stammt aus der Sprache der Zulu und bezeichnet weniger die Pflanze selbst als ihr Anwendungsgebiet: sinngemäß „Symptome von Brust- und Lungenleiden“. In der Volksheilkunde der Region wird die Wurzel seit Generationen genutzt.
Nach Europa kam die Pflanze über einen ungewöhnlichen Weg. 1897 reiste der schwer an Tuberkulose erkrankte Engländer Charles Henry Stevens ins südliche Afrika, wo er nach einer Behandlung mit dem Wurzelauszug genas. 1904 begann er, das Mittel in England zu vertreiben – die Geburtsstunde des Handelsnamens Umckaloabo. Botanisch ein eigener Charakter, aber ebenfalls ein Zitrusverwandter im Aroma ist der Klassiker, über den unser Beitrag zum Zitronenschalen Tee informiert.
Inhaltsstoffe der Wurzel
Die Wurzel der Pelargonie enthält eine ganze Reihe pflanzlicher Stoffe: Cumarine wie Umckalin, Gerbstoffe, Gallussäurederivate, Flavonoide, Aminosäuren sowie Mineralstoffe. Die hohen Gerbstoffanteile sind für den herben, zusammenziehenden Geschmack verantwortlich und lösen sich beim Aufguss als Erste.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Tee und Fertigpräparat: Ein wässriger Sud aus der Wurzel enthält nur die wasserlöslichen Anteile und ist kein standardisierter Extrakt. Die handelsüblichen Tropfen sind dagegen ein ethanolischer Auszug (EPs 7630) mit definiertem Wirkstoffgehalt. Tee und Tropfen lassen sich daher nicht gleichsetzen. Wie schwierig die Einordnung pflanzlicher Wurzeldrogen ist, zeigt auch unser Artikel zum Engelwurz-Tee.
Zubereitung als Sud
Für einen Pelargonien-Aufguss werden gesäuberte, zerkleinerte Wurzelspäne verwendet. Weil die Inhaltsstoffe der harten Wurzel nur langsam in Lösung gehen, reicht kurzes Überbrühen nicht: Ein gehäufter Teelöffel pro Tasse wird mit kochendem Wasser übergossen und etwa zehn Minuten gezogen. Alternativ kocht man die Späne zwei bis drei Minuten auf.
Der Sud schmeckt deutlich herb und erdig. Ein Löffel Honig oder ein Spritzer Zitrone mildern die Adstringenz. Anders als bei zarten Blatttees gibt die Wurzel ihre Stoffe ungezielt ab – darunter auch solche, die Übelkeit auslösen können. Genau das ist ein Grund, warum heute der besser verträgliche alkoholische Auszug bevorzugt wird.
Tee oder Tropfen – was heute üblich ist
Historisch war der Wurzelsud die einzige Darreichungsform, und Tuberkulosekranke nahmen Begleiterscheinungen wie Brechreiz in Kauf. Heute dominiert der ethanolische Flüssigauszug, der in wenigen Millilitern dosiert wird und magenfreundlicher ist. Wer die Wurzel als Tee zubereitet, sollte das als traditionelles Hausgetränk verstehen, nicht als Ersatz für ein geprüftes Präparat.
Die Wirksamkeit der Pelargonien-Präparate wird unterschiedlich beurteilt; Studien gibt es vor allem zum standardisierten Extrakt, nicht zum hausgemachten Sud. Bei Atemwegsbeschwerden, anhaltenden oder schweren Symptomen gehört die Einschätzung in ärztliche Hand. Eine kritische Haltung gegenüber Heilversprechen lohnt sich generell, wie unser Beitrag Tee schmeckt lecker – kann aber noch vielmehr zeigt.
Kauf, Qualität und Nachhaltigkeit
Im Handel finden Sie die Pelargonie als getrocknete, geschnittene Wurzel sowie als Fertigtropfen und Tabletten. Gute Wurzelware ist gleichmäßig geschnitten, riecht erdig-würzig und enthält wenig Staub. Übliche Preise für die lose Wurzel liegen bei etwa 4 bis 9 Euro pro 100 Gramm.
Ein heikler Punkt ist die Herkunft: Pelargonium sidoides wird in Südafrika überwiegend wild gesammelt, und die starke Nachfrage hat zu Sorgen um die Wildbestände geführt. Achten Sie auf Anbieter, die nachhaltige Ernte oder zertifizierten Anbau ausweisen. Wer ungewöhnliche Kräutertees schätzt, findet auch beim Veilchen Tee eine Spezialität abseits des Mainstreams.
Lagerung
Getrocknete Pelargonienwurzel hält sich bei richtiger Lagerung lange, da sie weniger flüchtige Aromen verliert als zarte Blatttees. Bewahren Sie die Späne trocken, luftdicht und lichtgeschützt in einer gut schließenden Dose auf. Feuchtigkeit ist der größte Feind: Sie lässt die Wurzel schimmeln und macht sie unbrauchbar. An einem kühlen, trockenen Ort bleibt das Material über ein bis zwei Jahre verwendbar.
Häufige Fragen
Was ist Umckaloabo?
Umckaloabo ist der Handelsname für Zubereitungen aus der Wurzel der südafrikanischen Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides). Der Begriff stammt aus dem Zulu und beschreibt ursprünglich Brust- und Lungenbeschwerden, also das Anwendungsgebiet.
Ist Pelargonien-Tee ein Heilmittel?
Nein. Ein Sud aus der Wurzel ist ein traditionelles Kräutergetränk und kein geprüftes Arzneimittel. Studien beziehen sich auf den standardisierten Extrakt. Bei Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Wie wird Pelargonien-Tee zubereitet?
Einen Teelöffel getrocknete Wurzelspäne mit kochendem Wasser übergießen und etwa zehn Minuten ziehen lassen oder kurz aufkochen. Die harte Wurzel gibt ihre Stoffe nur langsam ab.
Warum verwendet man heute meist Tropfen statt Tee?
Der ethanolische Auszug ist standardisiert dosierbar und magenfreundlicher. Der wässrige Sud löst auch Stoffe, die Übelkeit auslösen können, weshalb die Tropfenform besser verträglich ist.
Welcher Teil der Pflanze wird verwendet?
Genutzt wird ausschließlich die Wurzel, nicht die Blätter. Das ist typisch für Wurzeldrogen und erklärt die lange Ziehzeit, da Wurzeln ihre Inhaltsstoffe langsamer abgeben als Blätter.
Quellen
- ESCOP-Monographie Pelargonii radix (Pelargonium-sidoides-Wurzel)
- HMPC/EMA: Assessment report on Pelargonium sidoides DC und/oder Pelargonium reniforme Curt., radix
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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