Passionsblumentee wird aus dem getrockneten Kraut der Echten Passionsblume (Passiflora incarnata) gewonnen, einer Kletterpflanze aus dem Südosten der USA. Der milde, leicht heuartige Aufguss enthält Flavonoide wie Vitexin und wird traditionell bei nervöser Unruhe und Einschlafproblemen verwendet. Hier erfahren Sie, welche Inhaltsstoffe belegt sind, wie Sie den Tee mit 100 °C heißem Wasser richtig dosieren und worauf Sie beim Kauf in der Apotheke achten sollten.

Steckbrief
Pflanze/BasisEchte Passionsblume (Passiflora incarnata), getrocknetes Kraut
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilmild, leicht heuartig-grasig, schwach bitter
Wassertemperaturca. 100 °C (sprudelnd kochend)
Ziehzeit5-10 Minuten, abgedeckt
Dosierung1 gehäufter TL (ca. 2 g) Kraut pro Tasse (250 ml)
Anwendung1-3 Tassen täglich, Kur höchstens 4-6 Wochen am Stück
Preisspanneca. 3-6 € pro 100 g in Apothekenqualität

Botanik und Herkunft der Passionsblume

Die Echte Passionsblume (Passiflora incarnata) stammt aus dem Südosten der USA und reicht in ihrem Verbreitungsgebiet bis nach Mittelamerika. Die rankende Kletterpflanze klettert mit Sprossranken mehrere Meter hoch und bildet die für die Gattung typischen, vielstrahligen Blüten mit einem auffälligen Strahlenkranz. Für Tee verwendet man nicht die Blüte allein, sondern das gesamte oberirdische Kraut, das zur Blütezeit geschnitten und getrocknet wird.

Den Namen prägten spanische Missionare im 16. und 17. Jahrhundert: Sie deuteten den fädigen Strahlenkranz als Dornenkrone, die drei Narben als Nägel und die fünf Staubblätter als Wunden Christi. Wichtig für die Küche: Die essbare Maracuja wächst an einer anderen Art, Passiflora edulis. In unseren Breiten ist die Passiflora incarnata nicht winterhart und wird meist im Kübel gehalten und frostfrei überwintert. Wer die beruhigende Pflanzenwelt mag, findet Parallelen im Artikel über Melissentee.

Inhaltsstoffe und Studienlage

Das Wirkprofil bestimmen vor allem Flavonoide, allen voran Vitexin, Isovitexin und Orientin, die in der Qualitätsprüfung als Leitsubstanzen dienen. Hinzu kommen Maltol, geringe Mengen Cumarine sowie Spuren von Harman-Alkaloiden. Anders als Schwarz- oder Grüntee ist der Aufguss vollständig koffeinfrei und damit auch am Abend geeignet.

Das blühende Kraut ist als Passiflorae herba im Europäischen Arzneibuch monographiert und besitzt eine Monographie des Komitees für pflanzliche Arzneimittel der EMA. Dort wird es als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichter nervöser Anspannung und zur Unterstützung des Einschlafens geführt. Diese Einstufung beruht auf langjähriger Erfahrung; grosse klinische Belege für eine eindeutige Wirkung des reinen Teeaufgusses fehlen weiterhin. Aussagekräftigere Daten liegen für standardisierte Trockenextrakte vor, nicht für den Hausaufguss. Wer Nächtliches Grübeln kennt, kombiniert die Passionsblume gern mit Hopfen oder Baldrian.

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Geschmack und Aroma

Passionsblumentee schmeckt zurückhaltend und mild, mit einer heuartig-grasigen Note und nur leichter Bitterkeit. Im Gegensatz zu Pfefferminze oder Salbei drängt sich kein ätherisches Öl in den Vordergrund; das Getränk wirkt eher neutral. Die Tassenfarbe ist hell goldgelb.

Wer das Aroma abrunden möchte, mischt das Kraut mit etwas Zitronenmelisse, Lavendel oder einem Spritzer Honig. In Fertigmischungen für den Abend taucht die Passionsblume deshalb oft als Partner von Lavendel auf, der die blumige Seite betont.

Zubereitung Schritt für Schritt

1. Geben Sie einen gehäuften Teelöffel (etwa 2 g) getrocknetes Passionsblumenkraut pro Tasse in ein Sieb oder einen Filter. 2. Übergiessen Sie das Kraut mit rund 250 ml sprudelnd kochendem Wasser von etwa 100 °C. 3. Decken Sie die Tasse ab, damit flüchtige Aromastoffe nicht entweichen. 4. Lassen Sie den Aufguss 5 bis 10 Minuten ziehen, je länger, desto kräftiger. 5. Entfernen Sie das Kraut und trinken Sie den Tee in kleinen Schlucken, am besten ungesüsst oder mit wenig Honig.

Für den Abend bietet sich der Aufguss etwa eine halbe bis eine Stunde vor dem Zubettgehen an. Kalt aufgegossen lässt er sich ebenfalls genauso gut zubereiten, dazu finden Sie Hinweise im Beitrag Tee kalt aufgiessen.

Dosierung und sichere Anwendung

Üblich sind ein bis drei Tassen über den Tag verteilt. Wer den Tee zur Beruhigung trinkt, sollte ihn nicht dauerhaft, sondern kurmässig über höchstens vier bis sechs Wochen anwenden und danach eine Pause einlegen. Passionsblumentee ist kein Heilmittel und ersetzt keine ärztliche Behandlung.

In der Schwangerschaft und Stillzeit wird von der Anwendung abgeraten, da Daten zur Sicherheit fehlen. Wer beruhigende oder schlaffördernde Medikamente einnimmt, sollte vorab ärztlichen Rat einholen, weil sich Effekte verstärken können. Vor einer geplanten Operation mit Narkose wird ebenfalls Zurückhaltung empfohlen. Bei anhaltenden Schlafstörungen über mehrere Wochen gehört die Ursache ärztlich abgeklärt.

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Kauf, Qualität und Lagerung

Loses Passionsblumenkraut bekommen Sie in Apotheken und gut sortierten Teefachgeschäften; verlangen Sie gezielt nach Passiflorae herba in Arzneibuchqualität. Gute Ware besteht aus gleichmässig grüngrauen Blatt-, Stängel- und Blütenteilen, riecht schwach heuartig und staubt wenig. Die Preise liegen meist zwischen 3 und 6 Euro pro 100 Gramm. Apothekenware unterliegt einer Prüfung auf Identität und Reinheit und ist daher die verlässlichste Wahl.

Bewahren Sie das Kraut trocken, kühl und lichtgeschützt in einer luftdichten Dose auf, fern von stark riechenden Lebensmitteln. So bleiben die Flavonoide und das milde Aroma über etwa 12 bis 18 Monate erhalten. Angebrochene Packungen sollten Sie innerhalb eines halben Jahres aufbrauchen, da Blütenfarbe und Duft mit der Zeit nachlassen.

Häufige Fragen

Wie wird Passionsblumentee richtig zubereitet?
Einen gehäuften Teelöffel (etwa 2 g) Kraut mit 250 ml kochendem Wasser übergiessen, die Tasse abdecken und 5 bis 10 Minuten ziehen lassen. Danach das Kraut entfernen und den Tee möglichst ungesüsst trinken.

Macht Passionsblumentee müde?
Das Kraut wird traditionell bei nervöser Unruhe und zum Einschlafen verwendet. Eine starke schlaffördernde Wirkung des reinen Aufgusses ist nicht eindeutig belegt; besser untersucht sind standardisierte Extrakte aus Apotheke und Drogerie.

Enthält Passionsblumentee Koffein?
Nein, der Aufguss ist vollständig koffeinfrei. Deshalb eignet er sich auch für den Abend und für Menschen, die empfindlich auf Koffein reagieren.

Darf man Passionsblumentee in der Schwangerschaft trinken?
Davon wird abgeraten, da ausreichende Sicherheitsdaten fehlen. Auch wer beruhigende Medikamente einnimmt, sollte vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.

Ist die Passionsblume dasselbe wie die Maracuja?
Nein. Die Heilpflanze ist Passiflora incarnata, während die essbare Maracuja von Passiflora edulis stammt. Es handelt sich um zwei verschiedene Arten derselben Gattung.

Quellen

  • Europäisches Arzneibuch: Monographie Passiflorae herba (Passionsblumenkraut)
  • EMA/HMPC: Community herbal monograph on Passiflora incarnata L., herba
  • ESCOP Monographs: Passiflorae herba (Passion Flower)

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.