Engelwurz-Tee wird aus der getrockneten Wurzel der Echten Engelwurz (Angelica archangelica) zubereitet, einem bis zu zwei Meter hohen Doldenblütler, der auch Angelika heißt. Der bittere, würzige Aufguss wird traditionell bei Appetitlosigkeit und Völlegefühl getrunken und ist von der Kommission E monographiert. Hier erfahren Sie, wie Sie die Wurzel richtig dosieren, wie der Tee schmeckt und welche Vorsichtsregeln gelten.
| Pflanze/Basis | Echte Engelwurz (Angelica archangelica), Doldenblütler; verwendet wird die Wurzel |
|---|---|
| Koffeingehalt | koffeinfrei |
| Geschmacksprofil | würzig-bitter, erdig, harzig mit moschusartiger Note |
| Wassertemperatur | 100 °C (kochend) |
| Ziehzeit | 10-15 Minuten, abgedeckt |
| Dosierung | 1 TL geschnittene Wurzel (ca. 2 g) pro 250 ml |
| Aufgüsse | 1 Aufguss; 2-3 Tassen täglich, kurmäßig max. 2-3 Wochen |
| Preisspanne | ca. 3-7 € pro 100 g (Apotheken-/Arzneibuchqualität teurer) |
Die Pflanze: ein imposanter Doldenblütler mit Engelsnamen
Die Echte Engelwurz wächst an feuchten Standorten — an Bachufern, in Auen und auf nassen Wiesen — und erreicht unter guten Bedingungen zwei Meter und mehr. Ihre kugeligen, grünlich-weißen Blütendolden erscheinen erst im zweiten oder dritten Jahr; danach stirbt die Pflanze ab. Wo ihre ursprüngliche Heimat liegt, ist nicht gesichert; Botaniker vermuten sie in Nord- und Osteuropa bis Vorderasien. Landwirtschaftlich kultiviert wird sie heute unter anderem in Deutschland, Frankreich, Belgien und Polen.
Der botanische Name Angelica archangelica geht auf eine mittelalterliche Legende zurück: Ein Erzengel soll die Wurzel als Mittel gegen die Pest gezeigt haben. Tatsächlich gehörte die Engelwurz über Jahrhunderte zum festen Bestand der Klostergärten, in denen Heilkräuter systematisch angebaut und dokumentiert wurden.
Inhaltsstoffe und Studienlage
Für den Tee zählt vor allem die Wurzel (Angelicae radix), die im Europäischen Arzneibuch monographiert ist. Sie enthält 0,35 bis 1,3 % ätherisches Öl, dazu Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und Cumarinverbindungen, darunter die für die Pflanze typischen Furanocumarine. Die Bitterstoffe regen nach traditioneller Auffassung die Bildung von Magen- und Bauchspeicheldrüsensaft an.
Die Kommission E hat die Engelwurzwurzel positiv monographiert: Genannt werden Appetitlosigkeit sowie leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen. Belege für weitergehende Anwendungen — etwa bei Gicht, Rheuma oder Bronchitis, wie sie in alten Kräuterbüchern auftauchen — fehlen dagegen. Engelwurz-Tee ist damit ein traditionelles Bittermittel, kein Arzneimittelersatz; bei anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Geschmack: würzig, erdig und ehrlich bitter
Engelwurz-Tee schmeckt deutlich kräftiger als die meisten Blattkräutertees: würzig und erdig, mit harziger, leicht moschusartiger Note und einer klaren Bitterkeit im Abgang. Der Duft der frisch angeschnittenen Wurzel erinnert an Sellerie und Wacholder. Wer Bittertees wie Gelber-Enzian-Tee oder Löwenzahn-Tee mag, findet hier einen verwandten, aber würzigeren Charakter.
Einsteiger starten am besten mit der halben Dosierung von etwa einem gestrichenen Teelöffel pro Tasse und tasten sich heran. Ein kleiner Löffel Honig rundet die Bitterkeit ab, ohne sie zu überdecken — ganz verschwinden soll sie nicht, denn sie macht den Charakter dieses Tees aus.
Zubereitung Schritt für Schritt
1. Einen Teelöffel grob geschnittene, getrocknete Wurzel (etwa 2 g) in eine Tasse geben. 2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen. 3. Abgedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen — die feste Wurzel gibt ihre Stoffe deutlich langsamer ab als zarte Blätter, und der Deckel hält die flüchtigen ätherischen Öle im Aufguss. 4. Abseihen und schluckweise trinken.
Üblich sind zwei bis drei Tassen täglich, als Bittermittel etwa eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten. Wichtig ist die zeitliche Begrenzung: Engelwurz-Tee wird klassisch nur kurmäßig über zwei bis drei Wochen getrunken, danach folgt eine Pause. In Mischungen harmoniert die Wurzel mit Fenchel, Kümmel und Anis; wie der Kümmel solo schmeckt, zeigt unser Beitrag zum Kümmel-Tee.
Risiken: Lichtempfindlichkeit, Schwangerschaft, Verwechslungsgefahr
Die Furanocumarine der Engelwurz machen die Haut lichtempfindlicher. Wer den Tee regelmäßig trinkt, sollte während der Kur auf ausgedehnte Sonnenbäder und Solarium verzichten, sonst drohen sonnenbrandähnliche Hautreaktionen. In der Schwangerschaft wird ganz von Engelwurz abgeraten; auch in der Stillzeit gehört die Anwendung vorab in ärztliche Rücksprache.
Vom Selbersammeln raten wir dringend ab: Die Engelwurz ähnelt anderen Doldenblütlern wie dem Wasserschierling, einer der giftigsten Pflanzen Mitteleuropas — eine Verwechslung kann tödlich enden. Auch der Riesenbärenklau, dessen Saft schwere Verbrennungen verursacht, sieht auf den ersten Blick ähnlich aus. Kaufen Sie die Wurzel deshalb im Fachhandel oder in der Apotheke.
Kauf, Lagerung und Verwendung in der Küche
Geschnittene Engelwurzwurzel gibt es in Apotheken, Kräuterläden und Online-Shops für etwa 3 bis 7 Euro pro 100 g; Apothekenware nach Arzneibuchstandard garantiert einen geprüften Mindestgehalt an ätherischem Öl. Gute Qualität erkennen Sie am intensiven, würzig-aromatischen Geruch — riecht die Ware muffig oder kaum noch, ist sie überlagert. Luftdicht, dunkel und trocken gelagert hält sich die Wurzel 12 bis 18 Monate.
Jenseits der Teetasse hat die Angelika eine lange Genusstradition: Ihre Wurzel würzt Kräuterliköre wie Bénédictine und Chartreuse, und im französischen Niort werden die grünen Stängel seit dem 18. Jahrhundert kandiert als Spezialität verkauft. Wer nach der herben Engelwurz-Kur einen sanften Gegenpol sucht, wird beim milden Melissentee fündig — oder kombiniert beide, etwa mit einem Hauch Anis-Tee für die Süße.
Häufige Fragen
Wofür wird Engelwurz-Tee traditionell verwendet?
Die Kommission E nennt Appetitlosigkeit sowie leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen. Getrunken wird der Bittertee klassisch etwa eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten.
Wie lange muss Engelwurz-Tee ziehen?
10 bis 15 Minuten in kochend heißem Wasser, abgedeckt. Die feste Wurzel gibt ihre ätherischen Öle und Bitterstoffe deutlich langsamer ab als Blattkräuter.
Warum macht Engelwurz lichtempfindlich?
Die enthaltenen Furanocumarine erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Während einer Teekur sollten Sie deshalb auf Sonnenbäder und Solarium verzichten.
Kann man Engelwurz selbst sammeln?
Davon ist dringend abzuraten: Die Pflanze ähnelt dem extrem giftigen Wasserschierling und dem Riesenbärenklau. Sicherer ist geprüfte Ware aus Apotheke oder Fachhandel.
Wie schmeckt Engelwurz-Tee?
Würzig-erdig mit harziger, moschusartiger Note und klarer Bitterkeit. Einsteiger beginnen mit der halben Dosierung und runden den Aufguss mit etwas Honig ab.
Quellen
- Kommission-E-Monographie Angelicae radix (Engelwurzwurzel)
- Europäisches Arzneibuch: Monographie Angelicae radix
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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