Spitzwegerich-Tee wird aus den Blättern der heimischen Wildpflanze Plantago lanceolata gewonnen, einem der ältesten überlieferten Heilkräuter Europas. Der Aufguss schmeckt mild-herb und enthält reichlich Schleimstoffe sowie das Glykosid Aucubin. Traditionell wird er bei Reizhusten und Halskratzen verwendet. Hier lesen Sie, welche Inhaltsstoffe in den lanzettlichen Blättern stecken, wie Sie den Tee richtig aufgießen und worauf Sie beim Sammeln achten.
| Pflanze/Basis | Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Wegerichgewächse |
|---|---|
| Koffeingehalt | koffeinfrei |
| Geschmacksprofil | mild, leicht herb, erdig mit pilzig-champignonartiger Note |
| Wassertemperatur | 90-100 °C |
| Ziehzeit | 5-10 Minuten, abgedeckt |
| Dosierung | 1-2 TL (ca. 2 g) getrocknete Blätter pro 250 ml |
| Aufgüsse | 1 Aufguss, danach frisch ansetzen |
| Preisspanne | ca. 2-5 € pro 100 g |
Herkunft und Name: das Kraut vom Wegrand
Der Name der Wegerichgewächse setzt sich aus den althochdeutschen Begriffen "wega" für Weg und "rih" für König zusammen, beschreibt den Spitzwegerich also als König des Wegrands. Volkstümlich heißt er auch Schlangenzunge, Spießkraut oder Lungenblattl. Die Pflanze zählt zu den ältesten genutzten Heilkräutern; Pollenfunde belegen, dass Plantago-Arten den Menschen schon seit der Steinzeit begleiten.
Ursprünglich war der Spitzwegerich auf Europa beschränkt, heute wächst er nahezu weltweit. Er bevorzugt stickstoffreiche Fettwiesen, findet sich aber ebenso an Äckern, Wegrändern und im heimischen Garten. Seine schmalen, parallelnervigen Blätter in der bodennahen Rosette machen ihn leicht erkennbar. Wer ihn vor der Tür hat, kann sich seinen Vorrat über den Sommer selbst anlegen, ganz ähnlich wie beim Brennessel-Tee.
Inhaltsstoffe und Studienlage
Das Wirkstoffprofil des Spitzwegerichs ist breit: Schleimstoffe, das Iridoidglykosid Aucubin, Gerbstoffe, Kieselsäure, Flavonoide sowie ein vergleichsweise hoher Anteil an Vitamin C. Die Schleimstoffe legen sich beim Trinken wie ein Film über die gereizte Rachenschleimhaut, was die typische reizlindernde Wirkung erklärt. Aucubin wirkt nachweislich antibakteriell und wird beim Trocknen teilweise abgebaut, weshalb schonend getrocknete Ware bevorzugt wird.
Die Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes führt Spitzwegerichkraut (Plantaginis lanceolatae folium) in einer Positivmonographie und nennt die traditionelle Anwendung bei Katarrhen der oberen Luftwege sowie bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Ein Heilmittel im Sinne eines Medikaments ist der Tee nicht; bei anhaltendem Husten oder Fieber gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Weitere klassische Husten- und Halskräuter stellen wir im Erkältungstee vor.
Geschmack: mild, herb, mit erdiger Note
Spitzwegerich-Tee schmeckt zurückhaltend mild und leicht herb. Charakteristisch ist eine erdige, fast champignonartige Note, die manche an Steinpilze erinnert. Bitterstoffe treten kaum hervor, weshalb der Aufguss als sanft und alltagstauglich gilt.
Wer die erdige Note abrunden möchte, gibt einen Teelöffel Honig oder einen Spritzer Zitrone hinzu. Auch eine Mischung mit Thymiantee oder Salbei ergibt einen runderen, kräuterwürzigen Aufguss, der besonders in der Erkältungszeit beliebt ist.
Zubereitung Schritt für Schritt
So gelingt ein aromatischer Aufguss: 1. Einen bis zwei Teelöffel (rund 2 g) getrocknete, zerkleinerte Blätter pro 250-ml-Tasse abmessen. 2. Wasser auf 90 bis 100 °C bringen. 3. Die Blätter überbrühen und die Tasse oder Kanne sofort abdecken, damit die Schleimstoffe und das wenige ätherische Öl im Aufguss bleiben. 4. Fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. 5. Abseihen und lauwarm bis warm trinken.
Für die volle Wirkung der Schleimstoffe können Sie den Tee auch als Kaltauszug ansetzen: Blätter über Nacht in kaltem Wasser ziehen lassen, am Morgen abseihen und nur leicht erwärmen. Zwei bis drei Tassen pro Tag gelten als übliches Maß. Frische Blätter aus dem Garten lassen sich genauso verwenden wie getrocknete.
Sammeln, Ernte und Verarbeitung
Für den Tee eignen sich Blätter, Samen und Wurzeln. Die Blätter sammelt man am besten von Mai bis August, die Wurzeln von Ende August bis Oktober. Wählen Sie saubere Standorte abseits stark befahrener Straßen und gedüngter Felder. Wurzeln werden gründlich von Erde befreit und gewaschen.
Anschließend werden die Pflanzenteile rasch und schonend getrocknet, etwa luftig im Schatten, da Aucubin und Vitamin C hitze- und lichtempfindlich sind. Blätter zerkleinert man vor dem Trocknen leicht. Eine ausführliche Anleitung zum richtigen Aufbewahren von Kräutern finden Sie unter Tee richtig aufbewahren.
Lagerung und Haltbarkeit
Getrockneter Spitzwegerich bleibt am längsten aromatisch in einem luftdichten, lichtundurchlässigen Behälter oder in einem trockenen Baumwollbeutel an einem kühlen Ort. Feuchtigkeit lässt die Blätter schnell schimmeln, Licht baut die Wirkstoffe ab.
Bei sachgemäßer Lagerung halten sich die getrockneten Blätter etwa 12 bis 18 Monate. Verfärben sie sich von Grün zu Braun oder verlieren sie ihren heuartigen Duft, ist die beste Zeit vorbei. Wer jeden Sommer frisch sammelt, hat für die nächste Erkältungssaison stets brauchbaren Vorrat.
Häufige Fragen
Wofür wird Spitzwegerich-Tee traditionell verwendet?
Traditionell wird er bei Reizhusten sowie Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut verwendet. Die Schleimstoffe überziehen die gereizten Schleimhäute. Die Kommission E führt das Kraut in einer Positivmonographie.
Wie bereite ich Spitzwegerich-Tee richtig zu?
Ein bis zwei Teelöffel getrocknete Blätter mit 90 bis 100 °C heißem Wasser übergießen, abdecken und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Das Abdecken hält flüchtige Stoffe im Aufguss.
Wie schmeckt Spitzwegerich-Tee?
Mild und leicht herb mit einer erdigen, champignonartigen Note. Bitterstoffe treten kaum hervor. Honig oder Zitrone runden den Geschmack ab.
Kann ich Spitzwegerich selbst sammeln?
Ja. Die Blätter erntet man von Mai bis August an sauberen Standorten abseits von Straßen und gedüngten Feldern, danach rasch im Schatten trocknen.
Wie lange ist getrockneter Spitzwegerich haltbar?
Luftdicht, dunkel und trocken gelagert etwa 12 bis 18 Monate. Verblasst die grüne Farbe oder schwindet der heuartige Duft, lässt die Qualität nach.
Quellen
- Kommission E: Monographie Plantaginis lanceolatae folium (Spitzwegerichkraut)
- ESCOP Monographs: Plantaginis lanceolatae folium
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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