Die Heilwirkungen und damit auch die möglichen Einsatzgebiete der Melisse sind so vielfältig und breit gefächert, dass die Melisse schon vor Jahrhunderten als sehr wertvoll galt. Im Mittelalter gab es sogar eine Bestimmung, dass in jedem Klostergarten Melisse angepflanzt werden musste. Auch heute noch, ist man sich der Kräfte dieser Pflanze durchaus bewusst. Melissentee gehört quasi zum Standardrepertoire eines jeden Teeladens, ja sogar jedes Supermarkts.

Inhaltsstoffe

Die große Fülle an Wirkungen auf unseren Körper sind natürlich einer fast ebenso großen Fülle an Inhaltsstoffen zu verdanken. Als erstes sind ätherische Öle zu nennen. Bereits bei leichtem Reiben eines frischen Zitronenblattes zwischen den Fingern, verströmt die Melisse einen angenehm frischen Zitrusduft. Deshalb wird diese Pflanze häufig auch Zitronenmelisse genannt. Terpen ist dabei nicht nur für den wohligen Duft verantwortlich, sondern auch für die entspannende und beruhigende Wirkung, für die die Melisse überwiegend bekannt ist. Selbst Blähungen und Magen-Darm-Beschwerden lassen sich dadurch wieder in den Griff kriegen. Durch die Flavonoide, die ebenfalls in der Melisse enthalten sind, können Herpeserkrankungen geheilt werden und selbst auf die Schilddrüse hat der Melissentee eine unterstützende Wirkung. Man kann wirklich ohne Übertreibung sagen, dass die Melisse von A wie Angstzustände bis Z wie Zahnschmerzen Linderung verschafft. Weit mehr also, als Unruhe und Nervosität, die Bereiche, für deren Wirksamkeit die Melisse weithin bekannt ist. Ein Blick in ein Naturheilkunde-Fachbuch lohnt sich durchaus.

Anbaugebiete

Ursprünglich stammt die Melisse aus Südeuropa. Allerdings stellt sie keine besonders hohen Ansprüche an ihre Wachstumsbedingungen und auch dank ihrer enormen Vielfalt, war sie schnell so beliebt, dass sie inzwischen auch in nördlicheren Breitengraden ganz und gar heimisch geworden ist. Sie wächst nahezu in jedem Garten, wenn man sie lässt. Als mehrjährige Pflanze muss man sie nur einmal anpflanzen und hat für Jahre einen stetig wachsenden Lieferanten für frische Blätter ,um sich seinen Tee selbst zu machen und dann zu trinken.

Herstellung

Melissentee gehört zu den Sorten, die man nicht nur nahezu überall kaufen, sondern auch ohne Aufwand selbst machen kann. Bereits die frischen Blätter kann man verwenden. Länger haltbar sind sie selbstverständlich in getrocknetem Zustand. Selbstgemacht lässt man meist die Blätter am Stück, industriell hergestellt, werden die Melissenblätter meist zerkleinert. Ganz besonders, wenn der Tee in Beutel abgefüllt wird. Möchte man die Melissen gerne mischen, eignen sich vor allem Minze oder Baldrian besonders gut. Die jeweiligen Wirkmechanismen dieser Pflanzen ergänzen sich hervorragend. Diese einfach mit kochendendem Wasser übergießen, den Tee circa 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen und die Tasse Tee trinken.

Fazit

Früher war es wohl selbstverständlich, bei Beschwerden und Erkrankungen jeder Art erst einmal in den Kräutergarten zu gehen anstatt direkt einen Arzt zu konsultieren. Leider sind viele der Wirkungen, vor allem der Melisse inzwischen nahezu unbekannt. Doch so nach und nach scheint man sich wieder an die Heilkräfte der Natur und deren Anwendung zu erinnern. Wer sich für dieses Thema interessiert, findet jedenfalls zahlreiche Auflistungen und Anwendungstipps, wie man sich ganz besonders mit Melisse den Griff zu Medikamenten bzw. den Gang zum Apotheker sparen kann. Einfacher und günstiger geht es nicht. Bildnachweis: Melissentee © frogstyle - Fotolia.com

Melissentee zubereiten – Entspannung aus dem Garten

Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist eine der beliebtesten und vielseitigsten Heilpflanzen in deutschen Gärten. Ihr frischer Zitronenduft, der beim bloßen Berühren der Blätter freigesetzt wird, ist unverwechselbar. Die Melisse wächst üppig und lässt sich leicht selbst im Topf oder Garten kultivieren. Für Melissentee werden die frischen oder getrockneten Blätter verwendet, die nach Möglichkeit vor der Blütezeit geerntet werden sollten.

Für Melissentee übergießen Sie eine großzügige Handvoll frischer Melisseblätter (oder 1 bis 2 Teelöffel getrockneter Blätter) mit 250 ml heißem Wasser von 90 Grad Celsius. Abdecken und 5 bis 7 Minuten ziehen lassen – das Abdecken verhindert das Verdampfen der flüchtigen ätherischen Öle. Den Tee abseihen und nach Geschmack mit Honig süßen. Frische Melisseblätter geben deutlich mehr Aroma als getrocknete, da die ätherischen Öle beim Trocknen teilweise verloren gehen.

Melissentee lässt sich hervorragend kombinieren. Mit Baldrian und Hopfen ergibt er eine starke Schlafmischung. Mit Lavendel eine elegante Entspannungsmischung. Mit Pfefferminze eine erfrischende Sommermischung. Als Kaltaufguss über Nacht ist Melissentee besonders mild und aromatisch.

Heilwirkung von Melissentee – Beruhigung für Körper und Geist

Melisse enthält ätherische Öle (Citral, Linalool, Citronellal), Flavonoide (Luteolin, Apigenin), Gerbstoffe (Rosmarinsäure, Kaffeesäure), Triterpene und Bitterstoffe. Diese Kombination verleiht der Melisse ein breites Wirkungsspektrum mit einem Schwerpunkt auf dem Nervensystem und dem Verdauungstrakt.

Die wichtigste Eigenschaft der Melisse ist ihre beruhigende, angstlösende (anxiolytische) und schlaffördernde Wirkung. Rosmarinsäure und bestimmte Flavonoide hemmen das Enzym GABA-Transaminase, was zu einem erhöhten Spiegel des entspannenden Neurotransmitters GABA im Gehirn führt. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit von Melissenextrakt bei leichten Angststörungen, Stimmungsschwankungen und Einschlafproblemen.

Für den Magen-Darm-Bereich wirkt Melisse krampflösend und beruhigend. Sie entspannt die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und hilft bei Blähungen, Krämpfen und stressbedingten Magen-Darm-Beschwerden. Besonders bei sogenanntem Reizmagen oder Reizdarm, der durch psychische Belastung ausgelöst wird, ist Melisse sehr hilfreich.

Antivirale Eigenschaften der Rosmarinsäure machen Melisse auch zu einem interessanten Mittel bei Herpesinfektionen. Studien zeigen, dass Melissenextrakt die Ausbreitung des Herpes-simplex-Virus hemmen kann. In der Praxis wird Melissensalbe bei Lippenherpes eingesetzt.

Geschichte der Melisse – Von den Bienen geliebt

Der Name „Melissa" kommt vom griechischen Wort für Biene – eine Referenz auf die Vorliebe der Bienen für diese Pflanze. Im Altertum pflegten Imker ihre Bienenkörbe mit Melissenzweigen einzureiben, da dies die Bienen beruhigen und neue Bienenschwärme anlocken sollte.

Im antiken Griechenland wurde Melisse bei der Göttin Artemis geweiht und in deren Tempeln angebaut. Hippokrates und Dioskurides beschrieben ihre beruhigenden und verdauungsfördernden Eigenschaften. Im Mittelalter war Melisse eine der beliebtesten Heilpflanzen in Klostergärten ganz Europas.

Paracelsus nannte Melisse das „Elixier des Lebens" und schrieb ihr nahezu unbegrenzte Heilkräfte zu. Der berühmte Karmeliter-Melissengeist, eine alkoholische Tinktur aus Melisse und anderen Kräutern, wurde im 17. Jahrhundert von Karmelitermönchen in Paris entwickelt und ist noch heute erhältlich – ein direkter Beweis für die jahrhundertealte Wertschätzung dieser Heilpflanze.

Häufige Fragen zu Melissentee (FAQ)

Hilft Melissentee bei Schlafproblemen?
Ja, Melissentee hat eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem und kann das Einschlafen erleichtern. Am besten 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen trinken.

Kann man Melisse täglich trinken?
Ja, Melissentee ist als Alltagstee unbedenklich. Er hat keine bekannten Nebenwirkungen bei täglichem Konsum in normalen Mengen.

Ist Melisse gut bei Angst und Stress?
Ja, klinische Studien belegen die anxiolytische (angstlösende) und stimmungsaufhellende Wirkung von Melissenextrakten.

Kann ich Melisse im Garten anpflanzen?
Ja, Melisse ist eine sehr pflegeleichte Gartenpflanze, die stark wächst und sich schnell ausbreitet. In Töpfen lässt sie sich gut begrenzen.

Was ist der Unterschied zwischen Melisse und Pfefferminze?
Beide sind Lippenblütler, aber botanisch nicht direkt verwandt. Melisse hat einen Zitronenduft und beruhigend-entspannende Wirkung; Pfefferminze hat Mentholduft und kühlend-belebende Wirkung.

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