Tee kennt jeder. Tee trinkt (fast) jeder. Und viele haben sicher auch schon das ein oder andere Mal Aufnahmen von Teepflückerinnen gesehen, die gerade dabei waren, die Blätter von den Sträuchern zu ernten. Doch ist das eigentlich immer die gleiche Teepflanze? Machen nur der Erntezeitpunkt und das Herstellungsverfahren die Unterschiede zwischen einzelnen Teearten und -sorten aus? Oder gibt es doch verschiedene Teepflanzen? Und warum wächst sie eigentlich nicht bei uns? Oder würde sie und findet in der traditionellen westlichen Landwirtschaft einfach keinen Platz, würde sich bei uns finanziell einfach nicht rechnen? Die eine Teepflanze gibt es nicht. Sicher haben wohl alle Arten, die heute existieren wohl einen gemeinsamen Ursprung. Im Laufe der Zeit haben sie sich allerdings zum einen an ihren jeweiligen Standort ideal angepasst, zum anderen haben sicher auch die Teebauern mit Hilfe der üblichen Zuchtmethoden die Pflanzen beeinflusst und Eigenschaften gefördert, die sie besonders bevorzugen. Andere, unerwünschte Merkmale dagegen wurden weitestgehend weggezüchtet.

Die drei Teepflanzen

Möchte man sich einfach mal nur einen groben Überblick verschaffen, so sollte man sich die drei großen Teepflanzen ansehen. Zum einen ist da die chinesische (Camellia sinensis var. bohea). Sie zeigt und wohl die ursprünglichste Form der Teepflanze und verdeutlicht gleich auch, wie sehr beispielsweise der Standort das Wachstum beeinflussen kann. Je nachdem, ob sie inmitten von Wäldern oder etwas freier steht, entfaltet sich diese Pflanze nämlich entweder zu einem etwas größeren Busch oder gar zu einem ordentlichen Baum. Es gibt Dokument, die belegen, dass diese Teepflanze bis zu 34 Meter hoch und 800 Jahre alt werden kann. Ideale Wachstumsbedingungen findet sie in Höhenlagen ab 600 Metern über dem Meeresspiegel. Ihre Forstbeständigkeit und Resistenz gegenüber kälterem Klima erweisen sich dabei als unbedingt notwendig. Während sich in China bis heute unverändert zahlreiche wilde Teepflanzen finden, so gibt es Tee in Japan nur in kultivierter Form. Streng genommen muss man deshalb sagen, dass es die "japanische Teepflanze" somit eigentlich nicht gibt. Aus Sicht der Botaniker handelt es sich bei Camellia sinensis var. japonica ganz eindeutig um eine Unterart der chinesischen Teepflanze. Sie wurde im 8. Jahrhundert aus dem Nachbarstaat importiert und seitdem zwar weiterentwickelt und züchterisch verändert, jedoch nicht so stark, dass sich eine eigenständige Art entwickelt hätte. So liegen bis heute tatsächlich die meisten geschmacklichen Unterschiede zwischen japanischem und chinesischem Grüntee in erster Linie im Wachstumsstandort und der Herstellung begründet. Ein gutes Beispiel dafür liefert etwa der Schattentee, der seine charakteristische Note dadurch erhält, dass die Teepflanzen vor der Ernte künstlich beschattet werden. Die indische Teepflanze (Cemellia sinensis var. assamica) dagegen, die nach ihrer botanischen Klassifizierung ebenfalls nur eine Unterart darstellt, unterscheidet sich viel deutlicher von ihrer chinesischen "Ausgangsform". Die Assampflanze, wie sie meist genannt wird, hat beispielswiese viel größere Blätter, verträgt absolut keinen Frost und wächst selbst unter idealsten Bedingungen nicht über das Busch-Stadium hinaus. Im Gegensatz zu ihren chinesischen und japanischen Verwandten, werden die Blätter der Assampflanze in erster Linie zu schwarzem Tee verarbeitet. Dies liegt aber wohl weniger an der Pflanze selbst, sondern vielmehr an der Vorliebe der Inder und der Briten, die diesen Tee von Anfang an konsumierten.

Fazit

Zu behaupten, es gäbe tatsächlich nur eine einzige Teepflanze, wäre sicher falsch. Dennoch kann man bis heute ganz eindeutig beim Blick auf die scheinbar unterschiedlichsten Arten, ihren Weg zurück zu einem gemeinsamen Ursprung feststellen. Wie zahlreichen anderen landwirtschaftlich genutzten Pflanzen auch, so ist der Teepflanze gelungen, sich an ihre jeweiligen Standorte anzupassen und dabei neue Charakteristika zu entwickeln, die den Geschmack des jeweiligen Tees entscheidend und nachhaltig prägen. Vielleicht ist in ein paar Jahrhunderten der Teekonsum weltweit so gestiegen, dass es sich auch bei uns lohnt, Tee anzubauen und vielleicht gibt es dann eine europäische Unterart, die ein bis heute noch völlig unbekanntes Geschmackserlebnis liefert.Bildnachweis: Teepflanzen © ub-foto - Fotolia.com

Die drei wichtigsten Teepflanzen: Zubereitung ihrer Tees

Die drei bedeutendsten Pflanzen der Teewelt sind Camellia sinensis (echter Tee), Ilex paraguariensis (Mate) und Aspalathus linearis (Rooibos). Camellia sinensis: Je nach Varietät und Verarbeitung ergibt sie Grüntee (70–80°C, 2–3 Min), Oolong (85–95°C, 30s–2 Min), Schwarztee (95–100°C, 3–5 Min) oder weißen Tee (75–80°C, 3–5 Min). Ilex paraguariensis: Mate-Tee wird traditionell in einem Kürbisbecher (Güiro) mit heißem (nicht kochendem) Wasser von 70–80°C zubereitet, durch einen Metallfilterstrohhalm (Bombilla) getrunken und mehrfach nachgefüllt. Aspalathus linearis (Rooibos): Mit 95–100°C Wasser übergossen, 5–7 Minuten gezogen. Koffein- und calcienbindend-neutral – ideal für alle.

Warum diese drei Pflanzen die Welt prägen

Camellia sinensis ist das meistkonsumierte Getränk der Welt nach Wasser – kein anderes Getränk hat so viele Menschen über so viele Kulturen hinweg über so lange Zeit begleitet. Der Grund: Einzigartiges Profil aus Koffein, L-Theanin, Catechinen und komplexen Aromastoffen, das keiner anderen Pflanze so nahekommt. Ilex paraguariensis hat einen ähnlichen stimulierenden Komplex (Koffein/Theobromin/Theophyllin) plus Chlorogensäure und ist in Südamerika soziokulturell so verankert wie Tee in Asien. Aspalathus linearis (Rooibos) ist einzigartig koffeinfrei, reich an Aspalathin (ein seltenes Dihydrochalkon-Antioxidans) und hat ein extrem mildes Säureprofil – ideal für Menschen, die Tee oder Kaffee nicht vertragen. Gemeinsam decken diese drei Pflanzen nahezu alle Geschmacks- und Bedürfnispräferenzen ab.

Geschichte dieser drei Teepflanzen

Camellia sinensis wurde laut Legende 2737 v.Chr. von Kaiser Shennong entdeckt – 5.000 Jahre Kulturgeschichte. Ilex paraguariensis wurde von den Guaraní in Südamerika seit Jahrtausenden verwendet; die Jesuiten übernahmen und verbreiteten den Mate-Konsum im 17. Jahrhundert, was ihm den Spitznamen „Jesuitentee" einbrachte. Aspalathus linearis wächst ausschließlich im Cederberg-Gebirge Südafrikas und wurde von den Khoikhoi-Urmenschen verwendet; die kommerzielle Kultivierung begann erst im frühen 20. Jahrhundert. Heute produziert Südafrika jährlich über 15.000 Tonnen Rooibos für den globalen Markt – einen explosiven Aufstieg in nur 100 Jahren. Alle drei Pflanzen haben ihren Weg von regionalen Nischenprodukten zu globalen Kulturen gemacht.

FAQ: Die drei wichtigsten Teepflanzen

Welche Pflanze enthält das meiste Koffein? Pro Gramm Trockenmasse hat Ilex paraguariensis (Mate) etwas mehr Koffein als Camellia sinensis. Rooibos ist vollständig koffeinfrei. Im Getränk hängt der Koffeingehalt aber stark von Zubereitungsart und Menge ab.

Ist Rooibos wirklich ein „Tee"? Botanisch gesehen nein – Rooibos ist kein echter Tee (kein Camellia sinensis), sondern ein Kräutergetränk. Aber im allgemeinen Sprachgebrauch und Handel wird er als Tee bezeichnet.

Kann man Mate, Rooibos und Camellia sinensis mischen? Ja, Mischungen gibt es im Handel. Rooibos-Mate ist eine populäre Kombination. Geschmacklich sehr unterschiedlich – probieren lohnt sich.

Welche der drei Pflanzen ist am gesündesten? Alle haben einzigartige Gesundheitsvorteile. Camellia sinensis für Herz, Gehirn, Krebsprävention; Mate für Energie und Verdauung; Rooibos für Antioxidantien ohne Koffein. Die „gesündeste" hängt von individuellen Bedürfnissen ab.

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