Sommer-Tees sind Früchtetees, die speziell zum Aufgießen mit kaltem Wasser entwickelt wurden: Teebeutel ins kalte Wasser, wenige Minuten warten, fertig ist das Erfrischungsgetränk. Möglich macht das ein Keimreduzierungsverfahren bei der Herstellung, denn herkömmliche Tees sollten nicht ausschließlich kalt aufgegossen werden. Hier erfahren Sie, wie die Produkte funktionieren, was die Hersteller dazu sagen und wie Sie kalte Tees sicher selbst zubereiten.

Was die neuen Sommer-Tees auszeichnet

Das Besondere an den Sommer-Tees ist nicht die Mischung — es handelt sich durchweg um Früchtetees —, sondern die Zubereitung: Sie werden mit kaltem Wasser aufgegossen und sind laut Hersteller bereits nach etwa fünf Minuten trinkfertig. Der übliche Umweg, kochend aufzubrühen und stundenlang abkühlen zu lassen, entfällt komplett.

Als die ersten dieser Produkte auf den Markt kamen, galten sie als Neuheit; inzwischen stehen sie jeden Sommer im Regal der großen Teemarken. Die Idee dahinter ist naheliegend: An heißen Tagen mag kaum jemand dampfenden Tee, und die Hersteller fangen mit den Kaltvarianten den traditionellen Umsatzrückgang der Sommermonate ab. Wie sich die Kaltaufguss-Produkte von gekauftem Eistee unterscheiden, zeigt der Beitrag Eistee ist noch lange nicht immer Eistee.

Die Antwort der Hersteller: ein Keimreduzierungsverfahren

Auf die Verbraucherfrage, was diese Tees von normalem Früchtetee unterscheidet, antworten die Hersteller recht einheitlich: Es handelt sich um eigens kreierte Sorten, die im Herstellungsprozess einem speziellen Keimreduzierungsverfahren unterzogen werden. Getrocknete Früchte und Kräuter sind nie steril; erst kochendes Wasser tötet die anhaftenden Keime zuverlässig ab.

Aus demselben Grund raten die Produzenten davon ab, gewöhnliche Tees ausschließlich kalt aufzugießen — ohne Hitzebehandlung könnte der Keimgehalt im Glas zu hoch ausfallen. Ganz uneigennützig ist diese Auskunft natürlich nicht, denn jeder Verbraucherservice vermarktet die eigenen Produkte. Wer eine unabhängige Einschätzung sucht, fragt am besten beim Teefachhändler nach, der nicht an einen Großproduzenten gebunden ist.

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Berechtigte Zweifel: Innovation oder Werbeversprechen?

Ganz widerspruchsfrei ist die Argumentation allerdings nicht. Bei einigen Heilkräutern wie Eibischwurzel wird traditionell sogar ausdrücklich ein Kaltauszug empfohlen, weil die Schleimstoffe Hitze schlecht vertragen. Und ob fünf Minuten Ziehzeit in kaltem Wasser die Keimfrage wirklich entscheidend verändern, lässt sich von außen kaum beurteilen.

Festhalten lässt sich: Die keimreduzierten Sommer-Tees sind die abgesicherte Variante des Kaltaufgusses, bequem und schnell. Wer dagegen normalen Tee kalt genießen will, sollte ihn entweder kurz heiß anbrühen und dann kühlen oder den Kaltauszug im Kühlschrank ziehen lassen und zügig trinken. Welche Methoden sich bewährt haben, fasst unser Artikel Tee kalt aufgießen? zusammen.

Cold Brew selbst machen: so funktioniert es

Der klassische Weg zum kalten Tee führt über den Kühlschrank: 8 bis 12 Gramm losen Tee auf einen Liter kaltes Wasser geben und zugedeckt 6 bis 10 Stunden kalt ziehen lassen, am einfachsten über Nacht. Anschließend abseihen und innerhalb eines Tages trinken. Die niedrige Temperatur löst weniger Gerbstoffe, der Aufguss schmeckt deshalb milder und süßer als heiß gebrühter Tee.

Die schnellere Variante: Tee mit der doppelten Blattmenge heiß aufbrühen, fünf Minuten ziehen lassen und direkt auf Eiswürfel gießen. So sind die Keime abgetötet, und das Eis gleicht die Konzentration aus. Ein Rezept mit Mengenangaben finden Sie im Beitrag Eistee — ganz einfach selbst gemacht und kalorienarm.

Welche Sorten sich im Sommer bewähren

Früchtetees sind die unkomplizierteste Basis: Sie enthalten kein Koffein, werden nicht bitter und schmecken durch Hibiskus und Hagebutte angenehm säuerlich-frisch. Grüntee und weißer Tee ergeben im Kaltauszug feine, grasig-süße Aufgüsse; kräftiger Schwarztee sollte kalt nur kurz ziehen, sonst dominieren die Gerbstoffe.

Eine koffeinfreie Alternative aus Südafrika ist Rotbusch, der von Natur aus leicht süßlich schmeckt und auch nach Stunden im Wasser nicht herb wird — als Rooibos-Sommertee ist er sogar als eigene Sommermischung erhältlich. In unserer Verkostung haben sich außerdem Minze und ein paar Zitronenscheiben als einfachste Aufwertung jedes kalten Tees bewährt.

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Preis und Geschmack entscheiden

Ob sich die fertigen Sommer-Tees lohnen, ist am Ende eine einfache Rechnung. Die Kaltaufguss-Beutel kosten meist spürbar mehr als gewöhnlicher Früchtetee derselben Marke — bei vergleichbarem Inhalt. Dafür liefern sie Sicherheit und Geschwindigkeit: kaltes Wasser, fünf Minuten, fertig, ohne Wasserkocher und ohne Wartezeit.

Wer Zeit hat und gern selbst mischt, fährt mit heiß angebrühtem und gekühltem Tee oder einem Kaltauszug aus dem Kühlschrank günstiger und kann Süße und Geschmack selbst steuern. Überzeugen muss am Ende beides: der Preis und der Geschmack. Fällt nur eines von beiden durch, bleibt der innovativste Tee im Regal stehen.

Häufige Fragen

Was sind Sommer-Tees zum Kaltaufgießen?
Speziell entwickelte Früchtetees, die bei der Herstellung keimreduziert werden und deshalb direkt mit kaltem Wasser aufgegossen werden können. Nach etwa fünf Minuten Ziehzeit sind sie trinkfertig.

Kann man jeden Tee kalt aufgießen?
Hersteller raten davon ab, weil getrocknete Früchte und Kräuter nicht steril sind und erst kochendes Wasser Keime zuverlässig abtötet. Sicherer ist es, normalen Tee heiß anzubrühen und dann zu kühlen oder den Kaltauszug rasch zu trinken.

Wie lange muss Cold Brew Tee ziehen?
Im Kühlschrank rechnet man mit 6 bis 10 Stunden bei 8 bis 12 Gramm Tee pro Liter. Am bequemsten setzt man ihn abends an und seiht ihn am Morgen ab.

Warum schmeckt kalt aufgegossener Tee milder?
Kaltes Wasser löst deutlich weniger Gerb- und Bitterstoffe aus den Blättern als kochendes. Übrig bleiben vor allem die süßlichen und fruchtigen Aromen, der Aufguss wirkt dadurch weicher.

Sind die fertigen Sommer-Tees ihren Preis wert?
Sie kosten mehr als normaler Früchtetee, bieten dafür aber Keimsicherheit und eine Zubereitung in wenigen Minuten. Wer Zeit hat, erreicht mit selbst gekühltem Tee dasselbe Ergebnis günstiger.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.