Mate-Tee, in Südamerika als Yerba Mate Nationalgetränk von Argentinien, Paraguay und Uruguay, wird aus den Blättern des Mate-Strauchs (Ilex paraguariensis) gewonnen. Mit 35 bis 80 mg Koffein pro Tasse ersetzt er vielen Menschen den Kaffee, schmeckt rauchig-herb und wird traditionell aus der Kalebasse mit der Bombilla getrunken. Hier erfahren Sie, wie Anbau, Röstung und Aufguss funktionieren.
| Pflanze/Basis | Mate-Strauch (Ilex paraguariensis), Stechpalmengewächs |
|---|---|
| Koffeingehalt | ca. 35-80 mg pro Tasse (250 ml), je nach Dosierung |
| Geschmacksprofil | herb, erdig, rauchig (geröstet) bis grasig-frisch (grün) |
| Wassertemperatur | 70-80 °C, nicht kochend |
| Ziehzeit | 3-5 Minuten (Teebeutel/Sieb); Kalebasse: mehrfach aufgießen |
| Dosierung | 1 gehäufter TL (ca. 2 g) pro Tasse; Kalebasse: zu 1/3 bis 1/2 füllen |
| Aufgüsse | in der Kalebasse 6-10 Aufgüsse üblich |
| Preisspanne | ca. 1,50-4 € pro 100 g, Bio-Qualität ab ca. 2,50 € |
Herkunft und Herstellung: vom Paraná-Becken in die Tasse
Der Mate-Strauch stammt aus den subtropischen Wäldern des Paraná-Beckens und wächst dort bis heute wild. Angebaut wird er vor allem in Argentinien, Süd-Brasilien und Paraguay; Argentinien ist mit Abstand größter Produzent, und noch immer stammt rund die Hälfte der Welternte aus Wildsammlung. Kultiviert wird der Strauch erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Geerntet wird zwischen Mai und September. Verarbeitet werden junge Triebspitzen, Blätter und Blattstiele. Für gerösteten Mate (Mate real) wandern sie in eine rotierende Drahttrommel über offenem Feuer: Die kurze, starke Hitze deaktiviert die Enzyme und stoppt die Fermentation — das erzeugt die typische Rauchnote. Grüner Mate (Taragin) wird stattdessen zerkleinert und etwa einen Monat bei 50 bis 60 °C fermentiert. Beide Varianten werden anschliessend getrocknet und gemahlen. Wie tief das Getränk in der Kultur der Region verwurzelt ist, erzählt die Legende vom Stamm der Guaraní, dem Mate-Tee und den Göttern.
Geschmack: rauchig, erdig, mit feiner Bitternote
Gerösteter Mate schmeckt erdig und rauchig mit deutlicher, aber nicht unangenehmer Bitterkeit und einem leicht süßlichen Abgang. Grüner Mate ist grasiger und frischer, vergleichbar mit einem kräftigen Grüntee, jedoch herber. Die Bitterstoffe stammen vor allem aus den Gerbstoffen, die sich bei zu heißem Wasser oder zu langer Ziehzeit verstärkt lösen.
Wer den Geschmack zum ersten Mal probiert, beginnt am besten mit gerösteter Ware und kurzer Ziehzeit von drei Minuten. Eine Scheibe Zitrone oder etwas Honig mildern die Herbe; in Paraguay wird Mate im Sommer als Tereré sogar kalt mit Zitrusssaft aufgegossen. Geschmacklich liegt er damit näher am Rauchtee als an klassischem Darjeeling-Grüntee.
Zubereitung Schritt für Schritt
Traditionell wird Mate in der Kalebasse zubereitet, einem ausgehöhlten Flaschenkürbis, und durch die Bombilla getrunken, ein Metallröhrchen mit Siebende. So gehen Sie vor:
1. Kalebasse zu einem Drittel bis zur Hälfte mit Mate füllen. 2. Gefäß schräg halten und schütteln, damit sich feines Pulver oben absetzt. 3. Die Blätter mit etwas kaltem Wasser anfeuchten — das schützt Aroma und Vitamine vor dem Hitzeschock. 4. Bombilla in die feuchte Masse stecken. 5. Mit 70 bis 80 °C heißem Wasser auffüllen, nie mit kochendem: Über 80 °C wird der Aufguss kratzig-bitter. 6. Ohne Umrühren trinken und bis zu zehnmal nachgießen — der zweite und dritte Aufguss gelten als die besten.
Ohne Kalebasse funktioniert es genauso im Teesieb: ein gehäufter Teelöffel (rund 2 g) auf 250 ml Wasser, drei bis fünf Minuten ziehen lassen. Für kalten Tereré gießen Sie die doppelte Menge Mate mit Eiswasser auf — eine Alternative zu klassischem selbst gemachtem Eistee.
Inhaltsstoffe und Studienlage
Mate enthält je nach Dosierung 35 bis 80 mg Koffein pro Tasse — weniger als Filterkaffee (80-120 mg), aber mehr als grüner Tee (20-40 mg). Dazu kommen Theobromin, Chlorogensäuren, Saponine, die Vitamine A, B1, B2 und C sowie reichlich Gerbstoffe. Das Koffein ist teilweise an Polyphenole gebunden und wird dadurch langsamer freigesetzt als beim Kaffee; viele empfinden die Wirkung deshalb als gleichmäßiger. Einen nüchternen Vergleich der Wachmacher zieht unser Beitrag Kaffee wirkt viel stärker als Tee.
Die Blätter sind im Europäischen Arzneibuch als Mate folium monographiert; traditionell wird der Aufguss bei Müdigkeit verwendet. Zur Vorsicht mahnt die Krebsforschungsagentur IARC: Sie stuft nicht Mate selbst, aber sehr heiß getrunkene Getränke über 65 °C als wahrscheinlich krebserregend ein (Kategorie 2A, 2016). Wer Mate wie in Südamerika üblich sehr heiß und in großen Mengen trinkt, erhöht damit statistisch das Risiko für Speiseröhrenveränderungen. Bei moderatem Konsum mit 70-80 °C heißem Wasser sehen Fachgesellschaften kein besonderes Risiko; in der Schwangerschaft und bei Koffeinempfindlichkeit gilt Zurückhaltung.
Kauf und Qualitätsmerkmale
Im Handel finden Sie Mate als losen Schnitt (con palo: mit Stängeln, milder; sin palo: nur Blatt, kräftiger), als Teebeutel und als Limonade. Gute lose Ware erkennen Sie an gleichmäßig grünem bis olivfarbenem Schnitt, frischem, heuartigem Duft und wenig Staubanteil. Übliche Preise liegen zwischen 1,50 und 4 Euro pro 100 g; argentinische Traditionsmarken und Bio-Qualität beginnen bei etwa 2,50 Euro.
Ein Blick aufs Etikett lohnt sich doppelt: Mate stand wegen Anthrachinon- und PAK-Rückständen aus der Räucherung wiederholt in der Kritik, unter anderem bei Untersuchungen von Ökotest. Ungeräucherter (luftgetrockneter) oder zertifizierter Bio-Mate ist hier die sicherere Wahl. Wer es koffeinarm mag, greift zu Mischungen mit Kräutern oder probiert entkoffeinierte Alternativen — wie es bei Grüntee funktioniert, zeigt der Artikel über Grüntee ohne Koffein.
Lagerung
Mate hält sich in einer luftdichten, lichtundurchlässigen Dose aus Zinn, Keramik oder dunklem Glas 12 bis 24 Monate. Wichtig sind ein kühler, trockener Standort abseits von Herd und Spüle sowie Abstand zu stark riechenden Lebensmitteln — die trockenen Blätter nehmen Fremdgerüche schnell an. Angebrochene Packungen am besten innerhalb von sechs Monaten aufbrauchen, da die Rauch- und Röstaromen mit der Zeit verfliegen.
Varianten und Alternativen
Neben geröstetem und grünem Mate gibt es aromatisierte Mischungen mit Minze, Zitrus oder Lapacho sowie Mate cocido, portionierten Beutel-Mate für die schnelle Tasse. Wer die belebende Wirkung ohne den rauchigen Charakter sucht, findet in Guayusa und Grüntee die nächsten Verwandten. Einen Überblick über die Trinkkultur des Kontinents — vom argentinischen Mate-Ritual bis zum brasilianischen Cha mate — gibt unser Beitrag zur südamerikanischen Teekultur.
Häufige Fragen
Wie viel Koffein hat Mate-Tee?
Eine Tasse (250 ml) enthält je nach Dosierung etwa 35 bis 80 mg Koffein — weniger als Filterkaffee, aber deutlich mehr als die meisten Grüntees. Durch die Bindung an Polyphenole setzt die Wirkung langsamer ein.
Wie heiß darf das Wasser für Mate sein?
70 bis 80 °C sind ideal. Kochendes Wasser löst zu viele Bitterstoffe, und Getränke über 65 °C Trinktemperatur gelten laut IARC als wahrscheinlich krebserregend für die Speiseröhre.
Was bedeuten Kalebasse und Bombilla?
Die Kalebasse ist das traditionelle Trinkgefäß aus einem ausgehöhlten Flaschenkürbis, die Bombilla ein Metallröhrchen mit Sieb am unteren Ende, durch das der Aufguss getrunken wird.
Wie oft kann man Mate aufgießen?
In der Kalebasse sind sechs bis zehn Aufgüsse üblich. Der erste Aufguss ist der bitterste; als geschmacklich beste gelten der zweite und dritte.
Ist Mate-Tee gesund?
Mate liefert Koffein, Theobromin und Polyphenole und wird traditionell bei Müdigkeit verwendet. Ein Heilmittel ist er nicht; bei sehr heißem, reichlichem Konsum rät die IARC zur Vorsicht.
Quellen
- IARC Monographs Vol. 116: Drinking coffee, mate, and very hot beverages (2016)
- Europäisches Arzneibuch: Monographie Mate folium (Matis folium)
- Heck, C. I. & de Mejia, E. G.: Yerba Mate Tea (Ilex paraguariensis), Journal of Food Science 72 (2007)
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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