Zu Sushi gehört in Japan grüner Tee — und das aus gutem Grund. Er reinigt den Gaumen zwischen den Stücken, gleicht fetten Fisch aus und harmoniert mit den dezenten Aromen von Reis und Fisch. Doch die Kombination hat noch eine zweite Ebene: Polyphenole aus dem Tee können die Aufnahme von Quecksilber aus dem Fisch verringern. Hier erfahren Sie, welche Sorten passen und wie Sie sie servieren.
Warum Tee den Gaumen für Sushi vorbereitet
Sushi lebt von feinen Nuancen: der leichten Säure des mit Reisessig gewürzten Shari, der zarten Süße des Fisches, der Schärfe von Wasabi. Ein kräftiges Getränk würde diese Aromen überdecken. Grüner Tee dagegen wirkt mit seiner leicht herben, grasigen Note wie ein neutraler Gegenpol und spült den Gaumen frei.
So nimmt man die Unterschiede zwischen Lachs, Thunfisch und Makrele deutlicher wahr. Der warme Aufguss löst außerdem das Fett fetterer Fischsorten am Gaumen und sorgt für ein angenehm sauberes Mundgefühl zwischen den Bissen. Deshalb gehört Tee in Japan fest zur Mahlzeit, ähnlich wie es unser Beitrag zur japanischen Teekultur beschreibt.
Welche grünen Tees zu Sushi passen
Im Sushi-Restaurant wird meist Agari gereicht — ein einfacher, kräftiger Grüntee, oft auf Basis von Bancha. Beliebt sind robuste, milde Sorten, die sich nicht in den Vordergrund drängen. Genmaicha, der Grüntee mit geröstetem Reis, passt mit seiner warmen, nussigen Note besonders gut zum Reis des Sushi.
Wer es feiner mag, greift zu einem Sencha mit seiner frischen Umami-Note. Auch ein gerösteter, damit fast koffeinfreier Hōjicha ist ein angenehmer Begleiter für den Abend. Hochwertige, beschattete Sorten wie Gyokuro sind dagegen fast zu intensiv und stehlen dem Fisch die Schau.
Polyphenole, Quecksilber und der gute Instinkt der Japaner
Große Raubfische wie Thunfisch und Lachs stehen weit oben in der Nahrungskette und reichern dadurch Schadstoffe an, allen voran Quecksilber. Dieses Schwermetall wirkt bereits in kleinen Mengen schädlich, und ob der Fisch roh oder gegart verzehrt wird, spielt dabei keine Rolle.
Forscher der Purdue University in West Lafayette wiesen nach, dass polyphenolreiche Lebensmittel und Ballaststoffe die im Darm aufnehmbare Quecksilbermenge aus Fisch verringern können. Grüner Tee gehört zu den polyphenolreichsten Getränken überhaupt. Dass die japanische Gewohnheit, Sushi mit grünem Tee zu trinken, also auch einen praktischen Nutzen hat, ist ein schöner Nebeneffekt einer alten Tradition — kein Grund zur Panik, aber ein Argument mehr für die Tasse Tee zum Fisch.
Die richtige Zubereitung zum Essen
Damit der Tee mild bleibt und nicht bitter wird, gießen Sie ihn mit 70 bis 80 °C heißem Wasser auf. Für Genmaicha oder Bancha genügen rund 1,5 bis 2 Minuten Ziehzeit, für feinen Sencha eher 1 bis 2 Minuten. Pro Tasse rechnen Sie etwa einen gehäuften Teelöffel Blätter.
Servieren Sie den Tee in kleinen henkellosen Bechern (Yunomi) und gießen Sie während des Essens immer wieder frisch auf — Sushi und Tee werden im Wechsel genossen. Zu Hause lässt sich die Kombination leicht nachstellen: ein einfacher Grüntee zum selbst gerollten Maki bringt ein Stück japanische Esskultur an den Tisch, wie sie auch unser Beitrag Das gewisse Etwas in der Küche beschreibt.
Tee statt Wein: die Logik der japanischen Küche
Während in der westlichen Küche oft Wein zum Essen gereicht wird, ist es in Japan der Tee. Das hat einen sachlichen Grund: Die Säure und der Alkohol vieler Weine konkurrieren mit dem Reisessig und dem zarten Fisch, während der niedrige Säuregehalt und die feine Bitterkeit des Grüntees die Speisen begleiten, ohne sie zu überlagern.
Hinzu kommt die Temperatur — heißer Tee zu rohem, kühlem Fisch schafft einen angenehmen Kontrast, den ein kaltes Getränk nicht bietet. Wer auf Qualität beim Tee achtet, rundet das Erlebnis ab; worauf es dabei ankommt, erklärt unser Ratgeber Was ist dran am Bio-Tee?
Häufige Fragen
Warum trinkt man grünen Tee zu Sushi?
Er reinigt den Gaumen zwischen den Bissen, gleicht das Fett fetterer Fische aus und harmoniert mit Reis und Fisch. Zusätzlich können seine Polyphenole die Quecksilberaufnahme aus dem Fisch verringern.
Welcher grüne Tee passt am besten zu Sushi?
Milde, kräftige Sorten wie Bancha, Genmaicha oder ein leichter Sencha. Sie begleiten das Essen dezent, ohne die feinen Aromen zu überdecken. Intensive Sorten wie Gyokuro sind eher zu dominant.
Wie heiß sollte der Tee zum Sushi sein?
Nicht zu heiß: Wasser um 70 bis 80 °C bewahrt das milde Aroma und vermeidet Bitterkeit. Genmaicha und Bancha ziehen etwa 1,5 bis 2 Minuten, feiner Sencha nur 1 bis 2 Minuten.
Was ist Genmaicha?
Ein japanischer Grüntee, der mit geröstetem Reis gemischt wird. Seine warme, nussige Note passt hervorragend zum Reis des Sushi und macht ihn zu einem milden, alltagstauglichen Begleiter.
Warum trinkt man Tee statt Wein zum Sushi?
Wein konkurriert mit dem Reisessig und dem zarten Fisch. Der säurearme, leicht herbe Grüntee begleitet die Speisen dezenter, und der warme Tee bildet einen angenehmen Kontrast zum kühlen, rohen Fisch.
Quellen
- BfR: Quecksilber in Fisch — Verzehrempfehlungen, Bundesinstitut für Risikobewertung
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
Verwandte Artikel
Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:
- Wo und wie hebe ich meine Tee am besten auf? (Wissenswertes)
- Tee in Zahlen (Wissenswertes)
- Ohne sie, kein Genuss - die 3 wichtigesten Teepflanzen (Wissenswertes)
- Detoxing wie die Stars – Die Do´s und Don´ts für richtiges Detoxen (Wissenswertes)
- Tee schmeckt lecker - kann aber noch vielmehr! (Wissenswertes)
- Und jedes Jahr etwas Meer (Teesorten)
- Tencha (Grüner Tee)
- Hopfen Tee (Kräutertee)
