Um den Mao Feng und das Quellwasser des Huangshan-Berges ranken sich gleich mehrere Sagen und Legenden. Alle sollen belegen, wie besonders der Mao Feng ist, welche Kraft, ja auch Macht er besitzt, ganz besonders, wenn er mit Quellwasser vom Huangshan zubereitet wird. Einer der Mythen, die auch heute noch in dieser Region über den im wahrsten Sinne des Wortes legendären Tee erzählt werden. handelt von einem weisen Beamten namens Xiong Kaiyuan und einer weißen Lotusblüte. Xiong Kaiyuan lebte zur Zeit der Ming-Dynastie, also irgendwann zwischen 1368 und 1644. Er war ein sehr kluger Mann und im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen waren ihm Bestechung und Machtmissbrauch zuwider. Zudem galt er als frommer Mann, der die Götter ehrte.Eines Tages pilgerte Xiong Kaiyuan gemeinsam mit seinem Diener zum Yungu-Tempel, der am Fuße des Huangshan-Berges steht. Dort bekamen beide von einem Mönch Mao Feng gereicht. der grüne Tee war selbstverständlich mit Quellwasser des Berges zubereitet worden und war von höchster Qualität. Seine Farbe, sein Duft und auch sein Geschmack ließen keinen Zweifel daran. Doch plötzlich formte sich aus dem Rauch, der von Xiong Kaiyuans Tasse aufstieg ganz eindeutig eine weiße Lotusblüte. Der Beamte konnte sich das nicht erklären, doch der Mönch verriet ihm, was es damit auf sich hatte. Der Entdecker des Tees, der Kaiser Shen Nung war vor langer Zeit bei einer Kräuterprobe vergiftet worden und droht zu sterben. Doch die Teefee und der Berggott retteten ihm mit Mao Feng aus Huangshan-Quellwasser das Leben. Als Dank schenkte Shen Nung den beiden eine Lotusgottheit, die sich seitdem über den Tassen der Teetrinkenden Pilger zeigte. Irgendwann sah auch ein besonders strebsamer Kreisvorsteher dieses Wunder, jedoch ohne zu wissen, dass dazu nicht nur der Mao Feng, sondern auch das Quellwasser des Huangshan notwendig ist. Er schickte eine Probe des Tees an den Hof des Kaisers und spekulierte auf eine Beförderung. Da die versprochene Lotusblüte jedoch ausblieb wurde er stattdessen sehr hart bestraft. Xiong Kaiyuan war entsetzt und enttäuscht zu gleich, diese Geschichte zu hören. Er gab daraufhin seinen Beamtenstatus zurück und lebte fortan als Mönch im Yungu-Tempel um den Göttern und dem heiligen Tee zu dienen. Er wurde sehr glücklich mit seinem neuen Leben und bereute seine Entscheidung niemals.

Legende oder Wahrheit?

Das man im Gras liegt und in den vorüberziehenden Wolken einige Dinge erkennt, das ist sicher vielen schon einmal passiert. Aber dass sich der Teedampf in etwas zu verwandeln scheint? Eher ungewöhnlich, oder? Oder ist das vielleicht mit tiefer Meditation zu erklären? Auffallend ist, dass es bei allen Mythen, die sich um den Mao Feng drehen, immer irgendwie um Wiederbelebung geht, diesmal sogar die von Shen Nung, der den Tee überhaupt erst entdeckt haben soll. Außerdem wird auch einheitlich berichtet, dass sich die vollständige Wirkung dieses wunderbaren Tees nur in Kombination mit dem Huangshan-Quellwasser entfaltet. Auch wird in mehreren Geschichten erwähnt, dass jemand entweder im Dampf oder gar im Tee selbst Gestalten oder Gegenstände erkannt hat. Ist die Tatsache, dass sich diese vielen verschiedenen Mythen in so bedeutenden Punkten so sehr ähnlich sind, teilweise sogar übereinstimmen, ein Indiz dafür, dass es einen wahren Kern gibt? Oder ist es doch eher als Beweis zu sehen, dass alles frei erfunden ist? Fakt ist, dass der Tee von jeher eine sehr bedeutende Stellung hatte und häufig auch während Meditationen getrunken wurde und bis heute wird. Dabei ist es durchaus denkbar, dass man manches anders wahrnimmt, als man dies normaler Weise tun würde. Außerdem verstärkt die Tatsache, das konkrete Personen-, Orts- und Zeitangaben gemacht werden die These, dass es sich bei diesem Mythos zumindest in den Grundzügen um eine wahre Geschichte handeln könnte.

Fazit

Der weiße Lotus ist nicht einfach nur eine Blüte, er ist gleichzeitig Symbol für den Buddhismus. Diese Legende macht die enge Verbindung zwischen dieser Religion und dem Tee deutlich. Zudem ist die Lehre, die man wohl aus dieser Geschichte ziehen kann, dass man nur zum Ziel kommt, wenn man die Zusammenhänge (er)kennt. Wohl schon immer gab es Menschen, die versucht haben mit "einschleimen" ihre Position zu verbessern. Und nicht wenige freut es, wenn sie mit dieser Methode scheitern. Davon abgesehen kann man sich gut vorstellen, dass es einen Beamten gibt, dem die Querelen und Machtkämpfe zu viel werden und sich stattdessen dem Leben als Mönch widmet.  Bildnachweis: Das Wunder der weißen Lotusblüte © Charlie Stein - Fotolia.com

Lotus und Tee: Eine symbolische Verbindung

Der Lotus (Nelumbo nucifera) gilt in der asiatischen Symbolik als das reinste aller Blumen – er wächst aus dem Schlamm, bleibt aber makellos weiß. Dieses Bild der Reinheit, die aus dem Unreinen entsteht, ist eines der mächtigsten Symbole des Buddhismus und des Taoismus. Die Verbindung zwischen Lotus und Tee ist tief: In Vietnam wird Lotustee (Trà Sen) hergestellt, indem Teeblätter in frischen Lotusblüten über Nacht gelagert werden – die Blüten nehmen das Tee-Aroma auf und geben ihre subtile Blumigkeit zurück. Das Ergebnis ist einer der seltensten und teuersten Tees der Welt, handgemacht, saisonal begrenzt. In China wird Lotus ebenfalls in der Teebereitung eingesetzt – als Duftzusatz, als Teeschale oder als Symbol-Dekoration in Teehäusern.

Die Legende der weißen Lotusblüte und dem Erleuchteten

Eine alte buddhistische Erzählung berichtet von einem Mönch, der viele Jahre meditierte, ohne Erleuchtung zu erlangen. Erschöpft und entmutigt setzte er sich an einen stillen Teich. Neben ihm trieb eine weiße Lotusblüte. Er betrachtete sie und sah plötzlich das Wunder: Die Blüte war makellos, obwohl ihre Wurzeln im tiefsten Schlamm lagen. Er verstand: Das Leiden des Lebens ist nicht Hindernis, sondern Nährboden für die Reinheit des Geistes. In diesem Moment brachte ihm ein Schüler eine Tasse Tee. Der Mönch trank – und der Tee schmeckte anders als je zuvor: tief, rein, vollständig. Er hatte die Lektion des Lotus gelernt. Diese Geschichte wird in Teekreisen als Metapher für das Meditationspotenzial des Teetrinkens erzählt.

Vietnamesischer Lotustee: Herstellung und Bedeutung

Vietnamesischer Lotustee (Trà Sen) ist eine Kunstform, die Geduld und Präzision erfordert. Die besten Lotustees stammen aus dem Tay Ho-See in Hanoi, wo Lotusblüten eine besondere Intensität und Reinheit des Dufts haben. Die Herstellung ist aufwendig: Teeblätter werden abends in frisch geöffnete Lotusblüten gelegt, die dann über Nacht geschlossen werden und ihr Aroma auf den Tee übertragen. Am Morgen werden die Blätter herausgenommen, getrocknet und der Prozess wird vier- bis fünfmal wiederholt, bis der Tee vollständig mit dem Lotusduft erfüllt ist. Dann wird der Tee final getrocknet und sorgfältig verpackt. Für ein Kilogramm Lotustee werden bis zu 1000 frische Lotusblüten benötigt – jede von Hand vor dem Morgengrauen geerntet. Kein Wunder, dass hochwertiger Lotustee mehrere hundert Euro pro Kilogramm kostet.

Häufig gestellte Fragen zu Lotus und Tee

Was ist Lotustee?
Lotustee ist grüner oder schwarzer Tee, der mit frischen Lotusblüten aromatisiert wurde. Der Prozess überträgt den feinen, floralen Lotusduft auf die Teeblätter.

Wo kann man Lotustee kaufen?
In spezialisierten asiatischen Teehandlungen oder direkt von vietnamesischen Importeuren. Qualitätslotustee ist selten und teuer.

Was bedeutet der Lotus im Buddhismus?
Der Lotus symbolisiert Erleuchtung, Reinheit und die Möglichkeit, aus Leid und Schlamm des gewöhnlichen Lebens zur spirituellen Klarheit aufzusteigen.

Wie bereitet man Lotustee zu?
Wie grünen Tee: 70–80 °C Wasser, 3 Gramm pro 200 ml, 2–3 Minuten ziehen lassen. Das Aroma ist subtil – kein zu heißes Wasser verwenden.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema: