Tee muss nicht heiß sein. Wer die Blätter mit kaltem Wasser übergießt und über Nacht ziehen lässt, erhält einen milden, kaum bitteren Aufguss, der nichts mit bloß abgekühltem Tee zu tun hat. Die Methode stammt aus Japan, wo selbst hochwertige Grüntees kalt genossen werden. Dieser Beitrag zeigt die drei Wege der Kaltzubereitung, passende Sorten und worauf es bei Wasser und Eis ankommt.

Kalt angesetzt ist nicht abgekühlt

Kalt angesetzter Tee unterscheidet sich grundlegend von einem heiß gebrühten Aufguss, den man später abkühlen lässt. Schon der erste Schluck verrät den Unterschied auf der Zunge: Sonst dominierende Aromen treten zurück, andere werden überhaupt erst wahrnehmbar. Verantwortlich ist die Temperatur, denn sie steuert, welche Inhaltsstoffe sich aus dem Blatt lösen und wie schnell.

Anders als viele vermuten, ist die kalte Zubereitung keine westliche Erfindung. In Japan ist es durchaus üblich, einige der hochwertigsten Grünteesorten zumindest hin und wieder kalt zu genießen. Wer schon einen japanischen Grüntee kennt, kann ihn so von einer ganz neuen Seite erleben.

Cold Brew über Nacht im Kühlschrank

Die bekannteste Methode ist der Kaltauszug: Die Teeblätter werden mit kaltem Wasser übergossen und für mehrere Stunden, am besten über Nacht, in den Kühlschrank gestellt. Nach 12 bis 14 Stunden erhält man einen herrlich erfrischenden Tee. Weil kaltes Wasser nur wenige Gerbstoffe löst, bleibt der Aufguss weich und nahezu frei von Bitterkeit.

Genau das macht Cold Brew so zugänglich: Selbst Grüntee, der heiß schnell bitter wird, verliert beim kalten Ansatz seine herbe Note nahezu vollständig. Der Aufwand ist minimal, denn wer am Vorabend ansetzt, hat am nächsten Tag ohne weiteres Zutun ein klares, sanftes Getränk bereitstehen.

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Die Eiswürfel-Methode für die schnelle Tasse

Geht es schneller, gibt man Eiswürfel direkt zu den Teeblättern und genießt die noch sehr kalte Tasse, sobald das Eis geschmolzen ist. Wichtig ist dabei, dass die Eiswürfel aus weichem Wasser hergestellt wurden, also genau dem Wasser, das man auch für die normale Zubereitung verwenden würde. So gelangen keine störenden Mineralien ins Glas.

Wer die Ziehdauer verlängern möchte, stellt das Glas anschließend ebenfalls in den Kühlschrank. Eiswürfel aus bereits zubereitetem Tee sind ein nützlicher Trick gegen das Verwässern: Beim Schmelzen geben sie keinen reinen Wasserfilm, sondern erhalten den vollen Geschmack. Eine weitere Spielart erklärt unser Beitrag zum selbst gemachten Eistee.

Welche Tees sich eignen

Prinzipiell lässt sich jeder Tee kalt ansetzen, mit dem man gern experimentieren möchte. Grüner Tee, Weißtee, Früchte- und Kräutertees ergeben jeweils eigenständige, erfrischende Kaltgetränke; auch kräftiger Schwarztee funktioniert, wenn man die Ziehzeit im Blick behält. Dabei zeigt sich schnell, dass weit mehr als nur die Temperatur den Charakter bestimmt.

Reizvoll ist gerade, einen seit Jahren vertrauten Tee statt einer neuen Sorte einfach anders zuzubereiten. So überrascht ein bekanntes Blatt mit einer völlig anderen Geschmackskomposition. Wer das Zusammenspiel von Aromen ausloten möchte, findet in unseren Geschmacksdreiecken eine anschauliche Orientierung.

Erfrischung ohne Zucker und Zusätze

An heißen Sommertagen um 30 Grad und mehr hat kaum jemand Lust auf Heißgetränke, und kalt angesetzter Tee springt hier ein. Ungesüßt löscht er den Durst, ohne den Körper mit Zucker zu belasten. Wer mag, gibt etwas vom Lieblingsfruchtsaft dazu und hat im Handumdrehen einen fruchtigen Eistee, ganz ohne künstliche Aromen und ohne die Zuckermengen industrieller Fertiggetränke.

Selbst zubereiteter kalter Tee hält sich in einer verschlossenen Karaffe im Kühlschrank ein bis zwei Tage frisch. Länger sollte man ihn nicht lagern, da frisch angesetzt das beste Aroma liefert. Mehr Inspiration für aufgegossene Vielfalt bietet unser Überblick zum Früchtetee.

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Geschmack als Experiment begreifen

Wer sich einmal an den kalten Ansatz wagt, merkt schnell, wie wandelbar Tee ist. In der Geschichte des Tees gibt es genug Beispiele dafür, dass Neugier und Experimentierfreude mit neuen Geschmäckern belohnt werden. Die kalte Zubereitung ist ein einfacher Weg, einen vertrauten Tee neu zu entdecken.

Praktisch heißt das: ruhig denselben beliebten Tee wählen und nur die Zubereitung verändern. Sonst kräftige Noten werden plötzlich zurückhaltend, feine treten erstmals hervor. Einfacher und gesünder lässt sich kaum ein Eistee herstellen, und der nächste heiße Tag kommt bestimmt.

Häufige Fragen

Was ist Cold-Brew-Tee?
Tee, der über mehrere Stunden, idealerweise 12 bis 14, in kaltem Wasser im Kühlschrank zieht. Diese schonende Methode ergibt einen milden, kaum bitteren Aufguss, weil kaltes Wasser wenige Gerbstoffe löst.

Wie bereite ich kalten Tee schnell zu?
Geben Sie Eiswürfel direkt zu den Teeblättern und trinken Sie, sobald das Eis geschmolzen ist. Verwenden Sie Eiswürfel aus weichem Wasser, damit keine störenden Mineralien ins Glas gelangen.

Welche Tees eignen sich für kalten Genuss?
Grüner Tee, Weißtee, Früchte- und Kräutertees sowie kräftiger Schwarztee ergeben jeweils erfrischende Kaltgetränke. Bei Schwarztee sollte man auf eine angemessene Ziehzeit achten.

Warum schmeckt Cold Brew kaum bitter?
Kaltes Wasser löst deutlich weniger Gerbstoffe als heißes. Selbst Grüntee, der heiß schnell bitter wird, verliert beim kalten Ansatz seine herbe Note nahezu vollständig.

Wie verhindere ich, dass kalter Tee verwässert?
Verwenden Sie Eiswürfel aus bereits zubereitetem Tee. So bleibt der volle Geschmack erhalten, auch wenn die Würfel langsam schmelzen.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.