Fazit
Der Gedanke Tee kalt anzusetzen mag auf viele im ersten Moment doch recht irritierend wirken. Schließlich ist die Tasse Tee bei uns fast schon automatisch mit Bildern verknüpft, bei denen man sich beispielsweise gemütlich auf das Sofa kuschelt, ein schönes Buch liest und sich, vielleicht sogar noch bei schlechtem Wetter draußen, von einem herrlichen Tee Wärme und Geborgenheit schenken lässt. Und nun soll man sich seinen Tee aus dem Kühlschrank holen oder gar mit Eiswürfeln zubereiten? Doch der wahre Teeliebhaber wird sein Lieblingsgetränk selbstverständlich das ganze Jahr über trinken wollen. Und wer hat bei sommerlichen Temperaturen um die 30° und wärmer schon große Lust auf Heißgetränke? Davon abgesehen gibt es in der Geschichte des Tees mehr als genügend Beispiele dafür, dass man für Experimentierfreudigkeit und Neugierde auf Neues meist mit herrlichen neuen Geschmäckern und faszinierenden neuen Sorten belohnt wird. Warum also nicht einmal statt einer anderen Sorte zu probieren, einfach einen bekannten und beliebten Tee wählen und dessen Zubereitung verändern. So schafft es selbst ein Tee, den man bereits seit Jahren bestens zu kennen glaubt, einen mit einer völlig andersartigen Geschmackskomposition zu überraschen. Sonst dominierende Aromen sind plötzlich ganz zurückhaltend, andere werden überhaupt erst wahrgenommen. Sobald man sich an solch ein Experiment gewagt hat, merkt man schnell, dass kalt angesetzter Tee nichts mit "kaltem Tee", also mit stark abgekühltem Tee zu tun hat. Der Unterschied auf der Zunge beweist dies bereits beim ersten Schluck und einfacher und gesünder kann man sich keinen Eistee zubereiten. Der nächste heiße Sommertag kommt bestimmt.Bildnachweis: Eistee © B. Wylezich - Fotolia.comEistee selbst machen – Zubereitung von kaltem Tee
Kalter Tee, auch als Cold-Brew-Tee oder Eistee bezeichnet, lässt sich auf verschiedene Arten zubereiten, die jeweils unterschiedliche Geschmacksergebnisse liefern. Die klassische Methode ist die Heißzubereitung mit anschließendem Abkühlen: Tee doppelt so stark aufbrühen wie gewohnt, auf Raumtemperatur abkühlen lassen, über Eiswürfeln servieren. Die zweite, immer beliebtere Methode ist das Cold Brewing: Teeblätter oder Kräuter direkt in kaltes Wasser geben und für 6 bis 12 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Diese Methode extrahiert weniger Bitterstoffe und Koffein, erzeugt aber ein sanfteres, süßlicheres Aroma. Für Cold-Brew-Tee eignen sich besonders Grüntee (Sencha, Gyokuru), Weißtee, fruchtiger Kräutertee und Hibiskus. Als Richtwert: 10 g Tee auf 1 Liter kaltes Wasser für 8 Stunden. Mit frischen Früchten (Zitronen, Beeren, Pfirsich), Kräutern (Minze, Rosmarin) und etwas Honig wird kalter Tee zu einem erfrischenden Genussgetränk. Im Sommer kann selbst gemachter Eistee zuckerarme Softdrinks hervorragend ersetzen.
Vorteile und Gesundheitliche Aspekte von kaltem Tee
Kalter Tee bietet neben der Erfrischung auch ernährungsphysiologische Vorteile. Im Vergleich zu kommerziellen Eistees aus dem Supermarkt enthält selbst gemachter kalter Tee deutlich weniger Zucker und keine künstlichen Aromen oder Konservierungsstoffe. Cold-Brew-Grüntee behält viele der wertvollen Antioxidantien wie Catechine und EGCG bei, enthält aber weniger Koffein und weniger Bittersubstanzen als heiß zubereiteter Tee – ideal für Menschen, die empfindlich auf Koffein reagieren. Fruchtiger kalter Tee aus Hibiskus oder Hagebutte liefert natürliches Vitamin C und Anthocyane, ohne die negativen Auswirkungen von zuckerhaltigen Softdrinks. Kräuter-Eistee aus Pfefferminze oder Kamille hat abkühlende und beruhigende Eigenschaften. Die ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die durch das angenehme Trinken von kaltem Tee gefördert wird, ist grundsätzlich wichtig für Kreislauf, Konzentration und Nierenfunktion. Besonders im Sommer, wenn viel Flüssigkeit durch Schwitzen verloren geht, ist schmackhafter Eistee ein hervorragender Weg, ausreichend zu trinken.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Fruchtetee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu mittelamerikanische Teekultur.
Geschichte und Kulturgeschichte des Eistees
Eistee hat eine interessante Geschichte, die stark mit der amerikanischen Kultur verbunden ist. Die erste bekannte Erwähnung von Cold Punch oder gekühltem Tee in den USA stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, als Eis durch moderne Kühltechnik auch im Sommer verfügbar wurde. Die Legende besagt, dass Eistee auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis populär wurde, als der Teestand von Richard Blechynden wegen der sommerlichen Hitze kaum Kundschaft hatte und er kurzerhand Eis in den Tee gab – mit durchschlagendem Erfolg. In Deutschland wurde Eistee erst in den 1970er und 80er Jahren durch amerikanische Kultureinflüsse und kommerzielle Produkte wie Nestea und Lipton Ice Tea populär. Diese süßen Fertiggetränke prägten lange das Bild des Eistees, bis in den letzten Jahren der Trend zu handgemachtem, qualitativ hochwertigem kaltem Tee ohne Zuckerzusatz wuchs. Cold Brew Tea aus japanischen Teehäusern inspirierte schließlich die moderne Eistee-Kultur in Deutschland.
Häufige Fragen zu kaltem Tee
Wie lange ist selbst gemachter Eistee haltbar?
Im Kühlschrank hält selbst gemachter Eistee ohne Früchte zwei bis drei Tage. Mit frischen Früchten sollte er innerhalb von 24 Stunden getrunken werden, da die Früchte schnell fermentieren.
Welcher Tee eignet sich am besten für Cold Brew?
Grüner Tee (besonders Gyokuro und Sencha), Weißtee und fruchtiger Kräutertee eignen sich hervorragend für Cold Brew. Schwarzer Tee kann ebenfalls Cold-Brew zubereitet werden, ist aber weniger verbreitet.
Muss ich Eistee süßen?
Nein, qualitativ hochwertiger Cold-Brew-Tee ist von Natur aus aromatisch und oft mild-süßlich. Mit frischen Früchten und Minze entfaltet er ohne zusätzlichen Zucker ein wunderbares Geschmacksprofil.
Ist kalter Tee gesünder als Limonade?
Selbst gemachter kalter Tee ohne Zucker ist deutlich gesünder als zuckerhaltige Limonade. Er liefert Antioxidantien und Pflanzenstoffe, keine leeren Kalorien. Fertig-Eistees aus dem Handel können jedoch viel Zucker enthalten – immer die Zutatenliste prüfen.
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