Fazit
Die Verfechter von Milch im Tee, die ihren Tee, entgegen aller Behauptungen und Befürchtungen schon immer zumindest mit einem kleinen Schuss Milch getrunken haben, können sich also freuen. Sie haben schon immer alles richtig gemacht: sie haben auf ihren Bauch gehört und das gleich im doppelten Sinn. Sie haben die Milch in den Tee gegeben, weil er ihnen so einfach besser schmeckt und dabei fast nebenbei ihrem Körper doppelt Gutes getan. Selbstverständlich sollte man daraus jetzt nicht den Umkehrschluss ziehen und jeden Teetrinker zur Milch regelrecht verdonnern. Der Geschmack entscheidet schließlich mit. Sollte jemand Tee ausschließlich wegen des gesundheitlichen Aspekts trinken, dann ist es natürlich etwas effektiver, wenn man den Tee ab sofort mit einem Schuss Milch trinkt. Wem der Tee aber ohne Milch einfach besser schmeckt, der sollte es auch dabei belassen. Selbst die gesündesten Angewohnheiten nützen auf Dauer nichts, wenn man sie mit Widerwillen betreibt und deshalb schließlich irgendwann wieder aufgibt. Man sollte sich einfach freuen, dass man seinen Tee gerne jederzeit und ohne schlechtes Gewissen mit Milch trinken kann, sofern man dies möchte. Wer seinen Tee dagegen lieber ohne trinkt, braucht deshalb aber noch lange kein schlechtes Gewissen haben, oder gar befürchten, er könnte seinem Körper schaden. Und so mancher Tee-Trend lässt sich heute nicht mehr ohne Milch zubereiten. Es lohnt sich also hin und wieder was neues zu probieren oder es den Engländern mit ihrem Tea & Milk gleichzutun.Bildnachweis: Tee mit Milch ©Thinkstock: iStockphotoMilch im Tee: Die richtige Zubereitung und Reihenfolge
Die Frage, ob Milch vor oder nach dem Tee in die Tasse kommt, ist eine der ehrwürdigsten Kontroversen der britischen Teekultur. Technisch gesehen: Wenn man Milch zuerst einschenkt, dann heißen Tee darauf – kühlt die Milch langsamer ab, die Proteine denaturieren weniger abrupt. Wenn Tee zuerst kommt, kann man die Stärke besser kontrollieren, bevor man Milch hinzufügt. Für beste Ergebnisse: Schwarztee (Assam, Ceylon, Darjeeling Second Flush) bei 95–100°C, 4–5 Minuten ziehen, dann abkühlen auf 80°C, dann Milch zugeben. Vollmilch gibt mehr Cremigkeit, 1,5% Fett-Milch ist neutraler. Pflanzliche Milch: Hafermilch harmoniert gut mit Schwarztee, Mandelmilch weniger (teils flockt sie aus).
Milch und Tee: Was die Wissenschaft sagt
Die Wechselwirkung zwischen Milchproteinen und Teepolyphenolen ist wissenschaftlich gut untersucht – und das Ergebnis ist komplex. Kaseinate (Hauptproteinfraktion der Kuhmilch) binden tatsächlich Catechine und Theaflavine. In vitro reduziert Milch die bioverfügbare Menge an Tee-Antioxidantien. Zwei große Studien (u.a. eine britische mit 2.000 Teilnehmern) zeigten jedoch keinen signifikanten Unterschied in den Blutmarkern für antioxidativen Status zwischen Teetrinken mit und ohne Milch. Die Bindung kann im Verdauungstrakt wieder gelöst werden. Für Tannine und deren Verbindung mit Eisen ist die Milch-Bindung tatsächlich relevant: Milch im Tee reduziert die eisenanschlagende Wirkung der Tannine – gut für Anämie-Betroffene. Kurz: Milch verändert den Tee, aber macht ihn nicht wertlos.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Yan Cha Felsentee.
Geschichte der Milch im Tee: Eine britische Institution
Die Praxis, Milch in Tee zu geben, entwickelte sich im England des 17.–18. Jahrhunderts. Eine Theorie besagt, dass einfaches Porzellan durch den thermischen Schock von heißem Tee springen konnte, und Milch zuerst einzugießen die Temperatur dämpfte – Milch zuerst war also ursprünglich Vorsichtsmaßnahme für teureres Porzellan. Eine andere Theorie sieht die Milch als Mittel der sozialen Differenzierung: Wer Milch zuerst einschenkt, benutze minderwertiges Porzellan, das Hitze nicht vertrüge. Das Paradox, dass Milch-zuerst (MIF) ursprünglich Sparsamkeit andeutete, wurde im 20. Jahrhundert umgedreht: Heute gilt MIF als traditionell und oft als „fein". George Orwell plädierte 1946 leidenschaftlich für Tee zuerst – die Debatte ist bis heute lebendig.
FAQ: Milch im Tee
Kann Milch im Tee die gesundheitlichen Vorteile zunichte machen? Nicht komplett. Große Kohortenstudien zeigen, dass britische Teetrinker (die überwiegend Milch verwenden) trotzdem von den kardiovaskulären Schutzeigenschaften des Tees profitieren. Die Bindung der Polyphenole ist reversibel.
Welcher Tee verträgt Milch am besten? Kräftige Schwarztees wie Assam, Ceylon und starke Darjeeling Second Flush – sie haben genug Körper, um mit Milch zu bestehen. Leichter Tee (Darjeeling First Flush, weißer Tee) verliert durch Milch sein feines Aroma.
Sollte Milch erhitzt werden vor dem Zugeben? In England typischerweise nicht erhitzt. Für cremigeren Milchtee (Chai-Stil) wird Milch mit dem Tee zusammen aufgekocht – das erzeugt ein anderes, reichhaltigeres Resultat.
Ist Milch im Tee kalorienreich? Ein Schuss Vollmilch (20 ml) liefert ca. 13 kcal. Gesüßter Milchtee kann 100–200 kcal pro Tasse haben, ungesüßter Milchtee nur ca. 15 kcal mehr als schwarzer Tee.
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