Tee ist gesund, freie Radikale sind ungesund - so viel wissen wir meist. Über die positive Wirkung von Tee wurde bereits hier und anderen Orts vieles geschrieben und erzählt. Und auch die "bösen Radikale" geistern bereits seit einigen Jahren immer wieder durch die Medien. Auch, wenn wir keinen allzu großen wissenschaftlichen Hintergrund haben, so ist inzwischen doch bekannt, dass ausgerechnet der lebensnotwendige Sauerstoff sich manchmal in ein recht aggressives Teilchen verwandelt, das, wenn es nicht abgefangen wird, unsere Zellstrukturen regelrecht "zerschießt". Die Konsequenz ist eine unangenehm schnelle Zellalterung. Nun wurde aber durchaus schon mehrmals in anerkannten Studien nachgewiesen, dass Tee solche negativen Radikale abfangen kann. Wer sich einmal solch eine Untersuchung oder die fertigen Daten dazu genauer ansieht, stößt immer wieder auf den sogenannten "ORAC-Wert". Schnell wird klar, je größer dieser Wert, desto besser für uns und damit umso gesünder also auch der untersuchte Tee. Aber was genau verbirgt sich denn nun hinter diesen ORAC Einheiten. was bedeutet er und wie wird er gemessen? ORAC ist die Abkürzung für den englischen Begriff "Oxygen Radical Absorbance Capacity", was wörtlich übersetzt so viel bedeutet, wie "Sauerstoffradikal-Absorbierungs-Kapazität", zugegeben eine recht holprige Bezeichnung. Im Grunde genommen geht es also darum, wie viele solcher Sauerstoffradikale von einem Lebensmittel, es muss nicht automatisch immer Tee sein, abgefangen oder neutralisiert werden können.

Der ORAC hat viele Anhänger...

Dieser ORAC wird mit Hilfe chemischer Analysen im Labor eindeutig gemessen und belegt. Doch damit noch nicht genug. Man kann mit diesem Wert auch Aussagen darüber treffen, wie lange die Wirkung der einzelnen Antioxidantien anhält. Da es zahlreiche Lebensmittel gibt, die mehr als nur einen Radikalfänger beinhalten, die einzelnen Typen aber unterschiedlich schnell reagieren, kann man mit Hilfe des ORAC bewerten, wann in etwa die einzelnen Antioxidantien-Gruppen mit ihrer Arbeit beginnen, wie lange sie aktiv sind und wie lange man insgesamt nach dem Verzehr eines Lebensmittels noch vom positiven Effekt profitieren kann.

...aber auch zahlreiche Kritiker

Dennoch kann der ORAC nicht alle Erwartungen erfüllen, die in ihn gesetzt werden. Ein großer Schwachpunkt beispielsweise ist die Tatsache, dass all diese chemischen Mechanismen bisher ausschließlich unter Laborbedingungen getestet werden konnten. Ob sich ein Antioxidantium im menschlichen Organismus tatsächlich genauso verhält, kann derzeit nicht bestätigt werden. Zudem ist es derzeit nur sehr beschränkt möglich, die einzelnen ORAC-Werte der verschiedenen Lebensmittel direkt miteinander zu vergleichen. So macht es beispielsweise einen großen Unterschied, ob es sich um ein frisches Lebensmittel handelt, ein gefrorenes, oder vielleicht auch ein Konzentrat. Man kann bisher also noch nicht sagen, Lebensmittel A ist besser als Lebensmittel B, was die antioxidative Wirkung betrifft, weil der ORAC höher ist. Genau das wäre aber durchaus ein Aspekt, der für die Verbraucher von großem Interesse wäre.

Fazit

Immerhin lässt sich derzeit bereits sicher sagen, dass Lebensmittel mit hohem ORAC auch in unserem Körper eine antioxidative Wirkung zeigen. Allen voran für Tee, etwa für Sorten wie Matcha, ist dies bereits mehrfach belegt worden. Die ORAC Einheiten sind im Moment zwar noch lange nicht so aussagekräftig, wie es wünschenswert wäre, dennoch ist ein Anfang gemacht. Auch, wenn man noch nicht nachweisen kann, dass tatsächlich alle Antioxidantien, die in einem Lebensmittel enthalten sind, ihren Effekt auch in unserem Organismus entfalten, so ist dennoch eines klar: Je weniger Antioxidantien ein Lebensmittel enthält, desto weniger haben überhaupt die Möglichkeit ihren positiven Einfluss zu entfalten. Wo nichts ist, kann auch nichts wirken, das ist eine logische Schlussfolgerung. Wer also möchte, kann sich gerne einmal nach den ORAC-Werten seiner Lieblingsteesorten erkundigen. Den Tee aber ausschließlich danach auszuwählen, sollte man nicht unbedingt tun. Denn auch hier gilt, nur was wirklich schmeckt, wird auch langfristig und oft getrunken. Der ORAC sollte im Idealfall nur ein Zusatzplus sein.Bildnachweis: loser Tee ©Thinkstock: iStockphoto

Was ist der ORAC-Wert und was sagt er über Tee?

ORAC steht für „Oxygen Radical Absorbance Capacity" – ein Maß für die antioxidative Kapazität von Lebensmitteln. Entwickelt in den 1990er Jahren am National Institutes of Health (NIH) in den USA, wurde der ORAC-Wert lange als Goldstandard für Antioxidantien-Messung verwendet. Grüner Tee hat einen außergewöhnlich hohen ORAC-Wert: Frisch gebrühter Grüntee liegt bei ca. 1200–1500 ORAC-Einheiten pro 100 ml. Matcha, das konzentrierte Grüntee-Pulver, erreicht Werte von über 100.000 ORAC-Einheiten pro 100 Gramm Pulver. Zum Vergleich: Heidelbeeren, oft als „Superfood" gefeiert, liegen bei ca. 6000 ORAC-Einheiten pro 100 Gramm. Die antioxidative Kapazität von Tee ist also außergewöhnlich hoch.

Die Grenzen des ORAC-Konzepts

Trotz seiner Popularität hat der ORAC-Wert erhebliche Kritik auf sich gezogen – 2010 hat das US-Department of Agriculture sogar seine ORAC-Datenbank offline genommen. Die Kritik: Der ORAC-Wert misst In-vitro-Aktivität (im Reagenzglas), nicht die tatsächliche antioxidative Wirkung im menschlichen Körper. Viele Antioxidantien werden beim Verdauungsprozess verändert, schlecht absorbiert oder schnell ausgeschieden. Die Annahme, ein hoher ORAC-Wert bedeute automatisch gesundheitliche Vorteile, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Für Tee bedeutet das: Nicht der ORAC-Wert allein erklärt seine gesundheitliche Wirkung, sondern die komplexe Interaktion verschiedener Polyphenole, ihre biologische Verfügbarkeit und die langfristigen Effekte im menschlichen Organismus.

Teepolyphenole: Die eigentliche Geschichte hinter dem ORAC

Was den ORAC-Wert von Tee interessant macht, ist nicht die Zahl, sondern was dahintersteckt: Ein reiches Spektrum an Polyphenolen – Catechine, Quercetin, Kaempferol, Rutin, Galussäure und viele andere. Diese Substanzen wirken nicht nur als Antioxidantien im Reagenzglas, sondern haben im menschlichen Körper direkte biologische Effekte: Sie beeinflussen Entzündungssignalwege, modulieren Gen-Expression, schützen DNA und interagieren mit dem Mikrobiom. Epidemiologische Studien (Bevölkerungsstudien über lange Zeiträume) zeigen konsistent positive Effekte des Teekonsum auf Herzgesundheit, Krebsrisiko und Langlebigkeit – Effekte, die durch kein einzelnes Antioxidans erklärt werden, sondern durch die Summe der Inhaltsstoffe.

Häufig gestellte Fragen zu ORAC und Tee

Hat Matcha wirklich den höchsten ORAC-Wert?
Ja, unter den Tees – weil man das ganze Blatt konsumiert, nicht nur den Aufguss. Matcha hat einen sehr hohen Antioxidantiengehalt.

Ist ein hoher ORAC-Wert ein Beweis für gesundheitliche Wirkung?
Nein, nicht direkt. ORAC misst In-vitro-Aktivität. Die klinische Relevanz hängt von Bioverfügbarkeit und biologischen Mechanismen ab.

Welcher Tee hat den höchsten Antioxidantiengehalt?
Matcha, gefolgt von hochwertigen Grüntees. Weißtee und manche Oolongs haben ebenfalls sehr hohe Catechingehalte.

Soll ich Tee-Nahrungsergänzungsmittel nehmen?
Tee zu trinken ist bevorzugt gegenüber isolierten Extrakten – die Kombination aller Inhaltsstoffe im Tee wirkt synergistisch.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema: