Maghrebinische Teekultur


Die „Länder des Maghreb“ sind diejenigen Länder Nordafrikas, die westlich liegen. Unter diesem Begriff zusammengefasst werden in der Regel Tunesien, Algerien, Marokko. Aber auch Libyen und Mauretanien sind meist damit gemeint, ebenso die Westsahara, Sahara und der Tuareg. Alles Regionen Nordafrikas, die große geologische Gemeinsamkeiten aufweisen.

Die "Länder des Maghreb" haben Gemeinsamkeiten was die Vorlieben und die Zubereitung von Tee betrifft, weshalb es eine Zusammenfassung als maghrebinische Teekultur gibt.

Aber auch, was die Vorlieben und die Zubereitung von Tee betrifft, haben diese Länder viel gemeinsam, weshalb es eine Zusammenfassung als maghrebinische Teekultur gibt.

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

Ursprünglich waren die Bewohner des Maghreb Kaffeetrinker, doch im 18. Jahrhundert brachten englische Händler auch Tee in diese Region und schon bald war es auch in diesem Teil der Welt üblich, seinen Gästen als Geste des Willkommenseins und zu geselligen Anlässen Tee zu servieren.

Dabei gibt es einiges, was überall gleich ist, selbstverständlich gibt es aber auch Eigenheiten, die von Region zu Region etwas anders gehandhabt werden.

In der maghrebinischen Teekultur wird grüner Tee getrunken, meist ein Gunpowder, der mehrere Minuten, mancherorts sogar eine Viertelstunde zieht. Dann wird der Tee abgegossen und mit Zucker erneut aufgekocht. Dadurch verändert sich der eigentlich bittere Geschmack sehr stark und der Tee schmeckt, wenn er serviert wird, sehr süß. Gerne werden auch frische Pfefferminzblätter in den Tee gegeben. Eine Art Minztee durch die hinzugefügten Minzblätter. Entweder bereits beim zweiten Aufkochen mit dem Zucker, oder auch erst kurz bevor der Tee getrunken wird.

Auffallend ist vor allem, dass der Tee ausschließlich von Männern zubereitet wird. Kein Familienoberhaupt lässt es sich nehmen, beim Zusammenkommen mit Familie oder Freunden, den Tee zu kochen. Selbst fremde Gäste werden auf diese Weise von ihrem Gastgeber persönlich in seinem Haus begrüßt und willkommen geheißen. Einleuchtend, dass es wohl keine größere Beleidigung und Schmach gäbe, als diesen Tee abzulehnen.

maghrebische-teekultur

Der Ablauf der Teezeremonie

Was Feinheiten, wie Mengenangaben, oder auch Ziehzeiten betrifft, so gibt es regionale Unterschiede. Die größten regionalen Abweichungen betreffen jedoch die Art und Weise, wie der Tee eingeschenkt wird. In Marokko beispielsweise wird der Tee direkt vor den Augen der Gäste zubereitet. Ist er fertig, probiert der Gastgeber zunächst um den Geschmack zu überprüfen. Die Gläser der Gäste stehen auf einem Tablett aufgereiht vor ihm. Schmeckt der Tee, wird er schwungvoll und in einem hohen Bogen in sämtliche Gläser gegossen und weiter gereicht.

In Mauretanien und der Westsahara dagegen wird der fertige Tee zunächst aus möglichst großer Höhe in ein Teeglas gegeben, anschließend aber wieder in die Kanne zurückgegossen. Der dabei entstehende Schaum ist ausdrücklich erwünscht. Dieses Prozedere wird sooft wiederholt, bis genügend Schaum in der Teekanne enthalten ist. Ziel ist es nämlich, dass jeder Gast am Ende etwa gleich viel Tee und Schaum hat. Beide Schichten sollten dabei im Idealfall rund drei Zentimeter hoch sein. Dieser Schaum hält meist bis zum Ende der Teerunde, die traditioneller Weise drei Gläser pro Gast beträgt.

Teegeschirr und Zubehör

In der maghrebinischen Teekultur werden einheitlich Teegläser verwendet. Unterschiedlich ist jedoch, ob diese einen Henkel oder Griff besitzen oder nicht. Zudem gibt es ganz einfach Gläser, oder auch reich verzierte mit bunten Ornamenten. Auch Goldverzierungen sind keine Seltenheit.

Auffallend bei den Teekannen ist der birnenförmige Bauch, der zu der Zeit, als der Tee von den englischen Händlern in das Gebiet des Maghreb gebracht wurde, sehr modern und beliebt war. Weiteres Merkmal ist ein gekröpfter Ausguss. Diese Teekannen werden üblicher Weise nur zum Servieren des Tees benutzt.

Zum Kochen des Wassers werden häufig spezielle Wasserkessel verwendet. Diese sind aus Materialen, wie etwa verzinntem Kupfer oder auch Email gefertigt. Edelstahl ist eher die Seltenheit. Vor allem, wenn der Tee direkt vor den Gästen zubereitet wird, wird Wert auf reich verzierte und edle Utensilien gelegt.

Der Zucker wird in aller Regel von einem Zuckerhut abgeschlagen. Dazu gibt es ebenfalls extra Zubehör, wie etwa einen Zuckerhammer, der mit Hilfe eines Ringes am Ende am kleinen Finger des Gastgebers hängt. Könner schlagen ein Stück Zucker mit einem Hieb ab und lassen den Hammer sofort wieder mit einer geschickten Bewegung am Finger baumeln. Es gibt aber auch reich verzierte Messinghämmer und mancherorts erfüllen sogar Ventilstempel aus alten, ausrangierten Motoren ihren Zweck.

Bedeutung der Teezeremonie

Auch in dieser Teekultur stehen Gastfreundschaft und Geselligkeit im Vordergrund. Wohl keinem Mann im Gebiet des Maghreb würde es in den Sinn kommen, anstelle seiner Frau für die Familie zu kochen. Wenn es jedoch um die Zubereitung des Tees und damit und das Symbol eines guten Gastgebers geht, lässt es sich kein Familienoberhaut nachkommen, dieser ehrenvollen Pflicht nach zu kommen.

Die Tatsache, dass meist drei Tassen von jedem Anwesenden getrunken werden, hat dabei eine sehr tiefgründige Bedeutung. Es heißt, „das erste Glas ist bitter wie das Leben, das zweite stark wie die Liebe und das dritte sanft wie der Tod“. Nach dieser weit verbreiteten Redensart kommt es einer Beleidigung gleich, weniger oder mehr zu trinken.

Auch, wenn lange bevor Tee in diese Region kam, der Kaffee im Maghreb verbreitet war und auch nach wie vor noch ist, er hatte doch nie diesen Stellenwert als Symbolkraft, wie der Tee sie besitzt. Wohl niemand würde auf die Idee kommen, einem Gast statt Tee Kaffee zu servieren. Die Bewohner des Maghreb haben also nicht nur Tee als reines Getränk von den Engländern übernommen, ihnen gefiel auch die Tradition, Tee bei einem netten Zusammensein zu trinken, so gut, dass sie auch diesen Brauch mit ihren eigenen kulturellen Vorlieben variiert und abgewandelt haben.

maghrebische-teekultur

Bildnachweis: Maghrebinische Teekultur – © Jérôme SALORT – Fotolia.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.