Lapacho-Tee wird aus der inneren Rinde mehrerer Trompetenbaum-Arten Mittel- und Südamerikas gewonnen, die bei den Inka als Heilbaum galten. Der Aufguss ist koffeinfrei, färbt sich rötlich-hellbraun und schmeckt holzig mit einer überraschend süßlichen Vanillenote. Hier lesen Sie, wie die Rinde verarbeitet wird, wie der Tee gelingt und was die Studienlage zu seinen Inhaltsstoffen sagt.

Steckbrief
Pflanze/BasisInnere Rinde des Lapacho-Baums (Handroanthus/Tabebuia), Trompetenbaumgewächs
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilholzig, leicht rauchig, mit süßlicher Vanillenote
Wassertemperatur100 °C (kochend aufgießen)
Ziehzeit5-10 Minuten ziehen, besser kurz köcheln lassen
Dosierung1 gehäufter EL (ca. 2-3 g) auf 250 ml
Aufgüsse1-2 (die Rinde gibt beim ersten Aufguss am meisten ab)
Preisspanneca. 2-5 € pro 100 g, Bio-Qualität ab ca. 3,50 €

Herkunft: der Lapacho-Baum in den Wäldern Südamerikas

Lapacho ist ein portugiesischer Sammelbegriff für mehrere verwandte Baumarten der Gattungen Handroanthus und Tabebuia, die in den Tropen Mittel- und Südamerikas wachsen. Die Bäume erreichen 30 bis 35 Meter Höhe und tragen auffällige, glockenförmige Blüten in Weiß, Zartrosa oder Gelb. Heimisch sind sie vor allem in Argentinien, Paraguay und Brasilien.

Schon die Inka schälten die Rinde und bereiteten daraus einen Aufguss. Geerntet wird der Baum schonend: Da nur Teile der Rinde abgenommen werden und diese nachwächst, übersteht ein Baum die Ernte unbeschadet und kann unter guten Bedingungen bis zu 700 Jahre alt werden. Wichtig ist, jedem Stamm zwischen zwei Ernten Zeit zur Erholung zu lassen. Wie eng Pflanzentees mit der Trinkkultur des Kontinents verwoben sind, zeigt unser Beitrag zur südamerikanischen Teekultur.

Herstellung: warum nur die innere Rinde zählt

Theoretisch ließe sich die gesamte Rinde nutzen, doch der äußere Teil enthält deutlich weniger der gesuchten Inhaltsstoffe. Für hochwertigen Lapacho-Tee wird daher die Rinde vom Stamm geschält, in einen inneren und einen äußeren Teil getrennt und nur die innere Schicht weiterverarbeitet.

Diese innere Rinde wird zerkleinert und gründlich getrocknet, anschließend zu groben Schnitzeln oder Pulver verarbeitet. Ein Teil der Ware kommt pur in den Handel, ein anderer wird vor dem Abpacken mit Fruchtstücken oder Aromen gemischt. Pur bleibt der Charakter der Rinde am deutlichsten erhalten — anders als bei aromatisierten Mischungen, wie man sie auch beim Rooibos-Tee findet.

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Geschmack: holzig mit süßlicher Vanillenote

Lapacho-Tee ergibt eine warme, rötlich-hellbraune Tasse. Geschmacklich überrascht er beim ersten Probieren: Auf die erwartete holzige, leicht rauchige Note folgt ein süßliches, an Vanille erinnerndes Aroma, das viele nicht von einem Rindentee erwarten. Bittere Spitzen fehlen weitgehend, weshalb er sich ohne Zucker trinken lässt.

In unserer Verkostung trat die Vanillenote stärker hervor, wenn der Aufguss einige Minuten köchelte statt nur zu ziehen. Wer es runder mag, gibt eine Scheibe Orange oder etwas Honig hinzu. Als koffeinfreie Alternative zum belebenden Mate-Tee eignet er sich auch für den Abend.

Inhaltsstoffe und Studienlage

Die innere Rinde liefert Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Eisen sowie Spurenelemente, darunter Jod, Barium, Strontium und Bor. Bekanntester Einzelstoff ist das Naphthochinon Lapachol, das in Laborstudien untersucht wurde. Der Aufguss selbst ist koffeinfrei und lässt sich daher zu jeder Tageszeit trinken.

Traditionell wird Lapacho in Südamerika bei Müdigkeit und zur Stärkung verwendet. Die teils kursierende Behauptung, der Tee könne Krebs heilen, ist wissenschaftlich nicht belegt und bezieht sich auf isoliertes, hochdosiertes Lapachol aus Laborversuchen, nicht auf den Teeaufguss. Aus Vorsicht gilt: nicht mehr als rund einen Liter pro Tag und nicht länger als sechs Wochen am Stück trinken, da hohe Mengen Nebenwirkungen wie Übelkeit auslösen können. In der Schwangerschaft sollte auf Lapacho-Tee verzichtet werden.

Zubereitung Schritt für Schritt

Anders als Blatt- und Blütentees braucht die feste Rinde mehr Hitze und Zeit, damit sich ihre Stoffe lösen. So gelingt der Aufguss:

1. Rund einen gehäuften Esslöffel (2 bis 3 g) Lapacho-Rinde auf 250 ml Wasser abmessen. 2. Wasser aufkochen und über die Rinde gießen, alternativ Rinde und Wasser gemeinsam ansetzen. 3. Den Aufguss 5 bis 10 Minuten ziehen lassen; für eine kräftigere Tasse die Rinde 5 Minuten leicht köcheln lassen. 4. Durch ein feines Sieb abgießen. 5. Pur trinken oder nach Geschmack mit Honig oder Zitrus abrunden.

Für größere Mengen lohnt ein Topf statt der Kanne, weil die Rinde beim Köcheln gleichmäßiger extrahiert. Wer die Frage nach der richtigen Wassertemperatur grundsätzlich klären möchte, findet Antworten im Beitrag Teewasser muss kochen — oder doch nicht?.

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Kauf, Qualität und Lagerung

Gute Ware erkennen Sie an gleichmäßig geschnittener, rötlich-brauner Rinde mit holzig-frischem Duft und geringem Staubanteil. Achten Sie auf die Angabe „innere Rinde“ (auf Spanisch oft als Lapacho morado bezeichnet), denn nur sie ist reich an Inhaltsstoffen. Übliche Preise liegen zwischen 2 und 5 Euro pro 100 Gramm; zertifizierte Bio-Qualität beginnt bei etwa 3,50 Euro und reduziert das Risiko von Pestizidrückständen.

Lagern Sie Lapacho trocken, dunkel und luftdicht in einer Dose aus Metall oder dunklem Glas. So bleibt die Rinde 18 bis 24 Monate aromatisch. Abstand zu stark riechenden Lebensmitteln ist wichtig, da die getrocknete Rinde Fremdgerüche annimmt. Allgemeine Tipps zur Aufbewahrung gibt der Ratgeber Wie hebe ich meinen Tee am besten auf?.

Häufige Fragen

Enthält Lapacho-Tee Koffein?
Nein, Lapacho-Tee ist von Natur aus koffeinfrei und lässt sich daher auch am Abend trinken. Anregend wirkt er nicht; geschätzt wird er für seinen milden, holzig-süßlichen Geschmack.

Wie wird Lapacho-Tee richtig zubereitet?
Etwa ein Esslöffel Rinde wird mit 250 ml kochendem Wasser übergossen und 5 bis 10 Minuten gezogen oder kurz geköchelt. Das Köcheln löst die Stoffe der festen Rinde besser als reines Ziehen.

Wie schmeckt Lapacho-Tee?
Der Aufguss ist rötlich-hellbraun und schmeckt holzig mit leicht rauchiger und überraschend süßlicher Vanillenote. Bittere Spitzen fehlen weitgehend, sodass er sich ohne Zucker trinken lässt.

Ist Lapacho-Tee in der Schwangerschaft geeignet?
In der Schwangerschaft wird vom Genuss abgeraten. Auch sonst gilt: nicht mehr als rund einen Liter täglich und nicht länger als sechs Wochen am Stück, da hohe Mengen Nebenwirkungen auslösen können.

Kann Lapacho-Tee Krebs heilen?
Nein. Diese Behauptung ist wissenschaftlich nicht belegt und bezieht sich auf isoliertes Lapachol aus Laborversuchen, nicht auf den Teeaufguss. Bei Erkrankungen ist ärztlicher Rat die richtige Anlaufstelle.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.