Das Geheimnis der Zufriedenheit


Eines Tages ging eine Gruppe junger Mönche zu dem alten Zen-Meister ihres Klosters um sich mit ihm zu unterhalten und von seiner Weisheit zu lernen. Besonders wichtig waren ihnen dabei Glück und Zufriedenheit.

Das Geheimnis der Zufriedenheit

Einer der jungen Männer sagte: „Meister, uns ist aufgefallen, dass du stets sehr zufrieden wirkst. Was tust du, um so glücklich zu sein? Wir wären gerne ebenso glücklich und zufrieden, wie du.“ Der Zen-Meister nahm einen Schluck Tee und antwortete: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Und wenn ich esse, dann esse ich.“

Die Schüler sahen sich verdutzt an und einer konnte seinen Unmut nicht im Zaum halten. Deutlich erbost fuhr er den Zen-Meister an: „Wieso verspottest du uns? All das tun wir ebenso! Wir liegen, wir stehen auf, wir gehen und wir essen. Wo soll da ein Unterschied zu dir sein?“ Doch der Meister wiederholte nur: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Und wenn ich esse, dann esse ich.“

Die Unruhe unter den jungen Mönchen wurde größer und der Weise merkte, dass er seine Zuhörer verärgert hatte. Er bot allen eine Tasse Tee an und erklärte erneut, diesmal allerdings ausführlicher: „Sicher tut ihr all diesen Dinge auch, ihr liegt, steht auf, ihr geht, ihr esst. Aber wenn ihr liegt, denkt ihr bereits schon daran, dass ihr wieder aufstehen müsst. Wenn ihr aufsteht, seid ihr mit euren Gedanken bereits dabei, wo ihr als nächstes hingehen werdet. Und wenn ihr geht, überlegt ihr euch, was ihr essen werdet. Eure Gedanken sind nie bei euch, sie sind euch stets einen Schritt voraus. Das Leben aber findet weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft statt. Das Leben ist der schmale Punkt zwischen dem vergangenen und dem zukünftigen. Wenn ihr es schafft, euch ohne Wenn und Aber auf den Augenblick einzulassen und auch mit euren Gedanken im Hier und Jetzt zu sein, dann schafft ihr es auch, glücklich und zufrieden zu sein.“

Der Unmut und die Aufregung unter den jungen Schülern waren sofort beruhigt. Sie verstanden nun, was der Zen-Meister ihnen sagen wollte und tranken ihren Tee mit ihm und waren dabei in Gedanken ganz beim Tee.

Legende oder Wahrheit?

Dies ist wieder eine der Geschichten, wie sie auch in verschiedenen Abwandlungen immer wieder erzählt oder auch niedergeschrieben wird. Sie bezieht sich dabei weder auf eine bestimmte Zeit, noch eine spezielle Region oder gar Personen. Es fehlen jegliche Angaben zu Namen, Daten, bestimmten Ereignissen oder ähnlichem. Es ist also ebenso wahrscheinlich wie unwahrscheinlich, dass diese Legende sich auch tatsächlich so oder so ähnlich jemals zugetragen hat.

Aber ganz ehrlich, geht es bei diesem Gleichnis wohl auch gar nicht darum, ob es den Zen-Meister und seine Schüler tatsächlich gab. Viel wichtiger ist der Inhalt, dieser Geschichte und der ist zweifelsfrei wahr. Und das unumstritten bis in unsere heutige Zeit.

Auch wir sind mit unseren Gedanken meist ganz woanders und nicht selten ebenso ein, zwei Schritte weiter, wie die Schüler aus der Legende. Morgens im Bad sind wir nicht selten schon mit dem Rest des Tagesablaufs beschäftigt. Bei Frühstück bereiten wir uns innerlich auf den ersten Termin vor. In der Mittagspause planen wir den Feierabend und zu Hause überlegen wir uns schon wieder den nächsten Tag. In Zeiten von Stress und Hektik ist dies kein Wunder und lässt sich leider auch oft scheinbar gar nicht vermeiden.

Dennoch sollten wir versuchen, wenigstens einen Teil des Tages ganz bewusst wahr zu nehmen und uns auf das zu konzentrieren, was wir gerade tun.

Fazit

Eine Tasse Tee ist bestens geeignet, um den Anfang zu machen. Statt den Tee einfach so, nebenbei und fast unbemerkt zu trinken, kann man sich jeden Tag, am besten immer zur gleichen Uhrzeit, eine kleine Teepause gönnen. Wählt man dazu eine besonders leckere Sorte und gönnt sich vielleicht noch etwas Kuchen, ein kleines Gebäckstück und einfach was Süßes dazu, wird diese Auszeit zu einer Oase der Erholung. Man braucht dazu nur wenige Minuten Zeit und hat man es erst einmal geschafft, diesen Moment des Tages als kostbar zu empfinden und ganz bewusst wahrzunehmen, schafft man es sicher schon bald auch in anderen Situationen des Tages. Gerne auch immer mit einer Tasse Tee daneben, die als Erinnerung dienen kann, im Hier und Jetzt zu bleiben.

 

 

Bildnachweis: Teepause © silberkorn73 – Fotolia.com

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