Ingwertee ist ein koffeinfreier Aufguss aus der frischen oder getrockneten Wurzel des Ingwers (Zingiber officinale) — scharf-würzig, leicht zitronig und vor allem in der kalten Jahreszeit beliebt. Sein Schärfeträger Gingerol ist gut erforscht, die Kommission E hat den Ingwerwurzelstock monographiert. Hier erfahren Sie, wie Sie Ingwertee dosieren, ziehen lassen und worauf Sie beim Einkauf achten sollten.

Steckbrief
Pflanze/BasisIngwer (Zingiber officinale), verwendet wird das Rhizom
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilscharf-würzig, zitronig-frisch, leicht süßlicher Abgang
Wassertemperatur100 °C, sprudelnd kochend
Ziehzeit5-10 Minuten; länger = schärfer
Dosierung3-4 dünne Scheiben (ca. 5-10 g frische Wurzel) pro 250 ml
Aufgüssefrische Scheiben lassen sich 2-3 Mal aufgießen
Preisspannefrische Wurzel ca. 0,50-1 € pro 100 g, Bio ab ca. 1,20 €

Herkunft und Anbau: von Indien bis Nigeria

Ingwer stammt ursprünglich aus dem tropischen Südostasien und wird heute in den warmen Regionen rund um den Globus kultiviert. Die Statistik liefert dabei eine Kuriosität: Nigeria bewirtschaftet die größte Anbaufläche, Indien erntet mengenmäßig am meisten, doch weil die Inder den Großteil ihrer Ernte selbst verbrauchen, ist China der größte Exporteur der Welt. In europäischen Supermärkten liegt daneben häufig Ware aus Peru.

Verwendet wird nicht die Wurzel im botanischen Sinn, sondern das unterirdische Sprossachsensystem, das Rhizom. Für getrockneten Ingwertee wird es in kleine Stücke geschnitten, getrocknet und abgepackt. Als Zierpflanze gedeiht Ingwer übrigens auch auf mitteleuropäischen Balkonen — frosthart ist die wärmeliebende Staude allerdings nicht, im Winter muss sie ins Haus.

Geschmack: süßliche Schärfe mit Zitrusnote

Frischer Ingwertee schmeckt lebendig: Eine zitronige Frische trifft auf eine Schärfe, die sich erst nach einigen Sekunden im Mund entfaltet und angenehm wärmt. Verantwortlich dafür sind die Gingerole im frischen Rhizom. Beim Trocknen wandeln sie sich teilweise in Shogaole um, die deutlich schärfer sind — getrockneter Ingwer und Ingwerpulver ergeben deshalb einen erdigeren, kräftigeren Aufguss als die frische Wurzel.

Wem die pure Schärfe zu viel ist, der mildert sie mit einem Schuss Zitronensaft und einem Teelöffel Honig — gerade beim ersten Kennenlernen macht das den Geschmack zugänglicher. In unserer Redaktion hat sich eine zweite Strategie bewährt: weniger Scheiben verwenden statt kürzer ziehen, denn so bleibt das volle Aroma erhalten, nur die Schärfe nimmt ab. Eine mildere Alternative ist auch junger, milder grüner Ingwer.

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Zubereitung Schritt für Schritt

1. Ein etwa daumengroßes Stück Ingwer (2-3 cm) waschen; Bio-Ware müssen Sie nicht schälen, da direkt unter der Schale viel Aroma sitzt. 2. In dünne Scheiben oder feine Stifte schneiden — je größer die Schnittfläche, desto mehr Gingerol geht in den Aufguss über. 3. Mit 250 ml sprudelnd kochendem Wasser übergießen. 4. Abgedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen lassen; nach 15 Minuten wird der Tee spürbar schärfer. 5. Scheiben entnehmen oder für einen intensiven Aufguss in der Tasse lassen.

Wer es besonders kräftig mag, köchelt die Scheiben 5 Minuten im Topf mit — diese Methode löst auch die schwerer löslichen Scharfstoffe. Ingwerpulver ist die schnelle Lösung für unterwegs: Eine Messerspitze pro Tasse genügt. Im Sommer schmeckt doppelt stark aufgebrühter, über Eiswürfel gegossener Ingwertee als Erfrischung — Anregungen dazu liefert unser Beitrag über selbst gemachten, kalorienarmen Eistee.

Inhaltsstoffe und Studienlage

Ingwer liefert ätherische Öle (vor allem Zingiberen), Scharfstoffe wie Gingerol und Shogaol sowie Kalium, Kalzium, Eisen und etwas Vitamin C. Die Kommission E hat den Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma) positiv monographiert: anerkannte Anwendungsgebiete sind Verdauungsbeschwerden und die Vorbeugung von Reiseübelkeit. Auf längeren Schiffsreisen wird Ingwertee deshalb traditionell gegen Seekrankheit getrunken.

In Studien zur Übelkeit in der Schwangerschaft zeigten Ingwerpräparate teils positive Effekte; Schwangere sollten größere Mengen dennoch vorher ärztlich abklären lassen, da die Datenlage zur Dosierung nicht einheitlich ist. Bei Erkältungen schätzen viele die durchwärmende Schärfe — ein Effekt, den sich auch klassische Mischungen zunutze machen, wie sie unser Artikel zum Erkältungstee vorstellt. Ein Heilmittel ersetzt der Aufguss nicht: Bei anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

Einkauf: Woran Sie gute Ware erkennen

Eine frische Ingwerknolle ist fest, prall und verhältnismäßig schwer; die Schale glänzt seidig und ist frei von Runzeln oder weichen Stellen. Schrumpelige Haut verrät lange Lagerung — solche Ware hat bereits Aroma und Saft verloren. Beim Anschneiden sollte das Fleisch hellgelb und saftig sein und sofort zitronig-scharf duften.

Bio-Qualität ist beim Ingwertee mehr als ein Etikett: Da die Schale oft mitverwendet wird, vermeiden Sie mit kontrolliert angebauter Ware Rückstände von Pflanzenschutzmitteln dort, wo sie am ehesten sitzen. Preislich bleibt das Vergnügen günstig — frische Wurzeln kosten je nach Saison 0,50 bis 1 Euro pro 100 g, Bio-Ware beginnt bei etwa 1,20 Euro. Fertige getrocknete Ingwertees und Mischungen liegen meist zwischen 2 und 4 Euro pro 100 g.

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Lagerung: so bleibt die Wurzel wochenlang frisch

Im Gemüsefach des Kühlschranks hält sich eine unverletzte Knolle, in Küchenpapier gewickelt, gut drei bis vier Wochen. Angeschnittene Stellen trocknen schnell aus; decken Sie die Schnittfläche ab oder schneiden Sie vor der nächsten Verwendung eine dünne Scheibe frisch an.

Für den Vorrat eignet sich das Tiefkühlfach: geschält, in Scheiben oder Stücke geschnitten und portionsweise eingefroren, bleibt Ingwer mehrere Monate verwendbar und lässt sich sogar gefroren direkt mit kochendem Wasser aufgießen. Getrockneter Ingwertee gehört in eine luftdichte, lichtgeschützte Dose an einen kühlen, trockenen Ort und behält dort 18 bis 24 Monate sein Aroma.

Varianten: von Kurkuma-Ingwer bis Chai

Ingwer ist ein dankbarer Mischpartner. Mit Kurkuma und einer Prise schwarzem Pfeffer entsteht die goldgelbe Variante, die viele aus der ayurvedischen Küche kennen; Zimt steuert eine süßlich-warme Note bei, frische Minze eine kühle Frische als Kontrast zur Schärfe. In der indischen Gewürzteetradition ist Ingwer ohnehin gesetzt: Im Chai Tee wird er gemeinsam mit Kardamom, Nelken und Zimt in Milch geköchelt.

Wer abends eine sanftere Tasse sucht, kombiniert wenige Ingwerscheiben mit milden Kräutern wie Kamille — die Schärfe tritt zurück, die Wärme bleibt. Da reiner Ingwertee von Natur aus koffeinfrei ist, spricht auch am späten Abend nichts gegen eine Tasse.

Häufige Fragen

Wie lange muss Ingwertee ziehen?
Frische Scheiben sollten abgedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen. Je länger die Ziehzeit, desto mehr Scharfstoffe lösen sich — wer es milder mag, reduziert besser die Menge statt der Zeit, damit das Aroma erhalten bleibt.

Muss man Ingwer für Tee schälen?
Bei Bio-Ware genügt gründliches Waschen, denn direkt unter der Schale sitzt viel Aroma. Konventionell angebauten Ingwer schälen Sie besser, um mögliche Rückstände auf der Schale zu entfernen.

Wie viel Ingwer kommt auf eine Tasse?
Bewährt haben sich 3 bis 4 dünne Scheiben, etwa 5 bis 10 g frische Wurzel, auf 250 ml kochendes Wasser. Dieselben Scheiben lassen sich zwei- bis dreimal erneut aufgießen.

Ist Ingwertee koffeinfrei?
Ja, reiner Ingwertee enthält kein Koffein und eignet sich daher auch für den Abend. Nur Mischungen mit grünem oder schwarzem Tee bringen Koffein in die Tasse.

Warum schmeckt getrockneter Ingwer schärfer als frischer?
Beim Trocknen wandeln sich die milderen Gingerole teilweise in Shogaole um, die eine intensivere Schärfe besitzen. Pulver und getrocknete Stücke ergeben deshalb einen kräftigeren, erdigeren Aufguss.

Quellen

  • Kommission E: Monographie Zingiberis rhizoma (Ingwerwurzelstock)
  • Europäisches Arzneibuch: Monographie Zingiberis rhizoma

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.