Mit dem Namen "Wegwarte" können zunächst die wenigsten etwas anfangen, dabei war diese hübsche blaue Blume 2009 "Blume des Jahres". Die Gemeine Wegwarte gehört zur Familie der Korbblütler, ist auch als Zichorie bekannt und eng mit Chicorée und Radicchio verwandt. Aus ihr lässt sich ein herb-aromatischer Tee bereiten. Wir werfen einen nüchternen Blick auf Pflanze, Geschmack und Zubereitung.

Die Wegwarte als Pflanze

Die Gemeine Wegwarte, botanisch Cichorium intybus, wächst wild an Wegrändern, auf Wiesen und Brachflächen und fällt im Sommer durch ihre himmelblauen Blüten auf. Diese öffnen sich am Morgen und schließen sich oft schon am frühen Nachmittag wieder, ein Schauspiel, das der Pflanze viel Aufmerksamkeit eingebracht hat.

Ursprünglich war die Wegwarte in Europa, Westasien und Nordwestafrika beheimatet, längst ist sie auch in Nord- und Südamerika eingebürgert. In China und den USA wird sie als Futterpflanze in großen Mengen angebaut. Sie bevorzugt nährstoffreiche, gerne leicht trockene Böden. Mit Chicorée und Radicchio teilt sie die typische Bitterstoffnote, ähnlich der herben Verwandtschaft beim Löwenzahn.

Wurzel und Kraut

Aus der gerösteten Wurzel der Wegwarte wurde früher ein kaffeeähnliches Getränk hergestellt, der bekannte Zichorienkaffee. Er diente in mageren Zeiten als günstiger Ersatz für teuren Bohnenkaffee. Die Wurzeln enthalten besonders hohe Konzentrationen an Inulin, das der Pflanze als Energiespeicher dient.

Das Kraut mit Blättern und Blüten weist große Mengen an Gerb- und Bitterstoffen sowie verschiedene Glykoside auf und eignet sich gut für einen klassischen Kräuteraufguss. Beide Pflanzenteile haben ihren eigenen Charakter und lassen sich je nach Vorliebe verwenden, ähnlich vielseitig wie die Odermennig.

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Das Geschmacksprofil

Wegwarten-Tee schmeckt deutlich herb und leicht bitter, ähnlich wie Zichorienkaffee. Diese kräftige Note ist typisch und für viele gerade der Reiz dieses ungewöhnlichen Aufgusses. Sie stammt vor allem aus den zahlreichen Gerb- und Bitterstoffen.

Wer es milder mag, kann den Tee kürzer ziehen lassen oder mit anderen Kräutern mischen. Ein wenig Honig rundet die Bitterkeit ab, ohne den charakteristischen Geschmack zu überdecken. Als Insider-Tipp gilt, ein paar Blätter Minze hinzuzugeben, die den Tee gleich frischer schmecken lassen.

Die richtige Zubereitung

Für einen Aufguss aus dem Kraut übergießt man einen Teelöffel getrocknete Pflanzenteile mit kochendem Wasser und lässt das Ganze einige Minuten ziehen. Anschließend wird abgeseiht. Heiß genossen wärmt der herbe Aufguss an kühlen Tagen, kalt aufgegossen kann er im Sommer erfrischen.

Für die Wurzel empfiehlt sich ein etwas längeres Köcheln, damit sich die Aromen vollständig lösen. So entsteht ein kräftiges, dunkles Getränk mit deutlich rösterigem Charakter. Auch in Mischungen mit anderen Wildkräutern findet die Wegwarte ihren Platz.

Sammeln und Anbau im Garten

Wer die Wegwarte selbst sammeln möchte, findet sie im Sommer an vielen sonnigen Wegrändern. Wichtig ist, nur an unbelasteten Standorten fernab von Straßen und gespritzten Feldern zu ernten. Bei Unsicherheit über die Bestimmung sollte man auf getrocknete Ware aus dem Handel zurückgreifen, die in Drogerien und Apotheken erhältlich ist.

Die Wegwarte lässt sich auch im eigenen Garten ziehen. Als robuste, anspruchslose Pflanze gedeiht sie auf vielen Böden und zieht mit ihren Blüten Bienen und andere Insekten an. So verbindet sich der Nutzen für die Teezubereitung mit einem Gewinn für die heimische Tierwelt, ähnlich wie bei der bienenfreundlichen Ringelblume.

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Bewusst genießen ohne Heilsversprechen

In der traditionellen Pflanzenkunde wurde der Wegwarte seit jeher Beachtung geschenkt, besonders im Zusammenhang mit der Verdauung. Diese überlieferten Anwendungen sind jedoch nicht mit gesicherten medizinischen Wirkungen gleichzusetzen.

Wegwarten-Tee ist ein Genussmittel und kein Heilmittel. Bei gesundheitlichen Beschwerden ersetzt er keine ärztliche Behandlung, und bei Unsicherheiten sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Wer die Bitterkeit schätzt und gern Wildpflanzen entdeckt, findet hier einen ungewöhnlichen Tee, der an alte Zeiten erinnert und zugleich modern als bewusste Alternative zum Kaffee genossen werden kann.

Häufige Fragen

Was ist Wegwarte-Tee?
Ein Kräuteraufguss aus der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus), einer blau blühenden Wildpflanze, die mit Chicorée und Zichorie verwandt ist. Verwendet werden Kraut oder Wurzel.

Wie schmeckt der Tee?
Deutlich herb und leicht bitter, ähnlich wie Zichorienkaffee. Eine kürzere Ziehzeit, etwas Honig oder ein paar Minzblätter mildern die Bitterkeit ab.

Hat Wegwarte-Tee eine heilende Wirkung?
In der Volksheilkunde wird die Pflanze traditionell verwendet, doch das sind keine gesicherten medizinischen Wirkungen. Der Tee ist ein Genussmittel und ersetzt keine ärztliche Behandlung.

Kann ich Wegwarte selbst sammeln?
Ja, im Sommer an sonnigen Wegrändern, jedoch nur an unbelasteten Standorten und bei sicherer Bestimmung. Im Zweifel auf getrocknete Ware aus dem Handel zurückgreifen.

Enthält Wegwarte-Tee Koffein?
Nein. Als reiner Kräuteraufguss ist Wegwarte-Tee von Natur aus koffeinfrei und lässt sich daher auch am Abend trinken.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.