Kaiser Qianlong und die grüne Schnecke


Immer wieder spielen in den Sagen und Legenden, die bis heute in China zu Tee erzählt werden, nicht nur der Tee selbst, sondern auch die damaligen Kaiser eine große Rolle. So auch in diesem Mythos, der sich um die Namensgebung des grünen Tees Pi Lo Chun rankt.

Kaiser Qianlong und die grüne Schnecke

Der Legende nach war Kaiser Qianlong, einer der Herrscher während der Qing-Dynastie, auf der Reise von Peking in den Süden seines Landes. In der Stadt Suzhou machte er mit seinem Gefolge Rast und bekam von den dortigen Einwohnern selbstverständlich deren besten Tee serviert.

Dem Kaiser schmeckte der Tee so hervorragend, dass er sich nach dem Namen erkundigte. Als Antwort wurde ihm gesagt, der Tee hieße „Xia Sha Ren Xiang“, was übersetzt so viel bedeutet wie „schrecklich duftig“. Zwar duftete der Tee, der Qianlong serviert worden war tatsächlich sehr, sehr intensiv, allerdings war dieser Duft gleichzeitig zart und lieblich. Der Kaiser fand, dass dieser Name diesem wohlriechendem Tee keinesfalls gerecht würde. Der Name schien ihm außerdem „zu unfein“.

So beschloss er, dem Tee einfach einen anderen, passenderen Namen zu geben. Beim Blick auf die getrockneten Teeblätter fiel ihm auf, dass diese immer noch ein recht sattes Grün hatten und außerdem irgendwie wie kleine Schnecken aussahen. Und schon war der neue Name gefunden. Ab sofort hieß dieser leckere Tee „Pi Lo Chun“, „jadegrüne Schnecke des Frühlings“.

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Der Bezug auf Frühling ist deshalb gerechtfertigt, weil die Erntezeit für diese Teesorte immer nur einen kurzen Zeitraum von Ende März bis Anfang April betrifft. Der Kaiser hatte sich also nicht nur einen feineren, wohlklingenderen, sondern auch einen absolut passenden Namen einfallen lassen, der sowohl das Äußere, als auch den Erntezeitpunkt dieses Tees beschreibt.

Legende oder Wahrheit?

Historischen Dokumenten zufolge lebte Qianlong von 1711 bis 1799. Seine Regentschaft als Kaiser gilt bis heute als Höhepunkt der Qing-Dynastie und war außergewöhnlich lang. Offiziell dauerte sie stolze 60 Jahre von Oktober 1735 bis Februar 1796. Einige Quellen deuten jedoch darauf hin, dass Qianlong sogar bis zu seinem Tode nochmals 3 Jahre später der tatsächliche Machtinhaber und Kaiser war.

Während all dieser Jahre wuchs das chinesische Reich und trotzdem herrschten so stabile Bedingungen, dass die Bevölkerung in Wohlstand lebte und „Prachtentfaltung“ immer mehr das öffentliche Leben beherrschte. Auch, wenn zum Ende seiner Zeit bereits die ersten folgenschweren Probleme der nächsten Jahrhunderte langsam sichtbar wurden, wie etwa die beginnende Korruptionsproblematik, so konnte sich Qianlong doch in großem Umfang den Künsten widmen.

ER liebte es, Gedicht zu schreiben, zu malen und verstand sich sogar in der Kunst der Kalligrafie so sehr, dass er als wahrer Meister auf diesem Gebiet galt. Davon abgesehen sammelte er Kunstwerke aus aller Welt und auch die „Vollständige Bibliothek der Vier Schätze“, die größte chinesische Büchersammlung, ist seiner Leidenschaft zur Kunst zu verdanken.

Angesichts dieser historischen Tatsachen scheint es durchaus möglich, dass Qianlong mit seiner Liebe zur Kunst und zu schönen Dingen einen unpassenden Namen für einen Tee tatsächlich nicht ertragen konnte. Beweisen lässt sich dies jedoch nicht einwandfrei.

Fazit

Wie so oft, ist auch dies ein Teemythos, der nicht bis ins letzte Detail vollständig aufgeklärt werden kann. Die Geschichte verdeutlicht aber einmal mehr die bedeutende Stellung, die Tee in der chinesischen Gesellschaft und Kultur hat. Absolut undenkbar, dass heutzutage einer der entscheidenden Politiker unseres Landes sich mit der Namensgebung eines Tees befassen könnte. Im alten China schien das absolut selbstverständlich.

Möglich, dass die Teehersteller mit dieser Legende einfach Werbung für ihr Produkt machen wollten, vielleicht hat es auch nie eine Namensänderung gegeben und man wollte sich nur eine unterhaltsame Anekdote überlegen, wie der Pi Lo Chun zu seinem schmückenden Namen kam. Doch selbst, wenn dies so gewesen ist, hätte man, wohl auch ganz bewusst, keine Sage gewählt, die absolut unglaubwürdig ist.

Wahr oder nicht, es handelt sich um eine nette Geschichte, mit deren Hilfe man sich den Namen des Tees ganz sicher gut merken kann und die einmal mehr verdeutlicht, wie verankert und verwurzelt Tee in China ist. Seine Bedeutung ist wesentlich größer, als dies für irgendein anderes Getränk irgendwo im Rest der Welt denkbar wäre. Da kann noch nicht einmal Bier in Bayern mithalten.

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Bildnachweis: Kaiser Qianlong und die grüne Schnecke © dusk – Fotolia.com

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