Der Long Island Iced Tea trägt den Tee im Namen, sieht aus wie Eistee — und enthält doch kein einziges Teeblatt. Der Longdrink wird aus fünf klaren Spirituosen gemixt und mit Cola auf die typische Bernsteinfarbe gebracht. Um seine Entstehung ranken sich gleich mehrere Geschichten: von der Prohibition über trickreiche Hausfrauen bis zu einem Barkeeper auf Long Island. Hier lesen Sie alle drei Versionen und was an ihnen dran ist.
Ein Eistee, der keiner ist: die Rezeptur
Einen originalen Long Island Iced Tea mixt man zu gleichen Teilen — üblich sind je 1,5 bis 2 cl — aus Wodka, Gin, Rum, Tequila und Triple Sec (Orangenlikör). Dazu kommen Zitronensaft und ein kräftiger Schuss Cola. Jede der fünf Spirituosen ist farblos; erst die Cola verleiht dem Drink die bernsteinbraune Farbe, die täuschend echt an gezuckerten Schwarztee erinnert.
In diesem Punkt sind sich alle Quellen einig: Der Namensteil "Iced Tea" stammt von der Optik, nicht vom Inhalt. Wer echten kalten Tee sucht, wird hier also nicht fündig — wohl aber bei den vielen Varianten von Eistee, der noch lange nicht immer Eistee ist.
Theorie 1: Tarnung in der Prohibition
Die älteste Entstehungslegende führt in die Zeit der amerikanischen Alkoholprohibition, die von 1920 bis 1933 landesweit galt. Wer damals in einer Bar oder bei einer Feier Hochprozentiges trank, riskierte Strafen — ein Glas, das wie harmloser Eistee aussah, war die perfekte Tarnung. Fünf Spirituosen plus Cola ergaben ein Getränk, dem man den Alkohol auf den ersten Blick nicht ansah.
Diese Version erklärt elegant, warum ausgerechnet ein so starker Drink einen so unschuldigen Namen trägt. Belege für eine Entstehung in den 1920er-Jahren fehlen allerdings; das heute bekannte Rezept taucht in Cocktailbüchern dieser Zeit nicht auf.
Theorie 2: Hausfrauen, Teenager und fünf Flaschen
Die zweite Erzählung verlegt die Erfindung in private Haushalte auf Long Island im US-Bundesstaat New York. Damit der Hausherr nichts bemerkte, sollen gelangweilte Hausfrauen — andere Versionen sagen: frühreife Teenager — aus fünf verschiedenen Flaschen der Hausbar jeweils nur kleine Mengen entnommen haben. Kein Füllstand sank auffällig, und mit Cola aufgegossen entstand der Eindruck, man trinke brav einen erfrischenden Eistee.
Über die Urheber sind sich die Anhänger dieser Version uneins, über den Ort dagegen einig: Long Island. Herkunft plus Färbung ergäben damit die schlüssige Erklärung für den Namen des Longdrinks.
Theorie 3: Robert C. Butt und die Bar-Erfindung der 1970er
Die am besten dokumentierte Version datiert den Cocktail in die 1970er-Jahre. Häufig wird Robert C. Butt genannt, ein Barkeeper aus den noblen Hampton Bays auf Long Island, der den Drink bei einem Mix-Wettbewerb kreiert haben will. Eine konkurrierende Erzählung schreibt die Erfindung einer ganzen Gruppe von Barkeepern zu, die ab etwa 1976 auf Hochzeiten bedienten: Ihnen war aufgefallen, dass der dort übliche Whiskey Sour beim jungen Publikum schlecht ankam — der süße, starke Neuling füllte die Lücke.
Sicher ist: Ende der 1970er-Jahre tauchte der Long Island Iced Tea in der Öffentlichkeit auf und trat von dort seinen Weg um den Globus an. Kreative Barkeeper, die mit neuen Rezepten Gäste binden wollen, hat es schließlich zu allen Zeiten gegeben.
Unterschätzte Stärke: was wirklich im Glas steckt
Tückisch am Long Island Iced Tea ist sein harmloser Auftritt. Mit fünf Spirituosen kommt er je nach Rezeptur auf einen Alkoholgehalt von rund 15 bis 20 Volumenprozent — deutlich mehr als Wein, und doch schmeckt man den Alkohol durch Cola, Zucker und Zitrone kaum heraus. Selbst informierte Genießer trinken ihn deshalb gern einmal zu schnell.
Genau dieses Talent zum Verbergen macht alle drei Entstehungslegenden plausibel: Ob Prohibition, Hausbar oder Hochzeitsgesellschaft — in jeder Version geht es darum, dass der Drink seinen Alkohol erfolgreich versteckt. Wer ihn bestellt, sollte das wissen und ihn entsprechend langsam genießen.
Cocktails mit echtem Tee: die Alternativen
Dabei lässt sich mit echtem Tee hervorragend mixen. In Asien ist grüner Tee mit Whiskey ein verbreiteter Longdrink, und auch hierzulande experimentieren Bars mit Tee-Infusionen — ein Beispiel aus unserem Rezeptarchiv ist der Bacardi-Tee. Alkoholfrei funktioniert es genauso gut: Kräftig aufgebrühter, gekühlter Tee bildet die Basis unzähliger Sommergetränke, und wer mag, kann Tee sogar von vornherein kalt aufgießen.
Vielleicht entsteht ja eines Tages ein Trend-Cocktail, der den Tee nicht nur im Namen, sondern tatsächlich in der Zutatenliste führt. Bis dahin bleibt der Long Island Iced Tea das, was er immer war: ein gut erzählter Etikettenschwindel mit weltweitem Erfolg.
Häufige Fragen
Ist im Long Island Iced Tea wirklich kein Tee?
Nein, kein Tropfen. Der Drink besteht aus Wodka, Gin, Rum, Tequila und Triple Sec, dazu Zitronensaft und Cola. Nur die bernsteinbraune Farbe der Cola erinnert an gezuckerten Schwarztee — daher der Name.
Wer hat den Long Island Iced Tea erfunden?
Das ist nicht abschließend geklärt. Am häufigsten genannt wird der Barkeeper Robert C. Butt aus den Hampton Bays auf Long Island in den 1970er-Jahren; daneben kursieren Legenden aus der Prohibitionszeit und aus privaten Hausbars.
Wie stark ist ein Long Island Iced Tea?
Je nach Rezeptur erreicht er rund 15 bis 20 Volumenprozent Alkohol — mehr als Wein. Durch Cola, Zucker und Zitrone schmeckt man das kaum, weshalb der Drink oft unterschätzt wird.
Warum sollte die Prohibition eine Rolle gespielt haben?
Während des US-Alkoholverbots von 1920 bis 1933 war ein Drink, der wie harmloser Eistee aussah, eine ideale Tarnung. Belegt ist diese Entstehungsversion allerdings nicht — das Rezept fehlt in Cocktailbüchern jener Zeit.
Kann man Cocktails auch mit echtem Tee mixen?
Ja. In Asien ist grüner Tee mit Whiskey verbreitet, und kräftig aufgebrühter, gekühlter Tee eignet sich als Basis für Longdrinks mit und ohne Alkohol — vom Tee-Punsch bis zum Sommergetränk.
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