Asien
Im asiatischen Raum, vor allem in Japan, China, Korea und Vietnam sind Siebe oder Teebeutel völlig unbekannt. Tee wird grundsätzlich lose in eine Kanne gegeben und direkt mit heißem Wasser übergossen. Außerdem würde niemand je auf die Idee kommen, die verwendeten Teeblätter nach nur einem Aufguss zu verwerfen und frische zu verwenden. Solch eine Dekadenz würde sich in Asien niemand erlauben. Zudem gibt es einige Teesorten bei denen der zweite Aufguss tatsächlich um ein Vielfaches besser schmeckt, als der erste. "Die erste Tasse für den Feind - die zweite Tasse für den Freund." ist eine Volksweisheit, die bis heute ihre Berechtigung hat. In Indien begann die Geschichte des Tees mit der britischen Kolonialmacht. Dennoch bildete sich parallel zum britischen Vorbild eine unabhängige Teekultur mit einer völlig anderen Zubereitung mit Gewürzen. Südindien dagegen scheint bis heute resistent gegen diese Entwicklungen zu sein. Dort wird bis heute ausschließlich Kaffee getrunken. In Tibet wird ausschließlich salziger Buttertee getrunken. Der Zweck darin hat keinerlei spirituellen oder geselligen Hintergrund. Es geht einzig und allein darum, den Körper warm und die Körpertemperatur konstant zu halten. In Thailand ist ein Großteil der Bevölkerung Laktose intolerant, weshalb zum Tee meist keine Milch, sondern Kaffeeweißer gereicht wird. Und in Malaysia finden sich sowohl Anhänger der chinesischen, als auch der indischen Teekultur. Davon abgesehen wird dort seit dem 20. Jahrhundert auch Eistee sehr gerne getrunken.Russland
Seinen Weg nach Russland fand der Tee über die Mongolei. Trotz anfänglicher Skepsis der Bevölkerung setzte er sich nicht nur durch, in Russland entwickelte sich eine völlig eigene Zubereitungsform. Und auch heute noch ist der Samowar aus keinem Haushalt wegzudenken. Er ist das Symbol schlechthin für russischen Teegenuss, Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Von der Art und Weise der Zubereitung einmal abgesehen, gibt es noch weitere Unterschiede. So würde bei uns wohl niemand auf die Idee kommen, seinen Tee mit Marmelade zu süßen. Und auch die vor allem in der Mongolei übliche Verwendung von sogenannten Ziegeltees, ist bei es nicht gängig. Tee wird bei und entweder lose oder in Teebeuteln gehandelt. Die Möglichkeit Tee in feste Formen zu pressen und sich dann die benötigte Menge abzubrechen oder abzuschneiden, kennt man bei uns wenn überhaupt dann meist nur vom Hörensagen.Europa
In Europa steht beim Teetrinken ganz eindeutig der Genuss im Vordergrund. Während in Asien der Schwerpunkt ganz eindeutig auf Spiritualität, Meditation und Besinnung liegt, geht es in Europa um Gastfreundschaft und geselliges Beisammensein. So werden zum Tee meist ganz automatisch auch Gebäck und andere kleine Snacks gerecht. Außerdem wird Tee selten pur getrunken, sondern meist noch mit Milch oder Zitrone und mit Zucker verfeinert. Auch die Zugabe von etwas Rum ist in manchen Regionen durchaus nicht unüblich. Dennoch ist vor allem in den letzten Jahren das Interesse an den asiatischen Teekulturen gestiegen. Wenn diese auch nicht vollständig und keinesfalls korrekt abgehalten werden, so erfreuen sich die entsprechenden Teesorten auch bei uns immer größer werdender Beliebtheit. Und auch einige Yogaschulen beispielsweise haben es sich angewöhnt, nach der Abschlussmeditation einer Stunde eine Tasse Tee zu reichen.Orient
Im Orient wird der Tee ganz ähnlich wie in Russland zubereitet. Der dort verbreitete Çaydanlık funktioniert ganz ähnlich, wie der Samowar. Davon abgesehen bevorzugt man den Tee in diesem Teil der Welt meist sehr stark aber auch sehr süß. Zitrone oder Milch dagegen sind verpönt. Jeder, der schon mal einen orientalischen Schwarztee probiert hat, wird bestätigen können, dass dies auch seinen guten Grund hat. Diese Sorten schmecken mit Milch oder Zitrone einfach nicht.Amerika
Auch in Amerika wird Tee getrunken. Die ursprünglichen Formen waren aber überwiegend Rindentees. Seit einigen Jahren erleben diese Sorten eine Art Renaissance und sind nun selbst bei uns bekannt und zum Teil beliebt. Dies ist wiederum eine ganz andere Art von Tee und eines der besten Beispiele dafür, dass Tee eben nicht einfach gleich Tee ist.Fazit
Die Art und Weisen Tee zu trinken sind fast so zahlreich, wie die Völker, die auf dieser Welt leben. Fängt man erst einmal an, sich damit zu beschäftigen und zu informieren, wo welcher Tee wie getrunken wird, merkt man schnell, wie bunt und facettenreich die Welt des Tees ist. Es gibt eine fast unzählbare Fülle an verschiedensten Arten und Sorten. Und die Gründe, warum ein bestimmter Tee getrunken wird sind noch viel zahlreicher. Sei es aus Gastfreundschaft, zur inneren Einkehr und zur Meditation, um eine bestimmte Erkrankung zu lindern oder einfach so zum Genuss. Jeder Grund hat seine Berechtigung, es gibt kein Richtig oder Falsch. Selbst wenn alle Welt Tee auf die gleiche Art und Weise trinken würde, wenn der eigene Geschmack einem sagt, dass es anders besser ist, dann hat er Recht. Genuss ist alles was zählt. Und den kann beim Teetrinken jeder haben.Bildnachweis: Teegenuss weltweit - © dimmitrius - Fotolia.comTeetraditionen auf allen Kontinenten
Tee verbindet die Welt – aber nicht auf die gleiche Weise überall. In Japan wird die Teezeremonie (Chado) als eine der höchsten Kunstformen betrachtet: jede Bewegung ritualisiert, jedes Gerät sorgfältig ausgewählt, das Erlebnis meditativer Natur. In China variiert die Teekultur je nach Region enorm: In Fujian werden Oolong-Tees in winzigen Gongfu-Teesets serviert; in Tibet wird Tee mit Yak-Butter und Salz zubereitet; in Guangdong ist Tee beim Dimsum-Frühstück unverzichtbar. Im Nahen Osten trinkt man Schwarztee stark und süß, oft gewürzt mit Kardamom, aus kleinen Gläsern. In Nordafrika ist der Minzgrüntee ein Symbol der Gastfreundschaft, der in drei Gängen serviert wird – von stark nach mild.
In Großbritannien ist der Nachmittagstee (Afternoon Tea) ein nationales Kulturgut, obwohl er erst im 19. Jahrhundert von der Herzogin Anna von Bedford eingeführt wurde. In Russland ist der Samowar – ein dampfendes Metallgefäß zum Heißwasserhalten – das Zentrum des häuslichen Lebens. In Argentinien und Uruguay ist Mate zwar botanisch kein Tee, wird aber nach ähnlichen rituellen Prinzipien geteilt. In Indien, dem weltgrößten Teeverbraucher nach China, ist Chai – süßer Tee mit Milch und Gewürzen – das alltägliche Volksgetränk, angeboten von Chaiwalas an jeder Straßenecke.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Jiaogulan Tee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu chinesische Teekultur. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Yan Cha Felsentee.
Globale Trends im Teekonsum
Die weltweite Teeproduktion übersteigt heute 6 Millionen Tonnen jährlich, mit China und Indien als dominierenden Produzenten. Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten, besonders unter jüngeren Generationen. Bubble Tea – taiwanischer Ursprung – hat eine weltweite Jugendbewegung ausgelöst und Millionen von jungen Menschen an den Teekonsum herangeführt. Specialty Tea (Spezialitätentee), ähnlich dem Specialty Coffee, gewinnt in urbanen Märkten Marktanteile: handgepflückte Single-Origin-Tees, transparente Lieferketten, experimentelle Fermentation. Der Gesundheitstrend stärkt ebenfalls den Teekonsum: Grüntee-Extrakte finden sich in Nahrungsergänzungsmitteln; Matcha ist in Smoothie-Bars Standard; adaptogene Kräutertees boomen in Wellness-orientierten Märkten.
FAQ: Teegenuss weltweit
In welchem Land wird am meisten Tee getrunken? Pro Kopf trinken die Türken am meisten Tee – rund 3,5 kg pro Person pro Jahr. Irland und Großbritannien folgen. Absolut betrachtet (Gesamtvolumen) ist China der größte Teeverbraucher der Welt, gefolgt von Indien.
Was unterscheidet Chai in Indien von westlichem „Chai Latte"? Echter indischer Chai wird mit Wasser und Milch zusammengekocht (nicht aufgeschäumt), ist stark gesüßt und enthält typischerweise Ingwer, Kardamom, Zimt und Pfeffer. Der westliche „Chai Latte" ist oft ein vorsüßtes Pulver oder Konzentrat mit aufgeschäumter Milch – deutlich milder und süßer als das Original.
Warum wird Tee in manchen Ländern aus Gläsern getrunken? In der Türkei, in Iran und in vielen arabischen Ländern ist das Teeglas (Fincan oder استکان) traditionell, weil man so die schöne Farbe des Tees sehen kann – ein wichtiges ästhetisches Element dieser Teetraditionen. Außerdem kühlt Tee in Gläsern schneller ab als in Keramikbechern, was in heißen Klimazonen praktisch ist.
Ist Bubble Tea wirklicher Tee? Ja – die Basis von Bubble Tea ist meist Schwarztee oder Grüntee, mit Milch, Süßungsmitteln und Tapioka-Perlen gemischt. Allerdings enthalten viele kommerzielle Varianten sehr viel Zucker und künstliche Aromen, was sie eher als Dessert-Getränk denn als klassischen Tee klassifiziert. Qualitätsorientierte Bubble-Tea-Shops verwenden inzwischen hochwertige Tee-Bases und reduzieren den Zuckergehalt.
Verwandte Artikel
Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:
- Sri Lanka Teekultur (Teekulturen)
- Irische Teekultur (Teekulturen)
- Mittelamerikanische Teekultur (Teekulturen)
- Koreanische Teekultur (Teekulturen)
- Türkische Teekultur (Teekulturen)
- Zitronenschalen Tee (Kräutertee)
- Kaiser Qianlong und die grüne Schnecke (Mythen)
- Nilgiri (Grüner Tee)